Mehr als 565.000 Einheiten an einem Tag: Wie Lager mit Mobiler Robotik auf Nachfragespitzen reagieren können

The Quality Group bewältigte im Juni 2026 ein außergewöhnlich hohes Kommissioniervolumen. Auch Boots UK meldet hohe Durchsatzwerte. Locus Robotics zeigt anhand beider Beispiele, warum die Steuerung von Ressourcen bei schwankender Nachfrage entscheidend ist.

Autonome mobile Roboter unterstützen die Kommissionierung im Lager von The Quality Group. Die koordinierte Steuerung soll eine flexible Verteilung der Ressourcen ermöglichen. (Bildquelle: The Quality Group)
Autonome mobile Roboter unterstützen die Kommissionierung im Lager von The Quality Group. Die koordinierte Steuerung soll eine flexible Verteilung der Ressourcen ermöglichen. (Bildquelle: The Quality Group)

Locus Robotics zeigt Strategien für flexible Lagerautomatisierung bei Nachfragespitzen

Kurzfristige Nachfragespitzen stellen Lager- und Fulfillment-Betreiber vor zusätzliche Anforderungen an die Kapazitätsplanung. Neben saisonalen Ereignissen wie Black Friday und Weihnachten können soziale Medien, Produktkampagnen oder veränderte Marktbedingungen das Auftragsaufkommen innerhalb weniger Stunden beeinflussen. Locus Robotics erläutert anhand der Praxisbeispiele The Quality Group und Boots UK, wie sich unterschiedliche Nachfragemuster auf den Materialfluss auswirken. Nach Einschätzung des Anbieters mobiler Robotik gewinnt insbesondere die Fähigkeit an Bedeutung, Aufträge, Personal und Roboterkapazitäten kurzfristig an veränderte Bedingungen anzupassen.

Bei der klassischen Planung von Nachfragespitzen stehen häufig bekannte saisonale Ereignisse im Mittelpunkt. Unternehmen bereiten sich darauf durch zusätzliche personelle und technische Kapazitäten vor. Schwieriger gestaltet sich die Planung, wenn Nachfrageanstiege unerwartet auftreten, länger anhalten oder andere Artikel betreffen als ursprünglich angenommen.

Zu den möglichen Auslösern gehören virale Beiträge in sozialen Medien, Influencer-Empfehlungen, Produktneuheiten, limitierte Sonderauflagen und Rabattaktionen. Auch neue Zollbestimmungen können Nachfrageveränderungen auslösen. Solche Entwicklungen wirken sich nicht ausschließlich auf die Anzahl der Aufträge aus. Verändert sich die Nachfrage nach bestimmten Artikeln, können sich gleichzeitig Lagerplatzbedarf, Kommissionierwege, Nachschubprozesse und die Auslastung einzelner Lagerzonen verschieben.

The Quality Group mit mehr als 565.000 kommissionierten Einheiten

Wie stark sich kurzfristige Nachfrageveränderungen auf die Intralogistik auswirken können, verdeutlicht Locus Robotics am Beispiel von The Quality Group. Bei dem Unternehmen kann sich das Auftragsvolumen während kampagnenbedingter Spitzen gegenüber einem regulären Betriebstag vervielfachen. Während einer solchen Phase im Juni 2026 wurden nach den vorliegenden Angaben an einem Tag mehr als 100.000 Bestellungen und über 565.000 Einheiten kommissioniert.

Eine besondere Herausforderung bei kampagnengetriebenen Nachfragespitzen besteht darin, dass sich nicht nur die Gesamtmenge der Bestellungen verändert. Auch die Nachfrage nach einzelnen Artikeln kann innerhalb kurzer Zeit deutlich steigen. Produkte, die zuvor nur einen begrenzten Anteil am Auftragsvolumen hatten, können sich dadurch zu besonders häufig kommissionierten Artikeln entwickeln.

Damit verändern sich die Anforderungen an die Lagerorganisation. Zusätzliche Aufträge konzentrieren sich möglicherweise auf bestimmte Lagerzonen, während andere Bereiche weiterhin regulär ausgelastet sind. Gleichzeitig muss der Nachschub mit dem erhöhten Warenabfluss Schritt halten.

Nach Darstellung von Locus Robotics reicht es deshalb nicht aus, ausschließlich zusätzliche Gesamtkapazität bereitzustellen. Entscheidend sei vielmehr, Personal, Arbeitslasten und robotische Ressourcen gezielt auf die tatsächlich entstehenden Engpässe auszurichten.

Grenzen fest installierter Automatisierungssysteme

Bei der Auslegung automatisierter Lagertechnik orientieren sich Unternehmen unter anderem an erwarteten Auftragsmengen, Artikelstrukturen und Prozessanforderungen. Fest installierte Automatisierungssysteme können unter stabilen Betriebsbedingungen hohe Durchsatzleistungen erzielen. Bei stark schwankenden Nachfrageprofilen ergeben sich jedoch zusätzliche wirtschaftliche und technische Anforderungen. Wird eine Anlage auf das maximal erwartete Auftragsvolumen ausgelegt, können außerhalb der Spitzenzeiten erhebliche Kapazitätsreserven ungenutzt bleiben.

Eine Dimensionierung auf das durchschnittliche Auftragsaufkommen kann dagegen dazu führen, dass die verfügbare Leistung während außergewöhnlicher Nachfragespitzen nicht ausreicht. Einschränkungen beim Durchsatz und bei der Einhaltung vereinbarter Serviceleistungen können die Folge sein. Hinzu kommt, dass sich fest installierte Systeme nicht in jedem Fall kurzfristig erweitern oder an veränderte Prozessanforderungen anpassen lassen. Dies betrifft insbesondere Situationen, in denen sich Engpässe innerhalb des Lagers verlagern oder Nachfrageanstiege früher als erwartet auftreten.

Locus Robotics stellt deshalb die flexible Steuerung vorhandener Ressourcen in den Mittelpunkt seines Ansatzes. Dabei sollen nicht nur zusätzliche Kapazitäten bereitgestellt, sondern die verfügbaren technischen und personellen Ressourcen fortlaufend koordiniert werden.

„Locus One“ koordiniert Aufträge und mobile Roboter

Für diese Aufgaben setzt der Anbieter auf seine Softwareplattform „Locus One“. Sie koordiniert Aufträge, Mitarbeitende und robotische Ressourcen während des laufenden Lagerbetriebs. Die Steuerung soll Arbeitslasten und Prioritäten anhand der jeweiligen Anforderungen anpassen.

Ergänzend ermöglicht die Lösung „FastPick“ nach Herstellerangaben eine dynamische Anpassung von Auftragsprioritäten und robotischen Kapazitäten. Steigt beispielsweise die Nachfrage nach einem bestimmten Artikel kurzfristig an, sollen sich die verfügbaren Ressourcen gezielt auf die betroffenen Prozesse ausrichten lassen. Ziel ist es, veränderte Auftragsprofile zu bearbeiten, ohne die vorhandene Lagerstruktur oder bestehende Abläufe grundlegend umgestalten zu müssen. Neben der technischen Steuerung sieht Locus Robotics auch in der Bereitstellung zusätzlicher Roboter einen Ansatz zur Bewältigung schwankender Auslastungen. Über das Geschäftsmodell Robots-as-a-Service können Unternehmen ihre Automatisierungskapazität an veränderte Anforderungen anpassen.

Eine weitere Rolle spielt die Einbindung saisonaler Beschäftigter. Visuelle Bedienführung, mehrsprachige Benutzeroberflächen und standardisierte Arbeitsabläufe sollen die Einarbeitung erleichtern. Damit sollen auch kurzfristig eingesetzte Mitarbeitende in bestehende Kommissionierprozesse integriert werden können.

Boots UK reagiert auf verlängerte Saisonspitzen

Während The Quality Group als Beispiel für kurzfristige kampagnenbedingte Nachfragespitzen dient, beschreibt Locus Robotics mit Boots UK ein anderes Belastungsmuster. Das Unternehmen plant regelmäßig zusätzliche Roboterkapazitäten für saisonale Spitzen rund um Black Friday und Weihnachten ein. In den vergangenen Jahren hielt die erhöhte Nachfrage jedoch teilweise länger an als ursprünglich prognostiziert. Deshalb blieb ein Teil der zusätzlich eingesetzten Roboter bis weit in den Januar hinein im Einsatz. In Spitzenphasen verarbeitete Boots UK nach Angaben von Locus Robotics mehr als 100.000 Auftragszeilen pro Tag. Der genannte Spitzendurchsatz lag bei über 6.700 Auftragszeilen pro Stunde.

Das Beispiel verdeutlicht eine andere Herausforderung der Kapazitätsplanung. Während bei kurzfristigen Kampagnen insbesondere die plötzliche Veränderung von Auftragsvolumen und Artikelstruktur relevant ist, kann bei saisonalen Ereignissen vor allem die tatsächliche Dauer der erhöhten Nachfrage von der ursprünglichen Planung abweichen. Eine anpassungsfähige Kapazitätsplanung muss deshalb nicht nur zusätzliche Leistung für bekannte Spitzenzeiten berücksichtigen, sondern auch deren mögliche Verlängerung.

Ressourcensteuerung als Bestandteil der Peak-Planung

Die beiden Beispiele verdeutlichen unterschiedliche Anforderungen an die Planung und Steuerung automatisierter Lagerprozesse. Bei The Quality Group steht die kurzfristige Veränderung des Auftragsprofils im Vordergrund. Bei Boots UK geht es um einen saisonalen Nachfrageanstieg, dessen Dauer nicht vollständig mit der Prognose übereinstimmte.

Locus Robotics leitet daraus die Bedeutung einer laufenden Abstimmung von Aufträgen, Arbeitslasten, Mitarbeitenden und Roboterkapazitäten ab. Der Anbieter bezeichnet diese koordinierte Ressourcensteuerung als Orchestrierung. Damit erweitert sich die Vorbereitung auf Nachfragespitzen um die Frage, wie schnell sich vorhandene und zusätzlich bereitgestellte Kapazitäten an veränderte Anforderungen anpassen lassen.

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