Knapp gründet Robotikgesellschaft und baut Innovationszentrum in Boston auf
Mit der Neugründung führt Knapp seine Robotikaktivitäten in einer gemeinsamen Organisationsstruktur zusammen. Während Graz weiterhin als Kompetenzzentrum für Robotikentwicklung und Logistik dient, soll Boston die internationale Technologieentwicklung mit Schwerpunkt auf industriellen Anwendungen stärken. Beide Standorte sollen Forschung, Produktentwicklung, Lösungsplanung und Implementierung enger miteinander verzahnen.
Nach Angaben der Knapp AG übernimmt Knapprobotics.ai gruppenweit die geschäftliche Verantwortung für Robotik. Die Gesellschaft bündelt dazu Produktmanagement, Entwicklung und Umsetzung unter einer gemeinsamen Führung. Mit dieser Struktur will der Anbieter Entwicklungszyklen verkürzen, neue Technologien schneller in Kundenanwendungen überführen und die internationale Vermarktung seiner Robotiklösungen ausbauen.
Zugleich soll die Organisation dazu beitragen, Anforderungen aus unterschiedlichen Märkten bei der Produktentwicklung zu berücksichtigen. Im Mittelpunkt stehen nach Unternehmensangaben skalierbare Lösungen, die sich für den industriellen Einsatz in automatisierten Lager- und Fulfillment-Prozessen eignen.
Robotiklabor mit bis zu 35 Beschäftigten
Am Standort Somerville entsteht ein Robotiklabor, in dem Fachkräfte aus den Bereichen Softwareentwicklung, Künstliche Intelligenz, Mechatronik und Robotik zusammenarbeiten sollen. Bis Anfang 2027 plant Knapp den Aufbau eines Teams mit rund 30 bis 35 Beschäftigten. Davon sollen etwa 20 auf die Softwareentwicklung entfallen.
Das Unternehmen setzt bei der Personalplanung auf eine Kombination aus erfahrenen Beschäftigten der Knapp-Gruppe und neuen Fachkräften aus dem Technologie- und Robotikumfeld der Region Boston. Der Standort soll damit sowohl vorhandenes Entwicklungswissen nutzen als auch zusätzliche Kompetenzen aufbauen.
Die Leitung der neuen Gesellschaft übernimmt Wolfgang Toferer als Chief Executive Officer. Gemeinsam mit Christopher Reiß als Chief Operating Officer und Thomas Zilk als Vice President verantwortet er den organisatorischen Aufbau sowie die Weiterentwicklung des globalen Robotikgeschäfts innerhalb der Knapp-Gruppe.
Physical AI für automatisierte Lagerprozesse
Ein technologischer Schwerpunkt der neuen Gesellschaft liegt auf Anwendungen der sogenannten Physical AI. Dabei handelt es sich um Systeme, die mithilfe Künstlicher Intelligenz ihre Umgebung wahrnehmen, Entscheidungen treffen und physische Aufgaben ausführen können. Knapp will entsprechende Technologien für unterschiedliche Prozesse innerhalb automatisierter Lager- und Fulfillment-Systeme weiterentwickeln.
Zu den vorgesehenen Einsatzbereichen zählt das Piece Picking, bei dem Roboter einzelne Artikel greifen und handhaben. Beim Bin Picking geht es um die robotergestützte Entnahme von Objekten aus Behältern. Weitere Anwendungsfelder sind das Decanting, also das Umsetzen von Waren zwischen Ladungsträgern, sowie das Cycle Counting zur Bestandskontrolle. Darüber hinaus untersucht Knapp weitere robotergestützte Prozesse entlang der innerbetrieblichen Warenflüsse.
Als technologische Grundlage dient die Plattform „Knapp Brain“. Sie verbindet Verfahren der Computer Vision und der Künstlichen Intelligenz mit der Planung von Greifpunkten und Roboterbewegungen. Hinzu kommen Funktionen für kontinuierliches Lernen.
Nach Unternehmensangaben soll die Plattform die Grundlage für Robotiklösungen bilden, die sich in unterschiedlichen logistischen Anwendungen einsetzen und wirtschaftlich skalieren lassen. Die Weiterentwicklung zielt darauf ab, neue Ansätze aus der Robotikforschung in industriell nutzbare Systeme zu überführen.
Zusammenarbeit mit MIT-Umfeld wird ausgebaut
Bei der Wahl des neuen Standorts spielt die Nähe zu Forschungseinrichtungen und Technologieunternehmen im Großraum Boston eine wichtige Rolle. Insbesondere das Umfeld des Massachusetts Institute of Technology soll den Zugang zu wissenschaftlichen Entwicklungen und spezialisierten Fachkräften erleichtern.
Knapp arbeitet nach eigenen Angaben bereits seit mehreren Jahren mit Akteuren aus dem Umfeld des Instituts zusammen. Seit 2026 ist das Unternehmen Mitglied im MIT Industrial Liaison Program. Das Programm dient der Vernetzung von Unternehmen mit dem Forschungs- und Technologieumfeld des Instituts.
Darüber hinaus prüft der Intralogistikspezialist weitere Kooperationsmöglichkeiten in den Bereichen Robot Learning, Computer Vision, autonome Systeme, Simulation und intelligente Robotik. Die räumliche Nähe zu den Forschungseinrichtungen soll den fachlichen Austausch erleichtern und die Übertragung wissenschaftlicher Erkenntnisse in industrielle Anwendungen unterstützen.
Mit der Verbindung der Entwicklungsstandorte Graz und Boston will Knapp insbesondere die Weiterentwicklung seiner Technologieplattform „Knapp Brain“ vorantreiben. Die neue Gesellschaft soll dabei sowohl die technologische Entwicklung als auch die Umsetzung und Markteinführung entsprechender Robotiklösungen innerhalb der Unternehmensgruppe koordinieren.










































