Hermes automatisiert Palettentransporte mit 28 FTF von Melkus Mechatronic

Am Logistikstandort Löhne setzen Hermes Fulfilment und Hermes Einrichtungs Service, zwei Unternehmen der Otto Group, Fahrerlose Transportfahrzeuge des österreichischen Herstellers Melkus Mechatronic ein. Insgesamt beschafften die Unternehmen 28 Fahrzeuge des Typs „Melkus G130 2.0“, um großvolumige Warensendungen automatisiert zwischen dem Distributionslager und der angrenzenden Hauptumschlagsbasis zu transportieren. Die Fahrzeuge übernehmen Transportstrecken von bis zu 600 Metern und sollen die Beschäftigten von körperlich anspruchsvollen Arbeiten entlasten. Gleichzeitig zielt die Automatisierung auf kürzere Durchlaufzeiten, höhere Transportkapazitäten und stabilere Abläufe.

Im Hermes-Logistikzentrum Löhne transportieren 28 AGV vom Typ „Melkus G130“ täglich etwa 1.000 Paletten mit kommissionierten Waren über bis zu 600 Meter von 220 Aufnahmestellen zu 128 Zielen, vorwiegend LKW-Verladebuchten. (Bildquelle: Hermes)
Im Hermes-Logistikzentrum Löhne transportieren 28 AGV vom Typ „Melkus G130“ täglich etwa 1.000 Paletten mit kommissionierten Waren über bis zu 600 Meter von 220 Aufnahmestellen zu 128 Zielen, vorwiegend LKW-Verladebuchten. (Bildquelle: Hermes)

Der Standort in Löhne umfasst eine Lagerfläche von 100.000 Quadratmetern und verfügt über 128 Lkw-Verladebuchten. Dort arbeiten 680 Beschäftigte. Jährlich werden mehr als vier Millionen Bestellungen bearbeitet.

Hermes Fulfilment betreibt am Standort ein Distributionslager und übernimmt die Retourenabwicklung. Nach dem Bestelleingang werden die Waren in einem zwölf Meter hohen Breitgang-Hochregallager kommissioniert. Anschließend gelangen die Sendungen zur angrenzenden Hauptumschlagsbasis von Hermes Einrichtungs Service, wo sie an den jeweils vorgesehenen Verladebuchten für den weiteren Transport bereitgestellt werden.

Die innerbetrieblichen Transportstrecken führen durch zwei Hallen und einen Verbindungsgang. Bis zur Bereitstellung für die Lkw-Verladung legen die Sendungen dabei bis zu 600 Meter zurück. Diese Transporte werden durch das fahrerlose Transportsystem automatisiert.

Auslegung auf 1.000 Sendungen täglich

Mit der Einführung der fahrerlosen Fahrzeuge verfolgen die beiden Logistikunternehmen mehrere Ziele. Neben der Entlastung der Beschäftigten sollen die Anzahl der täglichen Transporte erhöht, die Durchlaufzeiten verkürzt und die Prozessabläufe stabilisiert werden.

Als Planungsziel wird der Transport von 1.000 Sendungen pro Tag mit einem Gewicht von jeweils bis zu 1.000 Kilogramm genannt. Die Waren werden auf Paletten unterschiedlicher Formate bereitgestellt. Eine technische Anforderung besteht darin, die Paletten auch bei Positionsabweichungen innerhalb eines Toleranzbereichs von 20 Zentimetern selbstständig zu erkennen und aufzunehmen.

Hinzu kommen die Bedingungen des Mischverkehrs. Die Fahrstrecken werden nicht ausschließlich von den automatisierten Fahrzeugen genutzt. Auch Gabelstapler und Fußgänger bewegen sich auf denselben Verkehrsflächen. Die Fahrzeuge müssen deshalb Hindernisse erkennen und ihre Bewegungen an die jeweilige Verkehrssituation anpassen.

Omnidirektionaler Antrieb vereinfacht Palettenaufnahme

Für die Automatisierung beschafften Hermes Fulfilment und Hermes Einrichtungs Service gemeinsam 28 Fahrzeuge des Typs „Melkus G130 2.0“. Nach Herstellerangaben beträgt deren maximale Nutzlast jeweils 1.200 Kilogramm. Damit liegt die Tragfähigkeit über dem für die Transportaufgabe vorgesehenen Sendungsgewicht von maximal 1.000 Kilogramm.

Ein wesentliches technisches Merkmal ist der omnidirektionale Antrieb. Dieser ermöglicht den Fahrzeugen Bewegungen in unterschiedliche Richtungen, ohne dass dafür herkömmliche Rangiermanöver erforderlich sind. Die Fahrzeuge können sich dadurch selbstständig vor den aufzunehmenden Paletten positionieren.

Zur Erfassung der Umgebung und der Ladungsträger setzt Melkus Mechatronic Laserscanner mit einem Erfassungsbereich von 360 Grad ein. Die Sensorik unterstützt die präzise Lokalisierung der Paletten und die anschließende Lastaufnahme. Dadurch lassen sich auch Paletten berücksichtigen, deren tatsächliche Position innerhalb des vorgegebenen Toleranzbereichs von der Sollposition abweicht.

Navigation ohne zusätzliche Infrastruktur

Die Fahrerlosen Transportfahrzeuge nutzen zur Orientierung ein Verfahren zur simultanen Lokalisierung und Kartierung. Dabei erfassen die Fahrzeuge ihre Umgebung und bestimmen ihre eigene Position innerhalb des Transportbereichs. Zusätzliche fest installierte Navigationshilfen sind nach Angaben des Herstellers dafür nicht erforderlich.

Die Laserscanner dienen zugleich der Erkennung von Hindernissen. Das ist insbesondere auf den gemeinsam genutzten Verkehrsflächen zwischen den beiden Hallen und im Verbindungsgang relevant. Die Fahrzeuge sollen ungeplante Hindernisse sowie Personen erkennen, um Kollisionen zu vermeiden.

Die Kombination aus autonomer Navigation, Palettenerkennung und omnidirektionalem Antrieb bildet die technische Grundlage für die automatisierten Transporte zwischen dem Distributionslager und der Hauptumschlagsbasis.

Flotte erweitert, Leerpalettentransport geplant

Nach Angaben der Unternehmen wurde die Fahrzeugflotte bei Hermes Einrichtungs Service bereits ein Jahr nach der Einführung erweitert. Darüber hinaus ist vorgesehen, den Einsatzbereich der vorhandenen Fahrzeuge auszuweiten. Künftig soll das Fahrerlose Transportsystem auch den Rücktransport leerer Paletten übernehmen.

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