Physical AI: Neura Robotics und NXAI bündeln Forschung zur Robotik
Der deutsche Robotikhersteller Neura Robotics und das österreichische Unternehmen NXAI arbeiten gemeinsam an Gedächtnisfunktionen für kognitive Roboter. Wie die Unternehmen am 20. Oktober 2026 mitteilten, wollen sie dafür das multimodale Foundation-Modell „Neuron AI“ von Neura Robotics mit der rekurrenten Architektur „xLSTM“ von NXAI verbinden. Ziel der Kooperation ist es, Robotern die Bearbeitung komplexer, mehrstufiger Aufgaben unter Berücksichtigung früherer Zustände und Erfahrungen zu ermöglichen. Darüber hinaus soll NXAI ein eigenes Modell auf der Plattform „Neuraverse“ bereitstellen.
Gedächtnisfunktionen für mehrstufige Arbeitsprozesse
Im Mittelpunkt der Zusammenarbeit steht die Weiterentwicklung künstlicher Intelligenz für physische Anwendungen, die sogenannte Physical AI. Anders als reine Sprachmodelle müssen Robotersysteme kontinuierlich Informationen aus ihrer Umgebung erfassen, verarbeiten und daraus Handlungen ableiten. Dabei müssen sie auch berücksichtigen, welche Arbeitsschritte bereits ausgeführt wurden und in welchem Zustand sich ein laufender Prozess befindet.
Nach Angaben der Unternehmen sollen die gemeinsam entwickelten Gedächtnisfunktionen zwei Bereiche abdecken. Das kurzfristige Arbeitsgedächtnis soll Robotern ermöglichen, aktuelle Prozesszustände und bereits abgeschlossene Handlungsschritte zu berücksichtigen. Bei einer Montageaufgabe könnte ein Roboter dadurch beispielsweise erkennen, ob ein Bauteil bereits eingesetzt oder ein bestimmter Arbeitsschritt ausgeführt wurde.
Das längerfristige episodische Gedächtnis soll darüber hinaus Informationen aus früheren Arbeitsabläufen verfügbar machen. Wiederholt ein Roboter eine bereits bekannte Aufgabe, soll er auf gespeicherte Erfahrungen zurückgreifen können. Die Partner wollen damit die Voraussetzungen schaffen, damit Robotersysteme nicht jede Situation unabhängig von vorherigen Abläufen verarbeiten müssen.
„xLSTM“ ergänzt multimodales Foundation-Modell
Technologische Grundlage der Zusammenarbeit ist das Foundation-Modell Neuron AI von Neura Robotics. Das Modell verarbeitet unterschiedliche Informationsarten, darunter dreidimensionale Bilddaten, taktile Sensordaten, Audiosignale, Informationen über den Roboterzustand und Sprache. Diese Daten werden mit einer Gedächtnisfunktion verknüpft.
NXAI bringt die Architektur „xLSTM“ in die Kooperation ein. Dabei handelt es sich um einen rekurrenten Ansatz für künstliche Intelligenz, der darauf ausgelegt ist, Informationen über längere Sequenzen hinweg zu verarbeiten und interne Zustände effizient zu aktualisieren. Die Architektur soll insbesondere bei Anwendungen unterstützen, in denen zeitliche Zusammenhänge und vorherige Zustände für nachfolgende Entscheidungen relevant sind.
Durch die Kombination beider Technologieansätze wollen die Partner die Verarbeitung multimodaler Sensordaten mit der längerfristigen Speicherung und Nutzung von Zustandsinformationen verbinden. Die gemeinsame Entwicklung soll damit einen technologischen Baustein für Roboter schaffen, die ihre Handlungen über längere Zeiträume hinweg koordinieren müssen.
Neuraverse soll zusätzliche Modelloption erhalten
Ein weiterer Bestandteil der Partnerschaft betrifft die Softwareplattform Neuraverse von Neura Robotics. NXAI plant, dort künftig ein eigenes Modell auf Basis der „xLSTM“-Architektur bereitzustellen. Dieses soll zusätzlich zum bestehenden Foundation-Modell Neuron AI verfügbar sein.
Nach Angaben der Unternehmen sollen Anwender dadurch unterschiedliche Ansätze künstlicher Intelligenz innerhalb einer gemeinsamen Trainings- und Anwendungsumgebung einsetzen können. Das NXAI-Modell soll sich mithilfe der Neuraverse-Toolchain an unternehmensspezifische Aufgaben anpassen lassen.
Für die Erprobung sind die sogenannten „Neura Gyms“ vorgesehen. In diesen Trainingsumgebungen sollen Unternehmen die angepassten Modelle testen können, bevor sie auf geeigneten Robotersystemen eingesetzt werden.
Neuron AI bleibt dabei ein eigenständiges Modell von Neura Robotics und soll unabhängig von der Zusammenarbeit weiterentwickelt werden. Die Partnerschaft umfasst sowohl die geplante Integration des zusätzlichen Modells als auch gemeinsame Forschungsaktivitäten.
Unternehmen sollen außerdem selbst darüber entscheiden können, ob sie Daten und Fähigkeiten innerhalb der Plattform teilen. Die Kontrolle über das eigene Prozesswissen soll bei den jeweiligen Anwendern verbleiben.
Forschung und Robotikentwicklung werden verbunden
Neura Robotics bringt in die Zusammenarbeit seine Robotiktechnologie, Sensorik, multimodalen Foundation-Modelle und die Infrastruktur für Training und industrielle Anwendungen ein. Dazu gehören auch reale Trainingsdaten aus den Neura Gyms.
NXAI steuert seine Forschung zur rekurrenten künstlichen Intelligenz und zur „xLSTM“-Architektur bei. Das österreichische Unternehmen mit Sitz in Linz entwickelt Lösungen für industrielle Anwendungen und konzentriert seine Forschung unter anderem auf Modelle für Zeitreihen und Robotik. Zu den Gründern gehört der Wissenschaftler Sepp Hochreiter.
Langfristig verfolgen die Partner das Ziel, dass Roboter nicht nur einzelne vorgegebene Fähigkeiten ausführen, sondern diese durch Erfahrungen aus realen Arbeitsprozessen weiterentwickeln. Solche Fähigkeiten sollen sich perspektivisch auch auf andere Maschinen und Einsatzumgebungen übertragen lassen. Dieser Ansatz ist Bestandteil des Neuraverse-Konzepts, das den Austausch und die Weiterentwicklung von Roboterfähigkeiten innerhalb einer gemeinsamen Plattform vorsieht.






























