Bauli automatisiert Palettierung mit Uteco Contec und Interroll

Der italienische Backwarenhersteller Bauli hat seine Palettierung im Werk Castel d’Azzano in Norditalien mit einer neuen Automatisierungsanlage zentralisiert. Der Systemintegrator Uteco Contec realisierte die Gesamtanlage, während Interroll die modulare Fördertechnik lieferte. Das System ist für eine Kapazität von bis zu 2.000 Kartons pro Stunde ausgelegt und soll insbesondere die saisonalen Produktionsspitzen vor Weihnachten und Ostern bewältigen. Nach Angaben von Interroll wurde die Anlage im Sommer 2026 in Betrieb genommen und befindet sich derzeit in der abschließenden Testphase.

Die Förderanlage umfasst rund 690 Rollen, 30 „Rollerdrive“-Antriebe und 20 „Multicontrol“-Steuerungen. (Bildquelle: Interroll)
Die Förderanlage umfasst rund 690 Rollen, 30 „Rollerdrive“-Antriebe und 20 „Multicontrol“-Steuerungen. (Bildquelle: Interroll)

Die neue Lösung ersetzt ein bestehendes Palettiersystem, das den gestiegenen Anforderungen des Backwarenherstellers an Leistung und Flexibilität nicht mehr entsprach. Ziel des Projekts ist es, unterschiedliche Verpackungsformate automatisiert zu transportieren, auf mehrere Palettierstationen zu verteilen und die anschließenden Verpackungsprozesse in einen durchgängigen Materialfluss einzubinden.

Vier Roboter übernehmen die Palettierung

Uteco Contec analysierte zunächst die Materialflüsse im Werk und übernahm anschließend die Konzeption, Entwicklung und Realisierung der Gesamtanlage. Dazu gehörte auch die Entwicklung der Software für die Steuerung und Überwachung auf Basis von Industriecomputern und speicherprogrammierbaren Steuerungen.

Die Anlage verarbeitet verschiedene Verpackungsarten, die von den Produktionslinien kommen. Neben geschlossenen Kartons im amerikanischen Stil gehören dazu sogenannte Visual Boxes und Visual Pallets, die als Verkaufsdisplays unmittelbar für den Einzelhandel bestimmt sind. Das System identifiziert die unterschiedlichen Verpackungen, transportiert sie staudruckfrei und verteilt sie auf vier Palettierstationen.

An jeder Station übernimmt ein anthropomorpher Industrieroboter die Handhabung der Verpackungen und setzt diese entsprechend dem vorgesehenen Palettiermuster auf den jeweiligen Ladungsträger.

Unterschiedliche Palettenformate und Ladehöhen

Die Gesamtanlage erstreckt sich über eine Länge von 80 Metern und eine Breite von 30 Metern. Nach Angaben der Projektpartner umfasst sie eine Fläche von mehr als 2.500 Quadratmetern. Das System ist für die Verarbeitung von Europaletten, Industriepaletten und Düsseldorfer Paletten ausgelegt.

Neben den verschiedenen Palettentypen muss die Anlage unterschiedliche Verpackungsabmessungen, Palettiermuster und Verarbeitungsverfahren berücksichtigen. Um die Stabilität der Ladeeinheiten zu gewährleisten, können zwischen den einzelnen Kartonlagen zusätzliche Zwischenlagen eingebracht werden. Die fertig palettierten Ladeeinheiten erreichen Höhen von bis zu 2,5 Metern.

Nach Abschluss der Palettierung übernimmt ein selbstfahrendes Karussell die Paletten aus den vier Roboterstationen und transportiert sie zu zwei Folienverpackungslinien. Anschließend werden die Ladeeinheiten etikettiert und bei bestimmten Formaten zusätzlich gestapelt, bevor sie in das Lager gelangen.

Redundante Schlüsselfunktionen sollen sicherstellen, dass die Anlage auch bei hoher Produktionsauslastung weiterarbeiten kann.

65 Meter Fördertechnik mit 24-Volt-Antrieben

Für den Transport der Kartons zu den Roboterstationen setzt Bauli die „Modular Conveyor Platform“ von Interroll ein. Das Fördersystem umfasst rund 65 laufende Meter und wird vollständig mit einer Spannung von 24 Volt betrieben.

Die Förderstrecke besteht aus geraden Modulen, Kurven und einem Übergabemechanismus. Insgesamt sind etwa 690 Rollen, 30 „Rollerdrive“-Antriebe und 20 „Multicontrol“-Steuerungen verbaut. Die Anlage erreicht Fördergeschwindigkeiten von bis zu 0,6 Metern pro Sekunde und ist auf einen Durchsatz von maximal 2.000 Kartons pro Stunde ausgelegt.

Eine Besonderheit ist die von Uteco Contec und Bauli geforderte Antriebskonfiguration mit dreirippigen „Polyvee“-Riemen. Diese verbinden die „Rollerdrive“-Einheiten mit den angetriebenen Rollen. Nach Angaben von Interroll soll die Konstruktion eine stabile Kraftübertragung und einen gleichmäßigen Förderbetrieb auch bei hoher Auslastung ermöglichen.

Modularer Aufbau für wechselnde Verpackungsformate

Die Fördertechnik ist modular aufgebaut und ermöglicht einen staudruckfreien Transport der Kartons. Durch die gezielte Steuerung der einzelnen Förderabschnitte lassen sich unterschiedliche Verpackungsgrößen und Verpackungseigenschaften berücksichtigen.

Diese Flexibilität ist für die Produktion von Bauli insbesondere aufgrund der saisonalen Nachfrage von Bedeutung. Der Hersteller produziert unter anderem Panettone, Pandoro und Colomba, deren Absatz eng mit dem Weihnachts- beziehungsweise Osterfest verbunden ist. Die Palettieranlage muss deshalb wechselnde Verpackungsformate und zeitweise hohe Produktionsmengen verarbeiten können.

Die Kombination aus modularer Fördertechnik, automatisierter Verteilung und vier Roboterstationen soll die dafür erforderlichen Materialflüsse ermöglichen.

Realisierung innerhalb eines Jahres

Nach Angaben der Projektpartner wurde die Anlage innerhalb von etwa einem Jahr nach Auftragserteilung realisiert. Die Inbetriebnahme erfolgte im Sommer 2026. Zum Zeitpunkt der Mitteilung im Oktober 2026 befand sich das System noch in der abschließenden Testphase.

Mit dem Projekt hat Bauli die bisherige Palettierung durch eine zentral gesteuerte Anlage ersetzt, die den Kartontransport, die robotergestützte Palettierung und die nachgelagerten Verpackungsprozesse miteinander verbindet.

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