Retrofit im laufenden Betrieb

Effiziente Abwicklung für mehrere Tausend Warenbewegungen am Tag

Im nordrhein-westfälischen Höxter wurde im laufenden Betrieb das zentrale Distributionslager der Arntz-Optibelt-Gruppe grundlegend modernisiert. Gemeinsam mit dem Retrofit-Spezialisten SITLog erneuerte das Unternehmen nicht nur mechanische Komponenten, sondern auch die gesamte Steuerungstechnologie des automatisierten Kleinteilelagers. Die Modernisierung erhöht die Verfügbarkeit, beschleunigt die Prozesse und schafft die Grundlage für weiteres Wachstum im Zentrallager.

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Frontansicht des nun wieder leistungsfähigen und hochverfügbaren AKLs bei Optibelt mit vier Gassen und 28.500 Stellplätzen. Bild: Sitlog
Frontansicht des nun wieder leistungsfähigen und hochverfügbaren AKLs bei Optibelt mit vier Gassen und 28.500 Stellplätzen. Bild: Sitlog

Das Distributionszentrum in Höxter ist das zentrale logistische Rückgrat der weltweit agierenden Arntz-Optibelt-Gruppe. Es dient als Zentrallager für die über 20 internationalen Vertriebsstandorte und versorgt sowohl Handelspartner als auch Direktkunden im zentraleuropäischen Raum. Die besondere Bedeutung des Standorts liegt in seiner Doppelfunktion als Versorgungslager für Produktions- und Handelswaren. Von hier aus wird ein Sortiment bestehend aus über 20.000 verschiedenen Artikeln – darunter Antriebs- und Spezialriemen, Gummi- und Schutzmatten sowie weitere technische Produkte – auf 28.500 Behälterplätzen im AKL – organisiert und bewegt. Das bedeutet: Mehrere Tausend Warenbewegungen müssen Tag für Tag effizient abgewickelt werden.

Ausgangslage: Eingeschränkte Verfügbarkeit der vorhandenen Technik

Die ursprüngliche Anlage war 2016 in Betrieb genommen worden. Doch schon nach wenigen Jahren traten signifikante Probleme auf. Besonders gravierend war ein Umsturz eines Regalbediengeräts, der eine Gasse langfristig außer Betrieb setzte. Die Steuerung erwies sich als störanfällig, die Performance sank, die Eingriffshäufigkeit stieg. „Nach der Havarie eines dieser Geräte war diese Gasse für längere Zeit nicht in Betrieb. Die technische Zuverlässigkeit war nicht gegeben“, erinnert sich Kai Keßler, Leiter Supply Chain Management bei Optibelt. Vor diesem Hintergrund war klar: Eine grundlegende Erneuerung musste erfolgen – nicht als kosmetische Maßnahme, sondern als strategisches Projekt zur Zukunftssicherung.

Projektentscheidung: Technische Exzellenz und partnerschaftliches Auftreten

2023 startete Optibelt eine Ausschreibung. Vier Anbieter wurden geprüft, den Zuschlag erhielt SITLog – aufgrund der hohen Systemkompetenz, der konkreten Referenzen und eines transparenten, projektorientierten Auftretens.

„SITLog hat von Anfang an überzeugt“, sagt Keßler. Ausschlaggebend war nicht nur die Technik, sondern auch das Gefühl, einen verlässlichen Partner an der Seite zu haben. „Für uns war vom ersten Gespräch an klar, dass hier nicht nur Technik, sondern vor allem durchdachte Umstellkonzepte und eine offene Kommunikation sowie gegenseitiges Vertrauen über den Projekterfolg entscheiden“, ergänzt Martin Dietl, Projektleiter bei SITLog.

Das Familienunternehmen aus der Oberpfalz beschäftigt aktuell 130 Mitarbeiter und feiert dieses Jahr sein 25-jähriges Bestehen. 2024 erhielt der Betrieb die Auszeichnung „Bayerns Best 50“. Damit würdigt das Bayerische Wirtschaftsministerium alljährlich besonders wachstumsstarke Mittelstandsunternehmen. Zudem stellten die Nordbayern bereits zweimal (2019 und 2023) Deutschlands besten Auszubildenden in der Fachrichtung Automatisierungs- und Systemtechnik im Handwerk.

Vier neue Regalbediengeräte, bestehende Fördertechnik wurde mit modernster Steuerung neu ausgestattet.

Im Mittelpunkt des Retrofits standen vier neue Regalbediengeräte (RBG) mit hoher dynamischer Performance. Die neuen Geräte verfügen über feinfühlige Sensorik, kamerabasierte Fachfeinpositionierung und ermöglichen eine exakt gesteuerte Bewegung im Behälterregal. Durch die Integration moderner Antriebstechnologie und Energierückspeisekomponenten sowie einer intelligenten Fahrkurvensteuerung wurden zudem Anlaufspitzen gekappt, der Stromverbrauch optimiert. Durch diese intelligente Steuerungsstrategie wird auch die Mechanik verschleißmindernd betrieben.

Gesteuert wird die Anlage über eine TIA-basierte Steuerung, die mit dem überlagerten Lagerverwaltungssystem kommuniziert. Die Übergabe der Kommissionierbefehle erfolgt digital, Zustandsdaten der Fördertechnik sowie des AKL werden permanent überwacht und grafisch visualisiert. Die Schnittstelle zum bestehenden Lagerverwaltungssystem wurde im Zuge des Projekts optimiert nachgebildet: Eine softwareseitige Priorisierung ermöglicht es, eilige Aufträge vorzuziehen, während andere automatisch in geplante Sequenzen einsortiert werden.

Die Fördertechnik wurde in steuerungstechnischer Hinsicht umfassend überarbeitet. In zwei horizontalen Ebenen verbindet sie die Lagerbereiche mit Wareneingang, Kommissionierung und Versand. Vertikal sorgt ein Senkrechtförderer für die flexible Anbindung zwischen Wareneingangsebene, Lagerkern und Versandzone. Die Materialflüsse können dadurch bedarfsgerecht ausbalanciert und eventuelle Überlasten präventiv entschärft werden.

Retrofit bei laufendem Betrieb: Präzise Planung, pragmatische Umsetzung

Das Retrofit wurde im laufenden Betrieb realisiert – eine Maßgabe, die höchste Anforderungen an Planung, Kommunikation und Umsetzung stellte. Die Erneuerung erfolgte in zwei Projektphasen: Im ersten Schritt wurden die ersten beiden RBG getauscht sowie die Fördertechniksteuerung modernisiert, in Phase zwei folgten die restlichen beiden Gassen. Dazwischen lagen intensive Testzyklen, Simulationen und stufenweise Abnahmen. „Der Betrieb lief weiter“, betont Keßler. „Wir mussten die Balance finden zwischen der Umlagerung für das Projekt und der Kundenbelieferung – das waren aber interne Prozesse, die sehr gut gelöst wurden.“

Die Steuerung der Altanlage blieb als Backup konfiguriert, kam aber nicht zum Einsatz. Die nahtlose Kommunikation zwischen Alt- und Neusystem war durch definierte Schnittstellen gewährleistet. „Wir haben frühzeitig eine saubere Schnittstelle zwischen Alt und Neu definiert und getestet – das war entscheidend für die Stabilität in der Hochlaufphase“, erklärt Dietl.

Ergebnis:Transparente Abläufe, gesteigerte Leistungsfähigkeit, verbesserte Sensortechnik

Seit Inbetriebnahme aller vier Gassen im Frühjahr 2025 ist die Leistungsfähigkeit des Kleinteilelagers deutlich gestiegen. Durchsatz, Verfügbarkeit und Reaktionsfähigkeit konnten verbessert werden, gleichzeitig sorgen neue Sicherheitsfunktionen für einen sicheren Anlagenbetrieb. „Das besondere Augenmerk lag auf der kamerabasierten Feinpositionierung bei hoher Packungsdichte im AKL. Wir haben dafür unsere Positioniertechnik kundenspezifisch angepasst“, so Dietl.

Dank visualisierter Prozesse ist es nun einfacher, Lagerzustände zu analysieren, Bottlenecks durch frühzeitige Erkennung zu verhindern und Aufgaben priorisiert abzuarbeiten. Die Kommissionierbereiche profitieren zudem von konsequent überwachter Überladung der Behälter und optimierter Materialzuführung. „Im Mischbetrieb von Alt- und Neugeräten war der Unterschied bei der Mechanik und der dynamischen Steuerung offensichtlich – gerade in Hinblick auf die akustische Wahrnehmung“, resümiert Keßler. „Das Retrofit zeigt, dass selbst komplexe Projekte im Bestand gelingen können – wenn man sich technisch und menschlich auf Augenhöhe begegnet“, ergänzt SITLog-Projektleiter Martin Dietl.

Fazit: Ein Projekt mit Modellcharakter

Das Retrofitprojekt in Höxter wurde nicht nur termin- und budgetgerecht abgeschlossen, sondern auch mit hoher Qualität in Planung und Umsetzung. Die intensive Abstimmung zwischen den Projektteams, die technische Sorgfalt bei der Implementierung und die partnerschaftliche Atmosphäre zwischen Optibelt und SITLog waren Erfolgsfaktoren, die über den Projektkontext hinausstrahlen. „Beide Parteien, SITLog und Optibelt, haben sich sehr gut verstanden“, bestätigt Keßler. Sein abschließendes Fazit: „Professionalität, Kompetenz, Fairness, Transparenz und eine angenehme Atmosphäre waren bei diesem Projekt zielführend. Durch das Ergebnis sind wir heute bereits auf künftige Herausforderungen bestens vorbereitet.“ (ck)

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» Professionalität, Kompetenz, Fairness, Transparenz und eine angenehme Atmosphäre waren bei diesem Projekt zielführend. Durch das Ergebnis sind wir heute bereits auf künftige Herausforderungen bestens vorbereitet.

Kai Keßler, Leiter Supply Chain Management bei Optibelt

Redaktion (allg.)

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Retrofit im laufenden Betrieb
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