Störungsfrei auf Erfolgskurs
Wein ist ein empfindliches Naturprodukt. Temperatur, Licht und Handling entscheiden darüber, ob ein hochwertiger Tropfen beim Endkunden in der Qualität ankommt, die Erzeuger und Händler versprechen. Für die Hawesko-Gruppe, Deutschlands größtes Handelshaus für hochwertige Weine und Champagner und einer der bedeutendsten Weinanbieter der Welt, ist eine leistungsfähige Intralogistik deshalb ein zentraler Baustein des Geschäftsmodells. Die Hamburger Gruppe vereint insgesamt 14 Unternehmen in den drei Segmenten E-Commerce, Retail und B2B und verkauft unter Marken wie Hawesko, Jacques‘, Wein & Co, WeinWolf, Abayan, Tesdorpf, Grand Cru Select, Vinos und WirWinzer. Mit rund 1.150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erzielte die Gruppe 2025 einen Umsatz von rund 622 Millionen Euro mit über 25.000 geführten Premiumweinen.
Ein wesentlicher Teil dieser Mengen läuft über den Logistikstandort Tornesch nördlich von Hamburg. Hier ist die IWL Internationale Wein Logistik GmbH als konzerneigener Logistikdienstleister für Wareneingang, Lagerung, Nachschub, Kommissionierung, Kontrolle und Versand verantwortlich. Herzstück der Anlage ist ein klimatisiertes Hochregallager mit rund 23.000 Palettenstellplätzen, in dem A- und B-Artikel bevorratet werden. Acht Regalbediengeräte bedienen das Hochregallager. Hinzu kommt ein AMR-Lager mit bis zu 460 Regalen für C-Artikel. Wie wichtig der Standort für die Gruppe ist, zeigt sich auch daran, dass die Modernisierung und Erweiterung des Logistikzentrums in Tornesch als eine relativ große Einzelinvestition der Hawesko-Gruppe gilt.
Heterogene Steuerungslandschaft als Schwachstelle
Mit den Jahren hatte die Steuerungstechnik der Anlage einen Stand erreicht, der Handlungsbedarf signalisierte. Während zwei Regalbediengeräte bereits 2016 auf Siemens S7 umgestellt worden waren, arbeiteten die übrigen sechs noch auf Siemens-S5-Basis – teilweise mit individuell angepasster Programmierung. Die Folgen für den Betreiber: eine zunehmend schwierige Ersatzteilversorgung bei seit Jahren abgekündigten Komponenten, eine uneinheitliche Ansteuerung der Regalbediengeräte sowie ein hoher Aufwand für die Behebung von Steuerungsstörungen. Aus dieser Ausgangslage formulierte IWL ein klares Anforderungsprofil. Ziel war es, die Anlagenverfügbarkeitzu erhöhen, Störungen der alten Steuerung zu reduzieren, die Ersatzteilversorgung wieder auf eine sichere Basis zu stellen, die Leistung bei Ein- und Auslagerungen zu steigern und die Sicherheitstechnik gesetzeskonform zu erneuern. Eine zusätzliche, nicht verhandelbare Bedingung: Der Umbau musste bei laufendem Betrieb erfolgen – Stillstandzeiten konnten sich Hawesko und IWL angesichts der Versandvolumina nicht leisten.
Genau an diesem Punkt fiel die Entscheidung, die SITLog GmbH als verantwortlichen Realisierungspartner an Bord zu holen. Ausschlaggebend waren laut IWL nicht zuletzt das schlüssige Umbaukonzept für die Umsetzung im laufenden Betrieb, eine professionelle und schnelle Kommunikation in der Angebotsphase, hohe Flexibilität bei kurzfristigen Anpassungen, eine wettbewerbsfähige Preisgestaltung sowie eine belastbare Terminzusage für die Umsetzung im Jahr 2025. Ein Referenzbesuch bei einem Projekt in Lampertswalde bei Dresden überzeugte das IWL-Team zusätzlich – auch von der neuen Visualisierung auf Basis WinCC. „Entscheidend war für uns ein Umbaukonzept bei laufendem Betrieb. SITLog hat genau das geliefert – und zwar nicht nur auf dem Papier, sondern in der praktischen Umsetzung“, sagt Thomas Schimkus, Projektleiter IWL.
SITLog übernimmt Verantwortung von der Planung bis zur Inbetriebnahme
Als Generalunternehmer übernahm SITLog die Gesamtverantwortung für das Retrofit – von der Planung über die Steuerung der eingebundenen Subunternehmer bis zur Inbetriebnahme. Der Umfang verdeutlicht die Eingriffstiefe: Modernisiert wurden die Steuerungen aller acht Regalbediengeräte sowie wesentliche Teile der angeschlossenen Fördertechnik. Dazu zählt unter anderem ein für vier Paletten ausgelegter Querverschiebewagen, der die Waren aus dem Hochregallager zur weiterführenden Fördertechnik in Richtung Kommissionierung und Versand transportiert. Hinzu kommen 34 Kettenförderer, 14 Rollenförderer, vier Hubtische, eine Verschiebeeinheit, ein Drehtisch, zwei Scanner sowie eine Waage. Parallel dazu wurde die Sicherheitstechnik der Anlage erneuert beziehungsweise ertüchtigt.
Die Umsetzung erfolgte zwischen Mai und Juli 2025 – ausschließlich an Wochenenden. Für die Elektromontage war eine Woche vorgesehen, die Inbetriebnahme verteilte sich auf fünf Wochenenden. Ende August bis Anfang September 2025 folgte zudem die Implementierung der neuen Schnittstelle zum Materialflussrechner für die acht Regalbediengeräte. Die remote durchgeführte Zusammenarbeit mit dem Softwaredienstleister Infios – vormals Körber – verlief reibungslos.
Eine zentrale Herausforderung lag in der schrittweisen Umstellung. Die bereits modernisierten Regalbediengeräte mussten bis zur endgültigen Software-Umschaltung weiterhin im bestehenden System mitlaufen. SITLog schuf hierfür zu Beginn des Projekts eine entsprechende Übergangsschnittstelle, die einen reibungslosen Parallelbetrieb sicherstellte. Die enge Abstimmung auf IT-Ebene – sowohl mit dem bisherigen Softwarepartner als auch mit Infios – gehörte aus Sicht von IWL zu den anspruchsvollsten Aufgaben des Projekts.
„Geräuschloser“ Projektverlauf
Bemerkenswert ist, wie unauffällig die umfangreiche Modernisierung aus Anwendersicht ablief. Bereits nach dem erfolgreichen Umbau der ersten beiden Regalbediengeräte zeigte sich, dass die Umsetzung stabiler und schneller verlief als ursprünglich kalkuliert. Daraufhin entschieden SITLog und IWL gemeinsam, an den geplanten Wochenenden jeweils zwei Regalbediengeräte parallel umzubauen – ein deutlicher Beleg für die Planungsqualität und die handwerkliche Sicherheit des Realisierungspartners.
Auch die Wiederinbetriebnahme gelang schneller als vorgesehen: Statt der eingeplanten vier bis fünf Tage stand ein umgebautes Gerät bereits nach zwei Tagen wieder zur Verfügung.
Thomas Schimkus, Projektleiter IWL: „Für uns als Kunden waren keine Probleme im Ablauf spürbar. Die Zusammenarbeit zwischen dem SITLog-Team und den eingebundenen Subunternehmen wirkte absolut abgestimmt – der gesamte Umbau ist wirklich geräuschlos über die Bühne gegangen.“ Diese Außenwirkung ist gerade in einem Lager mit sensibler Ware und hohem Lieferanspruch alles andere als selbstverständlich. Dass es an keiner Stelle zu spürbaren Beeinträchtigungen des laufenden Betriebs kam, werten Hawesko und IWL als zentrale Leistung des verantwortlichen Systemintegrators.
Mehr Verfügbarkeit, mehr Leistung – und ein früherer Go-live
Die Ergebnisse des Retrofits sprechen für sich. Seit Abschluss der Modernisierung läuft die gesamte Anlage im Bereich der Steuerung nahezu störungsfrei. Hinzu kommen spürbare Effekte bei der Leistungsfähigkeit. Durch Optimierungen im neuen Programm der Fördertechnik wurden Prozesszeiten in verschiedenen Anlagenbereichen reduziert. In der Summe konnte die durchschnittliche Anzahl der Palettenbewegungen in und aus dem Hochregallager um insgesamt 50 Prozent gesteigert werden.
Auch terminlich übertraf das Projekt die ursprünglichen Erwartungen. Der Go-live erfolgte eine Woche vor dem ursprünglich geplanten Termin. Nach dem Testwochenende blieb die Anlage unmittelbar im Serien-Schichtbetrieb live. Und nicht zuletzt blieb das Retrofit auch wirtschaftlich exakt im Rahmen: Das Budget wurde eingehalten, ungeplante Zusatzkosten entstanden nicht. „Der Umbau erfolgte während des laufenden Betriebs ohne Behinderungen oder negative Auswirkungen auf unsere Kunden. Das Projekt blieb im Budget – und wir konnten sogar früher komplett live umschalten als geplant. Aus unserer Sicht ist das eine Eins mit Sternchen für SITLog“, resümiert Thomas Schimkus, Projektleiter IWL.
Praxisbeispiel für anspruchsvolle Bestandsmodernisierungen
Für Hawesko und IWL ist das Retrofit weit mehr als ein Steuerungs-Update. Die Anlage steht nun auf einer einheitlichen, zukunftssicheren technischen Basis, die Verfügbarkeit ist deutlich gestiegen, der Durchsatz spürbar erhöht. Damit ist Tornesch auch logistisch wieder dort, wo es im Konzernverbund stehen muss – als leistungsfähiger Logistikknoten für Europas anspruchsvollen Premium-Weinmarkt.
Für SITLog wiederum belegt das Projekt, dass tiefgreifende Modernisierungen in komplexen Bestandsanlagen kontrolliert und ohne wesentliche Betriebsunterbrechung möglich sind – vorausgesetzt, ein Generalunternehmer übernimmt die durchgängige Verantwortung für Konzept, Planung, Umsetzung, Schnittstellen und Inbetriebnahme. Für Betreiber von Hochregallagern, die mit gewachsener Steuerungstechnik und steigenden Verfügbarkeitsanforderungen kämpfen, liefert das Tornescher Projekt damit ein belastbares Praxisbeispiel. (ck)
Eine Information der SITLog GmbH
Firmenprofil siehe Seite 67


Acht Regalbediengeräte sorgen im klimatisierten Hochregallager für die Ein- und Auslagerung der Hawesko-Weine.Seit dem Retrofit durch SITLog arbeitet die Anlage störungsfrei im Steuerungsbereich; die durchschnittliche Anzahl der Palettenbewegungen stieg um 50 Prozent. Bild: SITLOG GMBH


Neue Visualisierung, modernisierte Anlagenüberwachung und gesetzeskonforme Sicherheitstechnik: Im Zuge des Retrofits hat SITLog die Steuerungs- und Bedienebene des Hawesko-Logistikzentrums vollständig auf den aktuellen Stand der Technik gebracht. Bild: SITLOG GMBH
» Das anspruchsvolle Projekt wurde ohne Behinderung des laufenden Betriebs sogar eine Woche eher als geplant und absolut in den Budgetvorgaben abgewickelt. Aus unserer Sicht ist das eine Eins mit Sternchen für SITLog.
Redaktion (allg.)
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