100 humanoide Roboter für die Intralogistik: Was Nucleus Robotics und Igus planen
Der Gütersloher Systemintegrator Nucleus Robotics will eine Flotte mit bis zu 100 humanoiden Robotern für die Intralogistik aufbauen. Für die Beschaffung der Systeme setzt das 2026 gegründete Unternehmen auf den Robotik-Marktplatz RBTX des Köler Kunststoffspezialisten Igus. Die Roboter sollen künftig wiederkehrende Aufgaben in Lager- und Logistikprozessen übernehmen, darunter die Kommissionierung von Kundenaufträgen, der innerbetriebliche Warentransport und die Versorgung von Verpackungsstationen. Die Unternehmen wollen mit ihrer Zusammenarbeit den Einsatz humanoider Robotik über einzelne Pilotprojekte hinaus vorantreiben.
Humanoide Roboter für Kommissionierung und Warentransport
Nucleus Robotics konzentriert sich auf die Integration humanoider Robotersysteme in bestehende Produktions- und Logistikumgebungen. Das Unternehmen verfolgt das Ziel, die bislang überwiegend in Pilotanwendungen eingesetzte Technologie für den Betrieb größerer Roboterflotten nutzbar zu machen.
Zu den vorgesehenen Einsatzbereichen zählen insbesondere wiederkehrende Tätigkeiten in der Lagerlogistik. Humanoide Roboter sollen unter anderem Artikel aus Regalen entnehmen, Kundenbestellungen kommissionieren und Waren für den Versand bereitstellen. Darüber hinaus sieht Nucleus Robotics Anwendungsmöglichkeiten beim Transport von Gütern und bei der Versorgung von Verpackungsstationen in Lagern des Onlinehandels. Auch das Auffüllen von Lagerplätzen sowie das Einräumen von Verkaufsregalen im Einzelhandel gehören zu den möglichen Aufgaben.
Die geplante Flotte soll über den Marktplatz RBTX beschafft werden. Die Plattform ermöglicht nach Angaben von igus den herstellerübergreifenden Vergleich unterschiedlicher humanoider Robotersysteme. Dadurch kann Nucleus Robotics für verschiedene Anwendungen geeignete Modelle auswählen.
Simulation und Software für die Roboterintegration
Für die Einbindung der humanoiden Roboter in bestehende Betriebsabläufe setzt Nucleus Robotics auf digitale Fabrikmodelle und Simulationen. Das Unternehmen erstellt zunächst dreidimensionale Modelle der jeweiligen Einsatzumgebung und untersucht die vorgesehenen Abläufe mithilfe von Simulationstechnologien. Anschließend sollen die ausgewählten Robotersysteme vor Ort in Betrieb genommen werden.
Eine zentrale Rolle übernimmt dabei die unternehmenseigene Software „Nucleus AI“. Sie dient dem Modelltraining und der Echtzeitüberwachung der eingesetzten Roboter. Damit sollen die Systeme auf ihre jeweiligen Aufgaben vorbereitet und während des Betriebs überwacht werden. Die Kombination aus digitaler Planung, Simulation und softwaregestützter Überwachung bildet nach Angaben der beteiligten Unternehmen die Grundlage für die Integration größerer humanoider Roboterflotten in bestehende Produktions- und Logistikprozesse.
RBTX bietet 95 Modelle von 35 Herstellern
Der Robotik-Marktplatz RBTX umfasst nach Angaben von igus derzeit 95 humanoide Robotermodelle von 35 Herstellern. Die Plattform richtet sich insbesondere an kleine und mittelständische Unternehmen, die Robotersysteme für ihre jeweiligen Anwendungen auswählen, erproben und integrieren möchten. Neben der Bereitstellung unterschiedlicher Robotermodelle bietet RBTX Unterstützung bei der Auswahl und Integration der Systeme. Interessenten können Roboter vergleichen, unter realen Bedingungen testen und Integrationspartner für die Inbetriebnahme finden.
Dabei setzt Igus auch auf unterschiedliche Beschaffungsmodelle. Unternehmen können die Robotersysteme kaufen oder für einen längeren Erprobungszeitraum mieten. Damit sollen insbesondere Anwendungen unterstützt werden, bei denen die technischen und betrieblichen Anforderungen vor einer dauerhaften Investition zunächst überprüft werden müssen.
Vom Pilotprojekt zum Flotteneinsatz
Mit der Zusammenarbeit wollen Nucleus Robotics und igus Erfahrungen beim Einsatz humanoider Robotik in größerem Maßstab sammeln. Während RBTX den Zugang zu Robotersystemen unterschiedlicher Hersteller sowie Integrationsleistungen und ein Partnernetzwerk bereitstellt, bringt Nucleus Robotics seine auf intralogistische Abläufe ausgerichtete Integrations- und Softwareentwicklung ein.
Im Mittelpunkt steht dabei die Übertragung humanoider Robotik von einzelnen Testanwendungen auf wiederkehrende Aufgaben im industriellen Alltag. Die geplante Flotte mit bis zu 100 Systemen soll hierfür eine Grundlage schaffen.
Ob und in welchem Umfang die vorgesehenen Anwendungen bereits unter realen Betriebsbedingungen erprobt wurden, geht aus der Pressemitteilung nicht hervor. Ebenso fehlen Angaben zu den geplanten Investitionen, zur Wirtschaftlichkeit der Systeme und zu möglichen Leistungswerten bei der Kommissionierung oder beim Warentransport.

































