Konsequent umgesetzte Strategie

Neuheiten-Offensive für eine effiziente und sichere Intralogistik

Vor internationalem Fachpublikum stellte Jungheinrich auf seiner Fachpressekonferenz Mitte Februar eine Vielzahl technischer Neuentwicklungen vor. In mehreren thematisch gegliederten Blöcken – von kompakten Gegengewichtsstaplern über überarbeitete Niederhubgeräte bis hin zu Hochvolt-Schwerlastfahrzeugen und autonomen Systemen – wurde deutlich, wohin die Reise gehen soll: mehr Flächeneffizienz, höhere Prozessstabilität und ein wachsender Automatisierungsgrad.

(Bildquelle: Jungheinrich AG)
(Bildquelle: Jungheinrich AG)

Den Auftakt machten die neuen Elektro-Gegengewichtsstapler EFG 2/2i und 3/3i. Die Dreiradmodelle mit Tragfähigkeiten von 1,4 bis 2,0 Tonnen sowie die Vierradvarianten von 1,6 bis 2,0 Tonnen wurden nach Unternehmensangaben vollständig neu entwickelt – auf Basis der Erfahrung aus mehr als 170.000 verkauften Fahrzeugen.

Ein zentrales Entwicklungsziel war es, Kunden zu ermöglichen, ihre vorhandene Lagerfläche noch effizienter zu nutzen. Durch die integrierte Lithium-Ionen-Batterie, eine optimierte Lenkachsgeometrie und die konsequent kompakte Konstruktion erreicht der neue EFG 2/3i eine bis zu 15 Prozent bessere Flächeneffizienz. Gegenüber der Vorgängerserie konnte der Wendekreis, je nach Modell, um bis zu 300 Millimeter reduziert werden. Das ermöglicht sicheres und effizientes Arbeiten in schmalen Gängen, auf Lkw-Ladeflächen oder in beengten Produktionsbereichen und senkt die Flächenkosten.

Auch beim Thema Ergonomie wurden deutliche Anpassungen vorgenommen: Ein vergrößerter Fußraum, ein niedriger Einstieg sowie eine schwingungsentkoppelte Kabine mit einem Geräuschpegel von 63 Dezibel reduzieren die Belastung im Mehrschichteinsatz. Eine neu konstruierte B-Säule verringert zudem den toten Winkel beim Rückwärtsfahren um bis zu 65 Prozent.

Mehr Effizienz im Mitgänger- und Mitfahrsegment

Im weiteren Verlauf der Veranstaltung rückte das Re-Design der Niederhub- und Doppelstockbaureihe 1i in den Fokus. Ein zentrales Element des Re-Designs ist die Reduzierung des L2-Maßes über die gesamte Baureihe hinweg. Beim Elektro-Deichselhubwagen EJE 114i–120i wurde die Frontlänge je nach Ausführung um bis zu 61 Millimeter reduziert. Der EJE C20i ist bis zu 87 Millimeter kompakter als die Vorgängervariante. Besonders deutlich fällt die Optimierung bei den Mitfahrgeräten aus: Der ERE 120i/125i verkürzt sich um bis zu 130 Millimeter, der ERD 120i um bis zu 110 Millimeter. Auch der Doppelstock-Deichselstapler EJD 120i ist je nach Batteriekonfiguration bis zu 152 Millimeter kompakter.

Alle Fahrzeuge der Baureihe 1i sind konsequent auf Lithium-Ionen-Technologie ausgelegt. Je nach Modell stehen unterschiedliche Batteriegrößen zur Verfügung, von 50 Amperestunden bis 200 Amperestunden. Das Ladesystem ist dabei flexibel nach individuellem Kundenbedarf konfigurierbar. Zur Wahl stehen integrierte Ladegeräte mit 15 Ampere, 35 Ampere oder 70 Ampere und eine Schnittstelle für externe Hochleistungsladegeräte, die eine 320-A-Komfortladung ermöglicht. Integriertes Ladegerät und Ladeschnittstelle lassen sich auch zusammen konfigurieren.

Autonome Lösung für Hochhubprozesse

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Thema Automatisierung. Mit dem EAC 212a präsentierte Jungheinrich einen autonomen mobilen Roboter für Hochhubanwendungen bis zu einer Übergabehöhe von 1.200 Millimetern und einer Traglast von 1.200 Kilogramm. Das System übernimmt Ein- und Auslagerprozesse sowie die Anbindung an Fördertechnik oder automatische Lagersysteme.

Die integrierte, KI-basierte 3D-Palettenerkennung gleicht Positionsabweichungen von bis zu +/- 100 Millimetern sowie Verwindungen von bis zu +/- zehn Grad aus. Die Navigation erfolgt konturbasiert mithilfe von LiDAR-Sensorik, sodass keine baulichen Anpassungen erforderlich sind. Durch die Kompatibilität mit der VDA-5050-Schnittstelle lässt sich das System in bestehende Leit- und Hostsysteme integrieren. Der EAC 212a ist für den Mischbetrieb mit Personen und manuellen Flurförderzeugen ausgelegt. Eine 360-Grad-Sicherheitssensorik überwacht kontinuierlich das Fahrzeugumfeld. Unerwartete Hindernisse in Fahrtrichtung werden bereits ab einer Höhe von 70 Millimetern erkannt und autonom umfahren.

 

Vollelektrische Lösungen für schwere Einsätze

Mit dem EFG 5 adressiert Jungheinrich das Schwerlastsegment im Bereich von 4,0 bis 5,0 Tonnen Tragfähigkeit. In der Präsentation wurde insbesondere das neu ausgelegte Antriebs- und Hydraulikkonzept erläutert. Zwei Fahrmotoren, ein SRM+-Hubmotor sowie ein um rund 33 Prozent erhöhter Hydraulikölstrom bilden die technische Grundlage für höhere Umschlagleistungen. Die maximale Fahrgeschwindigkeit liegt bei bis zu 20 Kilometern pro Stunde. Schnellere und präzisere Arbeitsbewegungen mit Anbaugeräten werden zudem durch einen um rund 33 Prozent erhöhten Hydraulikölstrom ermöglicht. So reagieren auch große Anbaugeräte schnell und lassen sich auch bei schweren Lasten kontrolliert und präzise bewegen.

Noch einen Schritt weiter geht der Technologieträger „FalcOn“, der als Entwicklungsplattform für Hochvolt-Anwendungen dient. Das Fahrzeug basiert auf der EFG-5-Plattform und ist auf eine Tragfähigkeit von 6.000 Kilogramm bei einem Lastschwerpunkt von 600 Millimetern ausgelegt.

Es erreicht Fahrgeschwindigkeiten von bis zu 26 Kilometern pro Stunde und Hubgeschwindigkeiten von 0,6 Metern pro Sekunde unter Last. Die Hochvolt-Batterie kann über eine CCS-2-Schnittstelle mit Gleichstrom und einer Ladeleistung von bis zu 150 Kilowatt geladen werden. Eine Ladezeit von rund 30 Minuten genügt, um den Ladezustand von etwa 20 auf 80 Prozent zu erhöhen. Technologisch setzt Jungheinrich beim „FalcOn“ auf ein vollständig integriertes Antriebskonzept. Herzstück ist ein aktiv gekühltes Hochvolt-System, bei dem alle zentralen Antriebskomponenten wassergekühlt ausgeführt sind. Dadurch bleibt die Leistungsabgabe auch bei hoher Dauerbelastung und hohen Außentemperaturen stabil, ohne die für elektrische Stapler typischen Leistungsbegrenzungen.

Maximale Umschlagleistung im Hochregal

Außerdem vorgestellt wurde der neue ETV 4i vor, ein Schubmaststapler für Tragfähigkeiten von 1,4 bis 2,5 Tonnen und Hubhöhen von bis zu 14 Metern. Zentrales Leistungsmerkmal des ETV 4i ist seine außergewöhnliche Dynamik im Hubgerüst.  Verschiedene PRO-Funktionen sind serienmäßig mit an Bord: So verdoppelt „liftingPRO“ die Hubgeschwindigkeiten auf bis zu 1,5 Meter pro Sekunde ohne Last. Die „loweringPRO“-Funktion verdoppelt die Senkgeschwindigkeit auf bis zu 1,2 Meter pro Sekunde. Mit „reachPRO“ wird auch die Schubgeschwindigkeit gesteigert, was insbesondere bei häufigen Palettenbewegungen zusätzliche Zeitgewinne ermöglicht. 

Die vollständig integrierte Lithium-Ionen-Batterie erlaubt kurze Ladezeiten und flexible Zwischenladungen, was insbesondere im Mehrschichtbetrieb die Verfügbarkeit erhöht. Durch sein sehr kompaktes Fahrzeugdesign eignet sich der ETV 4i optimal für schmale Arbeitsgänge und ist konsequent auf eine effiziente Flächennutzung im Lager ausgelegt.

Ein Blick in die nächste Entwicklungsstufe

Über alle Präsentationsblöcke hinweg wurde deutlich, dass Jungheinrich seine Entwicklungsstrategie konsequent auf Elektrifizierung, Energieeffizienz und Automatisierung ausrichtet. Die Fachpressekonferenz vermittelte damit weniger den Eindruck isolierter Produktneuheiten, sondern vielmehr den eines systematischen Technologieschritts – hin zu leistungsfähigen, vernetzten und zunehmend autonomen Intralogistiklösungen.

Printer Friendly, PDF & Email
17.03.2025
Unter dem Motto „Passion for Solutions“ traf sich vom 11. bis 13. März in Stuttgart die internationale Intralogistikwelt auf der Logimat 2025, Internationale Fachmesse für Intralogistik-Lösungen und...
06.02.2025
Mit der Präsentation von Messeneuheiten, der Weiterentwicklung bewährter Technologien und einem Überblick über das gesamte Liefer­- und Leistungsspektrum will der niederländische Systemintegrator...
06.02.2025
Automatisierte Logistik- und Produktionsprozesse stellen besonders hohe Anforderungen an den IBC-Transport. Die Neuentwicklung setzt Schütz zufolge Maßstäbe für den innerbetrieblichen Transport auf...
22.06.2023
Wie interoperable Produktionslogistik aussehen kann, zeigt die Sonderschau „Mobile Robots in Production“
Immer mehr Fahrerlose Transportfahrzeuge und mobile Roboter sind in Produktion und Logistik unterwegs. Mit der damit verbundenen Automatisierung gewinnt die Interoperabilität der Geräte immens an...
20.02.2025
Generative KI – ein Teilbereich der künstlichen Intelligenz (KI), der in der Lage ist, aus vorhandenen Daten neue Inhalte zu generieren – hat im Wirtschaftsbereich Logistik bislang nur begrenzt Einzug...
04.02.2025
Für hygienesensible Produktions- und Verpackungsprozesse gelten hohe Anforderungen an die Sensorik. Diese muss widerstandsfähig, zuverlässig und für den direkten Lebensmittelkontakt zugelassen sein...