Motor für Verpackungsbranche läuft rund

Automatisches Lagersystem der Werner Achilles GmbH für Verpackungs-Coils modernisiert

Die Werner Achilles GmbH & Co. KG mit Hauptsitz in Celle und circa 240 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zählt seit Jahrzehnten zu den führenden Anbietern veredelter Druckprodukte und innovativer Verpackungslösungen in Deutschland. Mit über 75 Jahren Erfahrung verbindet das mittelständische Unternehmen traditionelles Druckhandwerk mit modernster Technologie – von der Kaschierung über die Rollenveredelung bis hin zur Herstellung hochwertiger Präsentationsverpackungen.

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Ein rund 11,40 Meter hohes Zweimast-Regalbediengerät (RBG) mit Teleskop-„Satellit“ bewegt stündlich bis zu 50 der circa eine Tonne schweren Ladeeinheiten in dem rund 50 Meter langen, 15 Meter breiten und 14 Meter hohen Einzelplatzlager mit 1537 Stellplätzen. Bild: Westfalia Technologies GmbH & Co. KG
Ein rund 11,40 Meter hohes Zweimast-Regalbediengerät (RBG) mit Teleskop-„Satellit“ bewegt stündlich bis zu 50 der circa eine Tonne schweren Ladeeinheiten in dem rund 50 Meter langen, 15 Meter breiten und 14 Meter hohen Einzelplatzlager mit 1537 Stellplätzen. Bild: Westfalia Technologies GmbH & Co. KG

Die Unternehmensgruppe gliedert sich heute in drei spezialisierte Geschäftsbereiche: Die Achilles Films GmbH ist Spezialistin für Rollenveredelung, insbesondere im Bereich Kaschierfolien für industrielle Anwendungen und Druckweiterverarbeitung. Die Achilles veredelt GmbH hat ihren Fokus auf der Bogenveredelung für den klassischen Akzidenzdruck – mit hochwertigen Lösungen wie Glanz-, Matt- und Strukturfolien, Prägungen und mehr. Die Achilles Präsentationsprodukte GmbH schließlich bietet maßgeschneiderte Präsentationsverpackungen, zum Beispiel Mappen, Schuber, Magnetboxen oder Sonderlösungen für Markenauftritte.

Achilles ist bekannt für seine individuellen Lösungen für anspruchsvolle Branchen wie Kosmetik, Konsumgüter, Industrie und Verlagswesen. Der hohe Anspruch an Qualität, Nachhaltigkeit und Design spiegelt sich in jedem Produkt wider – von der klassischen Präsentationsmappe bis zur edlen Geschenkverpackung. Mit einem starken Fokus auf Innovation, nachhaltige Materialien und kundenindividuelle Entwicklungen setzt die Werner Achilles GmbH & Co. KG gemeinsam mit ihren Tochtergesellschaften kontinuierlich Maßstäbe in der Druck- und Medienbranche.

Innovation, Individualität und Nachhaltigkeit sind dank Westfalia-Technologie auch Markenzeichen der Intralogistik des mittelständischen Verpackungsspezialisten: Die automatische Lagerlogistik am Standort Celle hat Intralogistik-Automatisierer Westfalia Technologies GmbH & Co. KG von Oktober bis November 2024 anlagen- und softwareseitig komplett modernisiert. In dem 2005 von Westfalia neu errichteten automatischen Teleskoplager mit 1537 Stellplätzen auf sieben Ebenen lagern vorwiegend 1,3 Meter lange Rohmaterial-Rollen im Durchmesser von bis zu einem Meter auf Europaletten (EPAL). Ein rund 11,40 Meter hohes Zweimast-Regalbediengerät (RBG) mit Teleskop-Satellit bewegt stündlich bis zu 50 dieser bis zu einer Tonne schweren Ladeeinheiten in dem ca. 50 Meter langen, 15 Meter breiten und 14 Meter hohen Einzelplatzlager. Üblicherweise wird die Modernisierung nach 15 bis 20 Jahren empfohlen, um den zukunftssicheren Betrieb zu gewährleisten und Stillstände auszuschließen.

Individuell konstruierter Technologie-Hybrid

Der sonst übliche Anblick in Westfalia-Anlagen sind entweder Teleskopgabeln für den hochfrequenten Zugriff, oder Hub- und Ketten-Satelliten für die besonders kompakte und materialschonende Lagerung höherer Lasten. Das Lastaufnahmemittel Tele-Satellit oder Tele-SAT bei Achilles ist eine Sonderanfertigung, die bislang individuell bei einzelnen Kunden des Intralogistik-Automatisierers eingesetzt wird. Die Teleskop-Gabel ist dabei auf einem Satelliten montiert. Der Technologie-Hybrid aus Teleskopgabel und von Westfalia konstruiertem und hergestelltem Satellit kombiniert die Vorteile der Einzelplatzlagerung, bei hoher Zugriffsfrequenz schnell und sicher ein-, um- und auszulagern, mit der kompakten Lagerung hoher Lasten auf wenig Fläche.

Auch die Lagertopologie ist an die besonderen Prozesse und Sonderausführung angepasst. Der Satellit im Achilles-Lager löst sich vom RBG und fährt schienengeführt in zusätzliche, wie Kammzinken abzweigende Satellitengassen. In Satellitenlagern wird die Ladeeinheit üblicherweise vom Satellit direkt aus der RBG-Gasse auf die SAT-Schienen in Regalfächern abgestellt. In diesem Fall fährt die Teleskopgabel zunächst in den zusätzlichen Satellitengassen aus und stellt die Ladeeinheiten links oder rechts davon auf den eigentlichen Stellplatz in die Regalfächer. Oder nimmt sie dort auf. Die mittlere der Satellitengassen verbindet die RBG-Gasse mit einem Rollenkettenförderer für Bereitstellung und Transport. Von dieser können Gabelstapler die Paletten von der gesamten Rollenkettenfördererstrecke abheben.

Wie auch schon beim kurzen Fördertechnik-Loop der Aufgabe mit Ausrichtstation ist im Transportbereich eine Kontrollstation inklusive Hand-vor-Ort-Panel und Defektpalettenanzeige angebunden. Beide Fördertechnik-Bereiche in der Lagerperipherie überprüfen Ladeeinheiten laufend und schleusen defekte Ladeeinheiten aus dem System. Dabei werden Störungen im Automatiksystem bereits im Vorfeld ausgeschlossen. Die robuste und langlebige, auf Zuverlässigkeit ausgelegte Fördertechnik konnte ohne Austausch komplett weiterverwendet werden.

Der akribisch vorbereiteten, umfassenden Modernisierung vorausgegangen waren planungsmäßige Serviceberichte. Der Westfalia-Kunde Achilles wird intensiv betreut, hat kritische Komponenten so frühzeitig auf dem Schirm. „Nach 17-jähriger Laufzeit haben wir empfohlen, abgekündigte Bauteile in der Anlage auszutauschen“, sagt Valentin Schniederkötter, bei Westfalia zuständiger Projektleiter Modernisierung & Erweiterungen. „Wir haben bereits 2022 ein Konzept zur RBG-Modernisierung erstellt und auf Sicherheitsmängel der Fördertechnik hingewiesen. Beim anschließenden Gesamtkonzept haben wir die Anlage auch steuerungstechnisch zu Westfalia geholt. Mit dem Steuerungsbauer G+W aus der Westfalia-Gruppe lag die Modernisierung der Gesamtanlage bei uns.“

„Wir bieten damit alles aus einer Hand, ausschließlich mit den eigenen Abteilungen“, betont René Findling, Vertriebsleiter Modernisierung & Erweiterungen. „Dadurch minimieren wir die nötigen Abstimmungen und zusätzlichen Schnittstellen für den Kunden, schaffen kürzere Kommunikationswege und geradliniges Projektmanagement. Ein Projektleiter – in diesem Fall Valentin – ist zentraler Ansprechpartner über die gesamte Projektlaufzeit.“

Ersatzteilverfügbarkeit wiederhergestellt

Als über Jahrzehnte in der Intralogistik-Branche mit Zulieferern vernetzter Hersteller kann Westfalia Ersatzteile zudem „on Demand“ nachordern oder Komponenten seiner Schlüsseltechnologien wie Satellit oder Fördertechnik selbst nachproduzieren. Anlagenseitig, steuerungs- und softwareseitig ist das Lagersystem jetzt zukunftssicher aufgestellt. Die Modernisierung konnte zügig umgesetzt werden. Nach der Angebotserstellung ging 2023 der Auftrag an Westfalia, die Umsetzung folgte innerhalb von zwei Monaten im laufenden Betrieb.

„Wir haben innerhalb weniger Wochen das Regalbediengerät modernisiert, die Sicherheitstechnik der Fördertechnik angepasst und parallel zur RBG-Modernisierung unser Warehouse Execution System ‚Savanna.NET‘ implementiert“, so Valentin Schniederkötter zu den einzelnen Schritten. „Das Ziel der Modernisierung war erfolgreich: die Verfügbarkeit der Anlage auch zukünftig zu gewährleisten und alle Normen und Vorschriften zu Sicherheitsstandards zuverlässig einzuhalten.“ Am 11. November 2024 nahm das Retrofit-Team das Einzelplatzlager mit Teleskop-Satellit wieder in Betrieb.

Retrofit-ABC von Antrieb bis WMS

Einmal ein neues Technologie-Herz bitte: Am RBG tauschte das Serviceteam die alten gegen energieeffizientere Antriebe sowie die Umrichtertechnik, modernisierte die Laser-Distanzmessung im Fahr- und Hubwerk, die Geschwindigkeitsüberwachung, die Datenübertragung vom RBG zur Fördertechnik und zum Warehouse Execution System sowie die Fachfeinpositionierung auf ein kameragestütztes System. Die Energieübertragung am Hubwerk tauschten die Techniker und Steuerungsprofis ebenso aus wie Schaltschrank und Schaltpult in der mitfahrenden Kabine, die zudem für gleichmäßigere Temperaturen mit einem Klimagerät ausgestattet wurde. Das Team baute außerdem die Kommunikation zwischen Sensorik und Aktorik von Profibus auf Profinet um.

Das Sicherheitsniveau auf den neuesten Stand gebracht haben die Intralogistik-Experten, indem sie die Endlagenüberwachung und die Zutrittsüberwachung inklusiver neuer Personenschutzschranken runderneuert haben. Auch das Personensicherheitsniveau der Fördertechnik ist durch die eingebundenen Sicherheitsscanner zur Überwachung der Ladeeinheiten vor den Ausrichtstationen gestiegen.

Das Software-Team löste parallel das bisherige Lagerverwaltungssystem eines anderen Anbieters durch die aktuelle Version des Warehouse Execution Systems (WES) „Savanna.NET“ ab und band dessen gebündelten Warehouse-Management- und Warehouse-Controlling-Funktionalitäten an das von der Achilles Gruppe genutzte ERP-System an. Im IT- und Software-Paket inbegriffen sind fünf Client-Lizenzen, ein aktueller SQL-Server und Windows Server der Marke „Terra“ aus dem Hause Wortmann AG. Als zusätzliche Peripheriegeräte lieferte das Intralogistikunternehmen außerdem zwei 2D Funkhandscanner, die alle gängigen Barcodes, Strichcodes und 2D Barcodes wie PDF-417, Datamatrix oder QR-Code verarbeiten.

WES beschleunigt und vereinfacht Lagerverwaltung

„Wir haben die alte Lagerverwaltungssoftware bei Achilles mit unserem WES ‚Savanna.NET‘ abgelöst – und bereits mit der Basisversion den Funktionsumfang und den Bedienkomfort deutlich erhöht“, betont Projektleiter Software & IT Ulrich Middendorf und erläutert eine zentrale Verbesserung: „Im alten System war es notwendig, bei Vollpaletten eine einzelne Produktnummer zu scannen und bei kommissionierten Paletten ein Gesamtpaletten-Etikett, das die Informationen für diese Mischpalette enthält. Die Anforderung lautete: Im neuen System sollte es eine Fehlermeldung geben, wenn ein Lagerist an einer solchen Palette fälschlicherweise ein einzelnes Produktetikett statt des Palettenetiketts scannt. Wir haben mit der Einführung des neues WES diese Fehlerquelle komplett ausgeschlossen. Der Bediener scannt ein beliebiges Barcode-Etikett auf der Palette – ‚Savanna.NET‘ erledigt den Rest. Denn das System verknüpft jede Artikelnummer der Einzelprodukte mit der dazugehörigen Palette.“

Eine zweite Fehlerquelle war in der Vergangenheit, dass die Barcodescanner ursprünglich fest Quellen zugeordnet waren und dann teilweise an der falschen Quelle genutzt wurden. Die 2D-Barcode-Handscanner sind nun über den TCP/IP-Standard ans Firmennetzwerk angebunden und frei an jeder beliebigen Quelle bedienbar, wie Aufgabe Produktionsmittel, Anforderung Hilfsstoffe, Aufgabe Produktionspaletten oder Auslagerung für den Versand.

Auch die Lagertopologie ist nun besser abgebildet. „Dazu haben wir alle Einlagervarianten in den Regalfächern eingespeist“, so Ulrich Middendorf: „Zwischen zwei Säulen im Regalsystem passen immer drei schmale oder zwei breite Europaletten. Den Versatz in der Anlaufposition berücksichtigt ‚Savanna‘ und ermittelt die optimale Palettenverteilung, um den Raumnutzungsgrad zu maximieren.“

Dynamische Infos zu Ladeeinheiten und Materialfluss

Im Gegensatz zum alten System haben die Bediener nun zudem ein dynamisches Grid zur Verfügung: „Statt fester Listen lassen sich Informationen filtern und sortieren. Die Varianten an Ansichten und Abfragen haben sich verzehnfacht, die Informationstiefe hat sich deutlich erhöht“, so der Software-Projektmanager. „Neben Artikel- und Palettendetails oder Füllgrad lassen sich nun auch die Bewegungen der Ladeeinheiten nachvollziehen, Protokolle aus dem Austausch mit dem ERP-System oder Unterbrechungszeiten abfragen, bei leichter Bedienbarkeit über das Kontextmenü.“

„Insgesamt haben wir ein sehr geradliniges WMS umgesetzt: Denn alle Auslageraufträge aus dem Einzelplatzlager werden kommissioniert. Dazu markiert das ERP-System jede Palette, die ausgelagert wird, mit einer Kommissioniernummer. Eine komplexere logistische Reihenfolge bzw. Auslagerstrategie mussten wir in diesem Fall nicht implementieren.“ Bereits die „Savanna“-Basisfunktionen heben die Lagerverwaltung aber auf ein neues Niveau, so Middendorf: „Den Mitarbeitern steht nach der Ablösung des bisherigen Lagerverwaltungssystems ein leicht zu bedienendes, leistungsfähigeres WMS zur Verfügung. Unser Warehouse Execution System wirkt sich sowohl auf die Reaktionszeiten des Systems als auch auf die logistische Leistung aus. Das Lagerteam bei Achilles kann Arbeitsabläufe in der Intralogistik beschleunigen und Lagerplätze optimal ausnutzen. Kundenprozesse lassen sich in der Software direkt umsetzen, diese ist vollständig an Kundenprozesse anpassbar.“

„Auch diesmal haben wir auf eine gute Vorbereitung gesetzt, sodass der Modernisierungs-Zeitraum und damit verbundene Stillstand des RBG so gering wie möglich ist. Dazu ziehen wir die Koppeltests des Hosts und die Koppeltests zwischen SPS-Steuerung und WES vor, legen RBG-Modernisierung und Software-Implementierung zusammen“, erläutert René Findling die bewährten Modernisierungs-Standards bei Westfalia. Ende 2024 hieß daher das planmäßige Ergebnis: Das RBG ist elektro-mechanisch modernisiert, die Anlagenverfügbarkeit wieder gewährleistet. Technik und Sicherheitstechnik sind auf dem neuesten Stand und erfüllen alle aktuellen Vorschriften. Der Austausch kritischer Teile sichert die Ersatzteilverfügbarkeit.

Hohe Zuverlässigkeit und schnellere Lagerprozesse

„Die Zusammenarbeit mit Westfalia verlief reibungslos“, zieht Nils Bangemann, Betriebsleiter der Achilles Films GmbH, ein positives Fazit. „Wir haben mit Erfolg erneut auf unseren langjährigen Partner für Logistikautomatisierung gesetzt. Das Lagersystem ist optimal für die nächsten Jahre aufgestellt: Regalbediengerät inklusive Sensorik, Antriebe, Steuerung, Datenübertragung und Sicherheitsniveau sind wirtschaftlich auf dem neuesten Stand, während wir die robuste Fördertechnik ohne Wechsel weiternutzen können.“ Die Ersatzteilverfügbarkeit sei wiederhergestellt, das Risiko von Störungen und Ausfällen minimiert. „Durch den vollständigen Wechsel auf das Warehouse Execution System von Westfalia haben wir die Lagerverwaltung auf ein neues Niveau gehoben und damit unser Ziel erreicht, das Lager effizienter und fehlerfrei zu verwalten und damit alle Lagerprozesse zu beschleunigen. Die Software ist jetzt flexibel und sehr fein an unsere Prozesse anpassbar.“ „Durch die erweiterte, dynamische Darstellung zu Ladeeinheiten und Materialflüssen erreichen wir zudem maximale Lagertransparenz“, betont Nils Bangemann. „Eine sehr überzeugende Lagerautomatisierung und ein zuverlässiger Partner – wir empfehlen Westfalia Technologies weiter.“ (jak)

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Seite 44 bis 47
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