Lagerrobotik: Greiftechnik als Schlüsselfaktor für die nächste Stufe der Lagerautomatisierung
Im Lagerbetrieb unterscheiden sich Verpackungen, Oberflächen und Positionen der Artikel häufig voneinander. Eingedrückte Kartons, aneinander haftende Folienbeutel oder unterschiedlich liegende Produkte stellen automatisierte Greifsysteme vor zusätzliche Anforderungen. Nach Angaben von Locus Robotics müssen diese Systeme Objekte erkennen, geeignete Greifstrategien auswählen, die Greifkraft anpassen und während des gesamten Vorgangs auf Veränderungen reagieren. Entscheidend sei dabei das Zusammenspiel von Sensorik, Künstlicher Intelligenz und Mechanik.
Prozesssicherheit gewinnt an Bedeutung
Laut Locus Robotics stoßen lassische, insbesondere saugbasierte Greifverfahren bei wechselnden Verpackungen und Materialien an Grenzen. Bereits geringe Abweichungen könnten Fehlgriffe, Doppelentnahmen oder Prozessunterbrechungen verursachen. Bei mehreren tausend Picks pro Stunde führten selbst hohe Erfolgsquoten noch zu einer relevanten Zahl manueller Nacharbeiten. Für Betreiber werde deshalb die Zuverlässigkeit jedes einzelnen Greifvorgangs zunehmend wichtiger als die reine Anzahl der Picks pro Stunde.
Mobile Manipulation als nächster Entwicklungsschritt
Locus Robotics sieht die nächste Entwicklungsstufe der Lagerautomatisierung in der sogenannten Mobile Manipulation. Dabei werden autonome Mobilität, KI-basierte Wahrnehmung und physische Interaktion zu einem Gesamtsystem verbunden. Ziel ist es, Roboter nicht nur Waren transportieren zu lassen, sondern auch Greif-, Prüf- und Ablageprozesse weitgehend autonom auszuführen.
Neue Greiftechnik im Portfolio
Nach der Übernahme von Nexera Robotics integriert Locus Robotics deren Greiftechnologie „NeuraGrasp“ in das eigene Portfolio. Die Technik arbeitet laut Unternehmen mit einer nachgiebigen Membranstruktur, die sich an Form, Oberfläche, Material und Gewicht unterschiedlicher Artikel anpasst. Dadurch sollen unter anderem Textilien, perforierte Folienbeutel, lose Verpackungen sowie empfindliche Produkte zuverlässiger gehandhabt werden. Die Technologie sei über fünf Jahre hinweg in sechs Generationen entwickelt und in mehreren zehn Millionen Greifvorgängen getestet worden.
Die Greiftechnik wird in das System „Locus Array“ integriert, das autonome Robots-to-Goods-Prozesse unterstützt. Die Steuerungsplattform „LocusONE“ koordiniert dabei nach Unternehmensangaben Aufträge, Personal und robotische Ressourcen in Echtzeit.
Perspektiven für autonomes Fulfillment
Nach Einschätzung des Unternehmens wird zuverlässiges robotisches Greifen zu einer wesentlichen Voraussetzung für wirtschaftlich skalierbare Fulfillment-Prozesse. Je weniger manuelle Eingriffe erforderlich seien, desto stabiler ließen sich Materialfluss, Durchsatz und Kosten pro Pick steuern. Damit verschiebe sich der Fokus der Lagerrobotik zunehmend von der autonomen Fortbewegung hin zur zuverlässigen Interaktion mit unterschiedlichsten Artikeln.

































