Modernisierung vom Prozess her denken

Ganzheitliche Betrachtung rückt Materialfluss und Systemintegration in den Fokus

Ein Retrofit aufgrund abgekündigter Komponenten oder fehlender Ersatzteile ist keine Modernisierung, sondern Notwehr. Wer sicherstellen will, dass seine Anlage auch für die nächsten 20 Jahre zukunftssicher aufgestellt ist, sollte früher ansetzen und von den Prozessen ausgehen. Das erfordert einen ganzheitlichen Blick auf das System und eine durchgängige Hard- und Software-Modernisierung durch technologieneutrale Spezialisten.

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Durch ganzheitliche Modernisierungen werden bestehende Anlagen leistungsfähiger und können so besser auf Wachstum ausgelegt werden. Bild: Körber Supply Chain
Durch ganzheitliche Modernisierungen werden bestehende Anlagen leistungsfähiger und können so besser auf Wachstum ausgelegt werden. Bild: Körber Supply Chain

Leistungsstarke Lieferketten erfordern zeitgemäße, belastbare und zuverlässige Systeme, die Spitzenleistungen erbringen und darauf ausgelegt sind, mit den künftigen Geschäftsanforderungen und dem Unternehmenswachstum Schritt zu halten. Retrofit-Projekte eröffnen eine breite Palette an Nachrüst-, Upgrade-, Modernisierungs- und Erweiterungslösungen und können Systeme sicherer, energieeffizienter und intelligenter machen. Das optimiert die Leistung und verlängert die Lebensdauer bei gleichzeitiger Steigerung der Produktivität.

Taktgeber SPS und Software

In der Regel gibt die SPS-Generation den Takt vor, wenn es darum geht, mit der technologischen Entwicklung mitzuhalten, zumal die Entwicklungszyklen in der Software kürzer sind als bei der Hardware. Für Betreiber von S7-Steuerungen beispielsweise ist jetzt der richtige Zeitpunkt, über eine Migration zu TIA nachzudenken, bevor der Support eingestellt wird, zumal eine standortübergreifende Umstellung je nach Logistikkonzept und Systemarchitektur durchaus über Jahre verlaufen kann. So hat Körber in einem Ersatzteillager eines namhaften Landmaschinenherstellers im Zeitraum 2019 bis 2025 Schritt für Schritt insgesamt sieben Steuerungsbereiche auf den Stand der Technik gebracht, beginnend mit dem Wareneingang und endend 2025 mit der Auslagerung. Die relativ großzügige Zeitplanung war den besonderen saisonalen Anforderungen an das Lager – Arbeiten konnten nur an den Wochenenden von November bis März erfolgen – und der Bestandstechnik geschuldet, deren Programmierung nur noch wenige Spezialisten beherrschen. Der Fokus der umfassenden Maßnahme lag auf Betriebssicherheit und Standardisierung, die Leistungswerte blieben unverändert. Ausgetauscht wurden alle abgekündigten Komponenten wie 230-Volt-Schaltschränke und Lichtschranken, Schütze, Scanner und die vorhandenen speicherprogrammierbaren Steuerungen (SPS). Letztere wurden durch hochmoderne Siemens-Steuerungen mit der TIA-Programmierumgebung ersetzt und an den bestehenden Körber Materialflussrechner (MFR) angebunden, der im gleichen Zuge ebenfalls sukzessive modernisiert und erweitert wurde.

Ökosysteme für Technologieoffenheit

Generell ist jede Modernisierung ein guter Anlass, die Perspektive etwas zu weiten und die Grenze zwischen Steuerungen und Schnittstellen auf der einen Seite und der Mechanik auf der anderen Seite aufzulösen. Typisch für Retrofit-Projekte ist ein gewachsener Mix unterschiedlicher Technologien und Systeme verschiedener Hersteller. Häufig werden Anlagen und Komponenten genutzt, die nicht mehr hergestellt werden. Hier sind Erfahrungen mit solchen Systemen gefragt und ein herstellerunabhängiger Ansatz, der Fremdanlagen nicht ausschließt.

Der Markt fragt nach ganzheitlichen Konzepten, und diese Nachfrage verändert die Modernisierungslandschaft. So hat die Retrofit-Sparte von Körber – historisch von der Steuerung und den Schnittstellen zu den überlagerten Systemen kommend – ein Ökosystem von Technologiepartnern für die mechanischen Komponenten aufgebaut. Als Generalunternehmer plant und realisiert das Unternehmen mit den Herstellern Rundum-Konzepte, die es ermöglichen, alle Gewerke und Stellschrauben in einer Anlage exakt aufeinander abzustimmen. Im Vordergrund stehen dabei nicht die Komponenten und die Lagertechnik, sondern die Prozesse und Abläufe – wie kann der Materialfluss optimiert, der Durchsatzverbessert oder die Flexibilität erhöht werden, um auch langfristig den immer höheren Anforderungen an die Logistik zu genügen und die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten? Das hat unter anderem Einfluss auf die Verortung der Materialfluss-Strategien und -Logiken.

Im Fall des Landmaschinenherstellers wurden diese ursprünglich von der SPS-Ebene abgebildet. Heute sind sie in den Materialflussrechner integriert und somit für den Kunden leichter parametrier und bedienbar.

Türöffner für die Digitalisierung

Deutlich höhere Verfügbarkeiten, bessere Energieeffizienz und Leistungssteigerungen im hohen zweistelligen Prozentbereich sind bei Anlagen mit einer Laufzeit von 10, 20 oder 30 Jahren keine Seltenheit, aber dies ist nur eine Dimension der Modernisierung.

Jedes Retrofit ist auch eine Gelegenheit, angrenzende Prozesse des Lagerbetriebs zu digitalisieren und neu zu organisieren. Der Begriff Industrie 4.0 hätte selbst schon ein Retrofit verdient, im Kern aber ist der Gedanke richtig: Anlagendaten in Echtzeit zu erfassen und in die Cloud zu übertragen, ermöglicht nicht „nur“ Applikationen wie Remote Monitoring und Predictive Maintenance, sondern auch datenbasierte, KI-gestützte Anwendungen. Modernisierung und Digitalisierung gehören untrennbar zusammen, und auch hier steht die Steuerung im Zentrum.

Schließlich aber ist natürlich auch die Modernisierung selbst ein Prozess, und auch dieser kann optimiert werden. Eine ganzheitliche Sichtweise erleichtert die Umsetzung im laufenden Betrieb auch bei komplexen Vorhaben. So arbeitet Körber mit digitalen Tools, mit denen sich neue Layouts, die Integration neuer Technologien wie AMR, oder die Neuorganisation der betrieblichen Abläufe über „What-if“-Szenarien simulieren und virtuell im Vorfeld testen lassen. Stillstände oder Einschränkungen lassen sich so auf ein Minimum reduzieren.

Weitere Informationen sind unter www.koerber.com zu finden.

Eine Information des Körber-Geschäftsfelds Supply Chain

Firmenprofil siehe Seite 65

Christos Doulakis

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· Artikel im Heft ·

Modernisierung vom Prozess her denken
Seite 10 bis 11
28.08.2023
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