Mit jeder Faser up to date

Retrofit im Hochregallager des Pflanzenfaserspezialisten J. Rettenmaier & Söhne

Zahlreiche Standorte, vielfältige Produkte, individuelle Kundenwünsche – JRS, J. Rettenmaier & Söhne, hat sich mit ihrer innovativen Technologie auf die Herstellung funktionaler Pflanzenfasern spezialisiert und verschickt aus Rosenberg Pakete ebenso wie Big-Bags. Bei einem Retrofit des Hochregallagers während des laufenden Betriebs verbesserte das Unternehmen seine Lieferfähigkeit und verdoppelte die Lagerkapazität.

1105
Viastore hat das Hochregallager von JRS um zwei Gassen ergänzt und die vorhandenen Gassen verlängert. So konnte das Unternehmen die Zahl der Palettenstellplätze mehr als verdoppeln. Bild: Viastore
Viastore hat das Hochregallager von JRS um zwei Gassen ergänzt und die vorhandenen Gassen verlängert. So konnte das Unternehmen die Zahl der Palettenstellplätze mehr als verdoppeln. Bild: Viastore

Fasern sind für die Struktur, das Wachstum und die Funktionalität von Pflanzen essenziell. Sie tragen zu Wachstum, Anpassungs- und Überlebensfähigkeit der Gewächse in unterschiedlichen Umgebungen bei. Viele dieser Eigenschaften macht sich auch der Mensch für seine Produkte zunutze. Die JRS Pflanzenfaser-Technologie ermöglicht über spezielle Herstellverfahren, diese Funktionen und Eigenschaften nahezu allen Bereichen der modernen Industrie an Hand zu geben. JRS Pflanzenfaser-Produkte punkten durch hohe Funktionalität, Wirtschaftlichkeit und - wichtiger dann je - ihre natürliche Recycelbarkeit (Kreislaufwirtschaft).

Die inhabergeführte JRS Unternehmensgruppe beschäftigt mehr als 4.000 Mitarbeitende an über 90 Produktions-, Entwicklungs- und Vertriebs-Standorten rund um den Globus. Aus natürlichen, nachwachsenden Rohstoffen wie Getreide- und Fruchtfasern, Meeresalgen und Holz sowie der daraus gewonnenen Cellulose extrahiert JRS mit ihrer Spezialmühlentechnologie eine große Bandbreite an Pflanzenfaserprodukten: JRS ist Weltmarktführer für Ballaststoff-Konzentrate oder cellulosische Tablettierstoffe. Funktionale JRS Faseradditive verbessern zum Beispiel die Verarbeitbarkeit von Asphalt, Baumörtel, Spachtelmassen, beeinflussen die Standfestigkeit von Fliesenklebern oder Bruchdehnungsverhalten und Härte bei Elastomeren. Mit der super-geruchsbindenden CAT’S BEST Pflanzenfaser-Katzenstreu hat JRS eine ganz neue Kategorie im Bereich der Heimtierhygiene geschaffen, die heute weltweit in Handelsregalen und Onlineshops angeboten wird.

Versorgungssicherheit und Individualität

So vielfältig die Einsatzmöglichkeiten sind, so unterschiedlich sind auch die Anforderungen an die Logistik: Während manche Kunden Fasern als Schüttgut in Big-Bags beziehen, erhalten andere hochwertige Spezialprodukte in Paketgröße, dafür aber mit hohen Ansprüchen in puncto Dokumentation und Qualitätssicherung. „Die Logistik ist ein wesentlicher Teil unserer Positionierung beim Kunden“, erläutert Simon Wagner, Logistikleiter bei JRS. „Dabei sind Versorgungssicherheit und die optimale Bereitstellung der Waren, angepasst an die jeweiligen Produktionskonzepte unserer Auftraggeber, wichtige Faktoren.“

JRS hat am Standort der Konzernzentrale im ostwürttembergischen Rosenberg ein logistisches Drehkreuz aufgebaut. „Hier lagern alle Waren, die unsere Unternehmensgruppe herstellt“, sagt Michael Wettinger, Produktionsleiter Cellulose bei JRS. „Damit können wir alle geforderten Gebinde einfach kommissionieren. Das heißt, bei den Lkw, die unser Logistikzentrum verlassen, handelt es sich meistens um Mischtouren.“ Zudem verwaltet das Team in Rosenberg auch die Bestände der Zweigwerke.

Den Kern des Logistik-Drehkreuzes bildet ein vollautomatisches Hochregallager, das der Stuttgarter Intralogistik-Experte Viastore 2010 für JRS realisierte. Ergänzt wird es durch Block- und Bodenlager sowie ein Verschieberegal, das der Faser-Spezialist heute vor allem für Verpackungsmaterialien nutzt. Sämtliche Lagerbereiche managte das Unternehmen zunächst noch mit dem bereits vorhandenen Lagerverwaltungssystem – es war insbesondere auf manuelle Lager zugeschnitten. Zur Steuerung des Hochregallagers installierte viastore daher lediglich eine Basis-Version seines Warehouse Management Systems (WMS) „Viadat“.

Stufenweise Erweiterung

Doch die rasant wachsenden Geschäfte von JRS erforderten schließlich eine Erweiterung der Lagerkapazitäten. „Wir bauten zunächst eine neue Halle für die Bodenlagerung“, erinnert sich Wettinger. 2020 fiel die Entscheidung, auch das Hochregallager mit seinen rund 13.000 Palettenstellplätzen zu vergrößern. „Dazu war angedacht, die vorhandenen Gassen zu verlängern“, sagt Ralph Görlich, Senior Kundenberater Retrofit bei Viastore. „Das bedeutet allerdings, dass sich die Fahrzeiten der Regalbediengeräte entsprechend erhöhen und sich damit der Durchsatz des Hochregallagers etwas verringert.“ Aber die Leistung des Lagers sollte nicht sinken. Viastore ergänzte daher die Anlage um zwei weitere Gassen für Regalbediengeräte – damit lassen sich die längeren Fahrzeiten kompensieren. Außerdem erweiterten die Stuttgarter die vorgelagerte Fördertechnik, um die Leistung der neuen Gassen aufzunehmen. Der Clou: Dabei konnten sie auch gleich einen Engpass bei den vorhandenen Förderstrecken auflösen. Durch einen Bypass wird jeder der sieben Verladebahnhöfe jetzt auch noch dann versorgt, wenn die reguläre Zuführstrecke zu diesen Bahnhöfen blockiert sein sollte.

Modernisierung von Soft- und Hardware

Im Vorfeld der Erweiterungsarbeiten analysierte Viastore die vorhandene Anlagentechnik, um festzustellen, welche Komponenten ausgedient hatten. So waren zum Beispiel die Bedienterminals vom Hersteller abgekündigt, es gab keinen Support mehr für die Wegmessung, und die Schleifleitungen zeigten erste Verschleißerscheinungen. Zudem wollte JRS noch einige Funktionen nachrüsten, wie Michael Wettinger erzählt: „Scanner führen jetzt Plausibilitätskontrollen durch, die sicherstellen, dass die korrekte Palette im Fach eingelagert wird.“ JRS brachte bei dem Retrofit-Projekt nicht nur die Hardware auf den aktuellen Stand, sondern führte auch ein neues Lagerverwaltungssystem ein, da es für das bisherige keine Updates mehr gab. „‚Viadat‘ in der Version 7 kennen wir schon von unserem Hochregallager. Nun wollten wir es in der Version 9 als neues generelles Lagerverwaltungssystem nutzen“, sagt Wettinger. Das WMS „Viadat“ von Viastore ist sowohl für manuelle oder staplerbediente Lager als auch für automatisierte Systeme einsetzbar. Für die Lösung sprach zudem, dass es „die meisten logistischen Prozesse der JRS-Standorte im Standard erfüllt“, wie Christian Wagner, Chief Information Officer bei JRS, erklärt. Das System bietet standardmäßig mehr als 2.500 Logistik-Funktionen, die sich kundenspezifisch noch erweitern und anpassen lassen. Die Lagerverwaltung an das ERP-System zu übertragen, kam für JRS nicht infrage, da einige Logistikprozesse eine speziell zugeschnittene Lösung benötigen. Dazu gehören die Abwicklung von Mischpaletten, eine permanente Inventur oder auch die End-to-End-Tracebility. Zudem ermöglicht nur „Viadat“ feste Reservierungszuordnungen zur Ware, um spezifische Kundenwünsche abzubilden. „Ein anderes Beispiel ist die lagerfachgenaue Bestandsauskunft – wir benötigen sie, um bei mehreren Verladestellen die Lkw am richtigen Ort zu beladen“, betont Wettinger.

Weltweiter Roll-out

JRS wollte „Viadat“ nicht nur in der Konzernzentrale in Rosenberg einführen, sondern schrittweise weltweit an allen Standorten der Gruppe. Dadurch möchte das Unternehmen die Prozesse in allen Werken vereinheitlichen und den Austausch der Daten vereinfachen. Wettinger: „Im Moment kann zum Beispiel unsere Arbeitsvorbereitung nur über Umwege auf die Daten der jeweiligen Werke zugreifen. Wenn dagegen alles standortübergreifend in einem System läuft, funktioniert der Austausch deutlich besser.“ Dabei punktet „Viadat“ mit seiner Mehrlagerfähigkeit, das heißt, eine Installation auf einem Server kann verschiedene Lager verwalten – auch an unterschiedlichen Standorten. Wichtig war für JRS darüber hinaus die Möglichkeit, „Viadat“ über standardisierte Schnittstellen an die diversen ERP-Systeme der Produktionsstätten anbinden zu können. Weil nicht überall WLAN verfügbar ist, vernetzten die Fachkräfte die Lagersysteme zudem teilweise über LTE. „Da ‚Viadat‘ eine Webanwendung ist, war das recht einfach“, betont Christian Wagner. Auch die Nutzer vor Ort profitieren von dem neuen Warehouse Management System. Die hohe Ergonomie sowie Usability reduzieren Fehler und vereinfachen zum Beispiel die Arbeit in der Kommissionierung. „Mit der Benutzeroberfläche von ‚Viadat 9‘ arbeite ich sehr gerne, sie ist intuitiv aufgebaut und ich kann alle gewünschten Informationen leicht herausziehen und exportieren“, bemerkt Wettinger. Für jeden Nutzer lässt sich dabei ein individuelles Dashboard konfigurieren, das nur die Informationen anzeigt, die er tatsächlich benötigt. „Mit ‚Viadat 9‘ muss ich nicht tief in das System einsteigen, um Probleme zu lösen“, bestätigt Ali El Mawla, der täglich im Leitstand mit viadat arbeitet.

Lieferfähigkeit selbst in der Retrofit-Phase

„Das Projekt bei Rettenmaier enthielt tatsächlich alle Facetten, die unser Retrofit-Portfolio bietet“, resümiert Swen Mantel, Direktor Retrofit bei Viastore. „Es umfasste sowohl die Reorganisation als auch die Erweiterung, Verlängerung, Modernisierung und das Software-Upgrade.“ Um den Tagesablauf trotz der umfangreichen Arbeiten nicht zu stören, war dabei eine ausgefeilte Strategie vonnöten, denn „die gesamte Zeit musste die Lieferfähigkeit garantiert sein“, wie Logistikleiter Simon Wagner unterstreicht. Viastore hat dazu das Projekt in viele kleine Einzelschritte unterteilt und Umbauarbeiten an der Bestandsanlage auf die Wochenenden gelegt. Um bei den Tätigkeiten an den fünf vorhandenen Hochregalgassen die Leistungsfähigkeit des Lagers zu erhalten, stellte Viastore zunächst die zwei neuen Gassen fertig und nahm sie in Betrieb. Bevor die Arbeiten an einer der bestehenden Gassen begannen, lagerte JRS die Paletten in die neuen Gassen um. In einem Zwei-Wochen-Rhythmus modernisierten und erweiterten die Monteure eine Gasse nach der anderen.

„Bei derartigen Projekten ist das Thema Vorab-Tests ganz wesentlich“, so Mantel. Während Unternehmen bei der Software noch relativ einfach zwischen neu installierter und bisheriger Lösung hin- und herschalten können, bis das System reibungslos läuft, muss bei der Hardware die Technik in möglichst kurzer Zeit zuverlässig laufen. Viastore hat dazu einen eigenen Teststand, in dem die Fachkräfte die Automatisierungstechnik überprüfen, bevor sie die Anlage installieren. So sind Verdrahtungs- oder Programmierfehler beim Einbau ausgeschlossen. Fördertechnische Anlagen testet Viastore zudem über Emulationen: Dabei erstellen die Mitarbeitenden einen sogenannten digitalen Zwilling des geplanten Systems. Mit diesem virtuellen Modell der Mechanik können sie die Prozesse erproben, auch im Zusammenspiel mit der Software. „Beim Einbau der Fördertechnik müssen wir dieses virtuelle Modell nur noch mit der Ist-Situation abgleichen – das können wir am Wochenende machen, bevor wir in den Live-Betrieb gehen“, erklärt Mantel. So führte Viastore auch bei JRS alle Arbeiten ohne Auswirkungen auf die Lieferfähigkeit durch.

Nächste Projekte in Planung

Heute verfügt das Hochregallager mit rund 30.000 Palettenplätzen über genug Kapazitäten für weiteres Wachstum. „Viadat“ ist bereits in Werken in Deutschland, den USA und Frankreich installiert. „Alles, was im Projekt gefordert war, ist im Zeitrahmen realisiert worden“, so Simon Wagner. JRS plant schon, weitere Modernisierungsmaßnahmen an der Anlage gemeinsam mit Viastore durchzuführen, zum Beispiel an der Antriebstechnik der Regalbediengeräte. Michael Wettinger: „Viastore hat bereits ein gut überschaubares Konzept mit notwendigen Maßnahmen sowie den entsprechenden Zeitlinien vorgelegt.“ (ck)

Eine Information der Viastore Systems GmbH

Hier geht's zum Firmenprofil ...

» Alles, was im Projekt gefordert war, ist im Zeitrahmen realisiert worden.

Simon Wagner, Logistikleiter bei JRS

Redaktion (allg.)

AnhangGröße
Beitrag als PDF herunterladen342.16 KB

· Artikel im Heft ·

Mit jeder Faser up to date
Seite 24 bis 27
04.12.2024
Kongruente Intralogistiklösung für die Verpackungsmacher
Da waren es plötzlich zwei. Nach einjähriger Bauzeit hat die Packit! Verpackungen GmbH ein weiteres vollautomatisches Hochregallager in Betrieb genommen. Ergänzend zur bestehenden Anlage sind so mit...
06.05.2025
Kanban-System sorgt für Effizienz und Flexibilität im Viastore-Lager
Ein ideales C-Teile-Management ist für Unternehmen wichtig, die ihre Prozesse beschleunigen, Ressourcen optimal nutzen und die Produktivität steigern möchten. Bei Viastore sorgt ein Zwei-Behälter...
05.06.2025
Behältermanagement im Dornröschenschlaf und der Weg dort raus
In Zeiten eines schwierigen Marktumfelds ist es wichtig, alle Potenziale zu realisieren, die zum Unternehmenserfolg nachhaltig beitragen. In diesem Artikel werden die gängigsten Ursachen für...
12.09.2023
Nachhaltiges und automatisiertes Material-Handling
Im Sommer 2022 feierte Asko Oslofjord die große Eröffnung ihres neuen, nachhaltigen und automatisierten Logistikzentrums in Sande, Norwegen. Dieses Logistikzentrum ist die erste Industrieanlage im...
28.08.2023
Entscheidende Rolle bei der digitalen Transformation in der Intralogistik
Im Logistikzentrum von Möbelbeschlaghersteller Hettich sorgen Planungsleitstand, Case Calculation, Staplerleitsystem und Yard-Management für effiziente Prozesse nach dem Pull-Prinzip und Lkw...
26.07.2023
Automatisierte Intralogistik sorgt für Effizienz und Zukunftsfähigkeit
Mit einer umfassenden Automatisierungslösung bestehend aus Hardware, Software und IT hat Systemintegrator Element Logic die Erweiterung der bestehenden Logistik um Lagerung, Kommissionierung und...