Lager als Logistik-Runway

Onlineboom erfordert smarte Logistik – Modernisierung durch KI

Der Modehersteller LPP bewältigt sein rasantes Onlinewachstum mithilfe von „PSIwms AI“. Diese KI-Plattform verbessert Lagerprozesse, verkürzt Wege und ermöglicht Einsparungen – ein innovatives Projekt mit Leuchtturmcharakter.

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Bekleidungshersteller LPP verzeichnet seit Jahren einen massiven Zuwachs an Online-Bestellungen. Bild: LPP S.A.
Bekleidungshersteller LPP verzeichnet seit Jahren einen massiven Zuwachs an Online-Bestellungen. Bild: LPP S.A.

Mit einem jährlichen Umsatz von 3,9 Milliarden Euro zählt LPP zu den Marktführern im E-Commerce in Europa. Der polnische Bekleidungshersteller ist Eigentümer der fünf bekannten Marken Reserved, Cropp, House, Mohito und Sinsay. Mit mehr als 2.000 Geschäften und einem umfangreichen Online-Angebot ist LPP eines der am schnellsten wachsenden Modeunternehmen in Mitteleuropa und verfügt über ein umfangreiches Vertriebsnetz, das von der Tochtergesellschaft LPP Logistics betrieben und verwaltet wird. Basierend auf einer globalen Lieferkette vertreibt LPP Logistics jährlich mehr als hundert Millionen Artikel weltweit und erreicht damit über 40 Länder in Europa, Afrika und Asien.

Steigende Online-Bestellungen waren eine enorme logistische Herausforderung

Angekurbelt durch die Corona-Pandemie kam es bei LPP zu einem massiven Wachstum der Online-Verkaufskanäle. Allein im Jahr 2020 nahm das E-Commerce-Volumen gegenüber dem Vorjahr um 120 Prozent zu. Dieser Trend setzt sich bis heute fort. So stieg die Zahl der Online-Bestellungen auch 2024 immer noch um rund 35 Prozent im Vergleich zu 2023. Inzwischen macht der E-Commerce fast ein Drittel des gesamten Omnichannel-Umsatzes von LPP aus. Für das Unternehmen ist das nicht nur eine wirtschaftliche Chance, sondern auch eine enorme logistische Herausforderung, insbesondere angesichts steigender Energie-, Material- und Lohnkosten.

LPP brauchte daher neue Ansätze, um die wachsende Nachfrage befriedigen zu können, ohne Kompromisse bei der Produktqualität oder der Vorlaufzeit der Online-Bestellungen eingehen zu müssen. „Wir haben nach neuen Lösungen gesucht, die es uns ermöglichen würden, die Lagerprozesse effizienter und kostengünstiger zu gestalten und gleichzeitig unsere gewohnten Qualitätsstandards beizubehalten“, sagt Sebastian Sołtys, CEO von LPP Logistics. Konkret suchte das Unternehmen nach neuen Technologien im Bereich Logistik und IT. Dazu wandte sich LPP an die PSI Software SE, dessen Warehouse Management Systems PSIwms seit 2008 für die Steuerung der LPP-Logistikzentren eingesetzt wird.

Das Warehouse Management System bringt KI direkt ins Lager

Das börsennotierte Unternehmen aus Berlin arbeitet stetig an neuen Lösungen, die Industrie- und Logistikkunden höhere Produktivität, geringere Betriebskosten und größere Effizienz ermöglichen sollen. Dabei steht seit einigen Jahren insbesondere eine Technologie im Fokus: Im Rahmen der konzernweiten AI-Initiative planen die verschiedenen Business Units (BU) von PSI, ihren Kunden sukzessive neue KI-Features bereitzustellen. Eine Vorreiterrolle nimmt dabei die BU Logistics ein.

Der Unternehmenszweig startete bereits 2018 erste Versuche, mithilfe von Machine-Learning-Algorithmen ausgewählte Prozesse in der Logistik zu optimieren. Unter der Leitung des polnischen Spezialisten Jerzy Danisz, Product Owner „PSIwms“, der bei PSI für die Entwicklung des WMS-Standards verantwortlich ist, entstand letztlich die KI-Lösung „PSIwms AI“. „Mit der Plattform stellen wir Logistikberatern und Wirtschaftsanalytikern auf Kundenseite ein wirkungsvolles Tool für das Durchführen von Experimenten und Analysen im Lager zur Verfügung“, sagt Danisz.

Digitaler Zwilling ermöglicht das Prüfen der Logistikprozesse ohne Auswirkung auf Realbetrieb

LPP erhielt als erster Kunde die Möglichkeit, „PSIwms AI“ in der Praxis zu nutzen. „Im Bestreben, rasche Vorteile durch die Nutzung intelligenter und skalierbarer Lösungen zu generieren, lag der Einsatz von KI für uns auf der Hand“, erklärt CEO Sołtys. „PSIwms AI“ ermöglicht es LPP, Logistikprozesse zu prüfen und abzustimmen, ohne dass es dabei zu Auswirkungen auf den realen Betrieb kommt. Dazu stützt sich das System auf einen digitalen Zwilling des jeweiligen Lagers. Da dieser über eine Schnittstelle direkt an das Warehouse Management System „PSIwms“ angebunden ist, werden Änderungen im physischen Lager automatisch und in Echtzeit in den digitalen Zwilling übertragen und fließen in die Analyse ein. Auch Änderungen am WMS-Prozess oder eine Neukonfiguration des Systems werden sofort berücksichtigt.

Dank dieser Analysen können Nutzer wie LPP im Vorhinein die Auswirkungen spezifischer Änderungen auf die wichtigsten KPIs im Lager beurteilen. So lässt sich beispielsweise prüfen, inwieweit der Kauf neuer Automatisierungsgeräte die Effizienz beeinflussen würde, oder ob das Lagerpersonal in der Lage ist, eine anstehende Verkaufsspitze zu bewältigen.

Unter Verwendung von Produktionsdaten ist es auch möglich, Änderungen in der Lagertopologie zu simulieren. Darüber hinaus hilft die KI-Lösung gezielt dabei, bestimmte Prozesse zu optimieren. Zum Beispiel lassen sich Vorschläge für die Laufwege der Lagermitarbeiter generieren, sodass mehr Produkte in kürzerer Zeit kommissioniert werden können. Damit diese Impulse leicht verstanden und interpretiert werden können, werden die KI-Modelle und Lagerprozesse, unter anderem mittels einer 3D-Ansicht und Heatmaps, detailliert visualisiert.

Pick mal anders – Effizienzschub im Pilotprojekt

In einem Pilotprojekt kam die Lösung erstmals 2022 zur Anwendung. Als erstes Warehouse setzte das LPP-Fulfillment-Center in Pruszcz Gdański (Polen) „PSIwms“ in der Praxis ein. Hier bestand die Hauptaufgabe des Systems darin, das sogenannte Travelling-Salesman-Problem (TSP) effizient zu lösen. Dabei geht es darum, die kürzest mögliche Route zu finden, die eine Reihe von Orten im Lager verbindet und die Kommissionierung dadurch so effizient wie möglich zu gestalten. Diese Aufgabe hat „PSIwms AI“ mit Bravour gelöst.Durch die KI-generierten Routen wurden die Kommissionierwege im 64.000 Quadratmeter großen Logistikzentrum um rund 31 Prozent verkürzt und die Effizienz des gesamten Kommissionierprozesses um zirka 20 Prozent gesteigert.

Auch die Mitarbeitenden im Lager profitieren von der Lösung. Anstatt sich wiederholende, zeitraubende Tätigkeiten auszuführen, können sie sich auf wertschöpfendere Aufgaben konzentrieren. Durch die Automatisierung von Routineprozessen und die Verbesserung des Aufgabenmanagements wird darüber hinaus die körperliche Belastung verringert. „Insgesamt konnten wir unsere Prozesse erheblich optimieren. „PSIwms AI leistet einen entscheidenden Beitrag zur Bewältigung der Herausforderungen unserer dynamisch wachsenden Logistik“, resümiert LPP-CEO Sebastian Sołtys. „Dieses Projekt hat bewiesen, dass die Plattform die relevanten Prozesse eines sehr großen Lagers mit über 750.000 Lagerplätzen und mehr als 700 Mitarbeitern umfassend analysieren kann“, fügt Jerzy Danisz hinzu.

Weiterwachsen mithilfe der KI

Inzwischen ist „PSIwms AI“ in allen sechs Fulfillment-Centern von LPP in Polen, Rumänien und der Slowakei im Einsatz. Dadurch kann das Modeunternehmen einen großen Teil seiner Intralogistik intelligenter gestalten. Die Verbesserung zahlreicher Abläufe ermöglichte es LPP beispielsweise, auf die Einstellung von schätzungsweise 250 zusätzlichen Beschäftigten zu verzichten, die aufgrund des gestiegenen Bestellvolumens notwendig gewesen wäre. Angesichts der in Polen enorm gestiegenen Personalkosten ist das ein erheblicher wirtschaftlicher Vorteil. Dank derart greifbarer Ergebnisse wurde „PSIwms AI“ auf der Logimat 2025 mit dem Best Product Award ausgezeichnet. Gleichzeitig loten PSI und LPP weiterhin die Grenzen der KI-Lösung aus und planen die Plattform für zukünftige logistische Entwicklungen ein. So wird LPP sein Distributionszentrum im polnischen Brześć Kujawski in den kommenden Monaten von 75.000 auf 160.000 Quadratmeter erweitern. Außerdem möchte das Unternehmen den Automationsgrad seiner Lagertechnik weiter sukzessive erhöhen. (jak)

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Lager als Logistik-Runway
Seite 28 bis 31
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