Ein Retrofit zu Weihnachten
Wie lässt sich nahezu jeder Quadratzentimeter Lagerfläche – in Höhe, Breite und Länge – optimal ausnutzen und gleichzeitig das richtige Material schnell und präzise für die Auftragsabwicklung bereitstellen? Stürmsfs ist spezialisiert auf Langgutmaterialien (Aluminium-, Kohlenstoff- und Edelstahlbleche, Platten, Stangen, Konstruktionsprodukte, Rohre und speziell geformte Profile) mit Längen zwischen 2 und 7,5 Metern am Produktionsstandort Goldach (CH). Am Produktionsstandort Klaus (AT) werden Stahl-Träger bis 21 Metern Länge bearbeitet.
Früher lagerten alle Materialien bodennah und wurden mithilfe eines Brückenkrans bewegt. Mitarbeitende transportierten die Teile manuell zu den Sägelinien, wodurch die Abläufe zeitaufwendig, fehleranfällig, teilweise gefährlich und ineffizient waren. Sägen verschiedener Hersteller waren nicht zentral überwacht. Schnittzeiten mussten manuell berücksichtigt werden, und die Materialkontrolle war aufwändig. Das Hauptziel war es demnach, eine vollautomatische Beschickung der Sägelinien, eine Optimierung des Materialflusses, eine Sicherung der Produktqualität und eine Effizienzsteigerung – bei minimaler Unterbrechung der laufenden Produktion – zu erreichen.
Modernisierung und Automatisierungauf höchstem Niveau
Stürmsfs verfügt über drei an das zentrale ERP-System angeschlossene, automatisierte Lager- und Bereitstellungssysteme von Fehr. Eines davon ist ein Längslager zur vollautomatischen Pufferung von Aluminiumplatten.
Ein weiteres Wabenlagersystem wurde vor rund sieben Jahren installiert. Ein drittes, älteres Lagersystem eines Mitbewerbers wurde Ende 2022 durch ein neues Fehr-Langgutlagersystem teilweise ersetzt.
Im Rahmen des Retrofits – umgesetzt von Fehr innerhalb von nur drei Wochen (über die Weihnachtsfeiertage) – wurden das vorhandene Regalbediengerät ersetzt, sämtliche veralteten Steuerungskomponenten modernisiert und der Betrieb durch den Einsatz von modernster Robotik vollständig automatisiert. Dank präziser Planung konnte der laufende Betrieb bis kurz vor Weihnachten aufrechterhalten werden; ab der zweiten Januarwoche war das System wieder vollständig einsatzbereit. „Dass wir das komplette System innerhalb von nur drei Wochen über die Weihnachtsfeiertage modernisieren und somit den laufenden Betrieb fast durchgehend aufrechterhalten konnten, ist für uns ein beeindruckender Erfolg“, sagt Domingo Messerli, CEO und Delegierter des Verwaltungsrates bei stürmsfs.
Leistungsfähigkeit und Kapazität
Das neue System verarbeitet Stangen mit einem Durchmesser von 12 bis 110 Millimetern und Gewichten von 1 bis 450 Kilogramm. Mit 3.800 Lagerplätzen, von denen jeder bis zu drei Tonnen aufnehmen kann, nutzt das System die gesamte verfügbare Lagerfläche optimal. Acht Arbeitsstationen übernehmen verschiedene Aufgaben – darunter Kommissionierung, Beladen und Sägen – und gewährleisten einen kontinuierlichen Materialfluss. Zwei Roboter, mit speziell angepassten Greiferwerkzeugen, bedienen an drei Stationen zwei Sägelinien vollständig automatisch und direkt.
„Das neue System hat unsere Arbeitsabläufe komplett verändert“, sagt Domingo Messerli, CEO und Delegierter des Verwaltungsrates bei stürmsfs. „Von der automatischen Lagerung über die Materialentnahme bis hin zur Beschickung der Sägelinien – alles läuft heute effizient und zuverlässig, und die Qualität unserer Produkte bleibt konstant hoch.“
Vollautomatischer Prozess dank Lagerverwaltungssystem „Fehr WMS“
Zusätzlich zur Automatisierung wurde das modulare Lagerverwaltungssystem „Fehr WMS“ implementiert, das direkt an die Kundenprozesse angebunden ist. Sämtliche Sägen verschiedener Hersteller sind im System hinterlegt, einschließlich Schnittzeiten. Die finalen Aufträge werden wahlweise über die Roboterlinie abgewickelt – ein nahezu über das zentrale ERP-System vollständig automatisierter Prozess: vom Verkauf bis zur Auslieferung der Fertigteile entsteht. Kunden können ihre Bestellungen automatisiert disponieren, picken, palettieren und für den Versand vorbereiten. Gleichzeitig ermöglicht die Software eine Simulation der Prozessabläufe in Echtzeit, sodass Vertriebsmitarbeitende jederzeit sehen können, wann ein Auftrag zur Auslieferung bereitsteht.
Effiziente Planung mit der Zuschnitt-Optimierungssoftware „Opticut“
Stürmsfs nutzt eines der optionalen Module von „Fehr WMS“: die „Opticut“-Software zur Optimierung des Zuschnitts über mehrere Aufträge hinweg. Die Software analysiert die Auftragsdaten und gleicht sie mit dem aktuellen Bestand ab – inklusive aller Reststücke. Auf dieser Basis kann das System vorhersagen, welche Reste noch verwertbar sind und welche als Ausschuss gelten. Historische Daten ermöglichen es, unterschiedliche Reststücke zu kombinieren, sodass nach dem Zuschnitt möglichst wertvolle Reste für zukünftige Aufträge erhalten bleiben. Die gesamte Lieferkette – von der Schnittoptimierung bis zum automatisierten Be- und Entladen der Sägelinien – läuft vollständig automatisiert. So ist eine durchgehende, personalfreie 24/7-Produktion technisch realisierbar.
Das Fehr-System minimiert Fehllieferungen, da jedes Produkt über integrierte Wägeeinheiten geprüft wird. So wird sichergestellt, dass nur Material ausgeliefert wird, das den Kundenspezifikationen entspricht. Das automatisierte Zusammenspiel von Materialkassetten, Regalbediengerät und Robotern reduziert Produktschäden nahezu vollständig. Es besteht kein Risiko, dass Gabelstapler oder Lkw Regalanlagen beschädigen oder Material zu Boden fällt. Mitarbeitende wählen per Mausklick die gewünschten Artikel aus – das System stellt das richtige Material automatisch bereit.
Dank dieser Automatisierung bleiben Materialschäden nahezu ausgeschlossen. Stürmsfs sichert damit die Qualität der Aufträge, reduziert langfristig Kosten und steigert die Effizienz – eine Investition, die sich über die kommenden Jahre amortisieren wird. (ck)
Eine Information der Fehr Lagerlogistik AG
» Das neue System hat unsere Arbeitsabläufe komplett verändert.
Auf einen Blick
Automatisierte Intralogistik von Fehr – für Neuanlagen und Retrofit
Fehr mit Sitz in Winterthur, Schweiz, steht seit 1949 für innovative Intralogistik und gilt als Pionier in der Automatisierung des Materialflusses und der Lagerung von Lang- und Flachgut aus Stahl, Aluminium, Kunststoff, Holz und Glas. Das Unternehmen realisiert maßgeschneiderte Schlüssellösungen – von der Planung bis zum lebenslangen Support. Bis heute hat Fehr weltweit über 500 Systeme installiert.
Durch den hohen Automatisierungsgrad steigern Intralogistik-Systeme von Fehr die Qualität, Leistungsfähigkeit und Prozesssicherheit der Materiallogistik. Besonders Stahlproduzenten und -händler, Profilhersteller, Fertigungsbetriebe im Fenster- und Maschinenbau sowie Blechverarbeiter profitieren von optimierten Materialflüssen, reduziertem Personalaufwand, kürzeren Transportwegen und höheren Auslieferungsleistungen.
Praxisbeispiele zeigen: Investitionen amortisieren sich dank Effizienzgewinnen und Kosteneinsparungen oft schneller als ursprünglich kalkuliert. So profitierte ein Kunde in Mexiko bereits nach zwei Jahren von unbeschädigtem Material, optimierten Abläufen und deutlich gesteigerter Produktionseffizienz.
Redaktion (allg.)
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