Physical AI: Neuer Hub in Stuttgart soll mobile und humanoide Roboter industriell erproben
Der Hub soll sich auf Automatisierungsaufgaben konzentrieren, die sich mit klassischen Lösungen bislang nur schwer umsetzen lassen. Dazu zählen insbesondere Prozesse mit hoher Variantenvielfalt, wechselnden Umgebungsbedingungen, komplexen Handhabungsaufgaben oder häufigen Veränderungen der Arbeitsabläufe.
Anders als bei einem herstellergebundenen Testlabor sollen nicht einzelne Robotikprodukte, sondern konkrete industrielle Anwendungsfälle im Mittelpunkt stehen. Unternehmen können dafür sowohl gemeinsam definierte, branchenübergreifende Aufgaben als auch eigene Fragestellungen einbringen.
Das zunächst vorgesehene Anwendungsspektrum umfasst Materialtransport und Materialbereitstellung, Be- und Entladeprozesse sowie Montageaufgaben. Für die jeweiligen Tätigkeiten sollen unterschiedliche Kombinationen aus Robotikplattformen, Modellen künstlicher Intelligenz, Sensorik, Greiftechnik und Software untersucht werden.
Darüber hinaus können Unternehmen eigene Produkte und Komponenten in die Testumgebung einbringen. Dabei soll unter anderem geprüft werden, wie diese mit humanoiden Robotersystemen zusammenarbeiten und welche Anpassungen für künftige Anwendungen erforderlich sein könnten.
Bewegungsdaten für das Training Künstlicher Intelligenz
Das technische Konzept des Hubs verbindet die Erfassung industrieller Prozessdaten mit dem Training von Physical-AI-Modellen, vergleichenden Robotiktests und der anschließenden Validierung unter industriellen Bedingungen.
Für die Datenerfassung sind unter anderem Teleoperation und Motion Capture vorgesehen. Bei der Teleoperation werden Robotersysteme ferngesteuert, während Motion Capture die Erfassung von Bewegungsabläufen ermöglicht. Die auf diese Weise gewonnenen Bewegungs- und Prozessdaten sollen als Grundlage dienen, um Modelle künstlicher Intelligenz zu trainieren und zu optimieren.
Anschließend sollen unterschiedliche Robotikplattformen unter vergleichbaren Bedingungen getestet werden. Dadurch will der Betreiber untersuchen, welche Kombinationen aus Robotersystemen, Software und Komponenten sich für bestimmte industrielle Aufgaben eignen.
Die Untersuchungen sollen auch Aufschluss über technische Grenzen und Voraussetzungen für einen späteren Einsatz in der Produktion geben. Konkrete Leistungskennzahlen oder Ergebnisse solcher Vergleiche nennt das INC Innovation Center bislang nicht.
Schulungen sollen Robotikkompetenzen aufbauen
Neben den praktischen Tests ist der Aufbau von Fachkompetenzen in den beteiligten Unternehmen Bestandteil des Konzepts. Dazu sind Schulungen vorgesehen, in denen Mitarbeitende Erfahrungen mit Simulation, Bewegungserfassung und lernenden Robotiksystemen sammeln können.
Inhaltliche Schwerpunkte bilden unter anderem Imitation Learning und Reinforcement Learning. Beim Imitation Learning lernen Systeme anhand vorgegebener Beispiele oder demonstrierter Bewegungsabläufe. Reinforcement Learning bezeichnet Lernverfahren, bei denen Systeme durch Rückmeldungen auf ihre ausgeführten Aktionen trainiert werden.
Darüber hinaus sollen die Teilnehmenden den Einsatz von Physical-AI-Modellen für die Robotikprogrammierung kennenlernen. Damit will der Hub Unternehmen ermöglichen, eigene technische Kompetenzen aufzubauen und potenzielle Anwendungen vor größeren Investitionsentscheidungen zu bewerten.
Privatwirtschaftliches Kooperationsmodell
Der Future Robotics Exploration Hub wird nach Angaben des INC Innovation Center privatwirtschaftlich finanziert und gemeinsam mit den beteiligten Unternehmen aufgebaut. Eine öffentliche Finanzierung wird in der Mitteilung nicht genannt.
Die Industriepartner sollen konkrete Herausforderungen, Anwendungsfälle und Anforderungen aus ihren Produktionsprozessen einbringen. Technologiepartner stellen dafür Robotikplattformen, Hardware, Software und Technologien künstlicher Intelligenz bereit.
Das INC Innovation Center übernimmt als Initiator und Betreiber den Aufbau der Infrastruktur, die Integration der verschiedenen Technologien sowie die technische Begleitung der anwendungsübergreifenden Untersuchungen.
Durch die gemeinsame Nutzung der Testumgebung sollen Unternehmen neue Robotiktechnologien untersuchen können, ohne jeweils eine vollständige eigene Infrastruktur aufbauen zu müssen. Angaben zur Höhe der Investitionen, zur Größe der Einrichtung oder zur Zahl der geplanten Robotersysteme enthält die Mitteilung nicht.
Neue Anforderungen an industrielle Komponenten
Neben der Automatisierung bestehender Produktionsprozesse soll der Hub auch mögliche Veränderungen bei industriellen Produkten und Komponenten untersuchen. Der zunehmende Einsatz lernfähiger Robotersysteme könnte nach Einschätzung der Initiatoren neue Anforderungen an Sensorik, Antriebstechnik, Greifsysteme, Schnittstellen und Software mit sich bringen.
Damit richtet sich das Vorhaben nicht ausschließlich an potenzielle Anwender mobiler und humanoider Robotik. Auch Hersteller von Komponenten und Anbieter technischer Dienstleistungen sollen die Möglichkeit erhalten, ihre Produkte im Zusammenspiel mit neuen Robotersystemen zu untersuchen und mögliche Anwendungsfelder zu identifizieren.
Der Hub soll somit sowohl die technische Bewertung konkreter Automatisierungsaufgaben als auch die Entwicklung entsprechender Kompetenzen und Produkte unterstützen. Im Mittelpunkt steht zunächst die Erprobung und Validierung der Technologien. Ob und in welchem Umfang daraus industrielle Anwendungen entstehen, soll anhand der Untersuchungsergebnisse bewertet werden.








































