Wieder fit für die Zukunft

Retrofit über Ostern bei Voß Edelstahl

Beim Partner des Handels Voß Edelstahlhandel tut seit 2001 ein Wabenlager von Typ „fehr honeycomb“ zuverlässig seine Dienste. Doch die zukünftige Ersatzteilverfügbarkeit der Steuerung macht Sorgen. Es empfahl sich, ein Retrofit durchzuführen, um die Verfügbarkeit des Wabenlagers zu gewährleisten und es zukunftsfit zu machen.

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Voß macht seit mehr als 40 Jahren vor, wie Stahlhandel immer besser und immer kundenorientierter funktioniert. Heute bietet Voß über 9.000 Artikel und über 12.000 Tonnen Edelstahl, Aluminium, Messing und Stahlrohre ab Lager. Geliefert wird ausschließlich an den Handel – und dies innerhalb von 24 Stunden dank modernster Logistik.

Ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt dieser hocheffizienten Logistik ist das bestehende Wabenlager 1, ein „fehr honeycomb“ mit zwei Regalblöcken und einem Regalbediengerät samt verschiedenen Peripheriestationen am Voß Gründungsstandort Hamburg in Neu Wulmstorf.

Kritische Ersatzteilverfügbarkeit löst Retrofit aus

Über die Zuverlässigkeit des „fehr honeycomb“ herrschte bei Voß grundsätzlich hohe Zufriedenheit. Trotzdem musste die zukünftige Verfügbarkeit der Anlage als kritisch beurteilt werden. Für einige verbaute Komponenten sind künftig keine Ersatzteile mehr verfügbar, weil die verbaute Technik vom Hersteller Siemens nicht mehr hergestellt und nachgeliefert wird. Im Konkreten handelte es sich um die Frequenzumrichter im mitfahrenden Schaltschrank des Regalbediengeräts. Sollte es hier tatsächlich einen Ausfall geben, würde das Wabenlager für längere Zeit ausfallen, um den Schaltschrank umzubauen. Das wäre ein Szenario, das die Effizienz und Schnelligkeit der perfekt abgestimmten Lagerlogistikkette empfindlich beeinträchtigen würde. fehr empfahl daher im Zuge einer Beratung, den kompletten mitfahrenden Schaltschrank proaktiv auszutauschen und auch die zentrale Anlagensteuerung auf den neuesten Stand zu bringen.

Retrofit-Konzept bringt Anlage auf neuesten Stand

Das Retrofit-Konzept von fehr sah vor, den Schaltschrank komplett neu aufzubauen, weil nicht nur die Frequenzumrichter, sondern auch alle anderen Bauteile seit der Erstausstattung im Jahr 2001 durchgehend im Einsatz waren. Das sprach zwar für ihre Zuverlässigkeit, aber sie könnten sich zu Störquellen für den Umbau entwickeln, welche die Umbauzeit zusätzlich verlängern würden. Außerdem konnte bei einem Totalumbau bei fehr alle Funktionen vorab getestet werden.

Für die verbaute Siemens-SPS-Steuerung mit Profibus schlug fehr ebenso ein Upgrade vor. Bei der Modernisierung sollte die Anlagensteuerung auf eine aktuelle Siemens S7 1500 umgebaut werden. Dafür sprach auch, dass diese Steuerung im aktuellen „Totally Integrated Automation Portal“ (TIA Portal) von Siemens programmiert wird, womit man Zeit und Möglichkeiten gewinnt. Für die Kommunikation der einzelnen Steuerungskomponenten setzte man auf den offenen Industrial-Ethernet-Standard Profinet. Nach diesen Weiterentwicklungen der aktuellen Steuerung würde sich das „fehr honeycomb“ auch hier wieder auf dem aktuellen Stand der Technik befinden. Die Argumente überzeugten Voß. Aber ein Unternehmen, dass an 13 Standorten in Europa tätig ist und seinen Kunden verspricht, morgen zu liefern, was diese heute bestellen, brauchte dafür einen Plan.

Detailliertes Umbauszenario für die Osterfeiertage

fehr wurde beauftragt, ein detailliertes Umbauszenario mit möglichst kurzen Stillstandzeiten der Anlage zu entwickeln. Zudem galt es, die Covid-19-Einschränkungen zu berücksichtigen, was weitere Herausforderungen mit sich brachte. Nach der genauen Analyse der Ist-Situation vor Ort und einer kompletten Überprüfung des Wabenlagers konnte es losgehen. fehr nutzte die Osterfeiertage vom 1. bis 5. April 2021, damit Voß das Wabenlager pünktlich nach dem langen Osterwochenende wieder in die ausgeklügelte Logistikkette eingliedern konnte. Für den Umbau wurden alle Komponenten so ausgewählt, dass sie mit dem „fehr honeycomb“ Anlage 3 bei Voß kompatibel waren. Das Regalbediengerät wurde mit dem neuen, vorab auf Herz und Nieren getesteten Steuerungsschaltschrank ausgerüstet.

Siemens-S7-1500-Steuerung und weitere Neuerungen

Das fehr-Team ersetzte die ursprüngliche Siemens-SPS-Anlagensteuerung durch eine zukunftsfitte Siemens S7-1500. Die Fachleute ersetzten über das Osterwochenende die komplette Elektroinstallation. Für die Datenübertragung wurde eine Datenlichtschranke eingesetzt und die gesamte „fehr honeycomb“ Anlage mit Profinet ausgerüstet.

Ausgetauscht wurden beim österlichen Retrofit ebenso die Längsfahrtantriebe der X-Achse, der Hubantrieb der Y-Achse, die Greiferantriebe der Z-Achse, die sicherheitsrelevante Sensorik und die Energiezuführung am Hubtisch. Die beiden Karussell-Stationen erhielten einen Steuerschrank, der an die Siemens S7-1500 Steuerung angebunden ist. Durch die neue Steuerungsarchitektur mussten auch die Daten-Telegramme von der SPS zur Lagerverwaltungssoftware angepasst werden. Und last but not least wurde von fehr auch ein neues Sicherheitskonzept umgesetzt, mit dem das Wabenlager allen aktuellen Sicherheitsvorschriften entspricht.

Technik-Update senkt auch Gesamtstromverbrauch

Nach dem Retrofit durch fehr ist die „honeycomb“-Anlage 1 bei Voß in Hamburg – Neu Wulmstorf (DE) wieder up to date. Die Ersatzteilverfügbarkeit ist für die nächsten Jahre wieder voll gewährleistet, so dass man im Falle einer Störung rasch Abhilfe schaffen kann. Der Tausch der Antriebskomponenten ermöglicht es, für das „honeycomb“ die Energierückspeisung fehr-„Greenline“ zu nutzen. Senkt sich zum Beispiel der Hubtisch und die Fahreinheit nimmt gleichzeitig Fahrt auf, wird die rückgespeiste Energie des Senkens für den Beschleunigungsvorgang genutzt. Anders als viele herkömmliche Rückspeiseeinheiten liefert die fehr-„Greenline“ eingesetzte Regel- und Rückspeisetechnik Siemens-Sinamics-S einen 100-prozentig sauberen und sinusförmigen Rückspeisestrom mit cos φ = 1. Das heißt, er muss nicht zusätzlich mit Blindleistungsfiltern von Oberwellen gesäubert werden, um die Normen der Netzbetreiber zu erfüllen. Voß kann sich über einen deutlich gesunkenen Gesamtstromverbrauch der Anlage freuen und nutzt gleichzeitig neueste Technik.

Bei Voß in Hamburg – Neu Wulmstorf ist man mit dem Retrofit rundum zufrieden. „Das Hochregal 1 ist unser Arbeitspferd und für die Prozesse am Standort von hoher Wichtigkeit. Dass das fehr-Team in Zusammenarbeit mit einigen unserer Lagerkollegen den Retrofit in nur vier Arbeitstagen so problemlos geschafft hat, war beeindruckend. Unsere Kunden haben davon fast nichts mitbekommen“, fasst Herr Markus Fischer, Geschäftsführung, die Leistung von fehr zusammen. (ck)

Eine Information der Fehr Lagerlogistik AG

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Christina Kasper

Christina Kasper
Redakteurin, Zeitschrift "Technische-Logistik - Hebezeuge Fördermittel"
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