Roboter und Weißwurst

Roboter und Weißwurst

Automatisierte Palettierung bei einem bayerischen Lebensmittelhersteller

Um seinen Innovationsvorsprung gegenüber dem Wettbewerb weiter auszubauen, entschied sich die Fleischwerke E. Zimmermann GmbH für die Zusammenarbeit mit einem Automatisierungsspezialisten. Nun übernimmt ein Roboter die Palettierung von Dosen mit Weißwürsten. Die neue Anlage beschleunigt den Verpackungsprozess und entlastet die Mitarbeiter von schwerer körperlicher Arbeit.

1. Ausgestattet mit einem Multifunktionsgreifer automatisiert der „KR Quantec“ das Palettieren. (Quelle: Kuka)
2. Der Palettierer bearbeitet 48 verschiedene Kombinationen von Packmusterungen. (Quelle: Kuka)

Die Fleischwerke E. Zimmermann GmbH & Co. KG gibt es bereits seit 1894. Das Unternehmen stellt vor allem bayerische und schwäbische Spezialitäten her und ist bei Weißwurst in verschiedenen Verpackungsvarianten einer der führenden Hersteller in Deutschland. Seit der Gründung produziert das Unternehmen ausschließlich hochwertige Lebensmittel nach traditionellen Rezepturen. Um hier mit der Nachfrage mithalten zu können und technisch auf dem neuesten Stand zu sein, hat das Unternehmen einen Kuka-Roboter vom Typ KR 120 R3200 PA in seinen Palettierungsprozess integriert. Der Roboter stapelt Dosen mit Weißwürsten, die in ganz Deutschland, im europäischen Ausland und sogar in Australien erhältlich sind, mit gleichbleibend höchster Genauigkeit.

Integration des Roboters in begrenzten Bauraum

„Die Palettierung erfolgte bislang manuell, war aber aufgrund der Menge, der hoch repetitiven Tätigkeit und der ergonomisch ungünstigen Ausgestaltung für die Mitarbeiter nicht mehr vertretbar. Deshalb haben wir uns dafür entschieden, den Prozess zu automatisieren“, erklärt Christian Lauer, Bereichsleiter Technik bei den Fleischwerken E. Zimmermann. Die zentralen Herausforderungen: Die Anlage sollte unterschiedlich große Dosen bearbeiten und im begrenzten Bauraum arbeiten können. Die Fleischwerke Zimmermann sind ein gewachsener Produktionsstandort. Änderungen im Produktionsprozess stehen immer vor der Herausforderung des begrenzten Platzes. Aus diesem Grund schied ein Linearportal als Alternative aus. Ein Roboter dagegen kann auf engstem Raum arbeiten und ist darüber hinaus äußerst flexibel. „Wir haben uns aufgrund der geografischen Nähe zum Kuka-Standort in Augsburg sowie der großen Automatisierungskompetenz für Kuka entschieden“, ergänzt Christian Lauer. Zum Einsatz kommt ein Palettierroboter vom Typ KR 120 R3200 PA, der mit einem Multifunktionsgreifer ausgestattet ist.

Roboter automatisiert gesamten Palettiervorgang

Im ersten Arbeitsschritt transportiert der Roboter mit den Greiferbacken eine Euro-Palette in den Arbeitsraum. Im nächsten Schritt greift der Roboter aus der „KR Quantec PA“-Familie mit einem Vakuum-Greifer einen Umkarton von einem separaten Stapel auf und legt ihn auf die Palette. Anschließend beginnt er, die Dosen, die jeweils als Päckchen über ein Förderband in seinen Arbeitsbereich geliefert werden, aufzugreifen und auf der Palette zu platzieren. Sobald die Palette fertig beladen ist, wird sie ausgeschleust. „Wir freuen uns, dass es uns zusammen mit Kuka gelungen ist, eine vollautomatisierte Palettierlösung für den Lebensmittelbereich umzusetzen“, sagt Christian Lauer.

Die umfangreichen Programmier- und Simulationsaufgaben bei der Umsetzung der Anlage übernahm die Abteilung Applikationsprogrammierung von Kuka. Die besondere Herausforderung lag zum einen darin, die unterschiedlichen Produktvarianten zu beherrschen. Zwar werden dem Roboter vorsortierte Päckchen angeliefert, diese unterscheiden sich aber in Form und Größe. Insgesamt muss der „KR Quantec 48“ verschiedene Kombinationen von Packmusterungen und Päckchen auf der Palette bearbeiten können. Dementsprechend musste die Programmierung für die geforderte Bearbeitung der Päckchen und Lagenmuster auf der Palette flexibel entwickelt werden. Die zweite Herausforderung lag in der Programmierung einer zuverlässigen Fehlerstrategie. Hier wurden gemeinsam mit den Fleischwerken E. Zimmermann Strategien für mögliche auftretende Störungen entwickelt – etwa was zu tun ist, wenn eine Dose verkantet, umfällt oder beschädigt ist. Das Applikationsteam vom Customer Service von Kuka stellte sicher, dass der Palettierroboter auch dann jederzeit einfach zu bedienen ist.

Vorteile gegenüber dem Wettbewerb

„Wir sind mit der Anlage absolut zufrieden. Unsere Ziele hinsichtlich Qualität und Zuverlässigkeit haben wir erreicht. Außerdem haben wir nun deutlich weniger Ausschuss durch Verbeulung oder Verformungen“, sagt Christian Lauer. Dazu kommt, dass auch die Mitarbeiter von den körperlich belastenden Aufgaben entlastet werden konnten und nun in anderen Bereichen eingesetzt werden. Die Ausweitung des Automatisierungsgrades ist für das mittelständische Unternehmen ein großer Erfolg. Mit dem Roboter konnte der Innovationsvorsprung gegenüber dem Wettbewerb weiter ausgebaut und die wirtschaftliche Grundlage gefestigt werden. (ck)

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