„Wir sind auf einem guten Weg“

Volker Nicolai über technologische Entwicklungen, strategische Ziele und Herausforderungen

Seit mehr als sieben Jahrzehnten steht die Gebhardt Intralogistics Group für Innovation und Fortschritt in der Lager- und Fördertechnik. Aus dem 1952 gegründeten Familienunternehmen ist ein international agierender Systemanbieter geworden, der heute über 1.300 Mitarbeitende beschäftigt. Im Gespräch mit „Technische Logistik“ berichtet Volker Nicolai, Geschäftsführer Vertrieb und Service, über wichtige Meilensteine, aktuelle Entwicklungen und die strategische Ausrichtung des Unternehmens – von Digitalisierung und KI über Energieeffizienz bis hin zur Vision 2030.

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 Bild: GEBHARDT INTRALOGISTICS GROUP
Bild: GEBHARDT INTRALOGISTICS GROUP

Christina Kasper: Herr Nicolai, welche Veränderungen und Entwicklungen hat es in den letzten Jahren bei Gebhardt gegeben? Gibt es Meilensteine, die Sie gerne anführen möchten?

Volker Nicolai: Die wichtigsten Meilensteine? Nun, angefangen hat alles 1952 in Berwangen – damals haben Richard und Elfriede Gebhardt die Firma gegründet. In den 1960er-Jahren sind wir dann nach Sinsheim gezogen und haben uns dort stetig weiterentwickelt. 2005 hat Fritz Gebhardt das Unternehmen übernommen, und 2010 ist Marco Gebhardt dazugekommen. Seitdem ging es insgesamtkontinuierlich bergauf – natürlich mit den üblichen Höhen und Tiefen, die jedes Unternehmen kennt. 2020 sind wir schließlich in unser neues Werk umgezogen, und heute haben wir rund 1.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Als ich 1993 dazugekommen bin, waren es noch etwa 150 – das zeigt schon, wie positiv sich alles entwickelt hat.

Wie schätzen Sie Gebhardt im Vergleich zum Wettbewerb ein?

Wir haben eine breite technologische Kompetenz und können aus unserem Portfolio individuell auf den Kunden zugeschnittene Lösungen realisieren – aus meiner Sicht sind wir teilweise auch breiter aufgestellt als unsere Wettbewerber. Zudem sind wir auf dem Markt für unsere Innovationsfähigkeit bekannt. Das ist eine unserer Stärken und ein ganz wichtiger Vorteil. Wir bieten ein breites Spektrum an Produkten – vom Warehouse-Management-System über robotergestützte Lagersysteme bis hin zu Fahrerlosen Transportsystemen. Gleichzeitig sind wir flexibel genug, um maßgeschneiderte Sonderlösungen zu entwickeln. Diese Kombination aus bewährten Systemen und individueller Anpassungsfähigkeit ist eine unserer größten Stärken. Das ist bei unseren Kunden gerade im Mittelstand sehr geschätzt.

Wie kommen bei diesen von Ihnen angeführten Lösungen die Themen Industrie 4.0, Digitalisierung und Automatisierung zum Tragen, insbesondere bei Wartung, Instandhaltung und Service?

Digitalisierung ist inzwischen allgegenwärtig, und auch wir haben in den vergangenen Jahren viel in die Themen Digitalisierung und Automatisierung investiert und viel geforscht. Wir haben zum Beispiel ein Produkt namens „Galileo IoT“. Damit können wir den Zustand unserer Anlagen in Echtzeit überwachen – also ein sogenanntes Condition Monitoring. Auf dieser Basis lässt sich dann auch Predictive Maintenanceumsetzen, das heißt, wir können Wartungen vorausschauend planen, bevor überhaupt ein Problem entsteht. Wir analysieren Daten beim Kunden digital, ob Stromaufnahme oder Vibration, und können dadurch Rückschlüsse auf den Zustand des Systems ziehen. Der Kunde kann dann entsprechende Maßnahmen treffen. Zudem bieten wir eine 24-Stunden-Hotline, um den Kunden bei eventuellen Problemen helfen zu können. Unsere Serviceleute können sich dann online direkt auf die Anlagen schalten, um die Störung zu ermitteln.

Was sehen Sie als besondere Herausforderung im Bereich der Lager- und Fördertechnik für die nächsten Jahre?

Die Herausforderungen sind vielfältig. Zum einen betreffen sie die technologische Weiterentwicklung, zum anderen die äußeren Rahmenbedingungen – also ein Marktumfeld, das in den letzten Jahren deutlich anspruchsvoller geworden ist. Wettbewerb und Kostendruck werden stärker, und es gibt einige Branchen, die damit im Moment zu kämpfen haben. Wir müssen dem begegnen, indem man effiziente und funktionelle Lösungen mit hohem Kundennutzen vermittelt. Zu den technologischen Herausforderungen gehören aus meiner Sicht das immer weitere Voranschreiten von KI und Automation. Hier richten wir unsere Forschung und Entwicklung genau auf die Lösungen, die auf die Probleme unserer Kunden einwirken.

Nun sind KI, Software und WMS das eine. Aber das muss ja auf einer Hardware aufsetzen. Wie sind hier die Entwicklungen bei Gebhardt?

Natürlich müssen wir uns auch hier weiterentwickeln. Was grundsätzlich die Hardware angeht, sind wir ja in verschiedenen Systemen aktiv. Denn schon allein durch den Wechsel von einem Regalbediengerät auf ein Shuttlesystem, hat man systemtechnisch an Funktionalität und Energieeffizienz gewonnen. Außerdem habe wir haben in der Behälterfördertechnik konsequent auf 24-Volt-Technik umgestellt. Auch hier setzen wir auf Energieeffizienz und Nachhaltigkeit. Grundsätzlich also ein wichtiges Thema. Andererseits müssen wir feststellen, dass der eine oder andere Kunde, wenn er einen Mehrpreis bezahlen soll, das eben nicht unbedingt möchte. Dieses Thema ist ein Balanceakt dahingehend, was sinnvoll und effektiv ist und was der Kunde bereit ist zu bezahlen.

Das ist sicher auch beim Thema Werkstoffe relevant.

Ja, auf jeden Fall. Wir haben einmal ein Regalbediengerät beziehungsweise den Mast aus Carbon-Faser gebaut, um Gewicht einzusparen, aber bezahlen wollte das der Kunde nicht. Jetzt sind wir wieder bei Aluminium, was auch leichter ist als Stahl und gleichzeitig eine Gewichts- und Energieeinsparung generiert. Man muss eben alles in einem sinnvollen wirtschaftlichen Rahmen sehen, dann wird es vom Kunden auch akzeptiert.

Was spielt bei der Planung bei Gebhardt eine Rolle? Welche Ziele hat Gebhardt mittel- und langfristig?

Wir haben gerade in den letzten Monaten unsere Strategie 2030 ins Leben gerufen. Schwerpunkt dabei ist der weitere Ausbau der Präsenz als Gesamtlösungsanbieter für Smart Warehouse, Smart Factory Logistics und Smart Sortation. Ein zweiter Punkt ist die Stärkung unserer Retrofit-Kompetenz. Wir sind in der Situation, dass wir in Mitteleuropa viele Lager und Lagersysteme haben, die in die Jahre gekommen sind, deren Antriebs- und Steuerungstechnologie oftmals outdated sind und bei denen dringender Modernisierungsbedarf besteht. Des Weiteren werden wir weiterhin Komponenten oder Fördertechniksubsysteme an Integratoren beliefern. Als strategische Maßnahme haben wir unsere Vertriebsausrichtung hin zu mehr Kundennähe geändert. Wir werden ein Key Account Management implementieren, unsere Servicestruktur signifikant ausbauen, die Internationalisierung weiter vorantreiben sowohl durch Gründungen von neuen Niederlassungen als auch durch Stärkung der bereits bestehenden und dadurch neue Marktpotenziale erschließen.

Haben Sie bestimmte Märkte im Blick?

Ja, wir haben beispielsweise in Europa noch diverse weiße Flecken: Frankreich ist ein Markt und in Italien sehe ich auch noch Potenzial. In Südosteuropa wird zudem viel Produktion aufgebaut, auch von deutschen Firmen, die entweder zurück aus China kommen oder Produktionen aus Kostengründen in diese Länder verlagern. Auch dort bietet sich uns also ein entsprechender Markt. Langfristig muss man natürlich beobachten, wie sich die politische Situation beispielsweise in der Türkei und in der Ukraine entwickelt. Es lässt sich jetzt noch nicht sagen, was in vier, fünf Jahren ist. In Nordamerika sind wir schon relativ stark, das werden wir ausbauen. Dort haben wir begonnen, an unserem bestehenden Standort eine neue Werkhalle zu bauen, um den Markt auch lokal bedienen zu können. Unter der aktuellen Zollsituation ist das sicher auch keine falsche Vorgehensweise. Das hatten wir aber schon vorher geplant. Die Nachfrage ist wieder auf einem guten Level, jedenfalls bei uns, sodass wir die ambitionierten Wachstumsziele für 2030 als erreichbar sehen. Damit sehen wir uns auf einem guten Weg.

Herr Nicolai, vielen Dank für das Gespräch.

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„Wir sind auf einem guten Weg“
Seite 12 bis 14
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