Selbststeuernde Lager
Bereits im Herbst 2025 stellte Autostore mit den Innovationen „AutoCase“ und „FlexBins“ zwei Lösungen vor, die das Einsatz- und Anwendungsspektrum von Autostore erweitern. Beide waren im Frühjahr auf der Logimat in Stuttgart erstmals live für ein breites Fachpublikum zu sehen. Mit „AutoCase“ lässt sich das Be- und Entladen von Bins mit geöffneten oder ungeöffneten Kartons automatisieren. Die über Fördertechnik zugeführten Kartons werden einzeln aufgenommen und in parallel aus dem Grid bereitgestellte Behälter platziert. Dazu verfügt der Bin über Löcher und einen doppelten Boden, der erst von Stützen nach oben geschoben wird, den Karton dann aufnimmt und ihn anschließend kontrolliert in den Bin absenkt. Im Doppelspiel kann das System bis zu 500 Kartons pro Stunde automatisch ein- und auslagern.
Mit „FlexBins“ bietet Autostore erstmals eine Lösung für die gleichzeitige Nutzung aller drei Bin-Größen innerhalb eines Systems und schafft damit die Grundlage für mehr SKU-Vielfalt (Stock Keeping Units) und eine höhere Lagerdichte. Diese Flexibilität in einer integrierten All-in-One-Lösung macht separate Lagerbereiche oder externe Systeme zur Abwicklung aller Abläufe von Picking und Verpackung über Pufferung bis hin zum Kitting überflüssig.
Weg zum intelligenten Fulfillment
Mit den für 2026 angekündigten Neuerungen erweitert Autostore sein Portfolio gezielt um zusätzliche Hard- und Softwarefunktionen. Ziel ist es, Anlagen bereits in der Planungsphase sowie im laufenden Betrieb effizienter zu gestalten, zu überwachen und kontinuierlich zu optimieren – vom Systemdesign über die Implementierung bis zur Performance im täglichen Betrieb. Im Fokus steht dabei die bessere Abstimmung von Maschinen, Software und Prozessen innerhalb eines integrierten Fulfillment-Systems, um Durchsatz, Stabilität und Flexibilität nachhaltig zu steigern.
Die „CubeVerse Plattform“ mit „Autostore Intelligence“ bildet dabei eine zentrale Arbeitsumgebung für den gesamten Lebenszyklus eines Autostore-Systems – von der Planung und Simulation über den Betrieb bis hin zur fortlaufenden Optimierung. Die Grundlage hierfür bilden die kontinuierlichen Lernprozesse aus tausenden weltweit installierten Autostore-Systemen, deren Erkenntnisse systemübergreifend genutzt werden können. Anwender erhalten dadurch eine einheitliche Sicht auf Leistungskennzahlen, Prozesse und Optimierungspotenziale, können angrenzende Technologien einfacher integrieren und auch mehrere Standorte effizient steuern.
„Fulfillment wird zunehmend von Echtzeitdaten und intelligenter Entscheidungsfindung geprägt. Systeme müssen kontinuierlich wahrnehmen, entscheiden und sich anpassen – sonst geraten vorgelagerte Prozesse ins Stocken“, erklärt Parth Joshi, Chief Product Officer bei Autostore. „Mit der Einführung der ‚CubeVerse‘-Plattform und unserer KI-basierten Funktionen stellen wir sicher, dass der gesamte Lebenszyklus durch Intelligenz gestützt wird. Das ist ein wichtiger erster Schritt unserer KI-Strategie.“
Für die Layoutplanung und Machbarkeitsanalyse hat Autostore mit „CubeStudio“ eine erste Anwendung innerhalb der „CubeVerse“ Plattform zur Verfügung. Mit der cloudbasierten Software lassen sich datenbasiert verschiedene Systemdesigns und Simulationen erstellen, um einzelne Erweiterungslösungen oder ganze Projekte schneller planen und evaluieren zu können. Anhand von definierten Zielen wie Durchsatz oder Prozesszeit, schlägt das Tool innerhalb kürzester Zeit und mit wenigen Mausklicks effiziente Lösungen vor.
Kontinuierliche Verbesserungen im laufenden Betrieb
Im laufenden Betrieb nutzt das in „CubeVerse“ integrierte Tool „Autostore Intelligence“ Künstliche Intelligenz, um Betriebsdaten – auch aus angebundenen Systemen sowie aus umfangreichen Simulationen – in Echtzeit auszuwerten und Prozesse dynamisch zu optimieren. Leistungssteigerungen entstehen beispielsweise durch eine verbesserte Routenplanung der Roboter über „CubeControl“.
„CubeAnalytics“ ergänzt dies durch individuellkonfigurierbare Dashboards mit KI-basierten Einblicken zur Systemüberwachung sowie proaktiven Wartungsempfehlungen. Dadurch lassen sich Leistungspotenziale besser ausschöpfen und Risiken frühzeitig erkennen. Gleichzeitig entsteht standortübergreifende Transparenz, etwa für Logistikdienstleister, wodurch sich der Bedarf an spezialisierten Fachkräften reduziert, da Anlagen zentral überwacht werden können.
Die neuen Funktionen ergänzen bestehende WMS- und WES-Lösungen, ohne diese zu ersetzen. So können Unternehmen ihre bestehende Systemarchitektur gezielt um intelligente Analyse- und Optimierungsfunktionen erweitern.
Hohe Durchsatzanforderungen effizient bewältigen
Die vorgestellten Innovationen ebnen den Weg zu intelligentem Fulfillment – hin zu Lagern, die sich zunehmend selbst optimieren und steuern. Durch KI-gestützte Prozesse und verbesserte Orchestrierung können Betreiber ihren Durchsatz steigern, Engpässe reduzieren und die Gesamtleistung des Systems verbessern, ohne zusätzliche Roboter oder Erweiterungen des Grids. So lassen sich auch stark schwankende Volumina und dynamische Anforderungen flexibel bewältigen, während Investitionen und Systemkomplexität kontrollierbar bleiben. Diese Effizienzgewinne zeigen sich nach Angaben des Unternehmens selbst in Anlagen mit sehr hoher Roboterdichte. Mit den neuen Softwarelösungen stärkt Autostore seine Position als zukunftssichere Plattform, die Anwender über den gesamten Lebenszyklus hinweg bei der Bewältigung ihrer operativen und strategischen Herausforderungen unterstützt. Auch saisonale Spitzen, wechselnde Sortimente und sich wandelnde Geschäftsmodelle lassen sich innerhalb des Autostore-Ökosystems flexibel abbilden. Dazu trägt auch trägt auch die robotergestützte Einzelstück-Kommissionierung mit dem „CarouselAI“ sowie dem neuen „VersaAI“ bei – Tag und Nacht. Mit diesen Automationslösungen lässt sich die Leistungsfähigkeit im Fulfillment noch leichter skalieren und Wachstum fördern.
Praxisbeispiel „FlexBins“ bei QLS
QLS ist ein führender und schnell wachsender Spezialist für E-Commerce-Fulfillment in den Niederlanden und Belgien. Das 1990 gegründete Unternehmen konzentriert sich auf das Outsourcing der Logistik für kleine und mittlere Webshops und übernimmt verschiedene Fulfillment-, Paket- und Software-Dienstleistungen.
Im Herbst 2025 gaben QLS und Syncore (vormals Reesink Logistic Solutions) die erfolgreiche Inbetriebnahme eines innovativen „FlexBins“-Systems von Autostore bekannt. Der Bedarf an dieser Lösung ergab sich aus dem vielfältigen hier zu lagernden Artikelsortiment. Während der Großteil der Produkte bereits im Autostore-System verarbeitet wurde, mussten bestimmte Waren, die nicht in das bisherige Behälterformat passten, weiterhin manuell bearbeitet werden. Durch den Einsatz unterschiedlicher Behältergrößen konnte ein durchgängiger Prozess für fast das komplette Sortiment geschaffen werden. Syncore reagierte darauf mit einer bis dato einzigartigen Systemkonfiguration. Die bestehende Autostore-Installation in Dordrecht wurde um zusätzliche Stellplätze erweitert, wobei parallel zwei Behälterhöhen eingesetzt werden. Während das Bestandsystem mit 220-Millimeter hohen Bins arbeitet, kommen in der Erweiterung die 425 Millimeter hohen Bins zum Einsatz. So lassen sich unterschiedliche Produktgrößen innerhalb eines Systems effizient abbilden. (jak)
Redaktion (allg.)
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