Von der Technik bis zur Software
Der Spatenstich am 19. Juli 2022 legte den Grundstein für die größte Investition in der Unternehmenshistorie der Reisser Schraubentechnik GmbH, einem Unternehmen der Würth-Gruppe: Im Regionalen Industrieparkt Osterburken (RIO), wenige Kilometer vom Hauptsitz in Criesbach entfernt, hat das Unternehmen auf einer Fläche von vier Hektar ein hochmodernes Logistikzentrum erstellt. Anfang Juni 2025 ging die Anlage in Betrieb. Angelieferte Schrauben werden dort auf rund 20.000 Quadratmetern gelagert, maschinell gesteckt (Schraube + Dichtscheibe), verwogen und verpackt sowie für den Versand vorbereitet. Eine großflächige 996 kWp-Photovoltaikanlage auf den Hallendächern und Betonkerntemperierung mittels Wärmepumpe unterstreichen den Nachhaltigkeitsaspekt bei Bauweise und Energieeffizienz. Vollautomatisierte Intralogistik, höhenverstellbare Montagetische und Palettenkommissionierung mit Hebehilfen kennzeichnen die ergonomisch optimierten Arbeitsplätze.
Für das komplexe Projekt mit hoher Automatisierung entschied sich Reisser bewusst für einen Generalunternehmer. Der Auftrag ging an Element Logic. Joachim Kieninger, Director Strategic Business Development bei Element Logic Germany, erklärt: „Neben der technischen Ausstattung war entscheidend, dass wir als Generalunternehmer auch die komplette IT-Infrastruktur liefern konnten – inklusive unserer bewährten Element-Software-Suite. Die Kombination aus AutoStore-Kompetenz und unserer WMS-Software hat Reisser überzeugt.“
Hoher Flächennutzungsgrad, ergonomische Prozesse
Das Herzstück im neuen Logistikzentrum von Reisser Schraubentechnik ist die AutoStore-Anlage. „In dem vollautomatisierten Lager- und Kommissioniersystem werden in Osterburken die fertig verwogenen und verkaufsfähigen Schraubenpäckchen gelagert“, erläutert Matthias Essig, Bereichsleiter Lagerlogistik Reisser Schraubentechnik die Systementscheidung. „Da keine Fahrgassen benötigt werden, ist das AutoStore-System sehr kompakt und bietet einen hohen Flächennutzungsgrad. Überdies fördert sein Kommissionierprinzip ‚Ware zu den Mitarbeitenden‘ unsere Ausrichtung auf ergonomische Arbeitsprozesse.“
Mit der von Element Logic realisierten Automatisierungslösung soll das Logistikzentrum die Anforderungen von Reisser Schraubentechnik bis zum Jahr 2028 erfüllen. Durchgängig skalierbare Komponenten der installierten Anlagen- und Fördertechnik bieten zudem flexible Erweiterungsmöglichkeiten. Die im Wareneingang auf Paletten oder in Stahlkübeln angelieferten Waren werden mit Gabelstaplern auf eine Wareneingangsförderstrecke übergeben. Die rund 30 Meter lange Palettenförderstrecke ist mit eingebundenem Waagenarbeitsplatz, Konturenkontrolle und Identscanner auf die Erfassung, Vereinnahmung und den Transport von Euro-Paletten und Stahlkübel (800 × 1.000 Millimeter) ausgelegt.
Mit zehn autonomen Schmalgangstapler unterwegs
Am Ende dieser Strecke befinden sich drei Übergabepunkte, an denen autonome Gabel-Hochhubwagen (insgesamt sieben Stück) die überprüften Ladungsträger aufnehmen und zu den Schmalganglagern transportieren. Dort übernehmen zehn autonome Schmalgangstapler mit Teleskopgabeln den Weitertransport zu einem der 18.000 Palettenplätze im bis zu 14 Meter hohen Lager. Die Steuerung und Vergabe der Fahrbefehle erfolgt aus der prozessführenden Software-Suite von Element Logic im Zusammenspiel mit dem Materialflussrechner „eController“ und dem Schnittstellenkonverter „eHub“ .
Im Schmalganglager werden die Materialien bis zum Abruf und der Weiterbearbeitung in der Steckerei beziehungsweise Verwiegerei zwischengelagert. Bei Abruf stellen die autonomen Schmalgangstapler die ausgelagerten Ladungsträger mit den benötigten Waren wieder an den Übergabestationen bereit. Die autonomen Gabel-Hochhubwagen nehmen sie ab und verfahren sie an die jeweilige Bedarfsstelle in der Steckerei oder Verwiegerei. Dort werden die montierten Endprodukte in kartonierte Verpackungseinheiten abgezählt, verwogen, entsprechend etikettiert und auf Paletten konsolidiert. Zum einfachen, ergonomisch optimierten Handling sind die Aufgabe- und Abnahmestationen an den Montageplätzen mit hydraulische Hubstationen ausgestattet. Die befüllten Paletten mit den einzulagernden Endprodukten transportieren die Gabel-Hochhubwagen schließlich an eine von sieben Einlagerungsstationen der AutoStore-Anlage.
Modulare Behälterfördertechnik
Als Wareneingangsstationen des AutoStore-Systems werden sogenannte Conveyor-Ports vorgehalten. Mit eher geringeren Durchsätzen werden sie überwiegend zur Bestückung der Systembehälter mit den Wareneingängen genutzt. Zwei zusätzliche Conveyor-Ports sind für künftige schnelle Anlagenerweiterung bereits als Frames vorgehalten. Die leeren AutoStore-Behälter (Bins) werden über Fördertechnik der modularen Elcon-Behälterfördertechnik von ElementLogic herangeführt, mit den Kartonnagen befüllt und eingelagert. Dabei verfügen die Conveyor-Ports jeweils über eine integrierte Überlastkontrolle (Maximalgewicht inklusive Bin: 35 Kilogramm).
Für Reisser Schraubentechnik erstellte Element Logic eine AutoStore-Anlage mit 75.000 Behälterstellplätzen. In einem ersten Schritt ist die Anlage gegenwärtig mit 53.000 Behältern befüllt. Oberhalb der Anlage operieren 29 R5-Roboter im Zusammenspiel mit 19 Ports, die direkt an den AutoStore-Kubus angebunden sind. Neben den sieben Conveyor-Ports sind zwölf sogenannte Carousel-Ports installiert, die auf höhere Durchsätze ausgelegt sind. „An ihnen erfolgt die Auftragskommissionierung“, sagt Reisser-Bereichsleiter Matthias Essig. „An den Carousel-Ports kommissionieren die Mitarbeiter direkt in die Versandkartons.“
Integrierte Waage, die Überladung anzeigt
Verarbeitet werden Versandkartons in drei unterschiedliche Grundgrößen mit verschiedenen Höhen. An den Carousel-Ports werden die Bins mit der zu kommissionierende Ware aus der AutoStore-Anlage durch die Roboter angedient. Die Mitarbeiter richten einen Karton auf, stellen ihn auf einen Abgabeförderer und legen auftragsbezogen die zu kommissionierten Artikel ein. Auch in den Förderer ist eine Waage integriert, die eine Überladung anzeigt. Den Abschluss der Kommissionierung betätigen die Mitarbeitenden am Dialogbildschirm. Daraufhin wird der offene Zielkarton abtransportiert. Insgesamt erzielt die AutoStore-Anlage eine kombinierte Durchschnittsleistung von 330 Behältern pro Stunde bei der Bestückung und 550 Behältern pro Stunde bei der Warenausgangskommissionierung.
Die kommissionierten Auftragskartons werden automatisiert zur zentralen Versandstation transportiert. Dort sorgen Mitarbeiter an zwei Arbeitsplätzen für das manuelle Einlegen von Füllmaterial und Versandpapieren sowie das sichere Verschließen der Kartons. Anschließend wird das exakte Gewicht für die Versandetikettierung ermittelt, die Label werden gedruckt und auf den Kartons angebracht. Die finalen Versandkartons werden mit Hilfe von zwei integrierten, automatischen Umreifungsmaschinen zuverlässig verschlossen.
Loop im Warenausgang übernimmt Pufferfunktion
Anhand des Karton-ID-Labels gelangen die Pakete über die Fördertechnik präzise zu einem von elf Zielbereichen, die je nach Versandziel ausgewählt werden. Im Versandbereich sorgt ein intelligentes System aus Aufgabebahn, Zuführstrecke mit Loop und „NiO“-Ausschleusung für einen reibungslosen Ablauf und verhindert Überlastungen bei hohem Versandvolumen. Im anschließenden Umpackbereich legen Mitarbeitende die Versandkartons auf Paletten, die anschließend von Flurförderzeugen zum Warenausgang gebracht werden. Die koordinierte Prozesssteuerung im Reisser-Logistikzentrum ermöglicht das implementierte, prozessführende Warehouse Management System (WMS) im Zusammenspiel mit dem Materialflussrechner eController und dem Schnittstellenkonverter „eHub“. Dabei verwaltet die Lagerverwaltungssoftware das Schmalgangpalettenlager und das AutoStore-System.
Der „eController“ steuert und visualisiert die gesamte installierte Fördertechnik sowie die integrierten Peripheriegeräte. Der Schnittstellenkonverter „eHub“ übernimmt die Funktion einer flexiblen Kommunikationsschnittstelle zur direkten, konfliktfreien Integration der Anlagen-, FTF- und AMR-Steuerungen für die 18 Transportgeräte und -roboter aus dem „eController“ in das WMS. Der Schnittstellenkonverter von Element Logic bietet ein Repertoire an Verbindungsstellen, die über die kleinen Zusatzprogramme (Plugins) den funktionalen Umfang der prozessführenden Softwaresysteme erweitern. So bindet das WMS über die Plugin-basierten Konnektoren von „eHub“ beispielsweise die AutoStore-Materialflussteuerung AS-Controller (ASC) direkt in die koordinierte Prozesssteuerung ein. Durch die direkte Anbindungwerden die Daten automatisch zwischen der Lagerverwaltungssoftware und der AutoStore-Anlage in Echtzeit synchronisiert und die Prozesssteuerung erfolgt durchgängig koordiniert.
Komplette IT-Lösung aus einem Guss
Zudem bietet das WMS mit dem ASC einige speziell auf AutoStore aus-gelegte Features. Überdies erfolgt via „eHub“ und der Plug-and-Play-Funktionalität Standard Shipping Connector (SSC) im WMS die Kommunikation mit dem kundenseitig implementierten Versandsystem, dem Wiegesystem und dem Customer-ERP der Reisser-Schwestergesellschaft Würth Phoenix. Mit dem SSC sind alle für das Versandsystem notwendigen Daten aus der Lagerverwaltungssoftware kontinuierlich verfügbar. „Damit sind auch im IT-Bereich eine hohe Flexibilität und Effizienz gewährleistet“, resümiert Kieninger. „Insgesamt eine rundum gelungene, intelligent konzipierte Komplettlösung aus einem Guss, die die Kompetenz von Element Logic auch bei komplexen Generalunternehmer-Projekten unterstreicht.“ (jak)
www.elementlogic.net/de/cases/reisser
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