Die Kurve gekriegt

Erschwerte Bedingungen für Reinraum Hebezeug

Beim Pharmakonzern UCB in der Nähe von Brüssel wurde ein Reinraum-Hebezeug für die Beförderung von Lasten benötigt. Allerdings war der Platz knapp und die Baumaßnahme bereits fortgeschritten. Spezialist Altmann überwand die Schwierigkeiten und fand eine Lösung, die auch andernorts hilfreich sein könnte.

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Gurthebezeug mit Kurvenfahrwerk Bild: Altmann
Gurthebezeug mit Kurvenfahrwerk Bild: Altmann

Autofahrer ebenso wie Besitzer von Carrera Rennbahnen kennen die Problematik: Fährt man zu schnell in die Kurve, quietschen die Reifen, und man fliegt womöglich raus. Ist dagegen der Kurvenradius zu eng, bleibt man stecken. Beide physikalischen Regeln gelten auch für den Transport von Lasten via Hebezeug im Reinraum unter erschwerten Bedingungen eben.

Im Zuge der Komplettbekranung des Erweiterungsbaus beim belgischen Biopharma Konzern UCB kristallisierte sich im Herbst 2021 heraus, dass für einen der Reinräume ein Gurt-Hebezeug mit Kurvenverlauf benötigt wird. Da jedoch die sonstige Planung bereits fortgeschritten und der Platz begrenzt war, sah sich der auf Reinraum Krananlagen spezialisierte Anbieter Altmann einem recht komplexen Anforderungsprofil gegenüber. Doch gerade das hat die Profis aus dem bayerischen Albaching gereizt und ihren sportlichen Ehrgeiz geweckt.

Sonderlösung mit Vorbildcharakter

Das Ergebnis der „Tüftler“ erbrachte eine Lösung, die durch ihre Eckdaten beeindruckt und durchaus auch für andere Branchen und Anwendungen interessant sein dürfte. Man hat hier ein Standard-Gurthebezeug so als Kurvenfahrwerk adaptiert, dass eine Traglast von 500 Kilogramm bei einem Kurvenradius von nur einem Meter mit einer Geschwindigkeit von 1,5 bis 20 Metern pro Minute, stufenlos mittels Frequenzumrichter regulierbar, befördert werden kann. Und das quasi abriebfrei in einem Reinraum der ISO Klasse 6 bzw.gemäß IS O 14644-1, wo maximal 1.000 Partikel pro Kubikfuß messbar auftreten dürfen - was in diesem Beispiel sogar noch unterschritten wird.

Als besonders „spaßig“ beschreibt der für das Projekt verantwortliche Firmen-Mitinhaber Robert Altmann die Herausforderung der kurvengängigen Energieversorgung, also die Unterbringung sämtlicher Versorgungsleitungen, die „wir schließlich nicht einfach um die Ecke knicken konnten“. Dennoch ist es seinem Team trotz minimaler Radien gelungen, alles fein säuberlich zu verstauen und dabei noch die bei weit größeren Radien üblichen Geschwindigkeiten beizubehalten. „Wir können stolz behaupten, dass wir hier den vorhandenen Platz optimal ausgenutzt haben und zugleich maximale Performance bieten“, sagt Robert Altmann. Die Anlage wurde Ende März bereits installiert und ist voll funktional.

Innovativ auf hohem Niveau

In der Branche hat sich die technische Ausgereiftheit der Altmann Krane bereits herumgesprochen. So können die Albachinger über Auftragsmangel nicht gerade klagen. Vor allem die flache Bauhöhe der Reinraumkrane ermöglicht es, die jeweilige Raumhöhe optimal auszunutzen. Zudem ist nicht nur bei den Altmann Reinraumkranen selbst die Einhaltung der ISO 14644 1 gewährleistet, sondern auch im sachgerechten Betrieb sowie bei Reinigungs und Instandhaltungsarbeiten und auch beim Nachrüsten von Komponenten oder Funktionen sind Partikelkontaminationen so gut wie ausgeschlossen.

Dies wird dadurch erreicht, dass die Krane von Altmann durchgehend pulverbeschichtet sind und somit über glatte, kratzfeste und leicht zu reinigende Oberflächen verfügen. Alle Kabel, verzahnten Baugruppen, Verschraubungen, Elektrokomponenten, Sensoren sowie das Hubwerk mit Elektrogurtzug sind in Gehäusen sauber „Die Materialien sind so gewählt und kombiniert, dass Abrieb und Ausgasungen weitestgehend vermieden werden. Die Duplex-Lastgurte sind absolut wartungsfrei, verschleißen kaum und dehnen sich aufgrund einer speziellen Materialpaarung nur minimal. Herkömmliche Textilgurte dehnen sich dagegen zuerst messbar in der Länge aus, bevor die Last überhaupt angehoben wird. Zur Vermeidung von Abrieb am drehbaren Lasthaken besteht dieser nach DIN 15400 aus Edelstahl oder wird mit einer widerstandsfähigen und robusten Beschichtung geliefert.

Auch wenn es bis zur Endabnahme der Kurvenbahn bei UCB in Brüssel wegen der Größe des Gesamtprojekts noch ein wenig dauern wird, lässt sich schon heute sagen, dass hier ein weiterer Benchmark gesetzt wurde. Womöglich werden schon bald auch in anderen Branchen Schwerlasten im Reinraum „die Kurve kriegen“. (jak)

Redaktion (allg.)

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Die Kurve gekriegt
Seite 42
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