Der Cartoon darf nicht fehlen

Kurz-Interview mit dem Berliner Künstler Achim Purwin
Schon seit 1985 sorgt er mit seinen witzigen Cartoons für ein besonderes Markenzeichen unserer technischen Fachzeitschrift: Der Berliner Künstler Achim Purwin (inzwischen 76) „entdeckt“ in den veröffentlichten Beiträgen Begriffe, die er zum Vergnügen der Experten auf seine eigene Weise interpretiert – pointiert, humorvoll und immer wieder ziemlich doppeldeutig. TL-Mitherausgeber Norbert Hamke stellte „Olle Achim“ ein paar neugierige Fragen und erfuhr auch etwas Überraschendes.
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Achim Purwin – live und im minimierten Selbstporträt Bild: A. Purwin
Achim Purwin – live und im minimierten Selbstporträt Bild: A. Purwin

Achim, wie ging es eigentlich los mit den Cartoons für unsere Zeitschrift?

Mein erster Cartoon für die „Hebezeuge und Fördermittel“ – wie die Zeitschrift damals noch hieß – erschien in der November-Ausgabe 1985. Und zwar im Ergebnis einer Ideenkonferenz – heute sagt man wohl „Breenschtorming“ dazu – bei einem Feierabend-Bier mit Redakteuren…

… um sich dann permanent über Fachbegriffe aus unserer seriösen Technik-Branche lustig zu machen?

Der Umgang mit Eurer speziellen Technik erfordert natürlich ein gründliches naturwissenschaftliches und technisches Studium. Das hab‘ ich nicht! Ich habe Philosophie, Kulturwissenschaft, Bildende Kunst, Journalismus studiert – beste Voraussetzungen also, um überall mit reinzuquatschen und mich zu allem grundlegend zu äußern. Na gut, ich eben zeichnerisch, da ich letztlich Cartoonist – also was Vernünftiges – geworden bin.

Ich behaupte mal, dass die in unserer Branche verwendeten alten und laufend neu entstehenden Fachtermini doch logisch und ziemlich eindeutig sind. Oder?

Nun ja – für mich sind sie mehrdeutig und ich gehe sowieso überall a-logisch ran – eingefleischter Dialektiker eben, verstehst Du? Ihr habt ja manchmal auch so putzige Begriffskonstrukte, dass man sich unbedingt darüber lustig machen muss. Wenn ich zum Beispiel bei Euch die Bezeichnung „Rendezvous-Modus“ finde, dann muss ich doch zwangsläufig gleich an Frivoles in Eurem Fachgebiet denken.

Was denkst Du, sind technische Logistiker und beruflich Anverwandte sauer, wenn Du Dich jeden Monat aufs Neue über ihre Fachausdrücke amüsierst?

Eigentlich nicht. Ich erinnere mich sogar an ein Schulterklopfen, das ich Anfang der neunziger Jahre in Magdeburg bekam, wohin ich von der Redaktion infohalber zu einer Technik-Messe geschickt worden war. Im Hotel traf ich abends an der Bar einen älteren sympathischen Herrn, der mich fragte: „Und, was machen Sie so hier?“ „Ooooch“, antwortete ich, „bin als Cartoonist für so eine technische Zeitung hier, die bisher im Verlag Technik erschien. Die haben jetzt wohl einen neuen Verleger aus München, Huss oder so. Und was machen Sie hier?“ Da grinste der nette Mann: „Ich bin Herr Huss!“

Reden wir noch über Künftiges. Meinst Du, dass Dir die Ideen für die Cartoons ausgehen könnten?

Das liegt ja vor allem an Euch Redakteuren und an den Autoren aus Forschung und Praxis. Neue Wortschöpfungen sind für mich so wertvoll wie Steilvorlagen im Fußball. Außerdem gilt: Wenn man jung ist, sprüht man nur so vor Ideen. Ich bin ja erst 76 Jahre alt; da sprüht sicher noch was….

Bleibt mir, Dir auf Berliner Art zu wünschen: Allet Jute, olle Achim, un‘ noch ville knorke Kartongs!

Der erste Cartoon aus dem November-Heft 1985

Fußnoten

  • Unter der Rubrik „Cartoons“ kann auf unserer Homepage www.technische-logistik.net eine digitale Galerie besucht werden. Beginnend mit dem Cartoon „Gabelträger“, umfasst sie alle seither veröffentlichten Fachbegriffe in typischen Deutungen unseres Cartoonisten Achim Purwin.

Norbert Hamke

Norbert Hamke
Herausgeber, Zeitschrift "Technische-logistik - Hebezeuge Fördermittel"
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· Artikel im Heft ·

Der Cartoon darf nicht fehlen
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