„Den Kunden länger begleiten“

Ein Gespräch mit Wolfgang Cieplik über die nächsten Jahre, Trends und auch über Wünsche

Das Unternehmen Unitechnik feiert im Jahr 2021 sein 50-jähriges Jubiläum. Das hat die Redaktion von „Technische Logistik“ zum Anlass genommen, sich kurzfristig mit einem der beiden Inhaber Wolfgang Cieplik per Video zu einem Gespräch über die weiteren Pläne des Unternehmens und künftige Trends zusammenzufinden. Außerdem konnten wir noch darüber sprechen, was sich Wolfgang Cieplik künftig für die Arbeit in der Intralogistik wünschen würde.

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Gründung einer Holding, in der die Gesellschafter Wolfgang Cieplik (links) und Rainer Poppek (rechts) tätig sind. Die Holding steuert die Unternehmensgruppe, die aus den drei operativen Gesellschaften in Wiehl, Eisenhüttenstadt und Dubai besteht. Bild: Unitechnik
Gründung einer Holding, in der die Gesellschafter Wolfgang Cieplik (links) und Rainer Poppek (rechts) tätig sind. Die Holding steuert die Unternehmensgruppe, die aus den drei operativen Gesellschaften in Wiehl, Eisenhüttenstadt und Dubai besteht. Bild: Unitechnik

Christina Kasper: Herr Cieplik, das Unternehmen Unitechnik begeht nun sein 50-jähriges Jubiläum. Was empfinden Sie bei diesem runden Geburtstag?

Wolfgang Cieplik: Also erstmal kann ich sagen, dass ich natürlich sehr stolz bin (lacht). Ich bin mir aber bewusst, dass, auch wenn ich sicherlich einiges dazu beigetragen habe, dieses erfolgreiche Unternehmen durch die Arbeit der Väter entstanden ist. Vor 50 Jahren haben mein Vater und Heinz Poppek zusammen das Unternehmen als Ingenieurbüro gegründet, damals aber nicht im Entferntesten damit gerechnet, dass es mal so groß werden würde.

Was waren denn die damaligen Erwartungen?

Damals waren so acht bis zehn Mitarbeiter die Zielstellung. Wenn wir diese Anzahl erreichen könnten, sagten unsere Väter damals, dann hätten wir eine schlagkräftige Mannschaft. Doch dann haben die Dynamik des Marktes und wahrscheinlich auch einfach die Qualität der Leistung dazu geführt, dass wir nicht so klein geblieben sind. Der Erfolg führt eben zu Wachstum. Allein in den ersten zehn Jahren sind wir viermal umgezogen, weil immer wieder der Standort zu klein wurde. Das macht im Nachhinein natürlich sehr stolz. Als Nachfolger haben Rainer Poppek und ich allerdings die schwierige Aufgabe, dies alles zu erhalten und auch weiterzuentwickeln. Und genau da wird es dann spannend. Bei der Frage, wo soll sich das Unternehmen denn in Zukunft hin entwickeln.

Und wohin soll die Entwicklungsreise von Unitechnik noch gehen?

Ein entscheidender Schritt für uns war in jedem Fall, dass wir so um die Jahrtausendwende angefangen haben, als Generalunternehmer zu arbeiten. Das war einfach ein Riesenunterschied zu unserer vorherigen Tätigkeit als reiner Zulieferer der Automatisierungs- und Leittechnik. Jetzt konnten wir die Prozesse in den zu bauenden Logistikanlagen gleich direkt mit dem Endkunden besprechen, ohne den Anlagenbauer dazwischen schalten zu müssen. Das hat uns und damit auch dem Kunden sehr geholfen. Jetzt kamen wir bereits in der Angebotsphase ins Gespräch und konnten die Abläufe durchsprechen. Dieser Logik folgend haben wir uns vor drei, vier Jahren dafür entschieden, auch das Logistik-Consulting als eigenständige Dienstleistung anzubieten. So können wir, sofern gewünscht, den Kunden dann noch ein Stück früher abholen und gemeinsam ein System konzipieren, mit dem wir alle zufrieden sind.

Welche zukünftigen Trends sehen Sie für den Bereich Lagerkonzeption?

Generell denke ich, wird die gesamte Logistikwelt immer flexibler und autonomer werden. Ich glaube, der Trend geht immer weiter weg von sehr starren Systemen. Dadurch, dass sich die Welt so schnell ändert, ist einfach die Flexibilität und die Skalierbarkeit eine große Anforderung geworden. Aus diesem Grund sehen wir, dass bei automatischen Kleinteilelagern inzwischen mehr Shuttlesysteme als Regalbediengeräte zum Einsatz kommen. Einfach, weil hier die Skalierbarkeit größer ist. Ich kann über die Anzahl der Fahrzeuge einfacher die Leistung steuern. Die Auswahl des passenden Lagersystems ist jedoch von vielen Faktoren abhängig.

Und außerhalb der Lagergasse?

Da sind es die Themen Fahrerlose Transportsysteme (FTS) und Autonomous Mobile Robots (AMR), die immer häufiger in den Projekten gefragt sind. Es kommen also autonome Subsysteme zum Einsatz, sei es ein Kommissionierroboter oder ein FTS. Beides sind zwar quasi in sich geschlossene Systeme mit eigenem Leitsystem. Wichtig ist aber, dass man sie möglichst gut in unser Materialfluss- und Lagerverwaltungssystem integrieren kann. Deswegen sind aus meiner Sicht auch offene Standards gut und wichtig.

Wäre das etwas, was Sie sich auch in der Intralogistik wünschen würden?

Wenn ich mir was für die Zukunft wünschen dürfte, dann wäre das einfach mehr Standardisierung. Dass offene Schnittstellen implementiert werden, um beispielsweise verschiedene FTS-Systeme miteinander kombinieren zu können und die Verwaltung über ein Materialflusssteuerungssystem zu ermöglichen. Dadurch könnten wir die einzelnen Systeme als Systemintegrator noch besser koordinieren. Ein Steuerungs- und Visualisierungssystem, in dem ich alles sehen kann, von der Palette auf dem Boden über die Position sämtlicher Fahrzeuge bis zum Artikelbestand im Hochregallager, das würde ich mir wünschen. Aber da ist noch viel Luft nach oben.

Und was wünschen Sie sich für die nächsten Jahre für Unitechnik?

Wir möchten uns noch stärker als Lifetime-Partner etablieren. Unser fester Vorsatz ist, dass wir Kunden gewinnen, die gut zu uns passen und die wir dann auch über eine lange Zeit begleiten und als ihr vertrauter Partner agieren dürfen. Hierfür wollen wir auch noch weitere Dienstleistungen entwickeln, um für den Kunden noch mehr Nutzen zu generieren.

Nutzen wofür zum Beispiel?

Etwa in Bezug auf das ganze Thema Daten. Das ist zwar in aller Munde, bleibt aber auch immer sehr abstrakt. Was genau bedeutet das denn für so ein Logistikzentrum? Wir beschäftigen uns zum Beispiel sehr intensiv damit, was für Daten wir überhaupt alle erfassen. Aus unserer Steuerungstechnik, der Materialflusssteuerung und dem Lagerverwaltungssystem generieren wir unglaublich viele Daten, die tagtäglich entstehen. Und die Frage ist, was kann damit gemacht werden, und wie lassen sich die Abläufe dadurch optimieren. Neben der Vermeidung von Störungen stehen dabei die Erhöhung der Leistung der Logistikanlage im Fokus.

Wie sieht es beim Thema Daten mit den Berührungsängsten der Anwender aus?

Wir stehen da noch relativ am Anfang. Das eine ist ja, dass ich Daten innerhalb einer Anlage erfasse und auswerte. Da sind die Kunden größtenteils sehr offen. Ein bisschen kritischer wird es, wenn es darum geht, Daten nicht nur von einem Logistikzentrum, sondern vielleicht von zehn Logistikzentren zu erfassen. Heißt also, wenn die Daten der Sphäre des eigenen Unternehmens entzogen und irgendwo zentral gespeichert werden sollen, sind doch noch große Vorbehalte da. Damit verbunden auch die Frage, wem gehören die Daten überhaupt? Wie stelle ich sicher, dass niemand anderes darauf zugreifen kann? Wie lassen sich Daten aus verschiedenen Anlagen überhaupt zusammenführen? Da gibt es noch einiges zu erforschen. Dabei arbeiten wir auch mit der TH Köln zusammen.

Und woran forschen Sie außerdem noch?

Womit wir uns intensiv beschäftigen, ist das ganze Thema digitaler Zwilling. Es gibt, neben den Green-Field-Projekten, einfach unglaublich viel Intralogistik im Bestand, und hier besteht die Herausforderung darin, das Vorhandene zu modernisieren, zu erweitern, an neue Anforderungen anzupassen, ohne die Anlage stillsetzen zu müssen. Das heißt, ich muss mir zwingend eine Umgebung schaffen, durch die ich im Büro in der Lage bin, das Projekt komplett vorzubereiten, die Software zu schreiben und die Tests durchzuführen. Ich glaube, es ist von großer Bedeutung, diesen Prozess im Griff zu haben. Sonst wäre es für die Betreiber ein zu hohes Risiko.

Was ist in diesem Zusammenhang Ihrer Meinung nach die bedeutendste Entwicklung?

Was ich zum Beispiel total faszinierend finde, sind die Möglichkeiten, die ich heute mit Virtual Reality habe.

Ich kann dem Kommissionierer seinen Arbeitsplatz von morgen zeigen und sogar ausprobieren lassen. Dabei lasse ich seine Kompetenz, die er aus dem Arbeitsalltag hat, in die Gestaltung eben dieses zukünftigen Arbeitsplatzes einfließen. Denn das ist es doch, wo wir vielfach dran haken, dass wir zu wenig Praxiswissen in die Gestaltung von Arbeitsabläufen einbringen.

Christina Kasper

Christina Kasper
Redakteurin, Zeitschrift "Technische-Logistik - Hebezeuge Fördermittel"
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· Artikel im Heft ·

„Den Kunden länger begleiten“
Seite 50 bis 52
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