Nachahmen erwünscht
Für Lehrte sprach neben einer guten Anbindung an das Autobahnnetz, dass die Verteilzentren der Paket- und Sammelgutdienstleister Dachser, DPD und Trans-o-flex in unmittelbarer Nähe liegen. Nachdem die Standortfrage im zweiten Quartal 2018 geklärt war, definierte Häfele in Kooperation mit dem Heidelberger Beratungsunternehmen IO-Consultants die Dimensionen des Projekts. In Lehrte lagert Häfele auf einer Grundfläche von 19.600 Quadratmetern rund 23.500 Artikel, die ausschließlich aus dem wesentlich größeren zentralen Versandzentrum am Firmenstammsitz in Nagold stammen.
75 Kommissionierer absolvieren hier ein jährliches Pensum von bis zu zwei Millionen Picks, wobei bewusst auf eine Automatisierung und Komplexität verzichtet wurde. Das Lager wurde vor allem für einen schnellen Auftragsdurchlauf optimiert, um durch paralleles Arbeiten mit vielen Mitarbeitern möglichst flexibel und wirtschaftlich auf Auftragsspitzen reagieren zu können. Die in SAP-EWM integrierte Kommissionier-Strategie „Flexible Pull“ gibt eiligen Aufträgen auf jeder Stufe des Prozesses Vorfahrt.
Ambitionierter Zeitplan
Die gesamte Betriebseinrichtung mit Lastenaufzügen, Lagerbehältern, Kragarm-, Paletten- und Fachbodenregalen, Kommissionierwagen, LED-Beleuchtung bis hin zur Sprinkleranlage und den Regalplatzmarkierungen stammt von Berger. Der Korntaler Branchenspezialist für Betriebsausstattung und Regaltechnik konnte als einziger der angefragten Lieferanten bei einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis den ambitionierten Zeitplan von Häfele erfüllen. „Der Auftrag wurde im Oktober 2019 erteilt, und ab diesem Zeitpunkt waren es nur noch zwei Monate bis zum Beginn der Montage“, erinnert sich Projektleiter Stephan Dalheimer.
Das Versandzentrum besteht aus zwei Hallenbereichen. Im ersten Lager befindet sich der Wareneingang sowie ein Palettenlager mit 6.300 Stellplätzen für Voll-, Halb- und Viertelpaletten, die vor allem dem Nachschub dienen. Neben den Palettenregalen installierte Berger hier Kragarmregale, die in zehn Gängen mit einer Gesamtlänge von 100 Metern rund 660 Stellplätze für schweres Langgut bieten.
Kragarmregale auf zwei Ebenen
In der zweiten Halle realisierte Berger einen Bereich für leichteres Langgut, in dem bis zu 1.150 Artikel gelagert werden können. Die in 20 Gängen aufgestellten, kleiner dimensionierten Kragarmregale mit einer Höhe von zwei Metern verteilen sich über das Erdgeschoss und das darüber liegende Mezzanin. Außerdem befindet sich in dieser Halle der Verpackungsbereich mit 18 Packplätzen für den Paketversand, fünf Packplätzen für den Speditionsversand und einem Packplatz für Langgut.
Langgut kommissionieren die Mitarbeiter mit speziellen Tragarm- und Plattenwagen, während in der Fachbodenregalanlage Kommissionier-, Schiebebügel- und Tischwagen zum Einsatz kommen. Berger lieferte über 120 Kommissionierwagen, die speziell auf die Bedürfnisse und Gebindegrößen von Häfele angepasst wurden.
Die dreigeschossige Fachbodenregalanlage mit vier Lastenaufzügen, 27.000 Fachböden und mit einer Lagerkapazität von 90.000 Plätzen bildet das Herzstück des Versandzentrums. Hier werden rund 80 Prozent aller Auftragspositionen gepickt, wobei vorwiegend graue Kommissionierbehälter verwendet werden. Damit realisiert Häfele eine kompakte Multi-Order-Kommissionierung, wodurch die Laufwege minimiert werden konnten. Zur farblichen Differenzierung wurden die in den Fächern stehenden Euro-Stapelbehälter in Blau gehalten. Der Großteil verfügt über eine Sichtscheibe und einen Barcode, der bei jeder Artikel-Entnahme durch den Mitarbeiter gescannt wird. Insgesamt lieferte Berger für Häfele bis jetzt 71.660 Behälter, die größtenteils im Zeitraum zwischen April und August mit über 70 Lkw-Ladungen bereitgestellt wurden. „Wir liefern die Behälter in mehreren Etappen, damit die Mitarbeiter von Häfele genügend Zeit für die Integration der Artikel in die logistischen Prozesse haben“, erklärt Jan Uhl, der seitens Berger für die Ausstattung mit Behältern und Kommissionierwagen verantwortlich ist.
Mehrere Kilometer Licht und Brandschutz
Für optimale Arbeits- und Brandschutzbedingungen in der Fachbodenregalanlage sorgen die effiziente LED-Beleuchtung und die ebenfalls von Berger gelieferte Sprinkleranlage. Beide Positionen entsprechen rund einem Viertel des gesamten Auftragswertes. „Hier mussten pro Etage 23 Regalgänge mit einer Länge von jeweils 61 Metern mit Licht und Sprinklerköpfen ausgestattet werden, was einer Strecke von circa 4,2 Kilometern Licht und 5,6 Kilometern Sprinklerrohren entspricht“, betont Dalheimer.
Abgerundet wurde der Lieferumfang durch gut sichtbare Regalplatzmarkierungen. Der numerische Aufbau der Kennzeichnung ermöglicht ein sofortiges, bewusstes Verständnis über auf- und absteigende Reihenfolgen. Eine Ortsangabe durch Ziffern sorgt dabei für eine schnelle und „selbstsprechende” Orientierung. Bei alphabetischen oder alphanumerischen Kennzeichnungen kann hingegen niemand auf Anhieb bestimmen, an welcher Stelle der Buchstabe H im Alphabet steht.
Weltweites Vorbild
Durch die enge Zusammenarbeit zwischen Häfele und Berger konnte das Großprojekt planmäßig und reibungslos abgeschlossen werden. Mit seiner modernen Ausstattung und den flexiblen Prozessen gilt der Lehrter Standort bei Häfele als Vorlage für künftige Versandzentren. Langfristig ist vorgesehen, die Logistikkonzepte gemeinsam mit den internationalen Tochtergesellschaften der Unternehmensgruppe weiterzuentwickeln. Vor diesem Hintergrund fand in Lehrte bereits eine weltweite Häfele-Logistikkonferenz statt – mit Teilnehmern aus den Vereinigten Staaten, Thailand, Großbritannien und Australien. (ck)
Eine Information von Berger Regale
Redaktion (allg.)
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