Game Changer

Game Changer

Fahrerlose Transportsysteme steigern die Effizienz in den logistischen Abläufen

Dass der Einsatz von automatisierten Systemen nicht zwingend nur etwas für besonders große Unternehmen ist, zeigt das Beispiel einer Kooperation zwischen einem österreichischen Hersteller von Stahl- und Edelstahlprofilen und einem Anbieter von Materialflusslösungen aus Finnland.

Dank seiner Erzvorkommen und der Verfügbarkeit von Holz, Kohle und Wasserkraft ist der Ort Gresten in Niederösterreich seit Anfang des 15. Jahrhunderts für jegliche Art von Eisenerzeugung bekannt. Fast ebenso lange, seit 1664, stellt das Familienunternehmen „Welser“ verschiedene Arten von Stahlprodukten her. Seit 1960 hat sich Welser auf das Walzprofilieren von Sonderprofilen für fast alle Industriezweige spezialisiert. Mit 2.500 Mitarbeitern weltweit und über 23.000 verschiedenen Profilformen ist Welser eigenen Angaben zu Folge das führende Unternehmen für Spezialprofilrohre in Europa.

Bei Welser sei man es gewohnt, die Arbeit zu optimieren und immer ein wenig besser als am Vortag zu sein. „Als wir vor einiger Zeit ein Verbesserungspotenzial in der Logistik erkannt haben,“ erzählt Harald Kirchberger, Assistent Supply Chain Management bei Welser, „haben wir uns entschlossen, einen Experten dazu zu konsultieren.“ Dieser war Rocla, ein seit 1942 bestehendes Unternehmen mit Sitz in Finnland. Rocla Oy ist Anbieter von Flurförderzeugen und Materialflusslösungen.

Arbeitsablauf und Lagersystem automatisiert

Gemeinsam mit dem finnischen Unternehmen wurde der gesamte Prozess analysiert. „Das Unternehmen erwies sich als absoluter ‚Game Changer‘“, so Kirchberger weiter. Aufgrund des internen Wachstums und der steigenden Nachfrage der Kunden musste Welser seinen Arbeitsablauf und sein Lagersystem vollständig automatisieren. „Die größte Herausforderung bestand darin“, erzählt Andreas Gschöpf, Leiter des Produktionsbeinen bei Welser, „Lieferanten zu finden, der eine Lösung für das Stapeln von Paletten in Höhen von bis zu sieben Metern anbietet.“ Nur Rocla sei, im automatisierten Bereich, dazu in der Lage gewesen.

Rocla und Welser einigten sich Angaben zu Folge auf ein Fahrerloses Transportsystem (FTS) mit einer Flotte von vier Fahrerlosen Transportfahrzeugen (FTF) und einem Batteriewechselsystem, das durch einen Logistik-Mitarbeiter betreut wird. Die FTF holen die Paletten von den Rollformanlagen ab, stapeln sie auf zugewiesene Plätze im Lager und bereiten die Beladung der Lastwagen vor. Für den Fall, dass ein FTF nicht ausgelastet ist, installierte Rocla zwei Parkpositionen, an denen diese ihre Batterien automatisch aufladen können. Dies kann die Zeit zwischen den Batteriewechseln verlängern oder ihnen helfen, längere Schichten in der Nacht oder am Wochenende zu fahren, wenn kein Bedienpersonal anwesend ist. „Vor der Einführung des FTS haben wir bis zu zehn Lkw-Ladungen mit 66 Paletten pro Ladung transportiert. Jetzt können wir problemlos 15 Ladungen durchführen“, so Andreas Gschöpf. Das System sei in der Lage, autonom und ohne menschliche Hilfe zu arbeiten, was im Bedarfsfall beispielsweise für Wochenenden interessant sei.

Unterstützt wird diese Lösung durch das Full-Service-Paket von Rocla, das sowohl für Software als auch für Hardware vollen Support biete. Es umfasst die regelmäßige Wartung vor Ort, die Lieferung von Ersatzteilen und Reparaturen sowie einen 24/7-Helpdesk. Welser verfüge nun über ein, wie es heißt, fortschrittliches Automatisierungssystem, das für einen reibungslosen, sicheren und zuverlässigen Prozess sorge.

Der größte Vorteil der FTS von Rocla sei die Lagerhöhe. „Außerdem wissen die Fahrzeuge in Kombination mit unserem Lagerverwaltungssystem immer, wo sich jede Palette befindet, wie groß und wie schwer sie ist“, erläutert Andreas Gschöpf. Und Harald Kirchberger fügt an: „Unser komplettes Lagerverwaltungssystem verlässt sich auf Rocla, und seitdem hatten wir keine Pausen/Probleme“. (jak)

Technische Logistik 03/2021 PDF-Download (1.45 MB)