„Es sieht super aus!“

Michael Ruchty über eine herkömmliche Messe mit einigen Neuerungen

Keine Logimat ist auch keine Lösung, könnte man sagen. Nun öffnet die Weltleitmesse der Intralogistik am 31. Mai 2022 in Stuttgart wieder ihre Pforten. Was neu und was geblieben ist, erzählt Messeleiter Michael Ruchty im Interview mit dem Chefredakteur „Technische Logistik“, Jan Kaulfuhs-Berger.

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Jan Kaulfuhs-Berger: Über zwei Jahre keine Logimat, Herr Ruchty, kommt man da aus dem Tritt?

Michael Ruchty: Nein, es war ja nicht so, dass wir zwei Jahre lang die Beine hochgelegt haben. Es wurden mehrere Messen geplant, die wir dann immer wieder verschieben mussten. Parallel haben wir schwerpunktmäßig unsere digitale Plattform (die „LogiMAT.digital“, Anm. d. Red.) im April vergangenen Jahres ins Leben gerufen.

Soweit wir hören, läuft digitale Logimat als Online-Plattform mit Start der Messe nicht aus, sondern parallel weiter. Eine Doppelbelastung?

Die digitale Logimat ist ja keine digitale, virtuelle Messe, sondern vielmehr gedacht als Online-Plattform zwischen den Präsenzveranstaltungen. Die aktuelle läuft bis Ende Juni, wir werden aber verlängern, da sie sehr gut angenommen wird. Eine Doppelbelastung für mich ist „LogiMAT.digital“ keinesfalls – dieses Projekt liegt bei Peter Kazander auf dem Tisch.

Viele in der Branche haben sich, nun zwangsweise, daran gewöhnt, alles online zu machen. Trotzdem ist die Messe gut ausgebucht.

Ja, wir sind fast ausgebucht. Es gibt auf dem gesamten Messegelände mit einer Gesamtfläche von 125.000 Quadratmetern noch wenige kleinere verfügbare Flächen. Und: Es kommen auch jetzt noch, kurz vor Messebeginn, eine Reihe an Buchungsanfragen rein. In einem Satz: Es sieht super aus!

De facto business as usual oder spüren Sie einen neuen Geist?

Teils teils. Besucher, die schon in Stuttgart waren und 2022 wiederkommen, werden feststellen, dass im Atrium jetzt die „LogiMAT-Arena“ aufgebaut ist, wo die Fachforen stattfinden werden. In den Hallen wird es in diesem Jahr keine Forumsflächen mehr geben. Das ist noch dem Mindestabstand geschuldet. Im Atrium ist Platz genug, dort können ohne Probleme 150 Personen teilnehmen. Diese Neuerung wird dem Wieder-Besucher sicherlich auffallen. Ansonsten ist die Hallenaufteilung auf das hervorragende Konzept zurückliegender Veranstaltungen aufgebaut.

Aber die Besuchergänge werden breiter sein, hörten wir.

Ja, auch das ist ein Erbe der Pandemie. Aber ansonsten hat sich am Hallenlayout nichts Wesentliches geändert. Die gesamte Galerie der Halle 1 ist komplett belegt. Und noch eine Premiere findet der Besucher im Foyer vor der Halle 2: Der Ausstellungsbereich FTS/Robotics ist der am stärksten wachsende Bereich auf der Logimat. Da durften wir in der Tat unsere Kreativität noch etwas ausleben. Zudem werden in den Ladehöfen zwischen den Hallen von verschiedenen Ausstellern weitere Produkte in Live-Demos präsentiert.

Pandemisch betrachtet, ist ja der Messezeitraum Ende Mai/Anfang Juni ein günstiger Zeitpunkt. Bleibt das eine Ausnahme oder spielt man mit der Idee, die Messe dahin zu platzieren?

Wir werden mittelfristig wieder in den gewohnten Rhythmus der Logimat wechseln – und das Messejahr in Stuttgart eröffnen. Ein Zwischenschritt ist noch gegeben: 2023 haben wir im April den Termin, 2024 sind wir wieder im März.

Im Wesentlichen ist die Logimat geblieben, wie sie ist. Wie sieht das auf der Ausstellerseite aus, speziell was das Thema Internationalität betrifft?

Auf der Logimat 2022 werden Aussteller aus 40 Ländern vertreten sein. Wir hatten in der Tat aus Russland mehrere Aussteller, die sind nicht mehr dabei. Zwei ukrainische Aussteller haben jetzt leider andere Sorgen, als eine Messe vorzubereiten. Und wir merken es an den chinesischen Ausstellern.

Wie ist da die Tendenz, da die Reiserestriktionen von und nach China alles andere als attraktiv sind?

Im Jahr 2019 waren es 65 chinesische Aussteller vor Ort. Dieses Jahr werden es knapp 20 Aussteller sein. Die noch derzeitig geltenden Reisebeschränkungen tun sich verständlicherweise nur wenige an. Die meisten chinesischen Unternehmen schicken Mitarbeiter, die in europäischen Niederlassungen tätig sind. Ansonsten sind nicht viele Unterschiede zur letzten Präsenzveranstaltung zu erkennen. Schwerpunkt bei den Ausstellern ist wie immer Zentraleuropa. Dabei sind aber auch Unternehmen aus Neuseeland, den USA, Kanada und Israel.

FTS und Robotics, Sie sagten es bereits, sind wachsende Bereiche. Das Thema Krantechnik scheint etwas hinterherzuhinken. Findet das auf der Logimat noch statt, ist das mittlerweile ein Nischen-Thema? Wie sehen Sie das?

Nein. Es ist aus unserer Sicht nach wie vor ein wichtiger Bereich. Es gibt auf der Messe mittlerweile auch mehrere spanische und italienische Hersteller, die im Kranbereich als Zulieferer tätig sind. Wir verzeichnen zwar nicht diesen Zuwachs wie beispielsweise beim Thema FTS, aber ich kann in diesem Bereich auch keinen Rückgang erkennen.

Wieviel Aussteller insgesamt werden auf der Logimat 2022 vertreten sein?

Wir erwarten auf der Logimat in diesem Jahr weit über 1.500 Aussteller, vor zwei Jahren waren es etwa 100 mehr. Das ist im Wesentlichen den breiteren Gängen geschuldet, wodurch schmerzhaft viel Fläche weggefallen ist und man weniger Aussteller unterbringen kann.

FTS/Robotics, das Renner-Thema, haben wir mehrfach angesprochen. In welchen Bereichen ist Ihrer Ansicht noch ordentlich drive drin?

Der größte Bereich der Messe, der sich auch im Vergleich zu 2019 noch einmal gut entwickelt hat, ist der der Flurförderzeuge. Es sind fast alle namhaften Unternehmen wieder dabei. Es gibt in keiner der Hallen Bereiche, die rückläufig sind.

Viele Bereiche sind mittlerweile fließend, gefühlt jeder ist heute Systemintegrator. Da gibt es von Ausstellerseite hinsichtlich der Hallenbelegung Vorgaben?

Ja, wir fragen natürlich vor der Hallenplanung ab. Wo liegt bei dem Aussteller der Schwerpunkt und was will er präsentieren. Das wird berücksichtigt. Denn wir machen die Messe mit den Ausstellern für die Fachbesucher – die müssen sich zurechtfinden.

Stichwort Besucher: Wie viele Besucher erwarten Sie oder ist das in der gegenwärtigen Situation ein Vabanquespiel?

Das ist die Glaskugel, die ich leider oder auch zum Glück nicht habe. Das ist wirklich schwer zu sagen. Ich persönlich rechne mit 50.000 plus, und es ist nicht auszuschließen, dass es deutlich mehr werden. Es kommen täglich immer noch viele Anfrage für Tickets rein …

… die man vor Ort dann nicht mehr kaufen kann, heißt es.

Ja, es wird für Besucher nicht mehr möglich sein, Karten vor Ort zu kaufen. Egal wie voll die Messe wird, wir wollen lange Schlangen an den Kassen verhindern – im Interesse aller. Also Tickets im Vorfeld online kaufen.

Wer spontan und ohne Ticket nach Stuttgart kommt, kann wieder umdrehen?

Ja, da sind wir gnadenlos (lacht)! Nein, Spaß beiseite, natürlich nicht, wir werden niemanden nach Hause schicken und finden in einem solchen Fall wie immer eine Lösung.

Dass der Besucher rasch per Handy ein Ticket löst.

Zum Beispiel.

Letztes Thema: Worauf muss sich der Besucher nun wohl erstmalig auf der Logimat 2022 einstellen? Maskenpflicht, Impfausweis …?

Auch wir unterliegen den Bestimmungen des Landes Baden-Württemberg. Aktuell gibt es keinerlei Einschränkungen. Das Land Baden-Württemberg sowie wir empfehlen jedoch dringend das Tragen einer Maske in den Hallen.

Herr Ruchty, viel Erfolg bei dieser doch etwas besonderen Logimat!

Vielen Dank!

Gern, und herzlichen Dank für das Gespräch!

 

Jan Kaulfuhs-Berger

Chefredakteur, Zeitschrift Technische Logistik - Hebezeuge Fördermittel
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· Artikel im Heft ·

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