Automatisierter Materialfluss
Das modulare Plattformkonzept „Modular Pallet Conveyor Platform“ (MPP) macht es möglich: Mit ihr lassen sich auch maßgeschneiderte Förderer für Transportgüter von bis zu 250 Kilogramm realisieren. Genutzt werden hierzu die Produkte der Interroll-DC-Platform, die aus 48V-„Rollerdrive“, sowie „Multicontrol“-Steuerungen und Netzteilen besteht. Anders als bei der MPP-Variante für schwere Palettengewichte kommen hierfür als Antriebe die 48V-Rollerdrive mit einer Leistungsaufnahme von 50 Watt zum Einsatz. Was vor allem im industriellen Umfeld, etwa bei der staudrucklosen Förderung von Lkw-Reifen, Autositzen, Weißer Ware oder anderen Produkten, den Aufbau besonders wirtschaftlicher, energieeffizienter und arbeitssicherer Förderer erlaubt.
Autonome Förderer per Plug-and-play realisierbar
Zentraler Bestandteil dieser Lösung sind die „Rollerdrive EC5000“. In Verbindung mit der neuen „Multicontrol“ für die Palettenförderung bilden diese Motorrollen das Herzstück staudruckloser Förderer für mittelschwere Güter, deren Förderzonen individuell angetrieben werden. Ausgestattet mit der optionalen Busschnittstelle und in Verbindung mit der passenden „Multicontrol“ lassen sich aus der „Rollerdrive“ zudem eine Vielzahl von Betriebsdaten in Echtzeit auslesen und über eine Web-Oberfläche auf dem Bildschirm visualisieren – ideal für bedarfsgerechte Wartungsarbeiten. Außerdem lässt sich die jeweilige Ware exakt auf der Förderstrecke positionieren — eine Voraussetzung für das nahtlose Zusammenspiel mit Robotern oder automatisierten Greifarmen im Produktionsumfeld.
Ein entscheidender Vorteil der „Multicontrol“ besteht darin, dass sich diese Steuerung sehr flexibel an die Wünsche der jeweiligen Anwender anpassen lässt. So erlaubt etwa die intelligente Förderlogik der „Multicontrol“ den Aufbau eines staudrucklosen Förderers ohne aufwendigen SPS-Programmieraufwand. Darüber hinaus können auch autonome Plug-and-play-Module ganz ohne SPS realisiert werden. Wer als Systemintegrator für kundenspezifische Anwendungen eine spezielle Logik einsetzen möchte, kann die „Multicontrol“ aber auch als Ein-/Ausgabegerät (I/O) verwenden. Die vorhandene Logik für staudruckloses Fördern wird dann ignoriert. Die angeschlossene SPS erhält alle Sensor- und „Rollerdrive“-Informationen und passt über eine entsprechende Programmierung dann den Materialfluss an die Bedürfnisse des jeweiligen Anwenders an.
Förderzonen mit 48V- und 400V-Antrieben einheitlich steuern
Gleichzeitig lassen sich auch komplexere Anwendungen, die etwa zusätzliche 400V-Trommelmotoren für Drehtische verwenden, über die „Multicontrol“ integrieren und steuern. So erhalten auch „gemischte“ Förderer aus 400V- und 48V-Antriebselementen eine einheitliche Steuerungslösung, die unter anderem den Verkabelungsaufwand zwischen den verwendeten Antrieben und der SPS drastisch reduziert.
Die Vorteile eines einheitlichen Baukastensystems für Förderlösungen sind offensichtlich: Mit dieser modularen Förderer-Plattform kann eine leistungsstarke und bedarfsgerechte Materialflusslösung sehr einfach aus Plug-and-Play-Modulen zusammengestellt oder erweitert werden. Dank einer benutzerfreundlichen Planungs-, 3D-Visualisierungs- und Simulationssoftware, dem Interroll Layouter, lässt sich außerdem bereits die Projektierungsphase und der Entscheidungsprozess beim Anwender vereinfachen und verkürzen. (ck)
Kurz nachgefragt „Automatisierte Verbindung von Roboterzellen“
Ein Gespräch mit Marcus Dörr, Leiter Engineering und Development für die „Modular Pallet Conveyor Platform“ MPP bei Interroll. Welche Vorteile bietet eine modulare Plattformstrategie, die Ihr Unternehmen verfolgt? Mit einem flexiblen Baukastensystem lassen sich unterschiedlichste Wünsche sehr einfach und trotzdem kundenspezifisch erfüllen. Ein Beispiel ist die Kombination unserer Palettenfördererplattform MPP, die auch leistungsstarke Regalbediengeräte, Verfahrwagen und Lifte umfassen kann, mit unserer Fließlagerlösung auf Schwerkraft-Basis. So entstehen kompakte Automatisierungslösungen, die eine Umschlaggeschwindigkeit von 100 Paletten pro Stunde und eingesetztem Gerät realisieren.
Ein weiteres Beispiel ist die nahtlose Integration von 24V/48V-Antrieben über eine einheitliche Steuerungslösung in unsere Palettenfördermodule. Für mittelschwere Güter ist diese Ausbauvariante eine ebenso leistungsstarke wie wirtschaftliche Lösung. Reicht denn die Antriebsleistung von Motorrollen aus? Ja. In vielen Fällen wollen Anwender mittelschwere Güter bewegen, etwa in produzierenden Unternehmen. Warum sollten Sie hierfür eine Lösung mit 400V-Antrieben verwenden, die für Fördergewichte von bis zu 1,2 Tonnen ausgelegt ist? Es macht bekanntlich keinen Sinn, mit Kanonen auf Spatzen zu schießen. Unsere „Rollerdrive“ sind 24V-/48V Niederspannungsantriebe, die problemlos Güter bis zu 250 Kilogramm fördern – und sie sind für diese Aufgaben wesentlich wirtschaftlicher und erfordern deutlich weniger Aufwand für den Arbeitsschutz als 400V-Lösungen. Welche Anwendungen kommen hier typischerweise infrage? Häufig geht es um Förderlösungen im Produktionsumfeld. Wir sind etwa mit der MPP an innovativen Projekten aus der Automobilbranche beteiligt. So verbindet ein namhafter Hersteller seine Roboterzellen mit einer automatisierten Förderlösung, die einen kontinuierlichen Materialnachschub mit einem Durchsatz von rund 200 Paletten pro Stunde sicherstellt. Ein anderes Beispiel betrifft Autositze, die über einen vollständig automatisierten Wareneingang bis an die jeweiligen Montagelinien transportiert werden. Damit wird ein konventionelles Pufferlager überflüssig. Dessen Aufgabe übernimmt dann die Fördertechnik. Lassen sich bei diesen Lösungen bei Bedarf auch 400V-Antriebe integrieren? Ja, es lässt sich ganz einfach eine einheitliche und dezentrale Ansteuerung von 400V- und 24/48V-Antrieben realisieren, also ein wirklich durchgängiges Steuerungskonzept für das gesamte staudrucklose Fördersystem für mittelschwere Güter. Auf Wunsch gibt es sogar den passenden Schaltschrank dazu. Der Systemintegrator kann dann je nach Bedarf entscheiden, ob die Anlagen dezentral oder zentral durch eine SPS gesteuert werden. (ck)
Christina Kasper
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