Alte Schale, neuer Kern

Hohe Fachkompetenz für optimierte Abläufe im HRL

Die Nutwork Handelsgesellschaft hat ihr über 30 Jahre altes vollautomatisches Hochregallager im laufenden Betrieb modernisieren lassen. Neben der Steuerungstechnik wurde dabei auch das Warehouse-Management-System erneuert und die verbliebenen analogen Prozesse durchgehend integriert und digitalisiert.

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Denken in großen Dimensionen: Was das bedeutet, demonstriert die Nutwork Handelsgesellschaft mit dem Fruitwork Dienstleistungscenter – kurz FDC – in Hamburg Altenwerder. Als das Unternehmen den gemieteten Logistikstandort bezog, waren die dort gebotenen Kapazitäten größer als der eigene Bedarf. Damit bereitete sich der Anbieter von Nüssen und Trockenfrüchten auf weiteres Wachstum vor. Nicht benötigte Flächen des automatischen Hochregallagers (HRL) werden derzeit an andere Firmen untervermietet. Zu den Kunden von FDC zählen LEH-Unternehmen wie beispielsweise Rewe, Kaufland, Lidl, Aldi Nord, Aldi Süd, Migros, Billa usw.

Das FDC bietet über 45.000 Palettenstellplätze. Insgesamt sechs Regalbediengeräte ermöglichen über 2.000 Palettenbewegungen pro Tag. Täglich treffen hier mehrere Container mit durchschnittlich mehr als 600 Paletten ein, die vereinnahmt und für die automatische Einlagerung vorbereitet werden. Das Lager umfasst außerdem eine 5.000 Quadratmeter große Produktionsfläche, auf der Nutwork sieben Produktionslinien für das Mischen, Veredeln und Verpacken von Nüssen und Trockenfrüchten errichtet hat.

Retrofit des automatischen HRL im laufenden Betrieb

Die Steuerungstechnik der aus dem Jahr 1989 stammenden Anlage war den hohen Anforderungen der heutigen Logistik nicht mehr gewachsen. Betriebsleiter Hans Luckert suchte deshalb im Frühjahr 2020 einen kompetenten Partner für die Modernisierung der bestehenden Steuerungstechnik, des Materialflussrechners sowie der bisher verwendeten Lagerverwaltungssoftware. Außerdem sollten die bisher noch analog gesteuerten Produktionsprozesse digitalisiert und integriert werden. Das aufwändige Retrofit-Projekt durfte den laufenden Betrieb nicht beeinträchtigen.

Die Entscheidung fiel im Mai 2020: Den Auftrag konnte sich das in Jork bei Hamburg beheimatete Softwarehaus OPUS//G mit seinen Logistiksoftwarelösungen sichern. Das Multi-Mandanten-System wurde bei Nutwork erstmalig in der Cloud ausgeliefert. Damit laufen die OPUS-Anwendungen über einen externen Server, der den Betrieb der laufenden Systeme ohne eigene Investitionen in Rechnerkapazitäten sicherstellt. Außerdem ermöglicht diese Konstellation das problemlose Erweitern und Skalieren an künftige Anforderungen.

Im Zentrum der Optimierung stand das automatische HRL. Die sechs Regalbediengeräte (RBG) agieren in 19 Gassen und fahren zur idealen Auslastung in der Regel Doppelspiele aus Ein- und Auslagerungen. Für einen möglichst effizienten und verschleißarmen Betrieb musste das System unterschiedlichste Regelwerke erlernen und automatisch anwenden können. Die Steuerung passt zum Beispiel selbstständig die Auftrags-Priorisierung an, um zeitaufwändige multiple Gassenwechsel zu vermeiden. Außerdem kann das System Doppelspiele kurzfristig unterbrechen, wenn aktuell zu viele Ein- oder Auslagerungen anstehen.

Parallele Versorgung von Lieferaufträgen und Produktion

Neben der optimalen Auslastung der RBG müssen vor allem die Produktionslinien pünktlich mit Rohwaren und Verpackungsmaterialien versorgt werden. Höchste Priorität hat dabei das Einhalten der Deadlines zum Fertigstellen der Kundenaufträge sowie die vom Einzelhandel geforderten Lieferquoten. Jetzt wird die Produktion über eine bedarfsorientierte Nachschubsteuerung optimal versorgt. Die hier ausgeführten Verbrauchsbuchungen der Rezepturen werden mit der „OPUS//MES“ transparent abgebildet, um eine vollständige Chargenrückverfolgung sicherzustellen.

Ein weiterer Projektbestandteil war das Abbilden aller weiteren manuellen Prozesse mit „OPUS//WMS“. Das Spektrum reicht von der Vereinnahmung der in Containern angelieferten Ware zu definierten gepackten Paletten über die Qualitätsprüfung (AQL) bis hin zu Cross-Docking-Prozessen oder der Einlagerung in das HRL. Durchgängig digitalisiert wurden auch die Abläufe im Warenausgang, wo die Warenströme aus dem HRL (Ware-zum-Mann) bei Bedarf mit den manuellen Pick-Prozessen aus der Produktion (Mann-zu-Ware) kombiniert werden.

Tolle Quick Wins mit erfahrenem Partner

Insgesamt benötigten. OPUS//G und Finken Automation für den kompletten Umbau der Lagersteuerung nur 3,5 Monate, so dass der Go Live bereits im August 2020 erfolgen konnte. Mit der Projektdurchführung ist Nutwork mehr als zufrieden: „Mit . OPUS//G haben wir uns einen erfahrenen Partner in der Logistik ins Haus geholt und sind mit der sehr schnellen Umsetzung dieses komplexen Projektes mehr als zufrieden“, bestätigt Betriebsleiter Hans Luckert und ergänzt: „Durch die hohe Fachkompetenz beim Go Live vor Ort wurden neben Optimierungen in den Abläufen auch gleich noch neue Features umgesetzt, mit denen wir tolle Quick Wins erzielen konnten.“ (ck)

Eine Information der OPUS//G GmbH

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Christina Kasper

Christina Kasper
Redakteurin, Zeitschrift "Technische-Logistik - Hebezeuge Fördermittel"

· Artikel im Heft ·

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