Mehr als 100 Millionen dänische Kronen (rund 13,4 Millionen Euro) – Velux hat in sein neues Zentrallager für Nordeuropa viel investiert. „Wir wollten die drei bestehenden Lagerstandorte für Fenster, Zubehör und Ersatzteile zusammenfassen“, erklärt Tom Jørgensen, Warehouse Manager bei Velux. Die Kunden sollen alle bestellten Produkte gebündelt in einer Sendung erhalten. Das Ziel: Kosten und die Zahl der für den Versand eingesetzten Lkw reduzieren, um die durch den Transport verursachten CO2-Emissionen zu verringern.
Schneller, besser, zuverlässiger: Bei der Erweiterung im dänischen Kolding setzte der Dachlicht-Spezialist erstmals in großem Umfang auf automatisierte Logistikprozesse. Das neue Lager kann bis zu 50 Prozent mehr Waren umschlagen als seine manuellen Vorgänger. Zudem wollte Velux eine ergonomischere Handhabung ermöglichen – ein Dachfenster wiegt im Durchschnitt 53 Kilogramm. Jetzt entlasten Regalbediengeräte und Kommissionierroboter die Mitarbeitenden im 24.000 Quadratmeter großen Lager. „Wir hatten mit automatischen Lagern bisher keine Erfahrung, deshalb suchten wir einen Anbieter, dessen System uns unmittelbar überzeugt und begeistert“, erklärt Jørgensen. „Viastore hat bereits mit dem ersten Entwurf eine sehr gute Lösung präsentiert.“ Das Konzept des Stuttgarter Intralogistik-Experten sah vor, die Lagerkapazitäten am bestehenden Standort in Kolding zu erweitern und die Durchsatzleistung drastisch zu erhöhen, um die Bündelung aller Velux-Produkte in einer Sendung zu ermöglichen.
Eingebunden: Lagerverwaltung mit SAP EWM
Die Verwaltung des neuen Lagers sollte über SAP EWM (Extended Warehouse Management) und die integrierte Materialflusslösung MFS erfolgen. Viastore holte dazu den SAP-Experten Prismat ins Boot. Die Unternehmen verbindet eine langjährige Partnerschaft bei Automatisierungsprojekten und der Integration von SAP EWM. Daniel Schlottbohm, Manager SAP Consulting bei Prismat: „Wir wissen genau, wer bei der Umsetzung solcher Projekte wofür verantwortlich ist oder wo Abhängigkeiten bestehen. So können wir das gesamte Projekt gemeinsam planen – das vermeidet unliebsame Überraschungen.“ Für die Implementierung setzten die SAP-Profis die „Prismat/RAKETE“ ein, die dank fertiger Lösungsbausteine und einer vorkonfigurierten Systembasis die individuelle Anpassung von EWM deutlich beschleunigt, dabei aber immer nah am Standard bleibt.
Der Standort Kolding ist die zentrale Drehscheibe in der Lieferkette von Velux. Von dort aus verschickt das Unternehmen Dachfenster in mehr als 30 Länder, muss dafür aber viele unterschiedliche Kundenanforderungen in die Prozesse integrieren. „Da war es von Vorteil, dass SAP EWM ein vollständig integriertes Materialflusssystem beinhaltet“, sagt Schlottbohm. Mit der neuen Lösung hat Velux vom Auftragseingang über die Produktionssteuerung bis hin zur Lagerverwaltung alles in einer Software vereint – für alle internationalen Standorte, weil diese in das gruppenweite SAP-System des Konzerns eingebunden ist.
Schnelle Prozesse: Bestückung und Transport
Herzstück der neuen Anlage ist das vollautomatische Hochregallager mit mehr als 13.000 Stellplätzen. Jede der zehn Gassen des Lagers ist rund 120 Meter lang. Die Regalbediengeräte „Viapal“ bestücken die Regale, übergroße Ladungsträger lagern und transportieren die unterschiedlichen Artikel. Viastore hat diese in zwei Versionen speziell für Velux entwickelt: Die kleineren Paletten sind rund doppelt so groß wie eine Europalette, die großen Ladungsträger entsprechen etwa dem Dreifachen. „Mit diesen beiden Plattformen ist Velux in der Lage, alle Produkte umzuschlagen“, erklärt Viviane Pülmanns, Projektleiterin bei Viastore. „Von kleinen Ersatzteilen bis hin zu großen Fenstern kann das Unternehmen so alle Waren im Hochregal lagern und auf derselben Fördertechnik transportieren.“
Übergroße Rollen- und Kettenförderer sowie eine Elektrobodenbahn transportieren die Paletten zum Hochregallager und zu den drei Kommissionierbereichen. Die Bahn verbindet vier Gebäude und bewegt die Artikel mithilfe von 23 Fahrzeugen bei einer Geschwindigkeit von bis zu zwei Metern pro Sekunde. „Wir hatten zunächst Fahrerlose Transportsysteme in Betracht gezogen, doch die Umsetzung erwies sich als schwierig“, berichtet Tom Jørgensen. „Schließlich haben wir uns entschieden, einen durchgängigen Materialfluss zu planen und etwas größer zu denken.“
Systematisch: Warenausgang und Auftragsfreigabe
Der Warenausgang gliedert sich in drei Bereiche: Im ersten bringen die Mitarbeitenden Paletten mit Jalousien und Zubehör zu einer manuellen Kommissionierzone. Pick-by-Light-Anzeigen unterstützen sie bei der korrekten Kommissionierung – auch an der zweiten Station. Hier geht es darum, Ersatzteile manuell zusammenzustellen. Im dritten Bereich sind zwei Roboter für schwere Fenster und Rahmen zuständig. Eine Elektrohängebahn (Monorail) versorgt sie mit Waren aus dem Hochregallager. Jeder Roboter übernimmt Artikel aus sechs verschiedenen Quellpaletten und kann bis zu sechs Aufträge parallel kommissionieren. Zusätzlich werden übergroße Sendungen neben dem automatischen Lager manuell bearbeitet.
„Um eine möglichst hohe Effizienz des Systems zu erreichen und auch die Packreihenfolge für jeden Auftrag einhalten zu können, lösen wir diese in Wellen aus“, erläutert Lars Langgaard, Logistics Consultant bei Velux. Dafür sammeln die Beschäftigten die Aufträge automatisch in mehreren Schüben – abhängig vom Inhalt. Sie gruppieren die Produkte entsprechend dem jeweiligen Markt, für den sie bestimmt sind. Das System berücksichtigt alle Eigenschaften der einzelnen Artikel innerhalb eines Auftrags, beispielsweise platziert es große und schwere Produkte immer unten auf der Versandpalette. „Wir geben eine große Welle frei, dann beginnt die Kommissionierung: Die Regalbediengeräte holen die entsprechenden Paletten aus dem Hochregal, die Monorail füttert die beiden Roboter damit“, erklärt Langgaard. Auf diese Weise kann jeder Roboter durchschnittlich 100 Picks pro Stunde durchführen.
Mit dem „SAP Fiori Launchpad“ als zentrale Übersicht haben die Fachkräfte alle Funktionen und Aufgaben fortwährend im Blick und springen von dort in die jeweiligen Dialoge – vom Wareneingang über die Kommissionierung bis hin zum Warenausgang.
Durch das „Embedded Insights Bundle“ von Prismat übernimmt das „SAP Fiori Launchpad“ gleichzeitig die Funktion eines Dashboards für KPIs (Key Performance Indicators): Diese KPI-Übersicht wird dank der responsiven Darstellung des Launchpads sowohl auf Smartphones als auch auf großen Bildschirmen innerhalb des Lagers als Performance-Anzeige eingesetzt. Vom Überblick der Echtzeit-Kennzahlen und -Diagramme innerhalb der „Fiori“-Kacheln wechseln die Beschäftigten an den Arbeitsplätzen bei Bedarf auf Detailseiten zu den Kennzahlen oder auch hier direkt zur passenden „Fiori“-Anwendung.
Palettenbewegungen: gut organisiert und visualisiert
In der manuellen Kommissionierzone sammeln die Mitarbeitenden die Aufträge von verschiedenen Paletten. SAP EWM führt die Fachkraft durch den gesamten Prozess und zeigt auf einem Monitor an, welches Produkt sie in welcher Menge entnehmen muss. Das System gibt auch vor, wo sie die Artikel im angeschlossenen Kommissionierregal platzieren soll. „Pro Kommissionierstation haben wir 170 Fächer im Regal“, erklärt Tom Jørgensen. „Der richtige Platz wird durch eine Leuchtanzeige markiert. So können wir bis zu 6.500 Teile pro Tag kommissionieren.“
Auf der Entnahmeseite des Kommissionierregals erfolgt die Zuordnung der Aufträge zu den drei unterschiedlichen Warenströmen: Im ersten Strang kommen die verschiedenen Artikelgruppen – Fenster, Zubehör und Ersatzteile – zusammen, der zweite besteht aus einzelnen Teilen für definierte Endkunden. Mehrfachaufträge aus verschiedenen Artikeln mit mehreren Stückzahlen werden im dritten Strom kombiniert. „Diese Warenströme können wiederum auf verschiedene Verpackungsbereiche aufgeteilt werden“, sagt Jørgensen. „Dabei zeigt uns SAP das richtige Verpackungsmaterial an.“ Die Visualisierungslösung „Viavision“ von Viastore stellt alle physischen Palettenbewegungen in Echtzeit dar. Das beginnt im Hochregallager mit den fahrenden Regalbediengeräten, umfasst die Elektrohängebahn und die Fördertechnik. Welche Systeme belegt oder leer sind, sehen die Mitarbeitenden ebenfalls. „Der Kunde erkennt Systemwarnungen schnell und kann diese für eine spätere Analyse speichern“, berichtet Viviane Pülmanns. „Es ist auch möglich, sich von außerhalb einzuloggen, um beispielsweise Fernwartung bis hinunter zu allen Subsystemen zu leisten“.
Fazit: Viel gelernt
Das Velux-Management ist sehr zufrieden, und auch Lagerleiter Tom Jørgensen schwärmt: „Das SAP-EWM-System bietet uns einige Möglichkeiten, die wir vorher nicht hatten. Zum Beispiel können wir Echtzeitdaten in viel größerem Umfang visualisieren.“ Doch nicht nur die Technologie hat Velux überzeugt, auch das Engagement der Experten von Viastore und Prismat, die persönlichen Treffen und die offenen Diskussionen über verschiedene Lösungsmöglichkeiten empfindet Jørgensen als sehr positiv: „Wir haben bei dem Projekt viel gelernt und Partner gefunden, die uns bei der Entwicklung unterstützen und uns gezeigt haben, wie wir mit allen Warenströmen in ein und demselben Lager arbeiten können.“ (ck)
Eine Information von Viastore


Pick-by-Light-Anzeigen unterstützen die Beschäftigten bei der korrekten Kommissionierung. Bild: Viastore


In der manuellen Kommissionierzone führt SAP EWM die Fachkraft durch den gesamten Prozess und zeigt auf einem Monitor an, welches Produkt sie in welcher Menge entnehmen muss. Bild: Viastore


Im Warenausgang bringen die Mitarbeitenden Paletten mit Zubehör zu einer manuellen Kommissionierzone. Bild: Viastore
» Unsere Partner Viastore und Prismat haben uns gezeigt, wie wir mit allen Warenströmen in ein und demselben Lager arbeiten können.
» Mit Viastore verbindet uns eine langjährige Partnerschaft. So können wir das gesamte Projekt gemeinsam planen – das vermeidet unliebsame Überraschungen.
Redaktion (allg.)
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