Mit Sicherheit perfekt angebunden

Modular aufgebautes FTS für mehr Flexibilität im Warenfluss

Die Automatisierung logistischer Prozesse ist und bleibt für Unternehmen und ihre Intralogistik ein Wettbewerbsfaktor. Fahrerlose Transportsysteme (FTS), kombiniert mit automatisierten Lagerlösungen und stationärer Fördertechnik, tragen zur Steigerung der Effizienz bei und bieten den einfachen und ressourceneffizienten Einstieg in die digitale Transformation.

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Das FTS „Karis“ ist modular aufgebaut und kommt überall dort zum Einsatz, wo verschiedene Logistikaufgaben flexibel und wandlungsfähig verbunden werden sollen: vom Wareneingang über das Lager und die Produktion bis hin zum Warenausgang. Bild: Gebhardt
Das FTS „Karis“ ist modular aufgebaut und kommt überall dort zum Einsatz, wo verschiedene Logistikaufgaben flexibel und wandlungsfähig verbunden werden sollen: vom Wareneingang über das Lager und die Produktion bis hin zum Warenausgang. Bild: Gebhardt

Mit dem Einsatz von FTS liegt der Fokus im Wesentlichen auf den Zielgrößen gesteigerte Flexibilität, Anpassungsfähigkeit, erzielbare Logistikleistung und Verfügbarkeit der Systeme. Neben diesen Merkmalen sind die Reduzierung kostenintensiver gebundener Produktions- und Logistikflächen sowie die Schaffung zusätzlicher Verkehrswege durch Mehrfachnutzung, ohne die Grundfläche zu erhöhen weitere Optimierungsmaßnahmen. Verschwendungen nach LEAN-Prinzipien reduziert der Einsatz von FTS auf ein Minimum.

Das FTS „Karis“ von Gebhardt ergänzt den Lösungsraum stationärer Fördersystemen für Lager und Produktion, bricht starre Logistikketten auf und bringt die erforderliche Flexibilität in den Warenfluss. Damit legt das FTS laut Gebhardt die Grundlagen für moderne und effiziente Materialflüsse in volatilen Zeiten von Industrie 4.0, Pandemien und Rohstoffknappheit.

Skalierbar und leistungsfähig

Das FTS „Karis“ ist modular aufgebaut und auf die Anforderungen des innerbetrieblichen Materialflusses abgestimmt. Es kommt überall dort zum Einsatz, wo verschiedene Logistikaufgaben flexibel und wandlungsfähig verbunden werden sollen: vom Wareneingang über das Lager und die Produktion bis hin zum Warenausgang. Dabei deckt das System die komplette Bandbreite von den einfachen Punkt-zu-Punkt Transporten bis hin zu komplexen und verketteten Transporten mit einer 1:n-Beziehungsmatrix ab. Mit seinen drei Bauformen ist es für den flexiblen Transport von Behältern, Kartonagen und anderen Ladungsträgern bis zu 1.500 Kilogramm geeignet. Mit Abmessungen von 575 x 700 Millimetern für die kleinste und 900 x 1.300 Millimetern für die größte Bauform ist es ein autonomes Transportfahrzeug mit einer maximalen Geschwindigkeit von 1,8 Metern pro Sekunde und einem maximalen Hub der Ladeebene von bis zu 250 Millimetern. Als Lasthandling dient wahlweise eine feste Trägerplatte (passiv) oder ein angetriebenes Lastaufnahmemittel (LAM), wie zum Beispiel ein Rollenförderer (aktiv).

Neben den drei Bauformen lassen sich Gebhardt zufolge auch anwendungsspezifische Lösungen und Sonderladungsträger unkompliziert realisieren. Denn die größte Varianz entstehe in der Schnittstelle zum Ladegut bzw. zum Transportmittel, was sich im Baukasten der verschiedenen Lastaufnahmemittel (LAM) widerspiegele. Ob ein aktives oder passives LAM die bessere Wahl für die Applikation ist, stelle keine zusätzliche Herausforderung für das System dar, da beides im Standardbaukasten verfügbar sei und zusammen mit der Modularität und Fertigungstiefe die Grundlage für eine einfache und kosteneffiziente anwendungsspezifische Konfiguration bilde.

Das Funktionsspektrum von „Karis“ umfasst die autonome, bedarfsgesteuerte Aufgaben- und Auftragsverteilung sowie eine dezentral gesteuerte, infrastrukturunabhängige Materialversorgung innerhalb der Logistik oder an der Montagelinie.

Sicher und effizient

Für ein möglichst effizientes Verkehrsmanagement kommuniziert das FTS über WLAN sowohl mit anderen Fahrzeugen als auch anderen Teilnehmern und organisiert sich im Schwarm. Dies ist vergleichbar mit Navigationssystemen, die Informationen aus vielen Quellen nutzen, um die schnellste und zuverlässigste Route auszuwählen. „Karis“ ist ein in sich eigensicheres System. Sowohl die Orientierung im Raum als auch diverse Sicherheitsmaßnahmen wickeln Laserscanner in Verbindung mit einer Sicherheitssteuerung und einem IPC ab. Mittels zwei diagonal versetzter Sensoren erreicht das Fahrzeug einen 360-Grad-Rundumblick. Sie sind essenziell und dienen der eigentlichen Lokalisierung im Raum sowie der Vermeidung von Zusammenstößen mit Hindernissen und Personen. Gleichzeitig bilden sie die Grundlage des Sicherheitskonzepts. In einem dynamischen Umfeld passen die Fahrzeuge ihre Schutzfelder geschwindigkeitsabhängig an. Hindernisse umfährt das FTS großräumig, was einen reibungslosen Materialfluss gewährleistet. Bei Verletzung des Schutzfelds stoppt das FTS unverzüglich und startet erst wieder bei freiem Schutzfeld. Dies gewährleistet eine sichere Mensch-Maschinen-Kollaboration ohne Kollisionsgefahr.

Individuell kombinierbare und dem Anwendungsfall angepasste Softwaremodule aus den Rubriken Traffic-Management zur punktindividuellen Verkehrsregelung und dem Energiemanagement zur Steuerung des Energieverbrauchs, stellen Effizienz und Verfügbarkeit des Flottenverbandes sicher. Auf dieser Basis und für ein Höchstmaß an Abarbeitungseffizienz interagiert das Order-Management-Modul mit diversen Logistikstrategien zur Abarbeitung der anstehenden Transportaufträge. Und dass bauformunabhängig sowie systemübergreifend. (ck)

Redaktion (allg.)

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Seite 25
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