Flexibel, platzsparend, skalierbar

Wie viel Potenzial steckt in der Kombination aus FTS und End-of-Line-Lösungen?

Die Ansprüche von Endverbrauchern an Produkte und Unternehmen ändern sich heute immer schneller. Gerade im E-Commerce kann das Verhalten der Konsumenten von einer Minute auf die andere wechseln. Um am Markt bestehen zu können, müssen Unternehmen in der Lage sein, schnellstmöglich auf diese veränderten Bedarfe zu reagieren. Dabei reicht es nicht, nur bei der Produktentwicklung auf Flexibilität zu setzen: Die gesamte Produktionslinie mit all ihren Prozessen muss im Bedarfsfall schnell und mit geringem Aufwand anpassbar sein.

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Das Anwendungsbeispiel verbindet die zwei Mosca-Maschinen „Evolution Sonixs MS-6 H“ und KZV-321 mit dem Fahrerlosen Transportsystem „Karis“ von Gebhardt. Bild: Mosca
Das Anwendungsbeispiel verbindet die zwei Mosca-Maschinen „Evolution Sonixs MS-6 H“ und KZV-321 mit dem Fahrerlosen Transportsystem „Karis“ von Gebhardt. Bild: Mosca

Unterschiedliche Produkte benötigen unterschiedliche Arten der Transportsicherung. Wo einzelne, leichte Produkte wie T-Shirts lediglich in Tüten verpackt und versandt werden, müssen Pakete mit schwereren Waren durch Umreifung gesichert werden. Kommissionierte Ladungen hingegen, bei denen Produkte oder Packstücke verschiedener Größen auf Paletten gestapelt werden, erhalten die nötige Stabilität erst durch Stretchwickeln und zusätzliche Umreifung.

Mehr Flexibilität für mehr Leistung

Moderne Fördermittel wie Fahrerlose Transportsysteme (FTS) bieten die dafür nötige Flexibilität am Ende der Linie: Sie sind platzsparend, skalierbar und anpassungsfähig. Möchte ein Unternehmen beispielsweise seinen Durchsatz steigern, muss es nicht gleich eine komplett neue Produktionslinie aufbauen, sondern lediglich die Anzahl der FTS erhöhen.

Im Gegensatz zu stationärer Fördertechnik bieten FTS einen weiteren Vorteil: Werden einzelne Maschinen flexibel angefahren, so können diese entsprechend ihrer maximalen Kapazität arbeiten – ohne sich an vorgelagerte, langsamere Maschinen anpassen zu müssen. In einer solchen Insellösung kommt jedes Produkt nur zu der Maschine, von der es für den Transport gesichert wird. Besonders für Umreifungsmaschinen bietet sich diese Lösung an, erklärt Johannes Wieder, Sales Manager Logistics bei Mosca: „Umreifungsmaschinen haben oftmals einen höheren Durchlauf als vorgeschaltete Maschinen und könnten problemlos die Produkte mehrerer Linien umreifen. Ihre volle Leistung entfalten Hochleistungsmaschinen in solchen Fällen daher erst in flexiblen Linien, die zum Beispiel auf FTS setzen.“

Anwendungsbeispiel mit Potenzial

Wie eine solche Kombination aus FTS und Umreifungsmaschinen aussehen kann, zeigen Mosca und Fördertechnik-Experte Gebhardt Intralogistics in einer gemeinsamen Anwendung. Zum Einsatz kommen hier neben dem Fahrerlosen Transportsystem „Karis“ von Gebhardt beispielhaft Moscas „Evolution Sonixs MS-6 H“ mit vertikalem Kantenschutz sowie die Palettenumreifungsmaschine KZV-321. Die Fahrerlosen Transportfahrzeuge des „Karis“-Systems holen die Produkte ab und bringen sie zu einer Mosca-Maschine. Diese sichert das Produkt für den Weitertransport – ob durch Umreifung, Banderolierung oder Stretchwicklung. Das FTS nimmt das gesicherte Produkt wieder entgegen und bringt es zur nächsten Station. Dabei läuft jedes Produkt entsprechend seiner Anforderungen eine eigene Route: Instabile Produktstapel – etwa bei kommissionierten Ladungen – können so erst umwickelt und dann umreift werden, während einzelne Kartons nur eine einfache Umreifung benötigen.

Dadurch können in der Anwendung mehrere Produktionslinien innerhalb einer Halle, aber auch hallenübergreifend zusammengeführt werden. „Um Umreifungsmaschinen als einen Sammelpunkt für Warenflüsse einzusetzen, braucht es nicht unbedingt FTS“, so Schlichting. „Aber mit stationärer Fördertechnik mehrere Linien aus unterschiedlichen Hallen zu konsolidieren, ist deutlich schwieriger und aufwendiger.“ Für FTS hingegen seien auch lange und komplizierte Wege kein Problem. Im Gegenteil: Gerade auf langen, variablen Strecken sparen sie Zeit, da sie auf freien Strecken ihre Maximalgeschwindigkeit erreichen – bei „Karis“ etwa 1,2 Meter pro Sekunde. Die Navigation durch die verschiedenen Hallen erfolgt dabei ohne Leitliniensystem, Reflektoren oder Induktionsschleifen: Vor dem ersten Einsatz werden die Fahrzeuge manuell durch die Halle gesteuert, um eine digitale Karte zu erstellen. Anschließend werden Verkehrsregelungen im Hallenlayout festgelegt. Im Arbeitsalltag nutzen die Fahrzeuge Sensorik und Schwarmintelligenz, um Mitarbeitern und anderen Flottenmitgliedern auszuweichen und immer die effizienteste Route für jedes Produkt zu berechnen.

Testläufe für Kunden

Aktuell können Mosca-Kunden vor Ort im Showroom von Mosca Testläufe mit eigenen Produkten fahren. Während das aktuelle Anwendungsbeispiel von Mosca und Gebhardt nur zwei Maschinen und ein Fahrerloses Transportfahrzeug beinhaltet, kann die Anzahl der FTS flexibel erweitert werden, statt eine ganz neue Linie aufzubauen. Auch weitere Maschinen können mit den Fahrzeugen nachträglich in bestehende Linien eingebunden werden. (ck)

Redaktion (allg.)

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Flexibel, platzsparend, skalierbar
Seite 31
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