Eine runde Sache

Recycling für reife Reifen – Zurück in den Wertstoffkreislauf mit Big Boxen

Als erster Fahrradreifenhersteller weltweit kümmert sich das Unternehmen Schwalbe um Rückführung und Recycling von gebrauchten Fahrradreifen aller Marken. Perfekt verpackt und sicher transportiert werden die ausgedienten Reifen in klappbaren Großladungsträgern „Made in Germany“ von Auer Packaging.

1105
Das Unternehmen Schwalbe verlängert das Leben von Fahrradreifen durch ein modernes Wertschöpfungsmodell und etabliert 2022 ein neues Recyclingsystem. Bild: Schwalbe
Das Unternehmen Schwalbe verlängert das Leben von Fahrradreifen durch ein modernes Wertschöpfungsmodell und etabliert 2022 ein neues Recyclingsystem. Bild: Schwalbe

Seit 1973 ist das inhabergeführte Familienunternehmen, die Ralf Bohle GmbH, mit seiner renommierten Marke Schwalbe auf Entwicklung und Produktion von Fahrradreifen und Schläuchen spezialisiert. Das Thema Nachhaltigkeit ist vom ersten Produkt an in der Philosophie des Firmengründers und Reifenpioniers Ralf Bohle verankert - damals unter dem Begriff „Langlebigkeit“. Der Gedanke: Was lange hält, muss lange nicht ersetzt werden. Heute, rund 50 Jahre später, verlängert das Unternehmen mit Sitz in Reichshof bei Köln das Leben von Fahrradreifen durch ein modernes Wertschöpfungsmodell und etabliert 2022 ein richtungsweisendes Recyclingsystem: aus alten Reifen werden neue Schwalbe-Reifen - ganz ohne Abfall und mit 80 Prozent CO2-Einsparung.

Was steckt dahinter?

„Da steckt ganz viel Technik und Know-how dahinter“, erklärt Sebastian Bogdahn, der wissenschaftliche Leiter des Projekts. Er muss es wissen: Seit seiner Masterarbeit an der TU Köln forscht der Wirtschaftsingenieur für Schwalbe und hat durch seine Arbeit das Recyclingprojekt und eine große Forschungskooperation angestoßen. Vom Labormaßstab bis zur Marktreife sind knapp drei Jahre vergangen, der ursprüngliche Schwalbe Qualitätsgedanke zur Langlebigkeit von Fahrradreifen ist ein gutes Stück weitergedacht.

Der eigentliche Recyclingprozess, bei dem aus den Altreifen hochwertiges Gummigranulat für neue Schwalbe-Produkte gewonnen wird, geschieht nach dem Pyrolyseverfahren und wird umgesetzt von den Recyclingexperten der Pyrum Innovations AG. Für das neue Kreislaufsystem stellte sich aber neben technischen vor allem eine logistische Frage: „Wie kommen wir an das Inputmaterial? Wir müssen ja Fahrradreifen in großem Stil zunächst in ganz Deutschland einsammeln“, erinnert sich Bogdahn, der schon in der Frühphase eine große Recherche angestoßen hat, auf der Suche nach der perfekten Logistiklösung. Dabei musste das Rad nur für den Reifen neu erfunden werden: Ein Recyclingsystem für Fahrradschläuche hatte Schwalbe bereits 2015 etabliert. „Ein Fahrradschlauch besteht aus einer einzigen Kautschuksorte und erfordert keine aufwendige chemische Trennung. Außerdem senden die 8.000 Teilnehmer unseres Händlernetzwerks die Schläuche aus fünf europäischen Ländern unkompliziert per Paket an uns zurück. Die Sammlung von Altreifen ist logistisch deutlich anspruchsvoller“, weiß Bogdahn jetzt aus Erfahrung.

Sammelbehälter, Transportlösung und Lagerbox in einem

Wie kann man ausgediente Reifen optimal sammeln, transportieren, lagern und aufbewahren? „There is a Packaging Solution“, freut sich Robert Auer, Geschäftsführer von Auer Packaging in Amerang und zitiert damit den Claim seines Unternehmens. „Was gebraucht wird, sind robuste Behälter, die auch unter großer Belastung lange halten, ohne die Form zu verändern, konstant verfügbar bleiben und sich in leerem Zustand platzsparend aufbewahren lassen.“ Mit 200 Mitarbeitern arbeitet er in Oberbayern an immer neuen Ideen für Lager und Transport. Mit Anforderungen, wie sie sich gerade in Reichshof bei Schwalbe herauskristallisieren, kennt er sich bestens aus. Auer hat die Lösung in seinem branchenübergreifenden Produktportfolio, kann sogar Sonderwünsche umsetzen und Boxen individuell konfigurieren.

Der wissenschaftliche Ansatz von Sebastian Bogdahn wird das bestätigen. Für das ambitionierte Schwalbe-Forschungsprojekt werden 2021 unterschiedliche Optionen getestet. Von der Mülltonne, über Bigbags bis zum Versuch, ganz ohne Verpackung auszukommen und das Material lose auf einen Lkw zu laden, fallen diverse Transport- und Lagervarianten schon in der Testphase durch. Holz- und Metallbehälter scheiden wegen ihres Gewichts aus, und auch mit Kunststoffboxen kommt Bogdahn zunächst nicht weiter: „Sie waren entweder unhandlich oder instabil. Schon ein einzelner Reifen wiegt etwa ein halbes Kilo, und wir sammeln ja wirklich viele davon. Wegen der Eigenschaften des Gummis drückt das Material extrem nach außen. Die meisten Behälter, die wir uns angeschaut haben, verformten sich dadurch und kamen dadurch auch für unseren Logistikpartner Emons nicht in Frage.

Wir haben also nach einem Behälter gesucht, der die Ladegeometrie gewährleistet. Das bedeutet: Ein Lademeter auf der Standfläche darf sich nach oben hin seitlich nicht ausbeulen. Das war das k.o.-Kriterium für die meisten Kunststoffbehälter.“

Klappbare Riesen für Lagerung und Transport

Was macht den idealen Sammel-, Transport- und Lagerbehälter also aus? Bogdahn und sein Team erarbeiteten einen vierseitigen Kriterienkatalog, der alle Erkenntnisse aus der eigenen Feldforschung in Sachen Logistikbehälter zusammenfasste. Ganz oben auf der Liste: Robustheit und Formbeständigkeit – Stichwort Langlebigkeit. Dicht gefolgt von Wetterbeständigkeit, denn man hatte keinen Einfluss auf den Ort der Aufstellung der Sammelbehälter bei den Händlern. Aus demselben Grund musste ein Deckel her. „Ein weiterer wichtiger Punkt: Es handelt es sich ja bei unserem Projekt um ein Tauschsystem, das heißt, die Behälter sind nur auf dem Weg vom Händler zu uns befüllt, in die andere Richtung reisen sie leer. Und Leervolumen zu lagern und zu transportieren, ist der Alptraum jedes Logistikers. Wir brauchten also einen Behälter, den man stapeln und idealerweise im Leerzustand auch noch zusammenklappen kann. Ganz schön viele Ansprüche an eine Box“, fasst Bogdahn zusammen. „Am Ende habe ich alle erarbeiteten Kriterien in eine Suchmaschine eingegeben.“

Die spuckte einen einzigen Herstellernamen aus: Auer Packaging. „Mir hat der Auftritt des Unternehmens gefallen, auch, dass Auer ausschließlich in Deutschland produziert, passt perfekt. Gerade, wenn es um Nachhaltigkeit geht.“ Der klappbare Großladungsträger GLT 1210/125 mit Auflagedeckel des oberbayerischen Spezialisten für Lager- und Transportverpackungen aus Kunststoff macht das Rennen. 500 Boxen starten 2021 in die Pilotphase. Dabei werden sogar noch Sonderwünsche umgesetzt: Zusätzliche Bohrungen im Behälterboden werden als Regenwasserablauf von Auer vorsorglich angebracht, falls der Deckel an der Sammelstelle doch mal nicht geschlossen wird.

Außerdem: Statt der Standardfarbe grau, lässt Schwalbe die Behälter in schwarz aus Regenerat fertigen und mit dem eigenen Logo individualisieren.

Heute sind 2.000 Auer-Boxen als elementarer Bestandteil des neu geschaffenen Logistik-Kreislaufs des Schwalbe Recyclingsystems im Einsatz. Und Sebastian Bogdahn? Er sitzt an seiner Doktorarbeit. „Das Projekt hat noch viel Potential“, findet er. (ck)

In Kürze

Der klappbare GLT Großladungsträger

 

Der klappbare Großladungsträger von Auer Packaging gehört zur Produktgruppe der Palettenbehälter und lässt sich bei Nichtgebrauch oder Rücktransport platzsparend auf eine Höhe von etwa 43 Zentimetern zusammenklappen und ist stapelbar. Optional kann der Behälter mit einem Deckel und weiterem Zubehör ausgestattet werden. Der Behälter ist neben der Standardfarbe Grau auch in jeder beliebigen Sonderfarbe ab einem Stück bei Auer Packaging bestellbar und kann auf Wunsch mit einem Logo individualisiert werden.

Redaktion (allg.)

AnhangGröße
Beitrag als PDF herunterladen1.58 MB

· Artikel im Heft ·

Eine runde Sache
Seite 38 bis 39
01.02.2021
Modernes Multi-Order-Picking für Paletten spart Zeit und Wege
Die Messingschlager GmbH & Co. KG betreibt Europas größtes Lager für Fahrradteile. Das Unternehmen erweiterte sein automatisches Hochregallager um einen Neubau, investierte in smarte Multi-Order...
24.02.2020
Seilzüge transportieren knapp 30.000 Kilogramm schwere Siebtrommeln sicher und effizient
Machinex ist weltweit führender Hersteller, Entwickler und Installateur von Anlagen zur Materialrückgewinnung mit Hauptsitz in Québec, Kanada. Im umfassenden Sortiment an hochwertigen Recyclinggeräten...
29.10.2020
Maßgeschneiderte Dieselstapler überzeugen im Gießereieinsatz
Bei Hydro Precision Tubing im belgischen Lichtervelde wurde erneut unter Beweis gestellt, dass „Built-to-last“ kein leeres Versprechen ist. Der Einsatz in der Gießerei verlangt von zwei Dieselstaplern...
19.08.2022
Über 20 Jahre alte Regalbediengeräte von MIAS auf den neuesten Stand gebracht
Regalbediengeräte zu modernisieren, birgt nicht selten Überraschungen abseits der Routine. Wenn dann noch ein extremes Hochwasser sämtliche Konstruktionspläne und Bedienanleitungen vernichtet hat...
20.10.2022
Automation für morgen – ressourceneffizient und nachhaltig
Die Automatisierung ist Segen und Fluch zugleich: Sie sichert die Wettbewerbsfähigkeit und entspannt personelle Engpässe. Der zunehmende Einsatz von Robotern steigert jedoch auch den Energiebedarf und...
05.01.2021
Aus der Katastrophe zu mehr Flexibilität und Effizienz
2014 sah sich die Reisser AG mit Hauptsitz in Böblingen, renommierter Fachhändler für Badausstattung, Installations- und Heiztechnik mit fast 150-jähriger Firmengeschichte und 1.800 Mitarbeitern an 52...