Ein optimales Konzept

Fit für die Zukunft mit neuen Horizontal-Kommissionierern

Durch das stetig zunehmende Onlinegeschäft beim Schweizer Einzelhändler Migros wurde der Ausbau und die Reorganisation der Logistik dringend notwendig. Bei der Migros Verteilbetrieb AG (MVB) automatisierten die Eidgenossen daher im Erweiterungsbau den gesamten Non-Food-Bereich des manuellen Logistikbetriebs. Auf der Grundlage des Omni-Channel-Managements von Filialgeschäft und E-Commerce wurde ein optimales Lagerkonzept für das gesamte Distributionszentrum entwickelt. Die nicht automatisierbaren Artikel werden hierbei mit effizienten Pick-by-Voice-Lagersystemen und autonomen Fahrzeugen von Still ergonomisch, schnell und wirtschaftlich kommissioniert.

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Mit dem autonomen Fahrzeug von Still wurden Laufwege mit Last deutlich reduziert und bis zu 75 Prozent des Auf- und Absteigens beim Kommissionieren eingespart. Bild: Gerd Knehr
Mit dem autonomen Fahrzeug von Still wurden Laufwege mit Last deutlich reduziert und bis zu 75 Prozent des Auf- und Absteigens beim Kommissionieren eingespart. Bild: Gerd Knehr

Als größter Logistikbetrieb des Schweizer Einzelhändlers beliefert die MVB circa 900 Migros-Supermärkte. Online-Bestellungen von Produkten, Ersatzteilen oder Zubehör, wie zum Beispiel zum Micasa-Möbel Sortiment, werden vom MVB Home Service an die gewünschten Adressen geliefert. Mit dem Ausbau und der Reorganisation der gesamten Logistikplattform werden in der MVB etwa 105.000 Artikel der Bereiche: Near/Non Food, Tiefkühl-Logistik und Textil schneller und effizienter gemanagt. Etwa 200 Millionen Transport Units werden so jährlich ausgeliefert. Zur Lagerhaltung des immensen Sortiments dienen rund 266.000 Paletten-Stellplätze in den Hochregallagern mit sechs verschiedenen Temperaturzonen: von -26 Grad Celsius bis 25 Grad Celsius. Darüber hinaus werden in der Mehrwertlogistik Multipacks, Displays sowie Geschenkkörbe zusammengestellt, etikettiert, verpackt, um- oder zwischenlagert und innovative Lösungen entwickelt.

Effektiv Kommissionieren mit Pick-by-Voice

Im manuellen Kommissionierlager werden diejenigen Artikel konfektioniert, kommissioniert und verteilt, die nicht automatisiert zu einer Sendung zusammengestellt werden können. Dies sind vor allem sperrige, komprimierbare und empfindliche Artikel aus Bereichen wie Spielwaren, Gartenzubehör, Elektronik, Waschmittel oder WC-Papier.

Aufträge erhält der Kommissionierer/die Kommissioniererin durch eine automatisch generierte Computerstimme auf das Pick-by-Voice-System. Per Spracheingabe befördert ein Regalbediengerät und Rollenförderer das Lagergut flugs zum Pickplatz. Die Ausführung quittiert die Person abermals mit ihrer Stimme. Da beide Arme frei sind, kann man schneller und effizienter die Aufträge abarbeiten. Manfred Walther, Leiter Operations: „Mit dem Pick-by-Voice-Lagersystem und den autonomen Fahrzeugen von Still stehen uns bereits heute modernste Technologien zur Verfügung, die auch für die Herausforderungen in naher Zukunft nützlich sein werden.“

Horizontal-Kommissionierer optimal zum Picken

Der „OPX iGo neo“ ist ein Fahrzeug, das den Mitarbeitenden während der Kommissionierung im Gang autonom folgt. Mittels der intuitiven Fernbedienung kann die optimale Position des Fahrzeugs zur Pick-Position eingestellt werden, das heißt, am Anfang, Mitte oder Ende der Paletten auf dem Fahrzeug. Dank des Assistenz-Betriebs stoppt der „OPX iGo neo“ an der optimalen Pick-Position. Das Fahrzeug von Still ist immer ideal zur bedienenden Person positioniert. Sie kann sich so ganz und gar auf die Arbeit konzentrieren und komfortabel die Schichtung der gepickten Artikel auf den Paletten vornehmen.

Der Fahrzeug-Abstand zum Regal kann durch die Mitarbeitenden individuell eingestellt werden. Dank den Anpassungen an spezifische Bedienervorlieben findet damit ein individuelles Kommissionieren statt. Kolonnen-Fahrten sind selbst bei dichtem Verkehr möglich. Jederzeit und ohne Verzögerungen können die Mitarbeitenden zwischen autonomen Assistenz-Betrieb und manuellen Betrieb wechseln. Der Wechsel in den manuellen Betrieb erfolgt hierbei automatisch mit dem Aufsteigen auf die Fahrerstandplattform.

Mehr Sicherheit im Lager

Sicherheits-Laserscanner zur Kollisionsvermeidung im autonomen Assistenz-Betrieb sowie im manuellen Betrieb sorgen für mehr Sicherheit in der Lagerumgebung. Durch das intelligente Zusammenspiel von Mensch und Maschine werden Unfälle und Gewaltschäden vermieden. Im Assistenz-Betrieb umfährt der OPX unkritische Hindernisse eigenständig und hält sanft vor kritischen Hindernissen. Christian Russo, MVB Mitarbeiter der Kommissionierung hebt hervor: „Bemerkenswert ist auch die LED-Signaleinheit des OPX. Diese zeigt allen Bedienenden, ob die OPX im autonomen Assistenzbetrieb operieren oder manuell gesteuert werden. Des Weiteren kann anhand der Bewegung der Laser-Leuchtpunkte sofort erkannt werden, welche Regalausrichtung vorliegt – linke Seite, Mitte oder rechte Seite. So ist deutlich zu erkennen, wie sich das autonome Fahrzeug gerade orientiert.“

Eine Innovation ist die Z-Kommissionierung, das heißt das wechselseitige Picken von Artikeln im Regalgang. Entweder per Fernbedienung oder mit der Assistenztaste auf der jeweiligen Fahrzeugseite kann der OPX autonom die Regalseite wechseln. Nach dem Seitenwechsel orientiert sich das Fahrzeug an der Regalkontur der ausgewählten Seite.

Verbesserte Bewegungsverfolgung durch Hybrid-Tracking

Im autonomen Assistenzeinsatz hat sich dank des Hybrid Tracking Systems die Erkennung des Bedieners/der Bedienerin deutlich verbessert. Mit der Kombination der beiden Bewegungsverfolgungs-Sensoren, einerseits per Laser am Fahrzeug und andererseits per Funk an der Fernbedienung, verfolgt der OPX die Position der Mitarbeitenden eineindeutig. Das Fahrzeug reagiert also auf seinen Bediener/seine Bedienerin und auf seine Umgebung zuverlässig. Der Einsatz des OPX ist so auch bei starkem Verkehr im Regalgang zuverlässig und sicher.

Rolf Urech, Leiter Projekte/FFZ: „Der ‚OPX iGo neo‘ ist von all den Fahrzeugen auf dem Markt, die wir getestet haben, am weitesten entwickelt. Die vielfältigen Möglichkeiten des autonomen Horizontal-Kommissionierers von Still haben uns überzeugt.“ Nach der umfangreichen Testphase wurden 27 Fahrzeuge angeschafft.

Durch das intelligente Erkennen und die situative Reaktion auf dynamische und statische Objekte als auch auf Personen werden Kraft und Energie eingespart. Laufwege mit Last wurden deutlich reduziert und bis zu 75 Prozent des Auf- und Absteigens beim Kommissionieren eingespart.

Fazit

Mittels des nahtlosen Übergangs vom autonomen Assistenzbetrieb zur manuellen Steuerung ist die Nutzung des „OPX iGo neo“ von Still überall dort sinnvoll, wo ein Mittelweg zwischen Vollautomatisierung und traditionellem Lager einschlagen wird. Implementierungsaufwand, wie das Programmieren von Fahrstrecken oder die Anpassung der Lagerumgebung sowie eine IT-Infrastruktur wie zum Beispiel ein WLAN-Netzwerk, sind nicht nötig. „Der OPX ist genau auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten. Infolge des Fahrerassistenzbetriebs haben sich vielfältige Möglichkeiten zur Erleichterung unseres täglichen Geschäfts ergeben. Mehr Produktivität und weniger Pickfehler sind unmittelbar die Folge“, hebt Manfred Walther hervor. Rolf Urech fügt an: „Mit Still hat sich eine gute Zusammenarbeit entwickelt, die wir sicher ausbauen werden und auch weiterempfehlen können.“

Gerd Knehr ist freier Fachjournalist in Reutlingen

Gerd Knehr
freier Fachjournalist
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· Artikel im Heft ·

Ein optimales Konzept
Seite 38 bis 39
13.09.2021
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