Eine neue Ära

Moderne Automatisierung und IT für den E-Commerce

Als eines der führenden Handelsunternehmen für Matratzen, Oberbetten, Kissen, Möbel, Einrichtungsgegenstände und Wohnaccessoires in Europa zählt die JYSK-Gruppe über 3.100 Fachgeschäfte mit 28.500 Beschäftigten in 50 Ländern. Dabei setzt das Unternehmen an mehreren Standorten auf das IT-Know-how von Körber und die zukunftssichere Systemlandschaft auf Basis des SAP EWM (Extended Warehouse Management). Auch die letzte Etappe im neuen Distributionscenter Bozhurishte nahe Sofia ist nun geschafft: der Einzug moderner IT und Systemtechnik im Umfeld E-Commerce.

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Das Kommissionierunglager für E-Commerce-Artikel. Bild: Körber
Das Kommissionierunglager für E-Commerce-Artikel. Bild: Körber

Seit Kurzem beliefert das von Körber in Betrieb genommene Distribution Center Bozhurishte (DCB) von Bulgarien aus nicht mehr nur die JYSK-Stores, sondern auch Onlinekunden. Bis September 2020 bedeutete eine Bestellung von Waren im Onlineshop von JYSK für die Länder Bulgarien, Griechenland, Serbien, Bosnien und Herzegowina sowie Rumänien, dass die Artikel im polnischen Radomsko kommissioniert und dann mit Speditionen versandt wurden. Bereits 2016 traf JYSK mit Körber zusammen, um die Zusammenarbeit zu Gunsten verbesserter Serviceleistungen für Kunden aus Bulgarien, Rumänien und dem Westbalkan anzustoßen.

Auf einer Gesamtgrundstücksfläche von 300.000 Quadratmetern begann daraufhin die Errichtung des neuen Logistikzentrums. 2018 ging es mit Software- und Automatisierungslösungen von Körber erstmals in Betrieb. Die Automatisierungskomponenten umfassen zwei Hochregallager mit 121.632 Palettenstellplätzen und eine erweiterbare Elektrobodenbahn, die den Transport von Paletten zwischen allen Betriebsbereichen ermöglicht. Nun folgten unlängst die erweiterten Funktionsbereiche für die Abwicklung des Onlinegeschäfts. Dadurch kann JYSK seinen Kunden vor allem einen wesentlich ökologischeren Service anbieten – und dies alles unterstützt und optimiert von Nachschub- und Kommissionierprozessen, die von Körber im SAP EWM des DCB gestaltet und nahtlos integriert wurden.

Die Herausforderung

Herausfordernd ist ein Projekt dieser Größenordnung allemal, doch im Jahr 2020 galt es, auch völlig neue Herausforderungen zu stemmen, die sich infolge der Corona-Pandemie ergaben. So wurden sämtliche Implementierungsmeilensteine ab März 2020 erstmals komplett remote abgehalten. Die Umstellung fiel beiden Projektteams nichtsdestotrotz sehr leicht und stellte keine sonderliche Hürde im Projektverlauf dar. So konnte die anvisierte Inbetriebnahme zum „Black Friday“ 2020 reibungslos vollzogen werden.

Dabei war es zu Beginn des Projektes nicht möglich, die erwartete Anzahl an Lieferungen für das Online-Geschäft zu beziffern. Mittlerweile weiß man mehr: von gerade einmal 100 Lieferungen pro Tag mit durchschnittlich 150 Picks zu Beginn, ist JYSK in der „Black Week“ auf über 1.500 Lieferungen pro Tag mit mehr als 3.500 Picks im Tagesschnitt gekommen. Am Montag nach dem „Black Friday“ verwiesen die Kommissionierer auf den Rekordwert von 5.663 Picks.

Die Lösung

Gelungen ist dies mithilfe von SAP EWM 9.4, welches nur sechs Monate nach Go-live auf das aktuelle Release 9.5 aktualisiert wurde. Die Softwarelösung bietet JYSK ein integriertes, hochflexibles Warehouse Management System zur effizienten Steuerung sämtlicher Warenbewegungen, über die Lieferzeiten innerhalb der Balkangegend signifikant reduziert wurden. Pro Jahr wird das Unternehmen rund 10 Millionen Transportkilometer einsparen – und das in Anbetracht der Tatsache, dass sich die Anzahl der Filialen in Bulgarien im letzten Jahr verdoppelt hat und weiteres Unternehmenswachstum erwartet wird.

Im Rahmen des Projekts brachte Körber umfassende Erfahrung bei der Implementierung von SAP EWM und SAP EWM MFS für das E-Commerce Umfeld ein. JYSK profitiert hierbei von einer dynamischen Warenverteilung im Kommissionierbereich, adäquaten Nachschubstrategien sowie Optimierungen bei der Transportabwicklung und der Ressourcenplanung, die von Körber in die flexible Systemarchitektur des SAP EWM integriert wurden.

Das Ergebnis

Ein Vorteil ist die nahtlose Integration der Belieferung von Online-Kunden zusammen mit den Store-Lieferungen. Gerade durch das extrem heterogene Produktspektrum – von der Christbaumkugel bis zum Esstisch, vom Handtuch zum Kleiderschrank oder vom Ersatzteil für ein Türscharnier zum Set von Gartenstühlen – werden eng verzahnte Nachschubstrategien sowie optimierte Kommissionierrundfahrten für die Stückkommissionierung (Piece Pick) unerlässlich.

Nennenswert sind auch eine Reihe technischer Spezifika des DCB. Die Belieferung von Artikeln in die Stores erfolgt normalerweise in ganzen Collies (zum Beispiel eine Packung Handtücher à zehn Stück), aber der Online-Kunde kann sich die Artikel auch einzeln bestellen. Dazu wurde ein eigener Lagerbereich eingerichtet, in dem für E-Commerce aus den Umkartons für mehrere Kunden gemeinsam herauskommissioniert wird. Diese lieferungsübergreifenden Pick-Touren werden von einem individuellen Algorithmus wegeoptimiert gebildet und den vorkonfigurierten Wagen passend zugeordnet.

„E-Commerce hat an Bedeutung gewonnen, und diese Entwicklung hat sich durch die weltweite Corona-Pandemie verstärkt. Deshalb müssen wir unsere Kunden schnell beliefern, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Das SAP-System und die Automatisierungskomponenten ermöglichen es uns, die Kundenerwartungen effizienter und effektiver trotz des zunehmenden Volumens zu erfüllen. Unsere fortlaufende Partnerschaft mit Körber und dessen vielfältiges Produktportfolio hat und wird uns auch in Zukunft die Flexibilität geben, unsere Fähigkeiten zu erweitern, um zukünftige Anforderungen erfüllen zu können“, erläutert Allan K. Kjærgaard, EVP Logistics bei JYSK.

Auch Flexibilität wird selbstverständlich großgeschrieben. Der Kunde kann eine große Bestellung per Spedition mit vielen Paketen erhalten, oder aber per Paketversand bedient werden. Auch eine kostenfreie Abholung der bestellten Artikel im Geschäft (OOPUS, Order Online and Pick Up in Store) ist möglich. Dazu muss der Konsolidierungsprozess wiederum mit dem filialbezogenen Nachschubprozess eng verzahnt sein. Gelungen ist dies dank einer integrativen Softwarelösung und dem jahrzehntelangen IT-Know-how des Körber-Teams.

Mit erfolgter Inbetriebnahme zum „Black Friday“ 2020 setzt sich die Zusammenarbeit in Form von Supportleistungen am Standort Bozhurishte fort. Parallel dazu sollen die auf das Multichannel-Geschäft ausgelegten IT-Features zeitnah auch für das neue Distributionszentrum Ecser, Ungarn, ausgerollt werden.

Eine Information von Körber

Redaktion (allg.)

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Eine neue Ära
Seite 16 bis 17
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