Dunkelstrahler temperieren Hallen

Konvektionsloser Betrieb ohne Staubaufwirbelung

Der zunehmende Internet-Handel treibt die Nachfrage nach Logistik-Hallen. In Ballungsgebieten fehlt es aber oft an verfügbaren Grundstücken und an Baukapazitäten. Eine Lösung sind kompakte City-Immobilien mit mehreren Geschossen. Für die Beheizung bieten sich vorgefertigte Gas-Dunkelstrahler an, die rasch installiert sind.

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Linearstrahler zwischen den Unterzügen eines Versandlagers mit vier Metern Deckenhöhe Bild: Vacurant
Linearstrahler zwischen den Unterzügen eines Versandlagers mit vier Metern Deckenhöhe Bild: Vacurant

Der wachsende Online-Handel im B2C-Bereich lässt die Lieferanten immer näher an die Verbraucher heranrücken. Same Day Delivery (SDD) heißt ein Trend, dem die City-Logistik mit regionalen Verteilzentren entgegenkommen will. Ein Hemmschuh für diese Entwicklung ist das geringe Flächenangebot: Vielen Kommunen ist die Versiegelung der Grundstücke ein Dorn im Auge. Vor allem an den Logistik-Hotspots fehlt es an Grundstücken für Erweiterungen. Ein möglicher Ausweg sind mehrgeschossige Lagerhallen, bei denen die Zugänge wie im Parkhaus über Rampen angefahren werden. Selbst unterirdische Läger werden angedacht. Was hat das alles mit der Heizungstechnik zu tun?

Nun, fast alle Logistikimmobilien werden als Modulbauten innerhalb weniger Monate von Generalunternehmen zum Fixpreis und Festtermin erstellt. Das bedeute kurze Taktzeiten für die am Bau beteiligten Gewerke. Die Heizungsindustrie kommt dieser Anforderung mit vorkonfektionierten Gas-Dunkelstrahlern entgegen. Sie kommen Just-in-time auf die Baustelle und sind rasch mit der Hebebühne installiert. Das trägt zur schnellen und termingenauen Baurealisierung bei.

Weil die Infrarotstrahler nicht die Luft temperieren, spielt die Abhängehöhe keine Rolle. Sie werden in bis zu 50 Meter hohen Hochregallagern über den Lagergassen platziert, ebenso in mehrgeschossigen Logistikimmobilien mit eigener Verkehrserschließung. Und die Lagerhallen werden immer höher. Auch in kleineren Objekten der urbanen Zustell-Logistik spielen Dunkelstrahler ihre Vorteile aus. Die Abhängehöhe sollte allerdings vier Meter nicht unterschreiten.

Gutes Thermomanagement

„Bei der Dunkelstrahlerheizung kommt die thermische Behaglichkeit für die Mitarbeiter nicht durch Lufterwärmung zustande“, erklärt Stephan Meinschäfer, Verkaufsleiter des westfälischen Strahler-Produzenten Vacurant in Bad Lippspringe. „Die Infrarotstrahlen wandeln sich vielmehr beim Auftreffen auf Boden, Wände, Einrichtungen und menschliche Körper in Wärme um. Und erhöhen deren Oberflächentemperaturen.“ Folglich lässt sich die Lufttemperatur in der Halle um zwei bis drei Kelvin senken. Daraus resultiert zum ersten ein Energie-Einspareffekt und zum zweiten die fehlende Staubaufwirbelung, weil es deutlich weniger Thermik gibt. Das vermindert die Infektionsgefahr durch Viren, die oft an Aerosolen und Feinstaubpartikeln haften. Zum dritten gibt es kein verlustreiches Wärmepolster unter dem Hallendach. Meinschäfer: „Die Wärme gelangt dorthin, wo sie benötigt wird – nämlich zu den Arbeitsplätzen. Und die befinden sich bekanntlich nicht im Dachbereich.“ Aufgrund dieser Vorteile entscheiden sich viele Bauherren – trotz hoher Gaspreise – für die Infrarotheizung.

Höhere Energieausbeute

Dunkelstrahler gibt es auch mit Brennwertnutzung. Dabei kondensiert ein Großteil des im Abgas enthaltenen Wasserdampfes und setzt bis zu neun Prozent zusätzliche Nutzwärme frei. Bei der herkömmlichen Technik entweicht die gesamte Abwärme durch den Schornstein.

Der Brennwerteffekt wird durch einen kondensatfesten Rohrbündel-Wärmetauscher aus Edelstahl erreicht. Im Gegenstrom werden die Abgase von der Hallenluft abgekühlt und der Wasserdampf zum Kondensieren gebracht. Durch die Nutzung der Verdampfungswärme geht diese positiv in die Wärmebilanz ein. Der feuerungstechnische Wirkungsgrad beträgt bis zu 105 Prozent.

Bei einer Gasfeuerung ist der Wassergehalt im Abgas und somit der Brennwerteffekt besonders hoch. Das Kondensat fließt in die Entwässerung; eine Neutralisation ist bis zu einer Heizleistung von 200 Kilowatt in der Regel nicht erforderlich. Für den Bauherrn betragen die Investitions-Mehrkosten 20 bis 30 Prozent. Das bedeutet ein Return of Investment binnen zwei bis drei Jahren.

Ein Objektfall

Der Frankfurter Logistik-Dienstleister Segro realisierte in Bischofsheim in der Nähe des Rhein/Main-Flughafens einen Logistikpark mit 48.000 Quadratmetern Nutzfläche. Die vier vermieteten Hallen erfüllen laut Bauherrn die neuesten Energie- und Designstandards. Es sind DGNB-zertifizierte Green Buildings. Zur Beheizung sind pro Halle vier gasbefeuerte Dunkelstrahler von Vacurant mit einer Heizleistung von 800 Kilowatt installiert. Die dezentral ausgeführte Anlage setzt sich aus 13 Meter langen Doppelrohrstrahlern zusammen. Meinschäfer zu dem Projekt in Bischofsheim: „Die Strahler ersparten dem Bauherrn die Installation einer Heizzentrale mit Kessel und Schornstein sowie das hydraulische Verteilnetz für das Heizungswasser.“

Für Logistikhallen wie in Frankfurt ist die dezentrale Anlagenvariante mit Einzelstrahlern vorteilhaft. Die Geräte lassen sich relativ einfach de- und remontieren, falls der Mieter wechselt und sich die Lagernutzung ändert. Oft genügt auch die Umprogrammierung. Das kommt in der Logistikwelt recht häufig vor.

Dezentral installierte Einzelstrahler machen durch Zu- und Abschalten die zeitnahe Anpassung der Heizung an den Bedarf möglich. Die Hallenmieter haben die Möglichkeit, die Anlage per PC zu steuern. Über serielle Schnittstellen ist ferner die Anbindung an eine Gebäudeleittechnik möglich.

Zu dieser Systemflexibilität kommt ein weiterer Vorteil: Wenn die Tore aufgehen, entweicht die Wärme nicht auf einen Schlag. Denn sie ist in der Bausubstanz gespeichert. „Das macht einen wichtigen Unterschied zur Konvektivheizung aus“ erklärt Vacurant-Sprecher Meinschäfer. Gleichwohl sind an den Nahtstellen von Halle und Lkw Wärmeverluste unvermeidbar. Um sie zu begrenzen, werden fallweise zusätzliche Strahler in den Torbereichen installiert. (ck)

In Kürze

Module für Logistikhallen

Logistikhallen sind reine Renditebauten, die auf maximale Funktionen ausgelegt sind und in der Regel vermietet werden. Generalunternehmen errichten sie meist schlüsselfertig zum Festpreis und zum Festtermin (Turnkey-Objekte). Die baulichen Anforderungen sind relativ einfach: Die Halle muss mindestens 5.000 Quadratmeter Fläche und acht Meter Höhe messen. Sie muss weitgehend stützenfrei sein, und es müssen genügend Tore vorhanden sein. Typische Logistikhallen sind in Systembauweise aus vorgefertigten Bauelementen ausgeführt. Es sind meist erweiterbare Leichtbauhallen mit knappen Zeitvorgaben für die Errichtung. Die Dunkelstrahler von Vacurant kommen dieser Forderung entgegen – aufgrund ihrer Modul-Technik und des relativ geringen Gewichtes. Die industrielle Vorfertigung gewährleistet auch bei eng getakteten Ablaufplänen zuverlässige Just-in-time-Lieferungen.

Redaktion (allg.)

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Dunkelstrahler temperieren Hallen
Seite 60 bis 61
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