„Das richtige Maß an Technik“

Ein Gespräch mit Gaétan Jetté über effektive Sicherheitslösungen an der Laderampe

GMR Safety ist ein führender Hersteller von Radsicherungssystemen für die Sicherheit an Verladestellen großer Unternehmen weltweit. Der Anspruch von GMR Safety ist es, mit seinen Powerchock-Systemen Kunden innovative, einfache und zuverlässige Sicherheitslösungen zu bieten und das nun auch verstärkt in Europa und Deutschland. Die Redaktion „Technische Logistik“ sprach per Videoschalte direkt mit dem Gründer und Unternehmensleiter Gaétan Jetté in Kanada über neue Produkte, die Pläne für Europa sowie dessen oberste Prioritäten.

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Das „Powerchock“-Radblockiersystem wird manuell vom Fahrer am Rad angelegt. Ein Radkeil mit gezahnter Unterfläche hakt sich in einer im Boden verankerten Rückhalteplatte mit gezahnter Oberfläche fest, sodass mit dem Fahrzeuggewicht eine nahezu unumstößliche Blockierung entsteht. Bild: GMR Safety
Das „Powerchock“-Radblockiersystem wird manuell vom Fahrer am Rad angelegt. Ein Radkeil mit gezahnter Unterfläche hakt sich in einer im Boden verankerten Rückhalteplatte mit gezahnter Oberfläche fest, sodass mit dem Fahrzeuggewicht eine nahezu unumstößliche Blockierung entsteht. Bild: GMR Safety

Christina Kasper: Herr Jetté, Sie entwickeln und produzieren mit GMR Safety seit 1996 Radrückhaltesysteme und beliefern über 30 Länder. Woher kommt das verstärkte Interesse an Europa?

Gaétan Jetté: Der Wunsch von GMR Safety, auch in Europa verstärkt Präsenz zu zeigen, begann bereits im Jahr 2014 Gestalt anzunehmen, als wir auf der Hannover Messe zu Gast waren. Dort waren mittlerweile eine beachtliche Anzahl an Unternehmen vertreten, die Systemlösungen anboten, um den Verladeprozess an der Rampe abzusichern und zu vereinfachen. Diesen Trend, hin zu immer sichereren Verladeprozessen, haben wir bereits damals verstärkt wahrgenommen.

Und dieser Trend besteht bis heute?

Ja, der Logistikbereich ist bis heute, auch und vor allem verstärkt durch die Corona-Pandemie, so stark gewachsen, dass sich aus meiner Sicht auch automatisch ein höherer Bedarf an Sicherheitssysteme für die Ver­la­dung an der Rampe ergibt. Die betroffenen Unternehmen arbeiten intensiv daran, sich in ihrer Effizienz und Effektivität zu steigern, um immer mehr Waren transportieren zu können. Zur Gewährleistung der gebotenen Sicherheit für ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ist ein effektives Sicherheitssystem für den Verladeprozess unabdingbar. Die Reduzierung von Unfällen und der Schutz der Leben von Arbeitskräften ist unsere oberste Priorität und sollte es auch für die Unternehmen sein.

Konnten Sie denn mittlerweile in Europa Fuß fassen?

Absolut. Die Erschließung des europäischen Marktes begann bereits 2014 mit Frankreich im Zuge unserer Treffen mit Unternehmen, mit denen wir seither partnerschaftliche Beziehungen aufgebaut haben. Auf dieser Basis haben wir schnell den deutschen Markt erschlossen, dann die Benelux-Staaten sowie auch Österreich. Dieses Jahr werden wir auch in der UK tätig. Generell verzeichnen wir seit fünf Jahren eine jährliche Wachstumsrate des Gesamtumsatzes von etwa 40 Prozent, wobei Europa heute etwa 50 Prozent dieser Einnahmen ausmacht.

Galt es, bei den Projektrealisierungen in den unterschiedlichen Ländern besondere Herausforderungen zu meistern?

Ja, die gab es tatsächlich. Als wir anfingen, nach Frankreich zu expandieren stellten wir fest, dass sich hier die Konfiguration der Fahrzeuge, der Bereich der Laderampe und damit die Ausrüstung der Laderampe von dem unterschieden, was wir aus Nordamerika kennen. Auch die Radführungen waren anders. Ähnliches erlebten wir auch in Deutschland. Wir mussten unsere Produkte somit für jedes Land indivi­duell anpassen. Auch dem Untergrund mussten diese Änderungen gerecht werden, also ob es sich um Kopfsteinpflaster oder Beton handelt. All das galt es zu berücksichtigten. Dafür haben wir jetzt Lösungen, die für die Vielfalt an Fahrzeugen, die in Europa im Einsatz sind, verwendet werden können.

Mit welchen Produkten genau wollen Sie auf dem europäischen Markt Fuß fassen?

Unser Flaggschiff-Produkt ist das ergonomische Radsicherungssystem Powerchock 5. Dank eines Metallarms wird es manuell und quasi anstrengungsfrei vom Fahrer am Rad angelegt, um es zu blockieren. Der Radkeil mit gezahnter Unterfläche hakt sich in einer im Boden verankerten Rückhalteplatte mit ebenfalls gezahnter Oberfläche fest, sodass mit dem Fahrzeuggewicht eine nahezu unumstößliche Blockierung entsteht. Dank dieses Konzepts halten die Powerchock-Unterlegkeile aus hochfestem Stahl einer Rückhaltekraft von 25 Tonnen stand. Ein spezielles Mehrpunktkontaktsystem sowie die Verwendung von Sensortechnik stellen zudem sicher, dass die Ladebrücke und/oder das Tor nicht bedient werden können, solange der Powerchock nicht richtig positioniert ist. Darüber hinaus bieten wir ein System, das sowohl Wechselbrücken als auch Sattelauflieger an derselben Laderampe sichern kann. Der Powerchock 9 ist eine innovative Sicherheitslösung, um das Ladepersonal zu schützen. Sie kombiniert die Wirksamkeit unseres Fahrzeugrückhaltesystems mit Sensortechnik.

Ist dieses System auf eine spezielle Anfrage hin von GMR Safety entwickelt worden?

Das System ist von uns speziell für den Einsatz in Europa entwickelt worden. In Nordamerika sieht man Wechselbrücken relativ selten. Die Idee entstand aus einem Gespräch mit einem unserer europäischen Kunden. Aus Nordamerika kannte ich Wechselbrücken wie gesagt nicht. Als mir aber unsere Kunden davon erzählten und berichteten, wie schwierig es sei, die Wechselbrücken zu sichern, erkannten wir das Potenzial und entwickelten diese Radkeile spezifisch für den Einsatz mit Wechselbrücken. Nichts ersetzt die „Stimme des Kunden“, wenn es darum geht, auf seine Bedürfnisse einzugehen – vor allem, wenn die Sicherheit von Menschen auf dem Spiel steht.

Und welche Herausforderungen galt es hier technisch zu meistern?

Die Herausforderung bestand vor allem darin, eine Absicherung vorzunehmen, ohne ein Rad blockieren zu können. Das System Powerchock 9 verhindert, dass der Lkw unter eine abgekoppelte Wechselbrücke fährt, während das Tor der Laderampe geöffnet ist und eine Be- oder Entladung stattfindet. Außerdem warnt es mittels intelligenter Sensortechnik durch optische und akustische Alarme vor näherkommenden Fahrzeugen.

Was unterscheidet Sie vom in Europa vorhandenen Wettbewerb? Wo liegen Ihre Stärken?

Unser System ist das einfachste auf dem Markt. Es ist für die Fahrer intuitiv anzuwenden und lässt sich an die unterschiedlichsten Situationen an der Verladerampe anpassen. Ein besonderes Qualitätsmerkmal ist die Robustheit des Systems – es ist extrem langlebig. Beweis für diese Langlebigkeit ist unsere auf dem Markt einzigartige 5-Jahres-Garantie, sei es für das reguläre Blockieren der Räder oder für den Fall, dass der Fahrer vorzeitig losfährt. Wir mögen am Markt zwar nicht unbedingt der billigste Anbieter sein; dafür fallen dem Anwender nach dem Kauf quasi keine weiteren Kosten in Bezug auf eine spätere Wartung oder eine Instandhaltung an. Deswegen ist unser System eine sichere und wertvolle Investition.

Falls dann aber doch mal ein Support notwendig ist, wie wird dann der Kontakt hergestellt?

Über ein Netzwerk an Firmen weltweit, die für die Installation und die Wartung unserer Systeme zuständig sind. In jedem unserer Kernmärkte haben wir Teams von Technikern, die bei GMR Safety angestellt sind und für unsere Kunden bereitstehen. Sie nehmen landesweit die Installationen vor und stehen bei Service-Fragen zu Verfügung. Allerdings werden die Kunden von uns auch so in das System eingewiesen, dass sie, sollte doch mal ein Problem auftreten, meist in der Lage sind, sich selbst zu helfen. Eine Unabhängigkeit, die unsere Kunden sehr schätzen. Es kommt eben immer auf das richtige Maß an Technik an.

Werden Sie diese Lösungen auch auf der kommenden Logimat vorstellen?

Ja, wir werden unsere Lösung Power­chock 5 und unsere Lösung Powerchock 9 vor­stellen. Außerdem präsentieren wir ein neues Powerchock-Hybrid-Rückhaltesystem, das einzigartig auf dem Markt ist. Dank seines Radkeils mit zwei Höhenoptionen kann es auf derselben Rampe Sattel­anhänger, Lastkraftwagen und Kleintransporter sichern, und bietet damit eine gebündelte Lösung auf die Sicherheitsherausforderungen, die mit dem rasanten Anstieg des E-Commerce und damit der Lieferungen auf der „letzten Meile“ verbunden sind. In der Tat folgte auf die Expansion des E-Commerce die zunehmende und überstürzte Ankunft von Lieferwagen an den Logistikstandorten. Die Lagerhausbetreiber sahen sich daher mit einem Umbruch in der Nutzung ihrer Rampen konfrontiert.

Und was haben Sie nach der Logimat vor? Was sind Ihre Ziele für die nächsten Jahre?

Dieses Jahr wollen wir in erster Linie auf uns und unsere Produkte in Deutschland weiter aufmerksam machen. Wir planen, Messen zu besuchen und mit potenziellen Partnern und Anwendern zu sprechen. Unser nächstes Ziel wird es sein, eine automatische Powerchock-Lösung zu entwickeln, die auch in Zukunft mit autonomen Fahrzeugen funktionieren wird. Vermutlich in den nächsten ein bis zwei Jahren. Generell legen wir großen Wert darauf, permanent eng mit unseren Partnern zusammenzuarbeiten, um aufkommenden Bedürfnissen vorab entgegenzukommen und um sie bei ihren neuen Herausforderungen unterstützen zu können.

Herr Jetté, vielen Dank für das Gespräch.

 

 

 

 

» Unser System ist eine sichere und wertvolle Investition, denn für den Anwender fallen nach dem Kauf quasi keine weiteren Kosten in Bezug auf eine spätere Wartung oder eine Instandhaltung an.«

Gaétan Jetté, Gründer und Vorsitzender, GMR Safety

 

 

 

» Unser System ist sehr nutzerfreundlich. Es ist für die Fahrer intuitiv anzuwenden und lässt sich an die unterschiedlichsten Situationen anpassen. Ein besonderes Qualitätsmerkmal ist die Robustheit des Systems.«

Gaétan Jetté, Gründer und Vorsitzender, GMR Safety

Christina Kasper

Christina Kasper
Redakteurin, Zeitschrift "Technische-Logistik - Hebezeuge Fördermittel", HUSS-MEDIEN GmbH
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· Artikel im Heft ·

„Das richtige Maß an Technik“
Seite 6 bis 7
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