Dann erst recht …

Ein ukrainisches Unternehmen mit einem europäischen Gesicht

Was wenn Expansionspläne plötzlich gestoppt werden. Tja, dann erst recht, sagte sich Kapelou. Der in der Ukraine beheimatete Generalunternehmer entwickelt, produziert und installiert voll automatisierte Warenlager, Logistikzentren und Systeme im Bereich Intralogistik und Produktion und bezieht im September seinen neuen Standort, inklusive Showroom, in Herkenrath.

1105
 Bild: Kapelou
Bild: Kapelou

Im Jahr 2013 wurde das Unternehmen in der Ukraine gegründet. Der CEO, Oleksandr Klymenko, übernahm 2017 vollständig das Ruder und ist heute Eigentümer und Leiter des gesamten Unternehmens. Er war in führender Position für einen Regalhersteller tätig und wollte sich in den Bereich der Logistik-Automation weiterentwickeln. Da sein damaliger Arbeitgeber diese Möglichkeit nicht sah bzw. nicht angehen wollte, hat er das bereits funktionierende Unternehmen Kapelou übernommen und ausgebaut. Mit einem Team von fünf Mann begann der Start von Kapelou.

Expansion aus der Ukraine heraus

Kapelou hat es schnell geschafft, im ukrainischen Markt Fuß zu fassen. 2013 mit fünf Mitarbeitern und einem Umsatz von Null gestartet, beschäftigt das Unternehmen mittlerweile knapp 250 Mitarbeiter und konnte im Jahr 2021 einen Umsatz von 36 Millionen Euro generieren. 2022 soll ein Umsatz von etwa 50 Millionen Euro generiert werden. „Da der Heimatmarkt aber recht abgeschlossen ist, wurden Expansionspläne geschmiedet. Hierbei kam der europäische Markt direkt in den Fokus“, sagt Tobias Frohn, Geschäftsführer der Kapelou Europe GmbH und ergänzt: „Wir haben aber schnell gemerkt, dass es sich als sehr schwierig bis unmöglich erweist, aus der Ukraine heraus in Europa Geschäfte zu machen. Somit wurde Kapelou Europe als deutsche GmbH Mitte 2021 gegründet. Kapelou Europe stellt nun das deutsche, das europäische Gesicht von Kapelou dar“.

Nach Ausbruch des Krieges in der Ukraine im Februar 2022 schwächte sich die Nachfrage in der Ukraine zwar leicht ab. Das Geschäft laufe aber weiter, wenn auch an manchen Stellen „on hold“. „Plötzlich bekommt das europäische Geschäft und der deutsche Standort eine noch größere Bedeutung. Wir haben hier ein weiteres Standbein geschaffen, durch das wir uns als Firmengruppe noch breiter und sicherer aufstellen“, erläutert Frohn.

Montage und Produktion wurden aus dem Großraum Kiew in den Südwesten der Ukraine, nach Mukatschewe an die ungarische Grenze, verlagert – an den Invasoren vorbei. Kapelou kann also weiter produzieren. Ziel sei es nun, von Deutschland aus die Technologie auf den europäischen Markt zu bringen. Auch geht es um den Neuaufbau des Landes, der an manchen Stellen bereits beginnen soll, denn Kapelou gehört in der Ukraine zur kritischen Infrastruktur.

Neue Projekte und ein neuer Standort

Kapelou Europe wird sich zunächst auf kleine und mittlere Projekte konzentrieren. Langfristig sind Projekte jeglicher Größenordnung anvisiert. Aktuell werden Projekte in den Niederlanden, Griechenland und Ungarn umgesetzt. „Kurzfristig zielen wir vermehrt auf deutsche Kunden ab. Mittelfristig planen wir, stark mit Ingenieur- und Planungsbüros zusammenzuarbeiten und das Team in Europa auszubauen“, sagt Frohn. Die langfristige Planung beinhalte auch den Aufbau von Montage und eventueller Produktion in Deutschland.

Ab dem 1. September 2022 bezieht Kapelou Europe sein neues Zuhause in Herkenrath. Hier steht bereits eine Demoanlage. Kurzfristig sollen dort weitere Exponate aufgebaut und Projekte direkt vor Ort ausgearbeitet werden. (ck)

Redaktion (allg.)

AnhangGröße
Beitrag als PDF herunterladen1.65 MB

· Artikel im Heft ·

Dann erst recht …
Seite 22 bis 23
31.07.2024
Ein Blick auf die Logimat im Allgemeinen und die Welt der Gabelstapler im Besonderen
Wenn man sich in der Branche über Flurförderzeuge unterhält, dann fallen zumeist dieselben Namen: Still, Jungheinrich, Linde, Toyota. Doch auch dieser Bereich ist, wie so oft in der Intralogistik...
06.11.2024
Rolf Eiten über Märkte und Produkte sowie 20 Jahre Clark, die sich nach mehr anfühlen
Clark Europe feierte in diesem Jahr sein zwanzigjähriges Bestehen, obgleich das Unternehmen bereits mehr als 100 Jahre alt ist. Jan Kaulfuhs-Berger, Chefredakteur „Technische Logistik“, hat sich mit...
06.05.2025
Ein Blick hinter die Kulissen von SEH Engineering in Ostrhauderfehn
In einer Welt, die zunehmend von Automatisierung und Effizienz geprägt ist, spielt die Fördertechnik eine zentrale Rolle in der Produktion und der dazugehörigen Intralogistik vieler Branchen. Für...
06.05.2025
Nadine Despineux über Kundenbedürfnisse sowie die Entwicklung von Märkten und Produkten
Nadine Despineux ist seit einigen Monaten Vertriebsvorständin bei Jungheinrich. Dass sie diese Position in einer Männer-Domäne ausübt, stört sie nicht im Geringsten. Aus einer solchen kommt sie...
30.09.2024
Taktanzeige für Landmaschinenhersteller Claas realisiert
Von Lento zu Allegro: Um die Effizienz der eigenen Montagelinie am Standort Harsewinkel zu steigern, integrierte Claas Automated Guided Vehicle (AGV) in den Materialfluss. Durch den Einsatz der Low...
06.05.2025
Technikbegeisterte erlebten – nicht nur – ein Feuerwerk an Innovationen
Drei Tage (und für den einen oder anderen auch zwei Nächte) galt es, Höchstleistung auf der Logimat, der Intralogistik-Messe schlechthin, zu zeigen. Mit Erfolg, wie ein etwas anderer Rückblick auf...