Für die Zukunft gewappnet

Für die Zukunft gewappnet

Mehr Leistung im KI-gestützten Automatiklager

Für den reibungslosen Transport innerhalb des neuen Produktionslagers im dänischen Tinglev von Danfoss Power Electronics A/S sorgt eine perfekt aufeinander abgestimmte Kombination aus jeweils drei automatisierten Serien-Flurförderzeugen inklusive der Installation aller Systemkomponenten. Via Cloud werden Systemoptimierungen durchgeführt. Ein innovatives Sicherheitssystem sorgt zudem für den Schutz der Passanten vor herannahenden Fahrzeugen.

1. Ein durchgängig automatisierter Materialfluss mit einem Sortiment automatischer Serienfahrzeuge zeichnet die „iGo“-Systeme von Still aus. (Quelle: Still)
2. Auf größere Kapazitätsanforderungen kann mit weiteren AGVs schnell und flexibel reagiert werden. (Quelle: Still)
3. Im laufenden Lagerbetrieb wurden mit manuell geführten MX-X die Regale, Gasse um Gasse, für den automatischen Betrieb eingerichtet. (Quelle: Still)
4. Die täglichen Lkw-Lieferungen zur Produktion im nahe gelegenen Gråsten werden durch das neue Automatiklager sichergestellt. (Quelle: Still)

Mit der Zunahme des Sortiments von Frequenzumrichtern für Elektromotorsteuerungen erreichten die manuellen Produktionsläger in Gråsten und Klipleff das Ende ihrer Kapazität. Danfoss Production Supervisor im neuen Lager Tinglev, Martin Rosengreen Jessen: „Eine Kapazitätserweiterung durch Zusammenlegung der Lager mit einer automatischen Lagerhaltung war das Ziel. Damit wir auch für die Zukunft flexibel gerüstet sind, haben wir uns für das „iGo“-System von Still mit automatisierten Flurförderzeugen entschieden. Dabei behalten wir durch das Full-Service-Leasing für die nächsten fünf Jahre die Lagerhaltungskosten immer im Blick.“

Im Automatiklager sind Schnittstellen der Palettenfördersysteme zu den AGVs (Automated Guided Vehicles) sowohl im Wareneingang als auch im Warenausgang. Zirka 2.000 verschiedene Artikel sind nach der ABC-Analyse auf etwa 8.800 Paletten untergebracht.

Das Lager ist gegenwärtig in zwei Bereiche aufgeteilt: Zum einen in ein Schmalganglager für den vollautomatisierten Betrieb und zum anderen in einen halbautomatischen Lagerbereich. Dort wechseln schmale Gassen für die MX-X mit breiteren Gängen für die manuelle Kommissionierung aus den beiden unteren Zeilen der sieben Meter hohen Regale.

Effizientes Warehousing

Durch das neue Automatiklager sind an fünf Tagen in der Woche die täglichen Lkw-Lieferungen zur Produktion im nahe gelegenen Gråsten alle drei Stunden sichergestellt.

„Die Zeitersparnis ist enorm. Zum einen durch die zentrale Lagerhaltung, jedoch vor allem durch die Automatisierung unseres Produktionslagers, das wir jetzt rund um die Uhr betreiben“, hebt Martin Jessen hervor.

Durch die Umstellung der Fertigung auf neue Produktserien werden sich auch zukünftig die Anforderungen im Lager Tinglev ändern. Denn dann werden die Artikel auf Vollpaletten so angeliefert, wie sie auch später wieder ausgeliefert werden. Warehouse & Distribution Consultant von Danfoss Distribution Services in Gråsten, Henrik Rosendahl Laursen folgert daraus: „In naher Zukunft werden wir also weniger manuell und mehr automatisiert kommissionieren. Unser neues Lager Tinglev ist darauf bereits vorbereitet. Bei der Planung haben wir auf die Skalierbarkeit des Lagers geachtet. So können in den breiten Gängen, wo jetzt noch manuell kommissioniert wird, weitere Regale installiert werden.“

Für spezielle Einsätze lassen sich die automatisierten Serienfahrzeuge MX-X und EXV auch manuell bedienen. Still-Projektleiter von Still Danmark in Kolding, Ole Lambrecht unterstreicht die Skalierbarkeit des Lagers: „Auf die zukünftig größeren Kapazitätsanforderungen können wir einfach mit weiteren AGVs schnell und flexibel reagieren.“

Bedarfsgerechte Automatisierung

Für die durchgängige Automatisierung des Materialflusses werden Still-Serien-Flurförderzeuge mit dem „iGo systems“-Automatisierungskit ausgestattet. Durch identische Komponenten, Steuerungen und Interfaces entsteht in kürzester Zeit ein leistungsfähiges AGV. Folgende Komponenten werden dabei installiert:

  • Laserscanner für die Navigation des Fahrzeugs

  • Automatisierungsbox für die Steuerungseinheit, welche die Fahraufträge aus dem Leitsystem empfängt

  • Kontrollleuchten für die Anzeige von Fahrzeugbewegungen

  • Sicherheitslaserscanner zur 360-Grad-Fahrzeugüberwachung und Personenschutz

  • Benutzerschnittstelle mit Bildschirm bzw. Touchscreen

  • Not-Aus-Taster am Hub-Mast und Bildschirm.

Zur präzisen Palettenerkennung wurde zudem eine passende Sensorik jeweils an den Gabeln der AGVs verbaut. Für das sichere und selbständige Bewegen der Fahrzeuge wurden verschiedene Navigationstechnologien aufeinander abgestimmt. So sind die MX-X in den Gassen induktiv geführt. Außerhalb navigieren alle AGVs mit Laserscannern, die ständig die Abstände zu installierten Reflektoren vermessen.

Gesteuert und überwacht werden die AGVs vom einem Transport- und Verkehrsleitsystem. Transportaufträge werden vom Warehouse-Management-System im SAP-Host erzeugt und an das Leitsystem übergeben. Rund um die Uhr erzeugt dieses dabei eine riesige Menge an Daten, mit denen eine gründliche Analyse des Automatiklagers sowie der Prozesse aus einem übergeordneten Blickwinkel in der Mikrosoft Cloud durchgeführt wird. Das Tool „iGo insights“ nutzt das Prinzip des maschinellen Lernens, um die Performance des Systems zu verbessern. Alle Daten, die das Leitsystem über einen langen Zeitraum gesammelt hat, werden zur Auswertung in die Cloud geladen und sind über das verschlüsselte Webportal online jederzeit abrufbar. Eine lokale Infrastruktur oder Hardware wird nicht benötigt.

Die KI-gestützte Software erkennt im Datenverlauf Strukturen, berechnet Wahrscheinlichkeiten und ermöglicht damit proaktiv handeln zu können, wie zum Beispiel bei der Terminierung von Wartungen oder Reparaturen. Zur Kontrolle dienen auch die Kennzahlen zu Reaktionszeiten, Verkehrsdichte, Auslastung und Ausfallzeiten. Vorausschauend sind auch die täglichen Informationen zu Trends und Normabweichungen.

All-in-One-Sicherheitssystem

Das System „Eloshield“ umfasst mehrere Komponenten, die funkbasiert miteinander kommunizieren und gemeinsam das All-in-One-Warnsystem bilden. Begegnet ein Fahrzeug einem Fußgänger, so erkennt das stationäre Modul das sich nähernde Fahrzeug. Es erfolgt ein optisches und akustisches Signal. Im Gefahrenfall wird das Fahrzeug sogar verlangsamt.

Automatisiert wird jedem Stapler eine Tempoanpassung beim Rein- und Rausfahren in den Gängen zugewiesen. Die Gänge, wo kommissioniert wird, sind für die AGVs gesperrt. Das Stationärmodul bietet somit zusätzlichen Personen-und Kollisionsschutz. So ist auch eine Geschwindigkeitsregulierung für spezielle Bereiche möglich. Während der Kommissionierung an den Regalen wird ein herannahendes AGV auf der anderen Seite des Regals unmittelbar gestoppt. Damit wird effektiv die Gefahr eines Unfalls beim Kommissionieren im Regal verhindert.

„Unser neues Lager hat sich bereits bestens bewährt. Während des laufenden Lagerbetriebs konnten wir mit manuell geführten MX-X die Regale, Gasse für Gasse, für den automatischen Betrieb einrichten. Eine erste Analyse ergab bereits eine Kosteneinsparung von zirka 20 Prozent“, resümiert Martin Jessen.

Technische Logistik 03/2021 PDF-Download (1.66 MB) Autor: G. Knehr