„Heute bist Du Blei, morgen Lithium“

„Heute bist Du Blei, morgen Lithium“

Andreas Krause über Lithium-Ionen-Technologie und die Rolle von Clark

Auch wenn wir das Interview gern persönlich geführt hätten: Es war, nachdem es eine Weile um das Thema Lithium-Ionen-Technologie ruhig gewesen ist, der Redaktion „Technische Logistik“ wichtig, dieses nun wieder auf das Tableau zu heben. Passend dazu stellt Clark im vierten Quartal 2021 seine ersten Gegengewichtsstapler mit eben dieser Technologie vor. Grund genug, einmal mit Andreas Krause, Chief Operating Officer, bei Clark per Video-Konferenz zu sprechen.

Die Lithium-Ionen-Fahrzeuge einiger Marktführer sind oftmals mit zusätz­lichen, eher hoch­preisigen Features ausgestattet.
Andreas Krause, Chief Operating Officer, Clark Europe GmbH, Duisburg

 

Jan Kaulfuhs-Berger: Lithium-Ionen-Technologie in Flurförderzeugen – das gibt es nun schon seit 2008. Was ist in den vergangenen Jahren hier eigentlich passiert?

Andreas Krause: Sie haben Recht, die Branche ist, jedenfalls was den öffentlichen Auftritt angeht, diesbezüglich schon seit 2008 unterwegs. Spannend ist es aber eigentlich schon, wenn man vor diese Zeit schaut.

Dann tun wir das bitte einmal.

Die Blei-Säure-Batterie gehört ja seit Jahrzehnten bereits zum festen Bestandteil eines elektrisch betriebenen Flurförderzeugs – mit allen Vor-, aber auch mit allen Nachteilen. Nehmen wir zum Beispiel die Themen Wartung oder lange Ladezeiten. Entweder stand der Stapler de facto eine Schicht still oder man benötigte eine Wechseleinrichtung – vom separaten Laderaum ganz zu schweigen. Dann kam die Blei-Gel-Technologie, die einiges verbessert hat. Diese hatte aber nur eine Restleistung von 60 Prozent und Zwischenladungen waren problematisch. Dieses hat erst die Lithium-Ionen-Technologie gewissermaßen eliminiert.

Es geht also voran!

Nun, die Flurförderzeug-Branche ist zwar groß, aber wenn weitere Industrien nicht mitmachen würden, Stichwort: große Stückzahlen, dann bekommen wir die Kosten nicht in den Griff. Grundsätzlich kann man sagen: Seit das Thema Elektromobilität auch in der Gesellschaft in aller Munde ist, wurde natürlich das Volumen größer und die Preise gingen runter. Was wiederum dazu führt, dass, ja wie Sie sagen, es in unserer Branche weiter vorangeht mit dem Thema Lithium-Ionen-Technologie – auch bei Clark.

Womit wir genau beim Thema sind: Wo steht Clark in Sachen Lithium-Ionen-Technologie in der Branche?

Angefangen hat alles mit dem Handhubwagen „WPio12“ mit Lithium-Ionen-Technologie im Jahr 2017. In 2020 haben wir dann die Produktpalette im Bereich der Lagertechnik um Niederhubwagen mit Lithium-Ionen-Technologie erweitert. Im Herbst dieses Jahres kommt der erste Hochhubwagen mit Lithium-Ionen-Technologie auf den Markt und wir sind dabei, größere Lithium-Ionen-Batterien auch in Gegengewichtsstaplern einzubauen.

Clark hat also, wie im Grunde die meisten anderen Unternehmen auch, mit der Lithium-Ionen-Technologie bei den eher kleinen Fahrzeugen angefangen?

Ja, und unsere Niederhubwagen sind heute schon alle „Lithium only“, die Hochhubwagen stellen wir optional um. Ja, und sukzessive kommen jetzt die Gegengewichtsstapler an die Reihe …

 … die Sie im vierten Quartal dieses Jahres neu vorstellen?

Genau. Wir haben uns bei den ersten Geräten für am Markt fest etablierte, robuste Geräte entschieden, welche unsere Kunden gut kennen. Es wird nicht „Lithium only“ sein – der Kunde hat die Wahl, ob er die Fahrzeuge vom Typ GTX/GEX 16-20s, 48-Volt-Elektrostapler mit Tragfähigkeiten zwischen 1,6 und 2,0 Tonnen, mit Blei- oder Lithium-Batterie fährt.

Das gilt für Neufahrzeuge. Wer aber, sagen wir, vor Jahresfrist diese Stapler erstanden hat …

 … der kann diese auch nachrüsten lassen. Wir schnüren gerade ein entsprechendes Paket und wer möchte, der kann natürlich auch ein vorhandenes Gerät nachrüsten. Das funktioniert mit einem gewissen Aufwand. Wenn wir unseren Kunden hier helfen können, auf Lithium-Ionen umzusteigen, dann tun wir das.

Aber im Fokus steht der Neuverkauf?

Ja, sicher. Wir freuen uns natürlich, wenn neu gekauft wird. In diesem Zusammenhang ist aber eins wichtig: Der Kunde kann sich auch bei den Neufahrzeugen für eine Blei-Säure-Lösung entscheiden – und gegebenenfalls später auf Lithium-Ionen gehen. Wir haben diesbezüglich die Möglichkeit geschaffen, binnen Minuten zwischen Blei-Säure- und Lithium-Ionen-Batterie umzurüsten. Überspitzt kann man zu den Staplern sagen: Heute bist Du Blei, morgen Lithium-Ionen.

Was unterscheidet, nennen wir es mal, die „Lithium-Ionen-Lösung „made by Clark“ von anderen auf dem Markt erhältlichen?

Ja, es gibt durchaus Unterschiede, allerdings weniger was die Technologie selbst betrifft. Die Lithium-Ionen-Fahrzeuge einiger Marktführer sind oftmals mit zusätzlichen eher hochpreisigen Features ausgestattet, so dass nur das obere Kundensegment angesprochen wird. Wir bei Clark fokussieren auf das Wesentliche und möchten so auch den Mittelstand ins Boot holen.

Wie sieht das genau aus?

Clark hat auf solide, bereits etablierte und dennoch sehr gut ausgestattete Fahrzeuge zurückgegriffen. Diese sollen zum einen neue, aber auch Bestandskunden ansprechen, die sagen: Ich möchte umweltfreundlich fahren, benötige aber nicht so viele Features. Ich möchte über mehrere Schichten arbeiten und suche ein solides Fahrzeug. Und das können wir zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis bieten.

Kurz gefasst: Keep it small and simple.

Ganz genau. Und was uns in diesem Zusammenhang auch wichtig ist: Um die Lithium-Ionen-Batterie des Fahrzeugs muss man sich dann nicht mehr kümmern. Die ist wartungsfrei. Das ist wichtig, wenn man beispielsweise Leiharbeiter beschäftigt oder wechselndes Personal hat. Dann heißt es einfach: Einsteigen, losfahren, sich wohlfühlen.

Blicken wir etwas voraus. Wo sehen Sie die Lithium-Ionen-Technologie, überhaupt die Antriebs- beziehungsweise Energiespeichertechnik in den kommenden Jahren?

Ich persönlich glaube, die Lithium-Ionen-Technologie wird sich durchsetzen. Irgendwann werden elektrisch angetriebene Flurförderzeuge nur noch mit Lithium-Ionen-Technologie fahren. Sie werden auch zunehmend die Verbrenner ersetzen, wenn auch auf einer langsamen Kurve.

Kein Gespräch über Antriebstechnik und Energiespeicher, ohne auf das Thema Brennstoffzelle zu kommen.

Ich bin schon seit 25 Jahren im Staplerbereich tätig, und das Thema taucht immer wieder auf. Aber man sieht es eigentlich nur bei Leuchtturmprojekten. Die Brennstoffzelle hat sich bis jetzt nie richtig durchgesetzt.

Weshalb?

Es ist sehr aufwändig Wasserstoff zu gewinnen, zu transportieren, zu lagern und zu tanken. Zudem ist diese Antriebstechnologie noch sehr kostenintensiv, denn die vorgenannte Infrastruktur ist aufwändig und teuer. Sie rechnet sich eigentlich nur mit einer staatlichen Förderung.

Zurück zur Lithium-Ionen-Technologie: Das Thema Sicherheit spielt ja eine wesentliche Rolle.

Nun, die Systeme sind besser geworden. Das unterstreichen auch die Zahlen zu den Akkus, die wir untersucht haben: Lithium-Nickel-Cobalt hat die höchste Energiedichte, Lithium-Nickel-Mangan etwas weniger. Bei der bei den Staplern im Wesentlichen zum Einsatz kommenden Lithium-Eisen-Phosphat-Legierung ist die Energiedichte zwar noch etwas geringer, dafür ist die Sicherheitsklasse deutlich höher.

Dennoch müssen die Batterien eines Tages entsorgt beziehungsweise recycelt werden.

Es gibt Pilotprojekte und mittlerweile eine ganze Reihe an Firmen, die sich hierauf spezialisiert haben. Zudem halten solche Batterien etwa zehn Jahre, wenn nicht sogar länger. Außerdem wird das Recycling der Batterien durch höhere Stückzahlen und eine weitere Verbreitung im Markt immer mehr im Vordergrund stehen, denn Rohstoffe sind knapp und teuer. Man wird mehr und mehr versuchen, Rohstoffe möglichst lange wiederzuverwenden.

Letzte Frage: Wo steht Clark in Zukunft?

Wir sehen unsere Stärke darin, dass wir unsere Position am Markt unbeirrt weiter ausbauen können, ohne dabei spontan auf jeden vermeintlichen Innovationstrend aufspringen zu müssen. Bei uns stehen die Anforderungen unserer Kunden im Fokus, also in erster Linie die kleinen und mittelständischen Unternehmen. Wir bieten diesen Produkte, die erprobt und solide sind und die ihre Logistikprozesse kosteneffizient optimieren.

Nun die allerletzte Frage: Dazu gehören sicherlich auch weitere Produkte?

Richtig. Dazu haben wir in den vergangenen Jahren unsere Produktpalette ein ordentliches Stück ausgebaut und verbessert. Wir halten auch zukünftig an dieser Strategie fest und erweitern und modernisieren sukzessive das Clark-Portfolio. Unser Ansporn dabei: Wir möchten robuste und zuverlässige Clark-Fahrzeuge an immer mehr Branchen und Kundensegmente liefern, also zukünftig auch Kunden bedienen, bei denen zurzeit noch nicht so viele Clark-Flurförderzeuge zu finden sind. Die neuen Clark-Lithium-Ionen-Stapler sind ein weiterer Schritt in diese Richtung.

Herr Krause, ganz herzlichen Dank für das Gespräch!

 

 

PDF-Download (1.45 MB) Autor: J. Kaulfuhs-Berger