Beliebige Kombinationen

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FTS, Routenzüge und Stapler – Materialfluss-Optimierung in SAP

Der weltweit tätige Automobilzulieferer Brose kann über alle Zeitzonen und Sprachgrenzen hinweg sämtliche Flurförderzeuge in 24 Ländern zentral aus Bamberg steuern und dabei die Transportwege optimieren. Dahinter steckt ein in SAP integriertes Transportleitsystem, das seit 2016 zu einer deutlich kürzeren Einarbeitungszeit neuer Staplerfahrer und zu einer höheren Effizienz in der Transportbearbeitung führt.

1. Als „neutrale Instanz“ kann mit dem „FLX-TLS“ jede Form von Hardware angesteuert werden. Am englischen Brose-Standort in Coventry sowie in den Werken Hallstadt und Würzburg steuert die Lösung auch die Fahrerlosen Transportsysteme (FTS). (Quelle: Flexus)

Europa, Asien, Amerika: Am Sitz von Brose in Bamberg rücken die Kontinente eng zusammen. Das hier installierte SAP-System steuert die Datenströme aller 62 Standorte, die der Automobilzulieferer in 24 Ländern betreibt. Der weltweite SAP-Rollout basiert bei Brose auf dem sogenannten Template-Ansatz: Ein Template ist eine Vorlage für den einheitlichen Ablauf von Prozessen und einem darauf abgestimmten Funktionsumfang. Mit dem globalen Template von Brose lassen sich Prozesse und Funktionen schnell kopieren und nach dem Baukastenprinzip in der gewünschten Kombination auf neue Standorte übertragen – mit einem enormen Zeitvorteil: „Für den Aufbau der Informationstechnologie an einem neuen Montagewerk brauchen wir nur wenige Tage“, berichtet Michael Müller, Teamleiter Materialfluss Informationssysteme, Brose Gruppe.

Mit jedem Upgrade wertvoller

Im Laufe der Jahre war das Template in vielen Schritten weiterentwickelt worden. „2015 fehlte uns noch eine Funktion für die zentrale Optimierung und Steuerung der Intralogistik“, erinnert sich Müller. Es ging um die Einsatzplanung von Flurförderzeugen im Wareneingang sowie in der Ver- und Entsorgung der Produktion. Leerguttransporte und Sonderfahrten sollten ebenfalls mit der neuen zentralen Lösung gesteuert werden können, wobei auch nicht in SAP verwaltete Objekte, wie zum Beispiel Müllcontainer oder Leergut, zu berücksichtigen waren. Auf der Suche nach dem passenden Anbieter fiel die Wahl auf die Würzburger Flexus AG, die eine in SAP integrierte Lösung liefern konnte. „Für Flexus sprachen aber auch die Referenzen aus der Automotive-Branche sowie die vielseitigen Funktionen des Transport- und Staplerleitsystems ‚FLX-TLS‘“, betont Müller. Durch die Ideen und Projektfortschritte von Brose und allen anderen Anwendern wird das „ ‚FLX-TLS‘ mit jedem Upgrade immer wertvoller und vielseitiger.“ Innerhalb der Brose-Gruppe kam das System erstmals am Standort Würzburg zum Einsatz, wo es seit 2016 zu einer deutlich kürzeren Einarbeitungszeit neuer Staplerfahrer und damit zu einer höheren Effizienz in der Transportbearbeitung führt. Die Mitarbeiter erhalten jetzt an ihrem Staplerterminal eindeutige Anweisungen und können sich die Fahrwege anhand einer digitalen Karte des Werksgeländes visualisieren lassen.

Außerdem dokumentiert das TLS jeden Übergabepunkt der oft in mehreren Abschnitten transportierten Paletten und Behälter, so dass sich Unregelmäßigkeiten und Fehler auch im Nachhinein schnell aufklären lassen. An welchen Stellen des Prozesses die Fahrer scannen und quittieren müssen, lässt sich dabei individuell festlegen. „In Bereichen mit routinierten Fahrern können wir auf das mehrfache Scannen der transportierten Güter beim Aufnehmen und Absetzen verzichten und damit die Produktivität erhöhen“, erklärt Müller.

Anfang 2017 kam bei Brose die zweite Ausbaustufe des TLS zum Einsatz, mit der in verschiedenen Szenarien auch Routenzüge gesteuert werden können. Differenziert und unterstützt werden zum Beispiel Transporte von Groß- oder Kleinladungsträgern (GLT und KLT), festgeschriebene Fahrpläne oder Pendelzüge. Beim Beladen der Routenzüge erhält der Fahrer konkrete Stellplatz-Vorschläge für die jeweiligen Behälter.

Integrierter Connector: FTS und Schmalgangstapler steuern

Eine große Erleichterung bringt das TLS auch den Fahrern im US-amerikanischen Brose-Standort in Tuscaloosa. Die dort eingesetzten Schmalgangstapler sind über eine Schnittstelle an das TLS angebunden. Damit wird jeder Fahrbefehl direkt an die Stapler übertragen und anschließend auf Knopfdruck automatisch umgesetzt. „Die Lösung von Flexus fungiert als integrierter Connector, wodurch wir an dieser Stelle ohne zusätzliches externes Lagerverwaltungssystem auskommen“, erklärt Müller. Als „neutrale Instanz“ kann mit dem „FLX-TLS“ jede Form von Hardware angesteuert werden. Am englischen Brose-Standort in Coventry sowie in den Werk Hallstadt und Würzburg steuert die Lösung sogar die Fahrerlosen Transportsysteme (FTS), wobei auch beliebige Kombinationen aus FTS und herkömmlichen Staplern möglich sind. (ck)

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