Wegweisende Entscheidung

Wegweisende Entscheidung

Neue, innovative Konturenkontrolle macht Fördertechnik überflüssig

Im ostwestfälischen Minden hat die ESM Ertl Systemlogistik GmbH ihren Sitz. 65.000 Paletten finden auf deren 40.000 Quadratmeter großen, komplett temperierten Logistik-fläche Platz. Anfang 2017 wurde die Anlage um ein Schmal-ganglager erweitert. Sieben automatisierte Hochregalstapler sind hier seitdem im Einsatz. Highlight der Logistiklösung ist jedoch die in dieser Form weltweit erstmals zum Einsatz kommende Konturenkontrolle auf dem Kragarmübergabeplatz. Sie macht es möglich, dass ESM in seinem Automatiklager vollständig auf platzraubende Fördertechnik verzichten kann.

1. Weltpremiere: Die von Jungheinrich neu entwickelte Konturenkontrolle befindet sich direkt an den insgesamt 56 Kragarmübergabeplätzen.  (Quelle: Jungheinrich)
3. "Durch das System gewinnen wir Zeit, verringern die Kosten und erhöhen die Produktivität." Dominic Ertl, Geschäftsführer von ESM Ertl Systemlogistik, Minden (Quelle: Jungheinrich)

Es war im Jahr 2015, als sich die Geschäftsführung der ESM Ertl mit der eigentlich erfreulichen Anfrage eines Kunden konfrontiert sah, noch größere Mengen Waren zu lagern und umzuschlagen. „Wir mussten investieren“, erinnert sich Dominic Ertl, Geschäftsführer von ESM Ertl Systemlogistik, zu deren Kunden vor allem Süßwaren- und Tiernahrungshersteller zählen. Bis dahin konnte das 1997 gegründete Unternehmen sein Aufgabenspektrum mit einem Shuttle-Kompaktlagersystem von Jungheinrich und Blocklagern bewältigen. Jetzt musste eine neue Logistiklösung her.

Für die Erweiterung erwog man bei ESM zunächst den Bau eines manuellen Schmalganglagers mit der Option, dieses zu einem späteren Zeitpunkt zu automatisieren. „Wir haben aber schnell festgestellt, dass wir uns damit auf einen kostspieligen Dauerkompromiss eingelassen hätten“, erzählt Ertl. „Ganz oder gar nicht war deshalb das Motto.“ Eine der Anforderungen von ESM: Das neue Automatiklager sollte ohne Fördertechnik auskommen und gleichzeitig ein Höchstmaß an Skalierbarkeit und Ausfallsicherheit bieten.

2015 begannen die Intralogistikexperten von Jungheinrich mit den Planungen. „Die Zusammenarbeit verlief außerordentlich partnerschaftlich“, sagt Ertl. Gemeinsam habe man die passende Lösung erarbeitet. Im Sommer 2017 konnte das neue automatisierte Schmalganglager bei ESM in Minden seinen Betrieb aufnehmen.

Highlight Konturenkontrolle

Das rund 70 Meter lange Schmalganglager verfügt über 14 Gassen und bietet damit Platz für rund 13.000 Paletten. Sieben automatisierte Hochregalstapler vom Typ ETX 515a, die auf dem bewährten Dreiseitenstapler ETX 515 basieren, sind hier im Einsatz. Ein Fahrzeug versorgt jeweils zwei Gassen, der Gassenwechsel erfolgt automatisch. Über Stromschienen, die an den Regalen angebracht sind, werden die Fahrzeuge mit Energie versorgt. Ein Betrieb rund um die Uhr ist damit problemlos möglich.

Die Übergabe der Paletten in das automatisierte Schmalganglager ist das eigentlich Besondere der Anlage. Sie erfolgt an insgesamt 56 Kragarmübergabeplätzen. Und hier befindet sich eine wirkliche Weltpremiere: Die von Jungheinrich völlig neu entwickelte Konturenkontrolle, die in dieser Form bisher einmalig ist. Durch sie ist es Jungheinrich gelungen, der ESM-Anforderung gerecht zu werden, die Paletten dem Automatiklager zuzuführen, ohne dass dafür aufwändige und platzraubende Fördertechnik benötigt wird.

Störungsfreies Handling im Lager

Das Prinzip ist einfach: Über die Abzäunung hinweg werden die im Schmalganglager einzulagernden Paletten per Schubmaststapler, die mit Gabelvorschub ausgerüstet sind, auf Kragarmübergabeplätze abgestellt. Die Fahrer erhalten über Datenfunkterminals die Information, auf welche der vier übereinanderliegenden Regalebenen der vorgegebenen Gassen die Paletten zur Konturenkontrolle abzusetzen sind. Auf den Übergabeplätzen werden die Ladungsträger sodann zentriert. Vier oberhalb der Übergabeplätze angeordnete Sensoren kontrollieren die Ladeeinheiten von allen Seiten auf Überstände, um so ein störungsfreies Handling im Automatiklager zu gewährleisten.

Besteht eine Palette die Kontrolle, leuchtet eine grüne Lampe im Zentrum der neben jeder der 56 Kontrollplätze angebrachten Anzeigetafel. Ist das Ergebnis aufgrund eines Überhangs negativ, weist eine der oben, unten, rechts oder links positionierten roten Lampen auf genau den Bereich hin, den das System beanstandet. Lässt sich die Fehlermeldung nicht durch eine Neupositionierung der Palette ausgleichen, wird die Ladeeinheit vom Schubmaststapler abgenommen, zurück transportiert und neu gepackt. Diese neue Lösung der Konturenkontrolle besticht durch ihre hohe Redundanz. Fällt eine der Kragarmübergabeplätze aus, stehen 55 weitere zur Verfügung. Ein reibungsloser Ablauf des Gesamtsystems ist damit jederzeit sichergestellt. Zumal sich die Kosten für die zahlreichen Übergabeplätze mit Konturenkontrolle durch den Verzicht auf die Fördertechnik mehr als ausgeglichen haben. „Durch das System gewinnen wir Zeit, verringern die Kosten und erhöhen die Produktivität“, fasst Ertl die Vorteile zusammen.

Beanstandungsfreie Ladungsträger gibt das Jungheinrich Warehouse Control System (WCS), das die Fahrzeug- und Bereichszugangssteuerung übernimmt, zur Einlagerung frei und meldet sie dem Warehouse-Management-System (WMS). Die Fahrzeuge sind mit Teleskopgabeln der Jungheinrich-Tochter Mias ausgestattet. Auch das eine Besonderheit in Minden. Anders als die übliche Schwenkschubgabel, die nach rechts und links drehen muss, fährt die Teleskopgabel beidseitig aus. „Dadurch verkürzt sich jedes Lagerspiel um 30 Sekunden“, berichtet Ertl.

Schnelligkeit ein Thema bei ESM

Noch kürzere Zyklen werden durch das Modul „Schnelles Schieben“ erzielt. Überhaupt ist Schnelligkeit ein Thema bei ESM. Die ETX 515a erreichen beim Einlagern der Paletten in die oberen Regalebenen eine Geschwindigkeit von bis zu neun Kilometern in der Stunde. „Ein zusätzlicher Wettbewerbsvorteil der Jungheinrich-Lösung“, sagt Ertl. Bis zu 3.000 Ein- und Auslagerungen schafft die Anlage am Tag, die nicht immer erreicht werden müssen. Das Geschäft mit Süßwaren unterliegt saisonalen Schwankungen. Hochbetrieb herrscht bei ESM vor allem im Weihnachts- und Ostergeschäft. Dann erreicht die Anlage zuverlässig ihre Spitzenwerte. „Die Verfügbarkeit liegt bei nahezu 100 Prozent“, sagt Ertl und fügt hinzu: „Alles funktioniert so, wie wir es geplant und uns gewünscht hatten. Das Projekt ist ein echter Erfolg.“

Mit diesem Fazit hält Ertl nicht hinterm Berg. Im Gegenteil. Von der eigenen Investition überzeugt, hat er die Jungheinrich-Lösung gleich weiterempfohlen. Die Bestellung der Depro-Kautetzky GbR aus dem hessischen Gemünden für ein zwölfgassiges Automatiklager mit Konturenkotrolle und fünf ETX 515a ist bei Jungheinrich bereits eingegangen.(jak)

PDF-Download (1.62 MB) Autor: J. Warmbold