Remade in Germany

Remade in Germany

In nur zwei Wochen vom gebrauchten zum (fast) neuen Fahrzeug

Wenn ein Gabelstapler ausgemustert wird, gehört er noch lange nicht zum sprichwörtlichen alten Eisen. Ein standardisierter Aufarbeitungsprozess verhilft ihm nicht nur zu einem zweiten Leben, sondern lässt ihn – selbst für Experten – nur schwer von einem Neufahrzeug unterscheiden.

1.  (Quelle: Jungheinrich)
2. Nach Ankunft im Gebrauchtgeräte-Zentrum wird der Stapler zerlegt und gründlich gereinigt.  (Quelle: Jungheinrich)
3. Fahrzeugrahmen und Mast werden gespachtelt, geschliffen und lackiert. (Quelle: Jungheinrich)
4. Alle sicherheitsrelevanten und verschlissenen Komponenten wie Räder, Ketten und Schläuche werden gegen Original-Ersatzteile ausgetauscht (Quelle: Jungheinrich)
5. Seit fast dreizehn Jahren werden bei Jungheinrich in Dresden Stapler für ihr zweites Leben fit gemacht. (Quelle: Jungheinrich)
6. Zwei Wochen dauert die Aufbereitung. Danach ist der Stapler von einem Neugerät kaum zu unterscheiden. Nur der Original-Betriebsstundenzähler gibt noch Auskunft über sein wahres Alter.  (Quelle: Jungheinrich)
7. Optimales Einsatzfeld für den Jungstar: Rund 600 Tonnen bedrucktes Papier verlassen die Druckerei jede Woche. Da braucht es einen verlässlichen Stapler mit höchster Qualität.  (Quelle: Jungheinrich)

Die harte Arbeit hat ihm zugesetzt. Mitgenommen sieht er aus, der Jungheinrich-Elektro-Gegengewichtstapler vom Typ EFG 540 auf dem Hof des Rohfelgenproduzenten Grasdorf Rad im sächsischen Groitsch. Tag für Tag ist das Fahrzeug bei Wind und Wetter auf dem zwei Fußballfelder großen Außenlager im Einsatz.

Dass er ein bewegtes Leben hatte mit vielen Hochs und Tiefs, kleineren und größeren Zusammenstößen und schweren Belastungen, erkennt man auf den ersten Blick. Der Fahrzeugkörper ist von Narben übersäht. „Man kann unseren Staplern ansehen, dass hier gearbeitet wird und das ist keine Schande“, sagt Dirk Flade von Grasdorf Rad.

Rund 26.000 Rohfelgen stapeln sich auf dem Werkshof und warten auf ihren Weitertransport. Zu den Kunden des Unternehmens gehören Traktoren- und Landmaschinenhersteller. Die größten Felgen haben einen Durchmesser von 54 Zoll, das sind fast anderthalb Meter. Ohne die fünf Jungheinrich-Gegengewichtstapler läuft hier nichts. Und der EFG 540 ist der größte unter ihnen. Für ihn endet dieser Einsatz nun nach etwas mehr als fünf Jahren. Ein neuer Jung-heinrich-Stapler wird seinen Platz einnehmen.

Der Lebensweg des EFG 540 ist damit jedoch noch nicht am Ende. Im Gegenteil: „Nach den vielen Jahren harter Arbeit ist bei dem Stapler zwar buchstäblich der Lack ab, aber eben nur der Lack“, sagt Reinmar Fritzsche, der für Grasdorf verantwortliche Kundendienstleiter von Jungheinrich. „Nach einer Generalüberholung ist der wieder in einem Top-Zustand.“

Enorme Nachfrage nach gebrauchten Gabelstaplern

Genau diese Generalüberholung machen sie im Jungheinrich-Gebrauchtgeräte-Zentrum Dresden. Seit fast dreizehn Jahren bereitet Jungheinrich hier seine eigenen Flurförderzeuge industriell auf. Wegen der enormen Nachfrage nach gebrauchten Gabelstaplern in Bestqualität hatte Jungheinrich im Juni 2006 sein Werk nahe der sächsischen Landeshauptstadt eröffnet. Als erstes Industrieunternehmen stellte sich Jungheinrich hier der Herausforderung, Flurförderzeuge industriell und in Premiumqualität aufzuarbeiten.

„‚Made in Germany‘ ist seit jeher eines von Jungheinrichs Markenzeichen. Seit 2006 heißt es auch ‚Remade in Germany‘“, sagt Sandra Molzan von Jungheinrich Dresden. Inzwischen liefern alle europäischen Jungheinrich-Vertriebszentren Fahrzeuge, die vor allem aus Nutzenüberlassungsverträgen zurückkommen, zur Aufarbeitung in das sächsische Werk. Stetiges Wachstum und steigende Produktionszahlen erforderten bereits in 2007 eine erste Erweiterung der Kapazitäten. Standen 2006 lediglich 3.500 Quadratmeter für die Aufbereitung zur Verfügung, wurde die Produktionsfläche in mehreren Ausbaustufen erweitert.

In die letzte Erweiterung von 2014 hat Jung-heinrich über acht Millionen Euro investiert. Ein klares Bekenntnis zum Standort. Insgesamt stehen dem Gebrauchtgeräte-Zentrum Dresden heute 19.000 Quadratmeter zur Verfügung. Arbeiteten im Gründungsjahr 26 Mitarbeiter insgesamt 600 Fahrzeuge auf, werden heute von über 230 Mitarbeitern mehr als 7.000 Flurförderzeuge im Jahr nach dem jeweils neuesten Stand der Sicherheitsbestimmungen aufgearbeitet. Im Spätsommer 2018 waren das bereits 50.000 Fahrzeuge seit Gründung des Werks.

Inzwischen werden auch Systemfahrzeuge wie Vertikal-Kommissionierer und Schmalgangstapler aufbereitet. Die Anzahl der Betriebsstunden spielt dabei keine Rolle. „Ein Jungheinrich-Fahrzeug gehört mit 10.000 oder sogar 15.000 Betriebsstunden noch lange nicht zum alten Eisen. Es ist praktisch gerade erst eingefahren“, sagt Molzan. Die Konstruktion der Fahrzeuge sei auf eine noch wesentlich höhere Zahl von Betriebsstunden ausgelegt. Nach der Aufbereitung ist der Gebrauchtstapler deshalb startklar für eine weitere lange Einsatzzeit.

Einheitliche Aufbereitung in sechs Arbeitsschritten

Die Aufbereitung der Gebrauchtfahrzeuge erfolgt nach einem einheitlichen und für alle Fahrzeuge gleichen Verfahren in sechs Arbeitsschritten. Jeder Schritt unterliegt während des gesamten Prozesses strengsten Qualitätskontrollen. Kein Schaden, kein Verschleiß soll unentdeckt bleiben. Schließlich verspricht Jungheinrich, dass seine „Jungstars“ – so die offizielle Bezeichnung der Gebrauchtfahrzeuge – „so gut wie neu“ sind, wenn sie das Dresdner Werk verlassen.

Die industrielle Aufbereitung des EFG der Grasdorf GmbH beginnt im ersten Schritt mit dem Eingangs-Check. Wie ist der Zustand des Fahrzeugs? Was muss ausgetauscht werden? Das kontrollieren die Jungheinrich-Experten gleich nach Ankunft. Alle sicherheitsrelevanten und verschlissenen Komponenten, wie Räder, Ketten und Schläuche, werden gegen Original-Ersatzteile ausgetauscht. „Da gibt es keine Kompromisse“, stellt Molzan klar.

Im zweiten Schritt folgt dann das Zerlegen des Fahrzeuges einschließlich einer gründlichen Reinigung aller Teile. Betriebsstoffe, wie Bremsflüssigkeit und Hydrauliköl, werden umweltgerecht entsorgt.

Die Zugstangen und Achsen werden im dritten Schritt überarbeitet sowie Lager und Bolzen eingesetzt. Gleichzeitig werden notwendige Richtarbeiten erledigt. Die Batterien werden aufgearbeitet oder getauscht.

In einem vierten Schritt geht es in die Oberflächenbearbeitung. Fahrzeugrahmen und Mast werden gespachtelt, geschliffen und lackiert. Auch Fahrerschutzdach, Lenkanlagen, Seitenschieber, Neigezylinder und Batterie werden nach ihrer Prüfung und eventuellen Reparaturen gestrahlt und neu lackiert. Schließlich werden im Schritt fünf Chassi, Mast und sämtliche andere Komponenten wieder zusammengeführt und montiert. Der Stapler ist jetzt tatsächlich so gut wie neu.

Nach Endkontrolle, Schritt sechs, durch einen Funktionstest mit Nennlast verlässt das Fahrzeug die industrielle Aufbereitung. Jungheinrich gibt für die Fahrzeuge sowohl ein Sicherheitszertifikat sowie ein persönliches Qualitätsversprechen des verantwortlichen Monteurs.

Wie gerade frisch vom Band gelaufen

Genau zwei Wochen dauert die Aufbereitung des EFG 540. Dann rollt er im Jungheinrich-Gelb aus der Montagehalle in Dresden. Von einem Neugerät ist er selbst für einen Fachmann kaum zu unterscheiden. Von den Reifen bis zur Fahrerkabine sieht das Fahrzeug, aus als sei es gerade frisch vom Band gelaufen. Hinweis auf seine bewegte Vergangenheit gibt nur der Betriebsstundenzähler, an dem bei der Aufbereitung keine Änderungen vorgenommen werden, und natürlich der Preis. Der liegt deutlich unter dem eines Neugeräts.

Nicht das einzig Nachhaltige der Gebrauchtfahrzeuge. Rund 80 Prozent CO2-Emissionen werden bei der Aufbereitung des Fahrzeugs im Vergleich zum Neuprodukt eingespart. „Die ‚Jungstars‘ vereinen wirtschaftliche, technische und ökologische Vorteile. Diese Leistungsvielfalt ist auf dem Markt in dieser Form einzigartig“, sagt Sandra Molzan.

Auf den EFG 540, der noch vor wenigen Wochen auf dem Hof der Grasdorf GmbH seinen Dienst tat, wartet bereits ein neuer Besitzer. Deutschlands größte Onlinedruckerei betreibt nur einen Steinwurf vom Jungheinrich-Gebrauchtgeräte-Zentrums entfernt einen seiner deutschlandweit fünf Standorte. In insgesamt drei Hallen rattern auf 6.000 Quadratmetern rund um die Uhr die Maschinen. 320 Mitarbeiter stellen sicher, dass bestellte Druckerzeugnisse von hier overnight in die ganze Republik verschickt werden.

Gebrauchtstapler war naheliegende Wahl

Rund 600 Tonnen bedrucktes Papier verlassen so jede Woche das Werk. Zwei Druckmaschinen – die größere von ihnen ist 36 Meter lang und bringt 296 Tonnen auf die Waage – bilden das Herz der Anlage. Auch hier braucht man ein wirtschaftliches und zuverlässiges Fahrzeug mit höchster Qualität. Da war der Gebrauchtstapler von Jungheinrich die naheliegende Wahl. Von nun an wird der EFG 540 hier Papierpaletten transportieren. Wieder Schwerstarbeit. Insbesondere deshalb, weil zwischen zwei der Hallen eine Rampe liegt. „Auch die schafft das ‚Jungstars‘-Fahrzeug mühelos“, erklärt Sandra Molzan. „Schließlich ist er so Jungheinrich wie neu.“ (jak)

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