Mit „smarter“ Fördertechnik agieren

Mit „smarter“ Fördertechnik agieren

Daniel Heinen und Martin Regnet über neue Konzepte in der Materialflusstechnik

Mit dem wachsenden E-Commerce steigt auch der Druck auf die Verfügbarkeit und Schnelligkeit von Fördertechnikanlagen. Was es braucht, sind intelligente und flexible Anlagen, die präzise und möglichst störungsfrei laufen. Die Redaktion sprach vor Ort mit Daniel Heinen, Global Product Manager Rollers & Rollerdrive und Martin Regnet, Global PR-Manager von Interroll. Dabei erfuhren wir mehr über das neu vorgestellte Konzept der DC Plattform und wie damit Fördertechnik „smart“ werden kann.

1. "Wir wollen dem Kunden einfach den höchst möglichen Mehrwert für die von ihm getätigte Investtion bieten. Das ist unser Ziel bei allem, was wir tun." - Daniel Heinen, Global Product Manager Rollers & Rollerdrive bei Interroll (Quelle: Interroll)
2. "Wir sind natürlich auch immer daran interessiert, wo die nächsten Trends liegen, was den Kunden bewegt - vielleicht auch schon morgen." - Martin Regnet, Global PR-Manager bei Interroll (Quelle: Interroll)

Christina Kasper: Herr Regnet, wie zufrieden sind Sie bzw. ist Interroll mit seiner Positionierung am Markt?

Martin Regnet: Wir sind grundsätzlich zufrieden und wir erzielen gute Ergebnisse. Die Halbjahres- und vorläufigen Jahreszahlen sprechen für sich und zeigen eine gelungene Marktpositionierung auch in den vergangenen Jahren.

Das klingt nach einem ‚Aber‘?

Martin Regnet: Stimmt. Aber, wir sind natürlich auch immer daran interessiert, wo die nächsten Trends liegen, was den Kunden bewegt – vielleicht auch schon morgen bewegt. Wir sind also zufrieden, aber nicht im Sinne einer statischen Zufriedenheit, sondern wir sehen auch hohes Potenzial und Entwicklungsmöglichkeiten für die Zukunft.

Daniel Heinen: Auch wenn wir jetzt unsere neue ‚DC Platform‘ auf den Markt bringen, werden wir trotzdem weiter darauf hören, was unsere Kunden sagen. Was für sie gut funktioniert und was vielleicht noch ergänzt werden muss.

Können sie das Konzept der ‚DC Platform‘ einmal genauer erläutern?

Daniel Heinen: Ich möchte gern zunächst auf das Wort Plattform eingehen. Für uns ist es wichtig, Produkte Plattform basierend zu konzipieren. So können wir für unsere Kunden nicht nur eine hohe Varianz anbieten und damit die Wünsche bestmöglich erfüllen, sondern sind unsere Produkte auch immer für unsere Module geeignet.

Und die zweite Erläuterung?

Daniel Heinen: Die zweite Erläuterung bezieht sich auf die Produkte, die zu dieser Plattform gehören. Zentraler Bestandteil sind die neuen „Rollerdrive EC5000“. In Verbindung mit den entsprechenden Steuerungen bilden diese Motorrollen das Herzstück staudruckloser Förderer, deren Förderzonen individuell angetrieben werden. Wir bieten die Rollerdrive erstmals in einer von unseren Kunden gewünschten 48-Volt-Technologie an. Natürlich wird es auch weiter-hin die 24-Volt-Ausführung geben. Zudem kann der Anwender zwischen den drei Leistungsstufen 20, 35 und 50 Watt wählen. Auf Wunsch ist die „EC5000“ nun auch mit Bus-Schnittstelle verfügbar. Je nach Einsatzbedingung gibt es Versionen der „Rollerdrive EC5000“-Produktfamilie in den Schutzklassen IP54, IP66 und für Tiefkühlanwendungen. Steuerungen wie die ‚Drivecontrol 2048‘ oder die ‚Multicontrol‘ und Netzteile mit IP54-Schutzgrad vervollständigen das Konzept. Der Kunde bekommt alles aus einer Hand.

Martin Regnet: Wir wollen dem Kunden Last abnehmen. Auch, wenn es etwa um die Installation der Anlagen geht. Auch hier wollen wir es dem Kunden so einfach wie möglich machen und die Installationszeiten so kurz wie möglich halten. Also Plug-and-Play-Module anbieten, die mit relativ geringem Personalaufwand installiert werden können – und im Betrieb einfacher wartbar sind, als manch andere maßgeschneiderte Lösung.

Würden Sie sagen, das ist es auch, was Sie vom Wettbewerb unterscheidet?

Martin Regnet: Ja, bis zu einem gewissen Grad ganz sicher. Allein der Plattformgedanke – also, dass wir aus einem gut vernetzten Sortiment, das miteinander kompatibel ist, Lösungen anbieten können – erspart dem Kunden Planungszeit, Interaktion und auch Zahlungsverkehr mit verschiedenen Partnern. Das sind zwar die Prozesse im Hintergrund, doch auch die können einen Unterschied machen.

Daniel Heinen: Wir wollen dem Kunden einfach den höchst möglichen Mehrwert für seine Investition bieten. Staudrucklose Fördertechnik mit unseren „Rollerdrive“ mag nicht immer den niedrigsten Anschaffungspreis bedeuten. Werden jedoch die Gesamtkosten des Betriebes angesehen, amortisiert sich eine leicht höhere Investition gegenüber herkömmlichen Lösungen fast immer unter zwei Jahren. Sehr geringe Energiekosten sind hier der Schlüssel. Wir versuchen zudem unseren Kunden ein funktionales Kit anzubieten. Die Möglichkeit, von einem Lieferanten sämtliche benötigten Produkte zu erhalten ist nicht einfach, wenn diese Produkte dann harmonisieren und global in gleicher Ausführung und Qualität verfügbar sein sollen.

Und das gilt auch für die „DC Platform“?

Daniel Heinen: Ja. Die Plattform bietet ein erweitertes Angebot an aufeinander abgestimmten Produkten für den Materialfluss – von Förderrollen, über die motorisch angetrieben „Rollerdrive“, bis hin zu Steuerungen und Netzteilen. So kann der Anwender seine Anlage noch besser auf seine Anforderungen abstimmen und auch einfacher bedienen. Das gilt für Standardanwendungen genauso wie für Industrie-4.0.-Anwendungen.

Wie läuft dann die Kommunikation zwischen den Anlagenteilen?

Daniel Heinen: Der Datentransfer erfolgt über die zwischen den einzelnen Fördersegmenten zwischengeschalteten Steuerungen bis hin zur SPS. Eine Auswertung könnte etwa über ein HMI (Human Machine Interface) erfolgen. Hier wäre dann zu erkennen, ob etwa eine Überbelastung droht, also eine der „Rollerdrive“aufgrund von Übertemperatur temporär abschaltet. Mit der Information könnte eventuell vorsorglich eingegriffen werden, so dass es nicht zum Systemstopp kommt. Die Kommunikation, wenn man so will, findet zwischen den Sensoren, der „Rollerdrive“, der Steuerung und der SPS statt.

Martin Regnet: Die Platttform ist voll auf Anlagenverfügbarkeit eingestellt und der Anwender erhält eine große Transparenz, um genau sagen zu können, wo sich die Probleme in der Anlage verorten lassen und was getan werden muss. Das spart Wege und Zeit und schafft zu einem sehr frühen Zeitpunkt Klarheit. Vielleicht auch schon zu einem Zeitpunkt, wo man das ganze per Algorithmus vorhersagen und dann entsprechend die Wartungsintervalle darauf abstimmen kann.

Abhängig von der Menge der bereits vorhandenen Daten?

Martin Regnet: Richtig, natürlich müssen sie ein System erst mit Daten füttern, damit es „smart“ wird. Aber genau dafür bieten wir ja die Grundlage. Der Mehrwert des Kunden liegt darin, dass er eine höhere Flexibilität und Transparenz hat und damit auch eine hohe Chance, energieeffizienter zu werden.

Wohin wird sich die Fördertechnik Ihrer Meinung nach entwickeln?

Daniel Heinen: Ein Trend ist zum Beispiel die 48-Volt-Technik. Die wir vor allen Dingen anbieten, weil uns dieser Bedarf von Kunden-seite angetragen wurde und sie deutliche Vorteile bietet. 24 Volt ist für Mototrrollen bereits seit vielen Jahrzehnten etabliert. Die 48-Volt- Versorgung bedeutet je nach Vergleich die Reduzierung von Netzteilen oder die Vereinfachung der Verkabelung.

Martin Regnet: Ein weiterer Trend ist im Bereich Retouren zu verorten. Also Fördertechnik, die für Polybags geeignet ist. Die Artikel werden in vielen Fällen nicht mehr in Kartons, sondern lediglich einfoliert transportiert. Das stellt natürlich auch neue Anforderungen an die Fördertechnikanlage.

Daniel Heinen: Die Herausforderung ist beispielsweise, dass Polybags bei Rollenförderern nicht in Rollenzwischenräume oder bei mehreren Bandförderern in deren Übergang gezogen werden.

Was für Ziele hat Interroll für das laufende Jahr und die nächsten Jahre?

Martin Regnet: Ein Land, in dem wir in den kommenden Monaten gern mehr Aktivität sehen möchten, ist Vietnam. Aber im Wesentlichen sind wir global mit eigenen Gesellschaften in 33 Ländern sehr gut vertreten. Und, wie Herr Heinen auch schon sagte, das Komplettpaket, wie wir es anbieten, findet sich bei keinem unserer Wettbewerber. Wir haben entweder in einzelnen Produktkategorien Wettbewerber oder in einzelnen Märkten. Wir haben es geschafft, uns in einem sehr fragmentierten Markt als Global Player mit einem gut durchdachten Sortiment aufzustellen und sehr marktnah zu agieren.

Daniel Heinen: Einige unserer langjährigen Kunden haben wir in der Vergangenheit beispielsweise nur in einem Land betreut. Heute agieren diese Firmen global und beziehen an verschiedenen Standorten unsere Produkte. Wenn dann Produktspezifikationen nicht landesspezifisch angepasst werden müssen oder keine Zollgebühren anfallen, wissen das unsere Kunden zu schätzen.

Und was planen Sie konkret für das Jahr 2019?

Martin Regnet: 2019 wird insgesamt ein innovationsreiches Jahr für Interroll werden. Wir bauen zum Beispiel gerade ein neues Werk in Thailand. Die Fertigstellung ist für April geplant. Generell kann man sagen, Interroll ist auf einem sehr gut durchdachten Wachstumspfad.

Herr Regnet, Herr Heinen, 
vielen Dank für das Gespräch.

Technische Logistik 02/2019 PDF-Download (1.82 MB)