Mehrere Köpfe – aber ein Team

Mehrere Köpfe – aber ein Team

Vier Experten erläutern die Herausforderungen der Anlagenmodernisierung

Dass das Modernisieren von automatischen Lagern keine Kleinigkeit ist, versteht sich von selbst. Doch wo genau liegen die besonderen Herausforderungen, wenn es um die Software-, die Regelungs- und die Steuerungstechnik geht? Und wo liegen die Unterschiede zu Neubauprojekten?

Die Redaktion sprach mit Peter Baumüller, Abteilungsleiter, und Gerhard Stich, Vertriebsmanager bei der Heitec AG, Karl-Heinz Förderer, Geschäftsführer bei der PSI Technics GmbH und Jürgen Kohl, Geschäftsführer der Artschwager und Kohl Software GmbH. Die Unternehmen haben als Kompetenzteam bereits viele erfolgreiche Projekte realisiert, auch wenn es manchmal schwierig wurde.

Christina Kasper: Als Kompetenzteam sind Sie spezialisiert auf die Moderni-sierung von automatisierten Hochregal-lagern. Ist Neubau da auch eine Möglichkeit?

Herr Baumüller: Selbstverständlich. Aber es gibt bei der Vorgehensweise erhebliche Unterschiede.

Und wie grenzen sich Neubau und Modernisierung voneinander ab?

Peter Baumüller: Ein wichtiger Punkt ist, dass ein Neubau in einer anderen Zeitschiene abgewickelt werden kann als eine Modernisierung. Bei einer Modernisierung hat man immer – oder zumindest meistens – das Problem, dass die Umbau-Maßnahmen während des laufenden Betriebes erfolgen müssen. Beim Neubau hat man in der Regel eine vernünftige Zeitschiene, um das Ganze anlaufen zu lassen. Das sehe ich als einen wesentlichen abgrenzenden Punkt an.

Jürgen Kohl: Es gibt da noch weitere Herausforderungen. Bei einer Modernisierung muss man im Gegensatz zum Neubau häufig Re-engineering betreiben, weil es keine oder keine adäquaten Pläne gibt – weder Softwarepläne noch Schnittstellenbeschreibungen. Das sind häufig Black-Box-Systeme. Um dann Stück für Stück eine Systemmodernisierung vornehmen zu können, ist man eben auch gezwungen, die Software und die Schnittstellen auszutauschen.
Die Herausforderung dabei ist zum einen, dass Sie Personal brauchen, das das Reengineering überhaupt beherrscht – in meinen Augen ein ganz, ganz wichtiger Punkt – und zweitens: das Personal muss auch mit den bereits abgekündigten Anlagenteilen umgehen können.

Das heißt?

Jürgen Kohl: Wenn beispielsweise alte S5-Steuerungen verbaut sind und man das System Stück für Stück modernisieren möchte, brauchen Sie Fachpersonal, das das überhaupt noch kann. Viele jüngere Leute können das eben gar nicht mehr, geschweige denn haben Geräte, auf denen die alte Software noch läuft. Diese Herausforderungen hat man bei einem Neubau nicht.
Die Zusammenarbeit zwischen unseren Firmen ist eigentlich deswegen entstanden, weil wir immer wieder Anfragen von Kunden bekommen, die ihre Anlagen modernisieren möchten, aber keinen finden, der das noch durchführen kann oder will.

Und durch die Zusammenarbeit Ihrer Firmen ist das bei Ihnen nicht so?

Jürgen Kohl: Wir sind auf Modernisierung spezialisiert. Allerdings realisieren wir als A+K ja eigentlich ‚nur‘ die Software und waren daher auf der Suche nach jemandem, der mit uns die gesamte Elektrotechnik umsetzt, der auch Steuerungen oder Kamera-Systeme realisieren kann. So ist die Partnerschaft zwischen PSI Technics und den Firmen Heitec und A+K entstanden, um eben einen Betrieb, der eine komplette Modernisierung oder Erweiterung benötigt, umfassend unterstützen zu können.

Und das Gleiche gilt auch für Neubauprojekte?

Jürgen Kohl: Wir arbeiten natürlich auch für die Großen im Neubau-Bereich, das stimmt schon. Aber das ist in meinen Augen ungleich leichter als eine Modernisierung. Das muss man ganz klar sagen.

Gerhard Stich: Wobei ich den Begriff Neubau aber noch einmal näher definieren möchte.Wenn wir von Neubau sprechen, meinen wir damit nicht, dass wir auf der grünen Wiese ein komplettes Lager hinstellen. Wir kümmern uns ausschließlich um die Elektrotechnik und die Antriebe, um die Sicherheitstechnik, die Steuerungstechnik und die Software.

Karl-Heinz Förderer: So ein Neubau hat natürlich auch etwas Charmantes an sich. Im Neubau kann man sehr viele neue Ideen auch noch während des Prozesses mit einfließen lassen. Während der Modernisierungsphase ist das sehr schwierig, weil die Herausforderung darin liegt, sich in bestehende Prozesse einzuarbeiten. Da sind bestehende Materialien und bestehende Prozesse, die mit in die Modernisierung einfließen. Die Herausforderung liegt darin, diese Schnittstellen zu identifizieren und reibungslos in bestehende Prozesse zu integrieren. Genau darin liegt unsere Kompetenz als Team.

Wie koordinieren Sie die verschiedenen Ansprechpartner,das Zusammenspiel aller Beteiligten bei einem Projekt?

Jürgen Kohl: Das ist unterschiedlich. Je nachdem, um welches Projekt es sich handelt und wo die Herausforderungen liegen. Es kann sein, dass mal der eine Generalunternehmer ist und die anderen Sublieferanten sind. Es kann aber auch sein, dass die Arbeiten parallel vergeben werden. Entscheidend ist, dass wir untereinander so eng kommunizieren, dass wir, auch wenn wir direkt mit dem Endkunden arbeiten, für den anderen transparente, aufeinander abgestimmte und sichere Abläufe erreichen und jeder für den anderen einsteht. Das ist das Wichtige dabei.

Das ist auch für den Kunden einfacher, oder?

Jürgen Kohl: Ja. Ich mache seit über 30 Jahren solche Anlagen und sehe leider sehr oft, dass der Kunde manchmal zwischen zwei oder drei Stühlen sitzt und oft dazwischen ‚zerrieben‘ wird. Aus diesem Grund beauftragen viele Kunden lieber einen Generalunternehmer und akzeptieren dann auch die 30 bis 40 Prozent GU-Aufschlag. Das macht das Ganze dann halt teurer. Allerdings ist es gerade im Bereich der Modernisierung sehr schwierig, ein Generalunternehme zu finden, weil die Risiken einfach sehr groß sind.

Karl-Heinz Förderer: Was zwischen uns gut ist, ist einerseits die Kommunikation aber auch die technische Kompetenz, sozusagen das prozessübergreifende Handeln, und auch die Tatsache, dass alle drei Parteien ihr Handwerk beherrschen. Das macht uns – ich würde fast schon sagen – einzigartig. Hier herrscht eine übergreifende Kompetenz.

Was meinen Sie damit?

Karl-Heinz Förderer: Wir denken über die Schnittstellen hinaus und stellen sicher, dass wirklich der am besten geeignete Partner flächendeckend die gestellten Aufgaben im Interesse des Kunden in der richtigen Qualität erfüllen kann. Darüber hinaus ist es, wie gesagt, die technische Kompetenz, die uns auszeichnet. Gerade was unsere Simulationen aber auch interne Analysewerkzeuge betrifft, die wir einsetzen, um die Koordination zu vereinfachen. Das heißt, dass wir dadurch Potenziale aufdecken beziehungsweise Schwachstellenanalysen durchführen, durch die sich eine Zusammenarbeit überhaupt erst effizient gestalten lässt.

Jürgen Kohl: Wir alle sind es gewohnt, mit Simulationen zu arbeiten. Das heißt, wenn wir Softwaresysteme, IT-Systeme oder Kamerasysteme realisieren, rechnen wir die Software im Haus zuerst fix und fertig durch. Im nächsten Schritt erst wird sie auf die Anlage gezogen und ein Integrationstest durchgeführt. Das darf nicht Tage oder gar Wochen dauern. Man kann froh sein, wenn man eine Schicht dafür Zeit bekommt. Dann muss alles wieder laufen.

Gerhard Stich: Wir machen das in der Regel bei Altanlagen so, dass wir das Lager virtuell erstellen und dann die Software am virtuellen Modell testen, sodass wir mit einer wesentlich besseren Qualität der Software an die tatsächliche Anlage gehen und damit die zugesicherte Inbetriebnahme sicherstellen können.

Wie muss man sich das Ganze vorstellen, kommt der Kunde auf einen von Ihnen zu und dann werden die anderen Firmen mit ins Boot geholt – oder wie funktioniert das?

Peter Baumüller: Normalerweise läuft es so, dass einer von uns eine Anfrage bekommt. Dann wird geprüft, was für ein Volumen und was für Anforderungen dahinterstecken und dann spricht man die jeweiligen Partner an und holt sie dazu. Wer dann später mal GU wird, wer wem zuliefert, das entscheidet sich auf Basis des Projektvolumens beziehungsweise danach, wo die größten Anlagenteile liegen.

Karl-Heinz Förderer: Oder auch danach, was der Kunde wünscht.

Jürgen Kohl: Stimmt. Es gibt Kunden, die lieber keinen Generalunternehmer wollen, weil sie selber einen eigenen Projektleiter haben, der sich direkt mit seinen Abteilungen koordinieren kann. Die terminliche Abstimmung zwischen allen Beteiligten kostet viel Zeit – sei es mit dem Betreiber oder den Lieferanten. Hat der Kunde kein eigenes Projektmanagement, macht das jemand von uns.

Ist denn dem Kunden auch immer klar, dass mehrere Partner für seine Moder-nisierung mit ins Boot geholt werden?

Jürgen Kohl: Ja, selbstverständlich. Ohne absolute Transparenz geht das natürlich überhaupt nicht. Bei einem Neubau ginge das vielleicht, bei einer Modernisierung auf gar keinen Fall. Bei einer Modernisierung sind die verschiedenen Prozesse über die verschiedenen Abteilungen hinweg so miteinander verzahnt, dass man offen kommunizieren muss. Sonst wird das nichts. Ganz wichtig ist auch, dass die verschiedenen Fachabteilungen der Kunden die Modernisierung mittragen. Wichtig ist es, dass die Mitarbeiter des Kunden im Verlauf der Modernisierung abgeholt werden. Dass man ihnen zeigt und erklärt, wo die Reise hingehen soll.

Und wie machen Sie das zum Beispiel?

Jürgen Kohl: Man kann den Mitarbeitern zum Beispiel Fortbildungsmaßnahmen anbieten. Das ist etwas, was man bei einem Neubauprojekt nicht hat. Da stellt man die Anlage hin – und fertig. Aber bei einer Modernisierung muss man die Menschen in den Betrieben mitnehmen.

Karl-Heinz Förderer: Das spielt auch eine sehr große Rolle bei PSI Technics. Sehr gute Erfahrungen haben wir mit der Erstellung eines vernünftigen Projektmanagement-Handbuchs gesammelt, das regelmäßig ausgetauscht und ggf. als digitales Handbuch gepflegt wird, um entsprechend auch für den Kunden in Zukunft zu gewährleisten, dass er jederzeit sieht, wer mit welcher Aufgabe vertraut ist und was es für Meilensteine gibt. Das A und O in so einer Zusammenarbeit ist einfach die Kommunikation, also erstmal als Team und selbstverständlich auch mit dem Kunden. Leider scheitert es oft genau daran.

Jürgen Kohl: Bei einer Modernisierung müssen die Mitarbeiter von Anfang an mit eingebunden werden. Es sind unbedingt horizontale Kommunikationswege gefragt, auch wenn etablierte Strukturen da manchmal im Wege sind. Der Kunde sollte einem das Vertrauen geben, da offen sein und sich nicht verwehren.

Kommt das oft vor?

Jürgen Kohl: Nein, eher seltener. Aber es kommt vor. Das hat ganz viel mit den internen Hierarchien in den Firmen zu tun. Involviert werden muss eben nicht nur der Projektleiter, wenn vorhanden, sondern auch die Produktionsleiter, die Betriebsleiter, die Laborleiter, die Leiter Instandhaltung, die Geschäftsführer und die Werksleiter. Sie alle müssen mit einbezogen werden, denn sie alle sind von der Umbauphase betroffen.

Und wie realisieren Sie das dann?

Peter Baumüller: Genau das ist die Herausforderung. Das funktioniert nur gut, solange die Leute auch damit einverstanden sind. Das ist in der Regel auch so, weil jeder daran interessiert ist, dass es weiter geht. Wichtig ist zudem, dass auch die jungen Leute mit dem notwendigen Wissen ausgestattet werden, um die Anlagen fahren zu können. Nicht, dass das Know-how verloren geht, wenn der Verantwortliche in den Ruhestand geht. Häufig wird in den Betrieben nicht daran gedacht, dass die Übergangsphasen lang genug sein müssen, damit sich auch der Nachfolger das nötige Wissen aneignen kann.

Wie stellen Sie sicher, dass der Wissenstransfer ausreichend erfolgt?

Gerhard Stich: Das funktioniert nur, indem wir im Vorfeld quasi eine Feinspezifikation erstellen. Das heißt, wir sind dann im Werk und schauen uns alles im Detail an. Also welche Schnittstellen, Abläufe und Prozesse gibt es und wie hängt das Ganze zusammen. Daraus generieren wir dann ein Konzept, um die Anlage zu modernisieren.

Jürgen Kohl: Solche Art von Arbeiten haben wir in der Tat relativ oft, nämlich dass Kunden auf uns zukommen und erzählen, dass ältere Mitarbeiter oder auch neue Mitarbeiter mit der Anlage nicht zurechtkommen. Die Aufgabe ist dann, zu rekapitulieren wie alles funktioniert und miteinander zusammenhängt, um dann entsprechende Dokumentationen zu erstellen. Nur so kann das Bedienpersonal, aber auch das Instandhaltungsteam, überhaupt wieder vernünftig arbeiten.

Gab es diese Dokumentationen früher in der Form nicht?

Jürgen Kohl: Nein, nicht so wie jetzt. Es ist erstaunlich wie oft wir dann den Satz hören: ‚Mensch, jetzt weiß ich endlich, was die Anlage alles kann‘. Das liegt daran, dass es früher völlig unüblich war, für eine Anlage eine vollständige Softwaredokumentation zu erstellen. Früher hat man auch keine vollständigen Anlagenbedienhandbücher bekommen. Heute gibt es dafür einfach zu viele Vorgaben durch die EU oder die Harmonisierung der EU-Richtlinien, die man erfüllen muss, um darauf zu verzichten. Und auch das, nämlich dem Kunden dadurch zu zeigen, was seine Anlage alles kann, ist eine Form von Modernisierung.

Karl-Heinz Förderer: Wir sehen auch immer mehr, dass gerade die jüngere Generation gar nicht mehr mit alter Technologie umgehen möchte. Wir schaffen dann moderne Schnittstellen und unterstützen das Ganze mit einer App. Das ist dann zwar mehr als Hilfe denn als technische Lösung zu sehen, aber es unterstützt dabei, diese Schnittstellen zu verstehen.

Jürgen Kohl: Tatsächlich erleben wir häufig, dass Anlagen bei einer Störung modernisiert werden, weil es im Betrieb keinen mehr gibt, der mit der alten Technik noch umgehen kann. Das ist ein ganz entscheidender Grund für die Modernisierung. Weil man die Anlage nicht mehr am Laufen halten kann – von der Steuerung und von der IT-Technik her.

Das heißt, Sie schulen die Mitarbeiter Ihrer Kunden dann auf die älteren Systeme wieder zurück oder wird eher die Steuerungs- und IT-Technik modernisiert?

Jürgen Kohl: Eher das Zweite. Ersteres ist erst mal die schnelle Lösung, damit man den Kunden überhaupt wieder handlungsfähig macht. Dann haben wir zumindest einen Kollegen vor Ort, der sich mit der Anlage vertraut gemacht hat und auch per Remote-Support helfen kann. Aber mittelfristig kommt man an der Modernisierung nicht vorbei.

Peter Baumüller: Ein weiteres Thema ist, dass sich auch die Sicherheitsvorschriften wesentlich verschärft haben. Es gibt ja neue Maschinenrichtlinien. Der Kunde muss also mit seiner Anlage auch die Sicherheitstechnik auf dem neuesten Stand halten und im Zuge dieser Modernisierungen werden Regelungs-, Steuerungs- und Sicherheitstechnik dementsprechend überarbeitet.

Ist den Kunden denn selber klar, was an so einer Modernisierung alles dran hängt oder stellen sie es sich oft zu einfach vor?

Jürgen Kohl: In den meisten Fällen stellen sie es sich zu leicht vor. Es ist eben nicht so, dass man mal schnell ein Stück Hardware austauscht und dann geht alles wieder. Das Aufwändige sind nun einmal die Schnittstellen und die Software. Die Hardware ist meistens nicht das Problem.

Karl-Heinz Förderer: Genau dieses fehlende Know-how ist ja der Grund, warum der Kunde kompetentes Fachpersonal für die Modernisierung hinzuzieht.

Was sehen Sie denn noch an Trends oder neuen Aufgaben für die kommenden Jahre?

Karl-Heinz Förderer: Die neue Aufgabe wird es in meinen Augen sein, sich der Situation des Fachkräftemangels, auch international, zu stellen. Der Fachkräftemangel ist nicht mehr wegzudiskutieren. Das zu versuchen ist aus meiner Sicht auch müßig, denn wir erleben es doch im Moment alle mit. Und das wiederum bekommt man nur aufgefangen mit guter Technologie beziehungsweise Modernisierungen. Technologie löst natürlich keinen Fachkräftemangel, aber sie kann helfen. Und ist damit ein Muss für viele Unternehmen, um weiter wettbewerbsfähig zu bleiben.

Jürgen Kohl: Da stimme ich völlig zu. Seit etwa acht Jahren ist der Fachkräftemangel wirklich dramatisch spürbar. Man kann eigentlich nur noch eines tun: Man kann versuchen, so zu modernisieren, dass man seine Anlage statt mit einem Ingenieur mit einem Techniker am Laufen halten kann. Das heißt aber auch, dass man sich für die Modernisierung völlig neue Lösungswege überlegen muss. Was wir im ganzen Software- und Steuerungsbereich eben auch tun, damit die Anlage noch modularer wird – also noch mehr mit Standard-modulen funktioniert.

Peter Baumüller: Für eine Modernisierung braucht man im Wesentlichen Leute, die auch praktische Erfahrung haben. An ein Retrofit kann ich mit einem wissenschaftlichen Ansatz schlecht herangehen. Dafür muss ich die Anlage einfach verstehen. Da muss ich wissen, wie das Ganze im Einzelnen funktioniert. Ich muss mich in die Operatoren rein denken können und ich muss die ganzen Prozesse verstehen.

Jürgen Kohl: Was da ein ganz wichtiger weiterer Aspekt ist: Wenn ich einen Neubau realisiere, kann ich sehr viel leichter mit stark spezialisierten Fachleuten arbeiten als bei einem Retrofit. Für ein Retrofit braucht man viel Querkommunikation über die ganzen Bereiche hinweg. Dafür braucht es Menschen mit einem breiten Erfahrungsschatz. Und gerade die werden immer weniger.

Wie wollen Sie an dieses Problem zukünftig ran gehen?

Jürgen Kohl: Wir bilden selbstverständlich aus. Und bei uns gilt die Devise, dass die Leute, die wir ausbilden, sich mit S5- und S7-Steuerungen genauso auskennen müssen wie mit der Programmierung und Datenbanken. Das heißt, die Leute, die wir ausbilden, sind nicht auf einen ganz bestimmten Bereich spezialisiert, sondern sind sehr breit aufgestellt.

Gerhard Stich: Dazu gehört auch, dass die jungen Leute mit auf die Baustelle fahren. Das wollen leider immer weniger. Wir haben gute Erfahrung damit gemacht, dass die Mitarbeiter, die die Lagersoftware projektieren, auch selbst die Inbetriebnahme übernehmen. Das ist der beste Lerneffekt, den man überhaupt haben kann.

Karl-Heinz Förderer: Fakt ist, wir stehen einfach einem gesellschaftlichen Wandel gegenüber. Die Aufgabe der Unternehmen ist, sich dem zu stellen. Das schafft man zum einen durch attraktive Boni-Systeme, ganz klar. Es gibt aber auch ein gemeinsames Lernziel in der Konzeption „Arbeitnehmer – Arbeitgeber“ und das ist in meinen Augen, dass man für das, was man tut, Leidenschaft entwickelt. Diese Leute zu finden ist schwierig, aber es gibt sie.

Herr Baumüller, Herr Stich, Herr Förderer, Herr Kohl,vielen Dank für das Gespräch.

 

Technische Logistik 02/2019 PDF-Download (1.66 MB) Autor: Christina Kasper