Mehr Kartons pro Kubikmeter

Mehr Kartons pro Kubikmeter

Shuttle-Technologie spart Platz und erhöht die Flexibilität

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor für das Unternehmen Weisser Spulenkörper ist die Automatisierung von Prozessen. Das gilt für die Fertigung ebenso wie für die Logistik. In seinem neuen Versandlager konnte jetzt mit moderner Shuttle-Technik ein hohes Maß an Flexibilität und Energieeffizienz realisiert werden.

Gegründet wurde Weisser bereits im Jahr 1922. In den 1980er Jahren verlagerte das Unternehmen seinen Betrieb Schritt für Schritt in das Industriegebiet von Neresheim. Dort steht heute eine hochmoderne Produktion mit Fertigung, Werkzeugbau und Automatisierungstechnik. Das Versandlager zog erst vor kurzem dahin um. Dabei nutzte Weisser die Chance, auch das alte manuelle Mann-zu-Ware-Konzept auf ein modernes automatisches Lagersystem umzustellen. „Die Anforderungen unserer rund 1.000 Kunden an die Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit der Lieferungen sind sehr hoch“, betont Markus Trinkl, Leitung Service Verkauf bei Weisser Spulenkörper. „Viele von ihnen haben fixe Versandtermine. Das heißt, die Waren müssen vollständig an einem bestimmten Tag in der Woche für den Versand oder die Abholung bereitstehen.“ Die Automatisierung der Intralogistik-Prozesse sollte die Qualität der Lieferungen weiter steigern. „Wir haben uns die verschiedenen Automatisierungskonzepte für Lager genau angeschaut und uns für die Shuttle-Technologie entschieden“, erzählt Manfred Starnecker, Geschäftsführer des Unternehmens. Mit der Realisierung des Lagers wurde die Viastore Systems GmbH beauftragt.

Maximale Flexibilität und hohe Lagerdichte

Bei der Shuttle-Technologie wird die Ware über individuell angetriebene, energieautarke Wagen in das Lagerfach oder zum Übergabeplatz zur Kommissionierung gebracht. Die Shuttles fahren auf Schienen, die an jeder Regalzeile angebracht sind, und werden über Lifte auf die entsprechende Regalebene gehoben. Die „Viaflex³“-Shuttles von Viastore können darüber hinaus auch selbstständig die Regalgänge wechseln – ohne Umsetzer oder ähnliche Einrichtungen. Sie verfügen über bis zu 90 Grad schwenkbare Räder und können so zum Beispiel über Weichen und Durchstiche in den Regalen in die nächste Gasse fahren. Damit sei auch eine Lagerlösung möglich, bei der sich das Regal an räumliche Gegebenheiten wie etwa Ecken oder Säulen anpasst. Hinzu komme das jeder Quadrat- und Kubikmeter bestmöglich genutzt werden kann. Gerade die hohe Lagerdichte war für Weisser wichtig, wie Manfred Starnecker erklärt: „Das neue Lager sollte möglichst nah an der vorhandenen Produktion angedockt werden. Dort stand aber nur eine begrenzte Fläche zur Verfügung. Mit dem Shuttle-System können wir in dem vorhandenen Raum mehr Kartons unterbringen als mit anderen Lagertypen.“

Ein zusätzlicher Vorteil ist der geringe Energieverbrauch

Weisser verpackt die Artikel in verschiedene Kartons mit jeweils maximalen Abmessungen von 600 Millimetern × 400 Millimetern × 460 Millimetern und 400 Millimetern × 300 Millimetern × 460 Millimetern. „Wir bieten heute neben kundenspezifischen Produkten ein breites Katalogprogramm mit rund 4.500 verschiedenen Artikeln“, erläutert Manfred Starnecker. Dabei reicht das Spektrum von kleinen 0.01 Gramm leichten Bauteilen bis zu 450 Gramm schweren Artikeln. „Wir planen die Verpackungseinheiten so voraus, dass wir möglichst nur volle Kartons an den Kunden schicken“, erklärt Markus Trinkl. Auch dafür erwiesen sich die Shuttles als sehr flexibel: Sie nehmen die Kartons durch Unterfahren auf, daher spielen deren Abmessungen in bestimmten Parametern keine Rolle. Zudem transportieren die Shuttles auch Kunststoffbehälter: „Neben Kartons transportieren wir im Lager auch 600 Millimetern × 400 Millimeter große Boxen“, erklärt Markus Trinkl. „Diese sind teilweise von Kunden beigestellt.“ „Ein weiterer Vorteil ist der geringe Energieverbrauch“, ergänzt Manfred Starnecker. Denn durch die geringe bewegte Masse sei „Viaflex³“ sehr effizient – das senke die Betriebskosten. Auch die Verfügbarkeit der Anlage hatte das Team um Manfred Starnecker im Auge, als die Entscheidung für die Shuttles fiel. Denn alle Shuttles sind autark unterwegs. Sollte eines ausfallen, können die anderen ungestört weiterarbeiten. Erkennt ein Shuttle-Fahrzeug einen Fehler, fährt es an eine Wartungsstation. Auch die Aufladung der Energiespeicher des Shuttles stört den Betrieb nicht, wie Rainer Gschwendtner, IT-Leiter bei Weisser, berichtet: „Das Shuttle-System verfügt über zwei Energiespeicher – einen klassischen Akku und einen Kondensator. Der Kondensator wird jedes Mal, wenn das Shuttle im Lift steht, in Sekundenschnelle geladen.“

Das neue Versandlager von Weisser erstreckt sich über drei Geschossebenen: Im Erdgeschoss befinden sich die Einlagerstrecke sowie sechs Kommissionierplätze, die über einen Fördertechnik-Loop miteinander verbunden sind. Von der Fördertechnik werden die Kartons und Behälter den insgesamt neun Shuttle-Fahrzeugen übergeben, die sie dann über drei Lifts zu den beiden oberen Etagen mit den Regalen transportieren. „Die Aufteilung der Regalanlage auf zwei separate Geschosse erfolgte aus brandschutztechnischen Gründen. Damit war der Einbau einer Sprinkleranlage nicht erforderlich“, erklärt Ludger Schmitz, der zuständige Projektmanager von Viastore. Im ersten und zweiten Obergeschoss stehen jeweils ein 55 Meter langes und 15 Meter breites Einbauregal mit elf Ebenen. Die Regale bieten bei einfachtiefer Lagerung Platz für 36.960 Kartons – kleinere Kartons werden zweifach tief gelagert. Viastore war nicht nur Generalunternehmer für die Lager- und Fördertechnik, sondern realisierte auch die Verwaltungs- und Steuerungs-Software des Lagers: „Die Tatsache, dass Viastore neben der Hardware auch die passende Software zur Lagerverwaltung im Angebot hat, war ein weiterer Grund, uns für das Unternehmen zu entscheiden“, erklärt Starnecker. Die Lagersoftware „Viadat“ eignet sich für kleine Lager mit geringem Umschlag ebenso wie für Distributionszentren mit mehreren Tausend Orderlines am Tag. „Die Lagerfunktionen bei Weisser haben wir durch die Standardfunktionen von „Viadat“ abgebildet“, erklärt Ludger Schmitz. Manfred Starnecker ergänzt: „Wir haben festgestellt, dass die eine oder andere Anpassung an unsere Prozesse erforderlich ist. Die Software bietet hier sehr viele Möglichkeiten zur Konfiguration, so dass diese Anpassungen durch den Standard abgedeckt werden konnten.“ Seit Sommer ist das Shuttle-Lager in Betrieb und Manfred Starnecker ist mit dem Projektverlauf sehr zufrieden: „Die Zusammenarbeit mit Viastore war immer fair, angenehm und partnerschaftlich.“ (ck)

Technische Logistik 09/2017 PDF-Download (1.48 MB)