Industrie trifft Oper: Bühnenbild auf 200 Schwerlastrollen

Sonderanfertigung von Tente

Industrie trifft Oper: Bühnenbild auf 200 Schwerlastrollen

Für die Bühnenbildwechsel einer Meistersinger-Inszenierung benötigte die Sächsische Staatsoper Dresden (Semperoper) eine Rollen- und Räder-Lösung in der so genannten Turtle-Bauweise, wie sie in Schwerlastprojekten der Industrie zum Einsatz kommt. Die Herausforderung bestand darin, eine 16 Tonnen schwere Bühnenkonstruktion – aus Stahl, Holz, Aluminium, Styropor und zum Teil in Leichtbauweise – auf einer 16 m x 16 m großen Hauptbühne um die eigene Achse zu drehen.

„Dabei war es unser Ziel, die bestgängige Rolle einzusetzen. Denn wir wollten über ein möglichst gutes Schwenkverhalten die Dimensionierung der Antriebe optimieren und außerdem durch Gewichtsreduktion den unterschiedlichen Anforderungen aller Spielstätten gerecht werden“, erklärt Paul Radicke, stellvertretender Technischer Direktor und Leiter der Bühnentechnik in der Semperoper.

Eine Sonderanfertigung der Turtle-Schwerlastrolle „Radiata“ von Tente brachte die gewünschten Ergebnisse „und zwar in Zusammenarbeit mit der Technischen Leitung der Semperoper, art + event Theaterservice Graz und unserer Konstruktionsabteilung“, sagt Stefan Rosowsky, Area Sales Manager von Tente. Der Bezeichnung „Turtle“, zu Deutsch Schildkröte, bezieht sich auf die panzerähnliche Träger-platte, die durch drei Einzelrollen ähnlich wie die Beine einer Schildkröte fortbewegt wird. Gegenüber der Standard-Schwerlastrolle mit 400 kg Tragfähigkeit erhielten die drei Einzelrollen einen von 100 mm auf 125 mm vergrößerten Raddurchmesser. Außerdem wurde die Trägerplatte verkleinert, und insbesondere die Tragfähigkeit deutlich erhöht. In der Semperoper bewegen sich die Meistersinger-Bühnenbilder nun auf 150 Rollen mit 600 kg Traglast; 50 weitere Rollen mit 1.000 kg Traglast sind unter den seitlichen Türmen der Bühnendekoration montiert, wo die Hauptlast liegt. Mit Hilfe von Reibradantrieben wird der gesamte Dekorationsaufbau per Fernsteuerung gedreht, wodurch die Bühnenbilder wechseln.

Die Dimensionierung der Antriebseinheiten konnte klein gehalten werden, da konstruktive Maßnahmen die Schwenk- und Rollwiderstände der Rollen verringert haben. Die Einzelrollen drehen sich nicht gleichzeitig, sondern leicht zeitversetzt und damit kräfteverteilend. Aussparungen in den Trägerplatten reduzieren die gesamten Rollengewichte um rund 300 kg. Ein zentrales Schwenklager mit einem speziellen Kugellager optimiert das Schwenkverhalten. Durch die Vorteile im Schwenkverhalten konnte die Anzahl der eingesetzten ferngesteuerten Reibradantriebe reduziert werden. Gleichzeitig erlaubt eine flachere Ausführung der Rollen einen besseren Lastabtrag in den Bühnenboden und glatteres, ruhigeres Überfahren von Spalten und Bodenunebenheiten. So lautet Paul Radickes Fazit: „Mit der Antriebs-lösung und dem Einsatz dieser Turtle-Rollen von Tente bin ich sehr zufrieden. Es gab keine Ausfälle oder Schäden. Unsere Budget- und Zeitvorgaben wurden eingehalten. Bei den bisherigen Inszenierungen in Salzburg und Dresden hat alles geklappt.“