Hochfeste Faserseile im Test

Liebherr Tower Cranes

Hochfeste Faserseile im Test

Kranspezialist Liebherr hat in Kooperation mit dem österreichischen Seilhersteller Teufelberger Holding AG ein neuartiges hochfestes Faserseil für Hubanwendungen entwickelt, dessen Einsatz höhere Tragfähigkeiten von Kranen ermöglicht.

Bei dem gemeinsamen Projekt wurden mehr als 100 verschiedene Faserseil-Prototypen mit einer gesamten Länge von etwa 70.000 Metern entwickelt. Diese wurden und werden auf speziell konstruierten Prüfständen sowie bei Feldversuchen in fünf Ländern umfassend getestet. Durch die bisherigen Untersuchungen konnte bestätigt werden, dass das Faserseil nicht nur etwa ein Fünftel eines herkömmlichen Stahlseils wiegt, sondern auch vier Mal so lange hält und deutlich leichter zu handhaben ist. Auch die Sicherheit im Betrieb ist gewährleistet: die unterschiedlichen Verschleißzustände sind optisch klar erkennbar.
Für die Erprobungen wurden sowohl klassische Seilbiegemaschinen als auch neu gebaute Prüfstände mit mehrlagig bewickelten Seiltrommeln genutzt. Auf letzteren können die bis zu 31 Millimeter dicken Seile mit einer Versuchslast von bis zu 45 Tonnen getestet werden. Die Tests für die 20 Millimeter dicken Seile sind bereits beendet worden.
Für das Emtwicklungsprojekt mit Teufelberger baute Liebherr außerdem eine Klimakammer, in der die zu prüfenden Seile verschiedensten Witterungsbedingungen ausgesetzt werden. Der Temperaturbereich lässt sich von 80 Grad Celsius bis zu - 5 Grad Celsius variieren. Um Baustellenbedingungen in der Wüste zu simulieren, werden Sand oder Staub in die Kammer geblasen. Ebenso ist monsunartiger Regen darstellbar.
Bereits seit 2016 wird das hochfeste Faserseil in unterschiedlichen Durchmessern auf elf Turmdrehkranen in Deutschland, Österreich, Frankreich, Belgien und der Schweiz getestet. Besonders bei der Montage und Demontage des Krans zeigen sich die Vorteile des deutlich leichteren Seils: Faserseile können häufig von Hand und ohne Hilfseinscherwinden auf dem Kran montiert werden. Zudem lässt sich das Umscheren der Hakenflasche schneller und leichter erledigen. Im Betrieb wurden vor allem Sauberkeit und Wartungsarmut gelobt: Wegen der Kunststofffasern muss das Seil nicht geschmiert werden.
Das hochfeste Faserseil ist äußerst verschleißresistent und lässt eine hohe Anzahl an Biegewechseln zu. Im Vergleich zum Stahlseil kann es vier Mal länger eingesetzt werden. Dank der höheren Lebensdauer ist eine geringere Anzahl von Seilwechseln erforderlich.
Wann das Seil gewechselt werden muss, kann der Kranbetreiber einfach und sicher erkennen. Liebherr fährt hierbei eine Redundanz-Strategie, um bei allen Seilkonstellationen und –anwendungen über die gesamte Lebensdauer die Ablegereife sicher bestimmen zu können. Primär wird die Ablegereife optisch erkannt, indem sich der Mantel des Seils je nach Farbe definiert abnutzt und damit auf sichere Weise zeigt, wann das Seil abgelegt werden muss.
Zudem kann das Faserseil mehrfach einschneiden, ohne dass ein sofortiger Schaden entsteht. Das Wickelbild des neuen Faserseils ist mit dem eines Stahlseils vergleichbar. Sind die unteren Lagen weniger vorgespannt als die oberen, verhält sich das neue Faserseil allerdings toleranter. Für den Fall des Einschneidens befreit es sich, anders als Stahlseile, die sich meist verzahnen.
Um einen kontrollierten Verschleiß des Faserseils zu erreichen, hat Liebherr schon von Beginn der Entwicklung an auf das bewährte Lebus-Wickelsystem gesetzt. Ein sauberes Wickelbild auf der Seiltrommel minimiert den Verschleiß und erhöht somit die Lebensdauer.
Auf der Bauma 2019 in München wird Liebherr die neue Turmdrehkran-Generation mit Faserseil vorstellen. Ab April 2019 soll auch der Verkauf dieser Faserseil-Obendreher beginnen.

Seil- und Kettenzüge
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