Hand in Hand: Ergonomie und Effizienz

Arbeitsplatzgestaltung als Teil der Lagerplanung

Hand in Hand: Ergonomie und Effizienz

Just-in-time-Lieferungen und kleinteilige Bestellungen – die Kundenbedürfnisse steigen und damit auch die Belastung für die Lagermitarbeiter. Immer mehr Kundenaufträge müssen in möglichst kurzer Zeit kommissioniert und versendet werden. Damit die Arbeitskräfte das Auftragsvolumen bewältigen können, ist die intuitive und ergonomische Gestaltung der Arbeitsplätze eine wichtige Voraussetzung. Doch welche Aspekte sollten Unternehmen bei der Planung der Arbeitsplätze besonders berücksichtigen?

Höchste Zeit, dem Arbeitsumfeld des Menschen in der Logistik mehr Aufmerksamkeit zu schenken, findet Michael Huhn, Vertriebsleiter der Unitechnik Systems GmbH. Er gibt Tipps, worauf es bei der effizienten Gestaltung der Arbeitsplätze in der Intralogistik zu achten gilt. „Unsere Aufgabe als herstellerunabhängiger Gesamtlieferant ist es, für das Thema zu sensibilisieren und mögliche Potentiale für den Kunden offenzulegen“, so Michael Huhn. „Unsere Erfahrungswerte zeigen, dass sich bereits durch kleine Investitionen in die Ergonomie viele Prozesse verschlanken lassen.“

Integraler Teil der frühen Planungsphase

Sobald Fördertechnik, Lagersysteme und Kommissionierung geplant sind, geht es an die Konzeption der Arbeitsplätze: Die Ausgestaltung hängt vom Kommissionier- bzw. Packprozess und von der Art der gelagerten Artikel ab. Bewegt der Mitarbeiter beispielsweise schwere Lasten, erleichtern Lasthandhabungsgeräte die Arbeit. Wird eine solche maschinelle Unterstützung nicht im Planungsprozess berücksichtigt, können beim späteren Umbau der Arbeitsplätze Engpässe auftreten. Bei der Höhe von Förderstrecken, Arbeitstischen und Regalen sollte die Bandbreite der Körpergrößen einkalkuliert werden. Dabei ist ausreichende Kopffreiheit ebenso zu beachten wie ergonomische Arbeitshöhen. Höhenverstellbarkeit bei Fördertechnik, Arbeitstischen oder Bodenplattformen ist frühzeitig einzuplanen.

Das Prinzip macht den Unterschied

Unterschiedliche Anforderungen bei der Planung von Arbeitsplätzen ergeben sich zudem aus der Art der Kommissionierung, je nachdem, ob die Waren den Mitarbeitern aktiv angedient werden (Ware-zur-Person-Prinzip) oder ob sie in Regalfächern bereitgestellt werden (Person-zur-Ware-Prinzip). Ein individuell zugeschnittenes Lagerverwaltungssystem (LVS), wie z. B. „Uniware“ von Unitechnik, hat großen Einfluss auf die Ergonomie der Arbeitsplätze. Es optimiert beispielsweise bei einer Person-zur-Ware-Kommissionierung den ergonomischen Ablauf: Das LVS führt die Mitarbeiter wegeoptimiert durchs Lager und verkürzt so die Laufstrecken für das Zusammenstellen der Aufträge. Außerdem schlägt das LVS auf Basis der Historiendaten eine Regalbelegung vor, bei der die Schnelldreher in guter Griffhöhe platziert sind, da die Mitarbeiter aus diesen Fächern besonders häufig kommissionieren.

Lagerplanung virtuell erleben

Einen großen Mehrwert bringen in der frühen Planungsphase partielle Umsetzungen der Lagerstruktur als Virtual-Reality-Modell mit unterschiedlichen Szenarien. Die spätere Struktur des Lagers und der Arbeitsplätze wird plastisch dargestellt und eine Veränderung der Szenarien lässt sich schnell aufbauen und gestalten. Mit einem 3D-Modell der Gesamtanlage lassen sich zudem Planungsfehler leichter aufdecken und vor der Projektumsetzung beheben. „Bestandteil der Planungsphase in einem Unitechnik-Projekt sind Workshops mit dem Kunden: Der gemeinsame Test der geplanten Struktur via Virtual Reality ermöglicht ein realistisches Durchspielen von Arbeitsabläufen und die Einbeziehung der späteren Arbeitsplatznutzer“, erklärt Huhn. „Das eröffnet die Möglichkeit der individuellen Anpassung, beispielsweise von Greifhöhen und -weiten.“

Physische Voraussetzungen und Materialbereitstellung

Ein wichtiger Faktor für die Ergonomie ist die Arbeitsplatzhöhe. Im Idealfall lässt sich diese bei Materialflusskonzepten nach dem Ware-zur-Person-Prinzip an die Körpergröße des Mitarbeiters anpassen. Ausschlaggebend ist zudem, ob die Arbeiter eine Tätigkeit im Stehen oder Sitzen ausführen. Das hat Auswirkungen auf die Arbeitsbewegungen und die nötige Greifhöhe, um Behälter und Artikel anzunehmen. Wenig ergonomisch sind beispielsweise Greifhöhen, die oberhalb der Schultern oder unterhalb der Knie liegen. Für die Gestaltung des Arbeitsplatzes spielt die Bereitstellung der Arbeitsmittel ebenfalls eine wichtige Rolle: Sind am Packplatz alle Materialien wie Behälter, Kartons, Etikettendrucker erreichbar und in ausreichender Menge vorhanden, entfallen lange und zeitaufwendige Laufwege. Für die Umsetzung von Value Added Services bringt eine prozesssichere Anordnung der zusätzlichen Elemente, wie Montageteile oder Etiketten, einen weiteren Mehrwert. Sinnvoll ist es beispielsweise, die Arbeitsmittel in der Reihenfolge anzuordnen, in der sie vom Mitarbeiter benötigt werden. Drehbewegungen beschränken sich im Idealfall auf etwa 45 Grad. Bei der Bewegung besonders großer und schwerer Waren bieten zudem passende Transportmittel wie Sauggreifer eine ergonomische und vor allem arbeitssichere Unterstützung. Zukünftig wird hier die Zusammenarbeit von Roboter und Mensch eine immer größere Rolle spielen.

Intuitive Systeme erleichtern die Arbeit

Neben den körperlichen Aspekten beeinflusst auch die intuitive Bedienung der technischen Elemente die Arbeitseffizienz und Ergonomie. Visuelle Signale wie Pick-by-Light-Anzeigen unterstützen die Mitarbeiter dabei, Arbeitsabläufe selbst bei hoher Frequenz fehlerfrei durchzuführen. Die Lichtsignale zeigen an, welche Waren in welcher Menge wo entnommen werden und in welchen Zielbehälter sie kommissioniert werden müssen. Eine möglichst einfache Gestaltung der Validierung entlastet die Mitarbeiter zusätzlich. Die automatische Bestätigung der Warenbewegung durch eine Lichtschranke am Entnahmefach und die Gewichtskontrolle des Zielbehälters verhindern zusätzlichen Mehraufwand. Ein intuitives Design der Eingabemasken im Lagerverwaltungssystem vereinfacht die Tätigkeit des Logistikmitarbeiters. Ein Touch-Bildschirm gestaltet Bedienungen effizienter: Die Mitarbeiter verlieren keine Zeit beim Heranholen von Tastatur und Maus und die Bewegung des Mauszeigers auf dem Bildschirm entfällt, stattdessen wählen die Lagerarbeiter via Fingerzeig das richtige Bedienelement. Die Verwendung von Bildern und Symbolen erleichtert zudem die Bedienung – auch für Personen mit begrenzten Sprachkennnissen.

Entlastung durch tragbare Gadgets

Kommissionierhilfsmittel, wie Pick-by-Voice oder Pick-by-Vision, leiten den Mitarbeiter zu der nächsten Entnahmestelle. Sie verfügen auch über einen Rückkanal zur Bestätigung der Entnahme. Bei Pick-by-Voice erfolgt diese über das Einsprechen einer Kontrollnummer und bei Pick-by-Vision über den in die Datenbrille integrierten Scanner. Auf diese Weise haben die Mitarbeiter beide Hände für die Warenbewegungen frei. Ideal sind diese Systeme beispielweise in Tiefkühllägern oder anderen Umgebungen, in denen die Mitarbeiter Handschuhe tragen. Auch die Smart Watch hält Einzug ins Logistikzentrum: Letztlich dient sie als Miniaturisierung eines Handheld-Terminals. Der Kommissionierer bekommt seinen nächsten Auftrag am Handgelenk angezeigt. Das geringere Gewicht trägt zur Entlastung des Mitarbeiters bei. Welchen Mehrwert diese Smart Devices im Lagerumfeld bringen, entscheiden letztendlich die individuellen Prozessanforderungen des Kunden. Die Ergonomie dieser Hilfsmittel ist zudem durchaus subjektiv. Manche Mitarbeiter kommen mit Sprachsteuerung zurecht, andere empfinden sie als belastend. Das gilt auch für Gadgets wie Datenbrillen.

Fazit

Die Leistungsfähigkeit einer Logistikanlage wird durch das Zusammenspiel von Mensch, Software und Technik definiert. Die Arbeitsplätze der Logistikmitarbeiter sollten daher genauso sorgsam geplant werden wie der Materialfluss. In Zeiten von zunehmendem Fachkräftemangel ist es nicht mehr nur eine Frage von sozialer Verantwortung, für gute Arbeitsbedingungen zu sorgen, sondern es ist auch eine wirtschaftliche Notwendigkeit. „Als herstellerunabhängiger Systemintegrator mit hoher IT-Kompetenz berät Unitechnik seine Kunden ganzheitlich“, macht Michael Huhn deutlich. „Gemeinsam mit dem Kunden erarbeiten wir eine individuelle Lösung, die optimal zu seinen spezifischen Anforderungen passt.“

Lagertechnik
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