Höchstleistung im Coillager

Höchstleistung im Coillager

Modernisierung von Prozesskranen für den Umschlag von Stahlcoils

Als Spezialist für Transportlogistik, Kontraktlogistik und Warehousing übernimmt Imperial Logistics International am Standort Bochum die Einlagerung und den Versand von Stahlcoils. Den Umschlag in der rund 300 Meter langen Halle bewältigen vier kabinengesteuerte Prozesskrane, die hoch beansprucht werden. Jetzt hat der Demag-Service diese Krane umfassend modernisiert – einschließlich Kranbahn und Kranträger.

Im Jahr 2016 wurden am Standort Bochum von Imperial Logistics Stahlcoils mit einem Gesamtgewicht von rund drei Millionen Tonnen umgeschlagen. Für die Ein-, Aus- und Umlagerungen stehen vier baugleiche manuell bediente Demag-Prozesskrane in Zweiträgerbauweise zur Verfügung, die im Dreischichtbetrieb rund um die Uhr im Einsatz sind.

Imperial lagert die Coils mit Warm-, Kalt- und Spaltband in vier Hallenbereichen. Rund 70 Prozent der Coils werden per Bahn und 30 Prozent per Lkw versandt. Zu den Hauptdestinationen gehören die Werke der europäischen Automobilhersteller, die aus den hochwertigen Blechen Karosserieteile für die Fahrzeuge fertigen.

Darüber hinaus setzt der Dienstleister für den innerbetrieblichen Transport am Standort eigene Shuttle-Fahrzeuge ein und ist unmittelbar in den Material- und Informationsfluss der Kunden aus der Stahlindustrie integriert. Ömer Kurutlu, Site Manager, schildert: „Einzulagernde Ware wird avisiert, und wir holen sie mit unseren Shuttles ab. Für den Versand erhalten wir Materialabrufe mit der Ident-Nummer der Coils, geben die Lieferdaten in unser Lagerverwaltungssystem ein, verladen die Coils auf die bereitgestellten Waggons oder Lkw und melden den Versand an den jeweiligen Kunden.“ Über ein Bedienterminal erhält der Kranfahrer die Information, welches Coil als nächstes zu verladen ist.

Schwerstarbeit: 26 Kilometer Kranfahrt pro Tag

Die erwähnten drei Millionen Tonnen Stahlcoils pro Jahr sind eine etwas abstrakte Zahl. Anschaulicher wird die Leistung der Bochumer Krananlagen bei der Betrachtung kleinerer Zeiträume. Auf die Woche gerechnet, schlagen die vier Krane mehr als 53.000 Tonnen pro Woche um, wobei die Coils zwischen vier Tonnen und 31 Tonnen wiegen. Das durchschnittliche Coilgewicht liegt bei 16,5 Tonnen.

Zusammengerechnet legen die Katzen mit Windwerken jeden Tag durchschnittlich 26 Kilometer auf den Kranträgern zurück, und die Windenantriebe heben und senken die Lasthebemagnete um vier Kilometer – bei einem maximalen Hakenweg von acht Metern. Die vier 36-Tonnen-Krane in den beiden Hallenschiffen sind folglich „Schwerstarbeiter“ und werden entsprechend beansprucht. Als die Prozesskrane im Jahr 1999 ihren Betrieb aufnahmen, waren die Planer noch von deutlich niedrigeren Umschlagmengen ausgegangen. Dass es anders kam, war für Imperial und die Kunden zwar erfreulich, hatte aber auch zur Folge, dass nach achtzehn Jahren ein Modernisierungsbedarf bestand, zumal die Ansprüche des Betreibers an die Verfügbarkeit sehr hoch sind. Ömer Kurutlu erläutert: „Wir arbeiten ganzjährig ohne Unterbrechung im Dreischichtbetrieb. Dabei werden alle vier Krane gebraucht, und wir erwarten eine Verfügbarkeit von 99,9 Prozent.“

Erster Schritt: Erneuerung der Kranbahn

Mit der Modernisierung beauftragte Imperial Logistics den Demag-Service, der schon seit Jahren die Anlagen betreut. Im Zuge der Vorbereitung wurden die Kranbahnen mit dem Demag-Laser-Messsystem (LMS) vermessen. Das Ergebnis zeigte, dass auch die kompletten, jeweils 280 Meter langen Kranbahnen erneuert werden mussten. Diese Aufgabe übernahm im Vorfeld der Modernisierung der Krane die Kranservice Rheinberg GmbH (KSR), ein Demag-Tochterunternehmen.

Bei den Kranen selbst werden neben den Kopfträgern mit den Ecklagerfahrwerken auch die Kranträger mit einer Spannweite von 35 Metern ausgetauscht. Damit ist der Modernisierungsaufwand zwar hoch, aufgrund der starken Beanspruchung der Krane aber notwendig und sinnvoll – auch deshalb, weil die umfassende Sanierung die Möglichkeit bietet, eine höhere Beanspruchungsklasse von H3B5 (Hubklasse H3 und Beanspruchungsgruppe B5 nach DIN 15018) zu erreichen. Damit sind die Voraussetzungen für eine längere Lebensdauer geschaffen.

Die Katzen mit offenen Demag-MPW-Windwerken und Lasthebemagneten sowie die Kabinen für die Bediener werden von den vorhandenen Krananlagen übernommen, ebenso die an den Kranträgern installierte Beleuchtung, die erst vor kurzer Zeit auf den neuesten Stand gebracht worden war.

Neue Steuerung mit Gleichlaufregelung

Alle neuen Kranantriebe sind drehzahlgeregelt, um einerseits eine hohe Fahrgeschwindigkeit und andererseits ein exaktes Positionieren der Coils zu gewährleisten. Die komplette elektrische Ausrüstung wird erneuert, ebenso die Steuerung, die nun Performance Level (PL) d nach EN ISO 13849-1 erreicht.

In die Steuerung integriert ist auch eine Gleichlaufregelung der Kranfahrantriebe. Mithilfe einer Laser-Positionserfassung an den Kopfträgern lässt sich eine eventuelle Schrägstellung des Krans erkennen. Die Sensorik übermittelt die erfassten Werte an die Kransteuerung, die einen Ausgleich über die Veränderung der Motordrehzahl veranlasst. Diese Regelung verringert den mechanischen Verschleiß an Laufrädern und Kranbahn und trägt somit ebenfalls zu einer langen Lebensdauer und einer hohen Verfügbarkeit der Krane bei.

„Safety integrated“: Zertifizierte Sicherheits-Software

Neu integriert ist die „Demag Advanced Safety Solution“ (kurz D.A.S.S.), ein Software-Paket für die sicherheitsgerichtete Nachrüstung von bestehenden Krananlagen, das von der Berufsgenossenschaft (BG-Fachbereich Holz und Metall) gemäß den Anforderungen von EN ISO 13849 zertifiziert wurde. Damit entfällt aus der Sicht der Kranbetreiber der nicht zu unterschätzende Zeit- und Kostenaufwand für die Umsetzung und Zertifizierung der neuen Sicherheitsfunktionen.

Die Software veranlasst im Bedarfsfall das sichere Stillsetzen der einzelnen Kranachsen bei allen denkbaren Unregelmäßigkeiten. Dazu gehören z. B. ein unerwarteter Anlauf des Antriebs, das Anfahren eines Notendschalters und das Auslösen eines externen Not-Halt-Signals. Insgesamt sind in der neuesten, zertifizierten D.A.S.S.-Version 44 solche Szenarien hinterlegt, die von der Steuerung erkannt werden.

„Work in progress“: Austausch der Kranbrücken

Die vier neuen Kranbrücken werden jeweils im Vier-Wochen-Abstand im Zeitraum von Mai bis August 2017 eingebracht. Genau wie beim alltäglichen Umschlag im Coillager ist auch bei der Kranmodernisierung hohes Tempo gefordert, weil der Materialfluss ständig gewährleistet bleiben muss. Thorsten Minklei, Senior Manager Demag Refurbishment, präzisiert: „Den Ein- und Ausbau der Kranbrücken schaffen wir jeweils in sechs bis acht Stunden. Anschließend erledigen wir die ‚Kleinarbeiten‘ der Installation und Inbetriebnahme, und nach acht bis zehn Tagen ist der neue Kran wieder vollständig einsatzbereit.“

Das setzt eine gute Abstimmung aller Beteiligten voraus, die bei Imperial Logistics in vollem Umfang gegeben ist. Holger Hausmann, Senior Projektmanager Reparatur und Instandhaltung bei Imperial Logistics International B.V. & Co. KG, erläutert: „Wir haben die einzelnen Schritte der Modernisierung gemeinsam gründlich geplant – auch unter dem Aspekt, dass die Lieferperformance nicht leidet. Wenn ein Waggon oder Lkw zum Verladen bereitsteht, muss zügig beschickt werden. Das gilt auch und gerade dann, wenn größere Mengen versandt werden.“ So verlässt beispielsweise einmal pro Woche ein Ganzzug mit Stahlcoils das Versandlager. Destination ist Krefeld, weitere Lieferungen gehen per Bahn und Lkw nach Wolfsburg, wo Imperial ebenfalls ein Coillager betreibt.

So schnell der Umschlag der Coils abläuft, so sorgfältig sind die Mitarbeiter auch bei der Ladungssicherung. Holger Hausmann meint: „Die Sicherheit hat für uns ganz hohen Stellenwert. Das gilt für den Kranbetrieb und auch für den Transport.“ (nh)

„Work in progress“: Austausch der Kranbrücken im Monatsrhythmus

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Projektdaten

Projekt: Umrüstung von vier Krananlagen für den Coilumschlag

Betreiber: Imperial Logistics (Standort Bochum)

Branche: Transport- und Kontraktlogistik

Wichtigste Ziele der Modernisierung:

Anpassung der Krane an aktuelle elektrische und vor allem sicherheitstechnische Standards

Sicherstellung der Verfügbarkeit der Krananlagen

Wichtigste Ergebnisse der Modernisierung:

Steigerung der Kranverfügbarkeit und Anlagentransparenz

Erhöhung der Beanspruchungsklasse

langjährig gesicherte Ersatzteilversorgung

Beauftragtes Unternehmen: Demag Service

Leistungen:

Vermessung der Kranbahnen (4 × 280 Meter)

Austausch der Kranbrücken (Zweiträger-Laufkrane, Spurmittenmaß 35 Meter)

Austausch der Kopfträger mit Ecklager-Fahrwerken

frequenzgeregelte Antriebe in drei Achsen

Neumontage der Stromzuführungssysteme für Krane und Katzen

Erneuerung der Kranelektrik

Implementierung einer Kransteuerung mit Sicherheitsfunktionen (Performance Level d nach EN ISO 13849-1) auf Basis der zertifizierten Software D.A.S.S. (Demag Advanced Safety Solution, wie z. B: endschalterlos, Gleichlaufregelung mit Laser-Positionserfassung